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Short Q

Dieser virale Instagramfilter ist ein soziales Experiment

Ein makelloses Äußeres binnen Sekunden. Instagram Face-Filter legen sich virtuell über das Gesicht und rücken die eigenen Gesichtszüge dem gängigen Schönheitsideal näher. Wie man selbst – nur in viel schöner. Die Berliner Motion Designerin Johanna Jaskowska hat vor Kurzem einen viralen Face-Filter erschaffen, der gleichzeitig ein soziales Experiment ist.

Social Media und der Perfektionsdruck

Über Social Media ist es jedem möglich sich eine konstruierte Version seiner selbst aufzubauen und diese durch geschönte Bilder, Abonnentenzahlen und tägliche Live-Updates aufrecht zu erhalten. Die mittlerweile über eine Milliarde Instagram Nutzer beweisen, dass Selbstdarstellung im Netz weltweit zu einer  Alltags-Kultur geworden ist – macht sie aber glücklich? So sieht man täglich die Gesichter seiner Freunde und die bekannter Instagrammer, unter anderem mit Filtern künstlich auf ein Schönheitsideal verändert, das für den konsumierenden Nutzer im Durchschnitt unmöglich zu erreichen ist.  

Face-Filter als virale Gesellschaftskritik

Die in Berlin lebende Motion Designerin Johanna Jaskowska entwarf einen Facefilter für Instagram-Stories, der über Nacht viral ging. Der Designerin bescherte ihre Erfindung auf einen Schlag über 150.000 neue Abonnenten auf Instagram und den Usern eine neue Vision eines makellosen Äußeren. Der Filter namens “Zoufriya” taucht das Gesicht virtuell in opalfarbene Vaseline und lässt uns mit seinem futuristischen Touch zum perfekten Roboter-Selbst werden. Jaskowska entwarf neben “Zoufriya” zwei weitere ähnliche Gesichtsfilter. Auch sie mimen eine perfekte, maskenhafte Haut. Demnach ein heiß ersehntes Zukunftsbild oder eine clevere Spitze gegen den Schönheitswahn? Jaskowska selbst sagt in einem Interview mit I-D: “Ich interessiere mich stark für soziale Experimente. (…) In meinen Arbeiten stecken immer eine gute Portion Humor und etwas Sozialkritik.” So spielen ihre Filter mit dem Wunsch der Nutzer nach Makellosigkeit, kritisieren diesen jedoch im selben Zug.

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Vaseline with @ang3love16 💦 #nofilterwithoutyou

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Ein konformes Schönheitsbild dank Instagram?

Der perfekte Mensch, ohne Makel und Alterserscheinungen. In einer amerikanischen Studie über den Einfluss sozialer Medien und Körperbild, beschreiben Nutzer passend zu dieser Entwicklung, dass das Fotografieren ohne Filter ernüchternd sei und sie einen Filter benötigen, um sich schön zu fühlen. Letztlich unterstützt der Konsum der geschönten Bilder der App weltweit die Verzerrung der Selbstwahrnehmung hin zur eigenen Unzulänglichkeit. Polynesischen und afrikanischen Frauen wird damit vermittelt ihre Nase sei zu weit und die Augen von asiatischen Frauen zu klein – das westliche Schönheitsbild wird idealisiert. Zukünftig ist zu befürchten, dass, je weiter sich Filter dieser Art durchsetzen, es schwieriger für Konsumenten dieser Funktion wird, ihr eigenes unverfälschtes Selbst als schön zu empfinden. Letztlich sind Jaskowskas Filter nicht nur eine kritische Reaktion auf den durch Instagram induzierten Schönheitswahn, sondern auch einfach eine erfrischende Innovation zwischen all den alten Hasenohren und Hundezungen. Kein Wunder also, dass sich die Instagram Welt auf diesen neuen Filter gestürzt hat.

Jaskowska ist sich bewusst, dass ihr Filter ein Schönheitsbild betont, dem viele Instagram-Nutzer nacheifern und somit ein weiterer Trend entsteht, der die Entfremdung gegenüber dem eigenen Äußeren bestärkt. Langfristig kann das eine gesunde Entwicklung des Selbstbildes gerade unter jüngeren Instagram-Nutzern behindern. Warum verlieren wir uns letztlich in Selbstdarstellungen, die nicht mehr uns selbst entsprechen? Wie eine verschönernde Maske verleihen uns Gesichtsfilter auch ein Stück weit Anonymität. Auf die Art muss man letztlich doch nicht alles mit seiner Umwelt teilen, sondern hat die Möglichkeit, sich vor den Augen seiner Mitmenschen hinter einem Filter zu verstecken.