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100 Jahre Leben – Der Schönheit des Alterns ein Gesicht geben

Nichts ist so unaufhaltsam, wie die Zeit, die zerrinnt. Ein Fotoprojekt hat 100 Gesichter für 100 Lebensjahre festgehalten, um den Zauber des Lebenswandels sichtbar zu machen.

Die Zeit frisst ihre Kinder, glaubten die alten Griechen. Diese Metapher ist heute noch eindrucksvoll, um die Gewalt der Zeit zu beschreiben. Denn nichts ist brutaler, als die eigenen Kinder zu töten. Nicht ganz so gewaltsam aber nicht minder brutal sind die Methoden von heute, welche die Spuren der Zeit eliminieren wollen. Botox-Spritzen, Skalpelle und Haartransplantationen versprechen ewige Schönheit. Ansonsten helfen Photoshop & Beauty-Apps dabei, um zumindest auf Fotos perfekt auszusehen. Und perfekt und schön sind gleichbedeutend mit jung. Hat unsere Gesellschaft im Jugendwahn vergessen, wie gut Falten aussehen können?

Eine Jahrhundertchronik der ehrlichen Gesichter

Bei den Fotos von Thomas Kierok, dem Macher des Projekts 100 Years of Life, wurde weder mit Skalpell noch mit Photoshop hantiert. 100 Menschen haben sich freiwillig fotografieren lassen. Jeder von ihnen ein zufällig ausgewählter Repräsentant eines Lebensjahres. Vom Neugeborenen bis hin zur Hundertjährigen sind sie hier alle versammelt. Und Sie sehen vollkommen unterschiedlich aus. Und dennoch: Alle sind schön.

Die Unterschiede zwischen Männer, Frauen, alt, jung, schwarz, weiß verschwinden, wenn man die Gesichter alle gemeinsam betrachtet.

Denn in der minimalistischen Inszenierung dieses Projektes liegt auch seine Kraft. Obwohl es sich um Porträtaufnahmen handelt, wirken die Menschen nackt. Sie tragen weder Schmuck, noch Brillen noch Make-up. Nichts versucht zu schmücken, zu schmeicheln oder kulturell zu platzieren. Dem Betrachter bleibt nichts anderes übrig als der Haut, den Haaren, den Augen, den Mündern, den Falten und den Zähnen die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Und genau in diesem Prozess entdeckt man die besondere Schönheit jedes abgelichteten Menschen. Eine Schönheit, die von Charakter statt von Oberfläche gezeichnet wird, die durch echte Lebenserfahrung geprägt statt künstlich glattgezogen und dadurch entstellt wird.

Wann ist man mitten im Leben?

Die Idee zum Projekt kam dem Berliner Fotografen Thomas Kierok zu seinem 50. Geburtstag. Beim Treffen mit alten Bekannten fiel ihm mehr denn je ins Auge, wie sehr die Zeit Gesichter verändert. Wie Fußstapfen auf einer schneebedeckten Wiese hatten kleine Falten und Pigmentflecken im Leben seiner Freunde und Bekannte ihre Spuren hinterlassen. Statt darüber ins traurige Grübeln zu geraten, regte diese Beobachtung Kierok dazu an, ein einzigartiges Projekt zu starten: Er wollte einhundert Lebensjahren einhundert Gesichter verleihen.

Im Laufe seiner Shootings machte Kierok viele Beobachtungen zur Ästhetik des Alterungsprozesses: Er stellte fest, dass Mädchen und Jungen zunächst noch gleich aussehen, lernte, wie stark die ersten 20 Jahre bei einem Menschen formgebend sind und wie schnell man sich ab 60 Jahren beim Alter des Menschen verschätzen kann. All diese Beobachtungen versucht Kierok in die künstlerische Erfahrung zu integrieren, die auch auf seine Fotografie Einfluss nimmt.

Die fertigen Porträts werden in einem Buch veröffentlicht, das bis zum 1. Juli dieses Jahres per Crowdfunding-Kampagne unterstützt werden kann. Das Besondere: Großzügige Unterstützer werden ebenfalls abgelichtet und erscheinen im Buch unter den Portraitierten.

Thomas Kierok – Das Gesicht hinter dem Projekt

 

Fotograf Thomas Kierok liebt Gesichter und Zen-Gärten

Thomas Kierok arbeitet als freier Fotograf in Berlin und hat bereits zwei Fotobücher veröffentlicht. Seine Fotografien sind unter anderem im New Yorker und im Spiegel erschienen. Auf seine Arbeit wurde auch das Quartier Zukunft der Deutschen Bank aufmerksam, die ihn für Porträtaufnahmen der Mitarbeiter engagierte. Seitdem ist er Member des Q-Clubs, ein ausgewählter Club von Kunden des Quartier Zukunft. Dort besucht er regelmäßig Workshops, fotografiert und tauscht er sich aus und vernetzt er sich mit anderen Unternehmern und Freiberuflern.

Wenn seine Zeit es zulässt, reist Thomas Kierok leidenschaftlich gern nach Japan und besucht dort Zen-Gärten. Denn diese eignen sich dazu den Blick für die kleinsten und schönsten Details dieser Welt zu schulen. Und die Augen offen zu halten für das Fast-Verborgene, wie die Lachfalten einer Hundertjährigen oder den Glanz eines Neugeborenen.

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