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“Alle erfolgreichen Unternehmen müssen Technologieunternehmen werden”

Was braucht ein Startup, um erfolgreich zu werden und in den nächsten Jahren zu bestehen? Einen technologischen Kern, sagt Hendrik Jandel von Founders Intelligence. Sollte man 2020 überhaupt gründen? Wir haben genauer nachgefragt.

Hendrik Jandel ist Berater bei Founders Intelligence, einer strategischen Unternehmensberatung, die Großunternehmen durch eine gezielte Analyse und effizienten Strategien ermöglicht, ihre Branche durch Technologie neu zu erfinden. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie Founders Intelligence arbeitet, was Start-ups wie „Budge“ von Futury brauchen und wieso das Jahr 2020 vielleicht zu einem der innovativsten Gründerjahre überhaupt werden kann.

Foto: Hendrik Jandel.

Welche Mission habt ihr bei Founders Intelligence? 

Unsere Vision bei Founders Intelligence ist es, große Firmen dabei zu unterstützen, zu Tech-Unternehmen zu werden. Denn wir glauben, dass alle erfolgreichen Unternehmen in absehbarer Zeit Technologieunternehmen werden müssen. Um dieses Ziel zu erreichen, so glauben wir, müssen große Unternehmen von Tech-Start-ups lernen und mit ihnen zusammenarbeiten. Dabei geht es darum, sowohl Partnerschaften mit Start-ups zu schließen und in Start-ups zu investieren, als auch Start-ups im eigenen Unternehmen zu gründen und so unternehmerisches Handeln innerhalb etablierter Unternehmen zu fördern. Wir glauben daran, dass technologische Innovation der Kern der Unternehmensstrategie werden muss, um so nachhaltiges Wachstum zu sichern.

Welches Methodenset zeichnet euch aus? Was ist eure Erfolgsformel? 

Traditionelle Unternehmensberatungen schauen oft in die Vergangenheit und  auf die Zahlen und Daten der letzten Jahre, um eine Strategie zu entwickeln. Wir beobachten eher, was erfolgreiche Gründer heute machen und wie sie die Zukunft betrachten. Wir sprechen regelmäßig mit erfolgreichen Gründern, um zu erfahren, wie sie die Zukunft einer bestimmten Industrie einschätzen und um zu verstehen, wo sich diese in fünf bis zehn Jahren hinentwickelt.. 

Wie entwickelt ihr selbst eine Perspektive, wie die Zukunft von verschiedenen Industrien aussehen wird? 

Wir sind Teil des Founders Forum, das ist ein großes Netzwerk von Gründern, Investoren und Innovatoren. Dadurch haben wir zu vielen für uns relevanten Meinungen Zugang, um uns ein Bild zu schaffen. Unsere Art zu arbeiten hat viele Ähnlichkeiten zur Vorgehensweise von GründerInnen. Wir stellen bestimmte Hypothesen über die Zukunft einer Industrie auf und versuchen diese dann zu validieren. Denkt ein Autohersteller beispielsweise über die Zukunft von Mobility nach, so identifizieren wir anhand praktischer Experimente am Markt die Nachfrage und den Bedarf neuer Geschäftsmodelle.

Foto: NESA by Makers.

Woran scheitern aus deiner Sicht gerade die meisten Start-ups? Welche Hürden darf man nicht aus den Augen verlieren? 

Man sollte generell immer darauf achten, dass die Konzepte, die man entwickelt, später auch ihre Kunden finden, die auch bereit sind dafür zu zahlen. Wir glauben daher daran, dass man neue Konzepte immer ausreichend validieren sollte, bevor man Geld in die Entwicklung von Produkten investiert. Man sollte sich in jeder Phase des Unternehmens immer wieder das Feedback von seinen Kunden einholen, um sich stetig zu verbessern. Wenn wir neue Konzepte und Start-ups aufbauen, soll schwarz auf weiß vorher nachgewiesen werden, dass es für dieses Produkt eine ausreichende Zahlungsbereitschaft gibt. 

Nun begleitet ihr gerade Team „Budge“ aus dem Nachhaltigkeitsprojekt „Banking – Be Green!“bei der nächsten Phase. Welches Potential siehst du in dem Konzept? 

Die Vision von Budge ist es, eine Art Nachhaltigkeits-Trainer im Taschenformat zu schaffen, der Menschen dazu animiert, ihren Alltag nachhaltiger zu gestalten. Nutzer der App geben im Profil ihre Interessen an und stellen sich dann persönlichen Herausforderungen, zum Beispiel: keinen Kaffee zum Mitnehmen oder nur noch in Mehrwegbechern kaufen, mit dem Rad zur Arbeit fahren oder kein Fleisch essen.

So lernen sie spielerisch, wie sie durch ein verändertes Verhalten zur Einsparung von CO2, Wasser oder Plastik beitragen können. Viele Menschen denken, dass eine nachhaltige Lebensweise eine große Umstellung des eigenen Lebensstils erfordert. Budge vermittelt ihnen, dass dem nicht so ist. 

Besonders spannend an der Idee ist, dass man diese Herausforderungen (genannt „Challenges“) mit anderen teilen kann, um sie gemeinsam zu meistern. Dafür sammelt man Punkte, sogenannte „Green Points“, auf einem Konto.

Hinter Budge stehen nicht nur die Talentschmiede Futury, sondern auch eine ganze Reihe an großen Unternehmen, unter anderem die Deutsche Bank, die sich bewusst dazu entschieden haben, mit diesem Team in eine zweite Phase einzusteigen. Klingt nach viel Verantwortung auf den Schultern der drei Gründer. Wie sehr spielt das aktuell eine Rolle? 

Es ist für Budge ein großer Vorteil, direkt einen Zugang zu größeren Unternehmen bekommen zu haben. Es hat damit auch bereits die ersten Kunden an der Hand, die ein Interesse daran haben, dass das Start-up erfolgreich ist. Das ist sehr selten. Budge hat die Möglichkeit, etwas zu entwickeln, das auf die Bedürfnisse von Unternehmen und deren MitarbeiterInnnen zugeschnitten ist.

Das Team vom Founders Forum. Foto: Founders Intelligence.

Gründen scheint aktuell schwieriger als je zuvor. Wie ist deine Einschätzung? Kann man auch 2020 trotz Corona erfolgreich gründen? 

Absolut. Im Jahr 2010 wurden viele der großen Tech-Unternehmen gegründet, die jetzt super erfolgreich sind. Das war unmittelbar nach der Finanzkrise. Start-ups, die in Krisenzeiten in der Lage sind Kapital einzusammeln, haben oft eine höhere Chance auf Erfolg.

Das zweite aktuelle Thema ist Nachhaltigkeit. Durch den Lockdown und die Veränderungen in unserem Alltag wird das Thema sehr viel weiter vorangetrieben, da Menschen gemerkt haben, dass Verhaltensänderungen tatsächlich möglich sind.  

Wie bewertest du aktuell die Investorenlandschaft? Sind Investoren aktuell vorsichtiger als sonst? Und was sollten Investoren deiner Meinung nach beherzigen? 

Wir haben in einigen Regionen einen Rückgang von frühphasigen Finanzierungsrunden gesehen. Allerdings wirkt COVID auch als Beschleuniger bei der Adoption von Technologie, etwa bei remote work, e-commerce oder Telemedizin. Hier gibt es bei vielen Menschen Verhaltensänderungen, die eine Chance für neue Ideen darstellen. Es lohnt sich, sehr genau hinzugucken, welche Bereiche expandieren und welche Bereiche kleiner werden. Was ändert sich beim Reisen, was macht das Home-Office mit den Menschen und wie bereit sind sie, sich jetzt dem Thema Nachhaltigkeit zu nähern?

Welche Start-up-Trends der letzten Monate und Jahre findest du besonders spannend? 

Im Industriebereich geht es weiter in Richtung Automatisierung. Mit 5G werden wir das Thema Dark Factories und Dark Warehouses sehr viel weiter expandieren sehen. Alle physischen Prozesse, die keine kognitiven Fähigkeiten benötigen, werden langfristig automatisiert werden. Hier bieten sich gerade in Deutschland aufgrund des industriellen Hintergrunds viele Möglichkeiten. Spannend ist auch, wie COVID virtuelle Interaktionen viel schneller normalisiert hat als erwartet. Hier finde ich spannend, was im Bereich Gaming passiert oder beim virtuellen Arbeiten. 

In welche Bereiche würdest du als nächstes investieren?

Grundsätzlich in das Thema Nachhaltigkeit. Wir befinden uns gerade in einem Umschwung, was das Thema Ressourcennutzung angeht. Alle technische Innovationen, die uns dabei helfen, nachhaltiger zu leben und zu wirtschaften, werden beschleunigt. Hier gibt es spannende Themen von der Verpackungs- und Materialinnovation, bis hin zur Technologie, die die Kreislaufwirtschaft unterstützt.

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