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Das Paralleluniversum von Antireality

Eine junge polnische Architektin bringt das Internet mit ihren surrealen Entwürfen naturbelassener, urbaner Fluchtorte zum Träumen. Wer steckt hinter dem Designprojekt namens „Antireality”?

Unter ihrem Pseudonym Antireality begeistert sie ihre stetig wachsende Anhängerschaft hunderttausender Abonnenten auf Instagram: Monika Woźniak ist 29, gebürtige Polin und visionäre Architektin, die mit ihren surrealen architektonischen Entwürfen das Internet verzaubert. Die Welt, die sie in ihren Designs erschafft, beschreibt sie wie folgt: Die Antirealität ist ein Raum, der sich dem Realismus und Pragmatismus entzieht und sich der Erforschung von Ideen widmet, die oft weder an die bestehende Realität angepasst noch umgesetzt werden können. Wir haben sie gedanklich in ihrer fiktiven Welt der Antirealität besucht.

Zunächst einmal: Was ist die Bedeutung deines Namens auf Instagram und warum hast du ihn gewählt?

Antireality entstand aus dem Begriff  „Antirealismus”. Ich beschloss, ihn an meine eigene Arbeitsphilosophie anzupassen. Ich wollte damit nie wirklich strenge Prinzipien vorgeben, sondern mich vielmehr auf einen offenen Zugang zur Architektur konzentrieren und damit ein Paralleluniversum schaffen, das mir die Freiheit gibt, mit neuen Konzepten zu experimentieren. Von diesem Zeitpunkt an beschloss ich, meine eigene Philosophie der Antirealität zu formulieren:

„Antirealität“ ist eine Begriffswelt, die auf der Grundlage abstrakter Vorstellungen über die Wirklichkeit aufgebaut ist. Sie zeichnet sich durch die Abwesenheit von Beschränkungen und Standards aus, sie ist ein experimenteller Raum, der zuweilen an Traum und Realität grenzt. Dieser Raum ist wie die erste Phase des Schlafens: das Gefühl, noch wach zu sein, aber bereits einige surreale Visionen zu erleben, die in einen halbbewussten Geist eindringen.”

Der Entwurf einer einladenden, kleinen Bibliothek mitten in einem winterlichen Wald. Foto: Monika Woźniak.

Deine außergewöhnlichen Entwürfe scheinen bei vielen Menschen online eine Faszination und Sehnsucht zu wecken. Oft stellen sie einzigartige Lebensräume dar. Wie hast du begonnen, Wohnutopien zu erfinden, und was fasziniert dich daran?

Ich liebe es, von ungewöhnlichen Orten zu träumen. Seit meiner Kindheit spiele ich mit der Idee von phantasievollen Welten und Orten. Als ich älter wurde, begann ich nach Wegen zu suchen, diese kreative Energie in Kunstwerke umzusetzen. Meine architektonischen Erfahrungen veränderten meinen Blickwinkel auf meine Vorstellungskraft. Ich mag es, das Wissen, das ich während meiner Ausbildung und Arbeit erworben habe, mit utopischem Denken zu kombinieren. Ich begann mit neuen Konzepten zu spielen, die auf Abstraktionen und Träumen basierten. Das ist meine Art, mich von herkömmlichen Mustern zu lösen und meinen Geist für neue Ideen zu öffnen. Diese Antirealität erlaubt mir eine Pause von der Monotonie und macht es mir leichter, diesen offenen Geist zu bewahren.

Du hast in letzter Zeit mehr und mehr Leute auf Instagram erreicht. Glaubst du, dass die Menschen in Zeiten wie diesen eher Lust haben, von anderen Realitäten zu träumen?

Ich habe das Gefühl, dass es schon immer ein starkes Interesse an imaginären Räumen gegeben hat. Durch das jüngste Weltgeschehen werden Menschen mehr zu dieser Art des künstlerischen Ausdrucks hingezogen,  mich selbst mit eingeschlossen. Ein wenig Eskapismus und die Idee einer Utopie helfen dabei, uns von dieser unangenehmen Realität zu lösen, in der wir uns befinden. Ich sehe das bei mir sehr stark. In Zeiten wie diesen hilft mir das Schaffen dieser Antirealitäten, mich von Sorgen frei zu machen. 

Monika ist es wichtig mit ihren Entwürfen immer auch eine Verbindung zwischen Wohn- und Lebensräumen und Natur herzustellen. Foto: Monika Woźniak.

Gibt es eine bestimmte Grundidee, die du beim Betrachter deiner Darstellungen wecken willst?

Ich versuche die Wirklichkeit aus einer anderen Perspektive zu zeigen, indem ich mich von der Standardauffassung von Architektur und Natur entferne. Mit meinen Arbeiten möchte ich verschiedene Möglichkeiten der Interpretation von Raum und architektonischen Formen darstellen. Es ist auch eine Einladung an meine Abonnenten, die Grenzen ihrer Vorstellungskraft zu erweitern. Ich hoffe immer, dass diese etwas naive Art der Annäherung an Architektur dazu beiträgt, kreative Energie in anderen Menschen zu wecken. 

In welcher Zukunft spielen deine Bilder? Und hat sich in dieser fiktiven Zeitspanne etwas an der Menschheit verändert?

Die Orte, die ich erschaffe, sollen für den Betrachter eine Verbindung zur Natur herstellen. Ein Ort, an dem die Grenzen zwischen Architektur und Natur zu verschmelzen beginnen und wir als Menschheit harmonisch mit unserer natürlichen Umgebung koexistieren können. Da meine architektonischen Entwürfe über @Antireality normalerweise auf Freizeitaktivitäten ausgerichtet sind, neige ich dazu, mehr über diesen Teil unseres Lebens nachzudenken. Orte an denen Menschen, die sich gerne in der Natur aufhalten, eine Pause machen und einen Kaffee trinken können. Friedlich, ruhig, spielerisch und einladend – sowohl für die Natur, als auch für uns Menschen.

Ein träumerischer Unterschlupf in luftigen Höhen. Monika nennt diesen Entwurf “Skyshelter”. Foto: Monika Woźniak.

Glaubst du, dass die Zukunft wirklich so aussehen könnte?

Ich sehe meine Werke nicht als futuristische Vorschläge, sondern eher als ein Paralleluniversum. Es ist ein Raum, in dem wir mit unkonventionellen, architektonischen Situationen experimentieren, die sich oft zwischen Realität und Traum bewegen. Diese Entwürfe basieren auf bestehenden Standards, die in eine märchenhafte Realität übersetzt werden. Wenn ich über meine Arbeiten im Hinblick auf zukünftige technologische Entwicklungen nachdenke, könnte man einige dieser Entwürfe als futuristische Architektur in der Freizeitgestaltung betrachten. 

Viele deiner architektonischen Entwürfe befinden sich in luftigen Höhen auf Stelzen und wirken fast schwerelos. Ist Leichtigkeit für dich ein wiederkehrendes Thema?

Ich habe eine große Faszination für das Thema Leichtigkeit entwickelt, da es mich immer wieder dazu inspiriert, nach neuen, architektonischen Lösungen zu suchen. Anzunehmen, dass es auf dem architektonischen Gebiet unendliche Umsetzungsmöglichkeiten gibt, ist ein hochinteressantes Gedankenexperiment. Dabei stelle ich mir häufig die Frage, was es in Zukunft für neue technologische Entwicklungen geben könnte. Diese Herangehensweise eröffnet mir eine ganz andere Art, über Architektur nachzudenken.

Wem folgst du bei Instagram? Wer inspiriert dich für die Zukunft?

Ich folge gerne Architekten, Designern und Künstlern, die mich zum Schaffen inspirieren. Ich suche also am liebsten nach Input, der meine Fantasie anregt, mich für neue Ideen öffnet und mich zu eigenen Kunstwerken inspiriert.

Da ich Architektin bin, kommen meine Einflüsse hauptsächlich aus dem architektonischen Bereich. @Anti-Reality ist ein Projekt, das sich sehr stark auf die visuelle Seite der Architektur konzentriert, auch wenn mein Hintergrund viel weiter gefasst ist. Meine Bewunderung gilt den Architekten, die mich von Beginn an meiner Architekturreise geprägt haben. Einige wenige Beispiele sind: Valerio Olgiati, Ricardo Bofill, Aires Mateus, E2A und Herzog de Meuron.

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