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photo: Annie Spratt

Der Wald spricht in Düften – Biologen haben die Sprache der Bäume entdeckt

Biologie-Professoren haben herausgefunden, wozu Bäume ein komplexes Kommunikationssystem entwickelt haben. Lässt sich so die Sprache der Bäume entschlüsseln?

Bei so manchem Spaziergang durch den Wald, könnte man wirklich meinen, man sei nicht allein. In vielen Naturreligionen auf der ganzen Welt glaubt man, die Bäumen könnten untereinander und mit uns Menschen kommunizieren. Forscher haben jetzt tatsächlich rausgefunden, das Bäume über die Fähigkeit verfügen, untereinander zu kommunizieren. Das tun sie natürlich nicht zu Unterhaltungszwecken, sondern um sich gegenseitig zu schützen und vor Angreifern zu warnen. Biologieprofessor Ted Turlings von der Universität Neuenburg war einer derjenigen Biologen, der entdeckt hat, dass die Blätter der Bäume Chemikalien als eine Art Alarmsignal freisetzen, wenn sie von Insekten angefressen werden. Durch den freigesetzten Duftstoff rufen sie natürliche Feinde der angreifenden Insekten herbei und informieren ebenfalls benachbarte Pflanzen. 

Eine Möglichkeit, die Bedürfnisse eines Waldes zu bestimmen?

Genau wie unterschiedliche Wörter in einem Satz, produzieren Pflanzen in ihrer Sprache eine üppige Vielfalt an Geruchsverbindungen. Dies sind jene natürlichen Chemikalien, welche von den anderen Pflanzen wahrgenommen werden.

Foto: Steven Kamenar.

Während Forscher wie Ted Turlings die Funktion der pflanzlichen Alarmsignale in einzelnen Arten untersuchen, versucht die Ökologin Pengjuan Zu darüber hinaus, das gesamte Netzwerk des Waldes zu entschlüsseln und die verschiedenen Geruchsabsonderungen zu verstehen. In einem Interview mit Horizont erzählt sie: “Wenn wir die chemischen Gespräche belauschen, so gibt uns das möglicherweise Auskunft über die Biodiversität und das Befinden des Waldes.” Demnächst möchte Pengjuan Zu als Gruppenleiterin an der ETH Zürich in weiteren Wäldern weltweit die chemischen Gespräche zwischen Pflanzen und Insekten erfassen, vergleichen und am Computer modellieren. Das spannende an den Ergebnissen wird sein, dass jede individuelle Duftwolke eines Waldes wichtige Informationen über seinen gesundheitlichen Zustand preisgibt. 

Somit ist das eigentliche Ziel der Forscherin, die Duftnoten eines jeden Waldes analysieren zu können, um zu ermitteln, welche Faktoren sein Ökosystem stört und was für den Erhalt des Waldes getan werden muss. In Zukunft sollen wir daran nämlich erkennen können, ob der Wald zum Beispiel am verdursten ist, ob er stark von Schädlingen befallen ist oder von menschlicher Bewirtschaftung bedroht. Falls ihr diese Entschlüsselung gelingt, könnten so die Probleme der sterbenden Wälder weltweit dekodiert und konketere Lösungsansätze für deren Erhalt gefunden werden.

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