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Foto: Marcus Simaitis

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Die Kapitalanlage der Zukunft – Interview mit Dr. Ulrich Stephan

Digitalisierung ist nur einer von vielen Trends, die bei der Kapitalberatung der Deutschen Bank eine Rolle spielen. Im Expertengespräch mit Dr. Ulrich Stephan diskutieren wir, wie Zukunftstrends und Finanzmärkte korrelieren und sich gegenseitig beeinflussen.

Viele kennen den Finanzmarkt, aber wenige kennen ihn so gut wie Dr. Ulrich Stephan. Der Chef-Anlagestratege für Privat- und Geschäftskunden der Deutschen Bank ist eine Koryphäe in der Analyse und Beurteilung des Marktes. Mit Hilfe von Experten aus über 70 Ländern und einem mehrköpfigen Team, welches aktuelle Studien und Einschätzungen des DB-Research evaluiert, behält Dr. Stephan den Überblick über die turbulenten Entwicklungen der Börse. Denn egal, ob politische Veränderungen, Wirtschaftsskandale oder neue Hypes – wo etwas Wellen schlägt, schwingt die Börse mit.

Exklusiv für Qiio durften wir mit Dr. Ulrich Stephan sprechen und einen Einblick in seine Gedanken und Beratungsstrategie bekommen.

Herr Dr. Stephan, vielen Dank, dass wir mit Ihnen einen Blick hinter die Kulissen der Finanzwelt werfen dürfen. Wie würden Sie Ihre strategische Herangehensweise in wenigen Sätzen beschreiben? Wie agiert man selbstbewusst auf dem Kapitalmarkt, wenn die Zukunft ungewiss ist?

Niemand kann in die Zukunft sehen, ich natürlich auch nicht. Aber wir versuchen, möglichst viele Informationen aufzunehmen und die Risiken entsprechend zu sortieren. So würde ich mich immer dem Thema Kapitalanlage Zukunft nähern. Zu beschreiben, was in drei Wochen, drei Monaten oder drei Jahren passiert, ist nahezu unmöglich. Deswegen muss man sehr genau die Daten analysieren, sich angucken, wo es welche Trends und Entwicklungen gibt. Daraus können wir Schlüsse über das Risiko ziehen.

“Niemand kann in die Zukunft sehen, ich natürlich auch nicht. Aber wir versuchen, möglichst viele Informationen aufzunehmen und die Risiken entsprechend zu sortieren.” Foto: Marcus Simaitis

Wenn wir von aktuellen Trends und Entwicklungen sprechen: Wie verändert die Digitalisierung Ihrer Einschätzung nach das Banking und den Finanzmarkt? Wie sehr hat sich dadurch auch Ihre persönliche Arbeit verändert?

Foto: Marcus Simaitis

Digitalisierung ist ja erstmal nur ein Oberbegriff. Aber all die Dinge, die da darunter stattfinden, wie Cloud Computing, 3D-Druck und Robotik, werden sich aus meiner Sicht in die Wertschöpfungsketten der Unternehmen hineinarbeiten – aufgrund des Wettbewerbs und des Kostendrucks.

Wir werden nur aufpassen müssen, wie wir dann mit den „Verlierern“ dieser Entwicklung, die ja auch beispielsweise beim Weltwirtschaftsforum in Davos sehr intensiv beim Thema Inclusive Growth (integratives Wachstum: wirtschaftliches Wachstum, an dem alle sozialen Schichten teilhaben; Anm. d. Red.) diskutiert worden sind, umgehen müssen. Das sollte insofern vorbeugend wirken, dass wir nicht weiterhin solche Trends haben, dass diejenigen, die verlieren oder vermeintlich verlieren, vielleicht auf die Idee kommen, etwas andere Parteien oder Politiker zu wählen.

Gibt es Trends in der Finanzwelt, bei denen Sie sagen, die finden eigentlich gerade zu wenig Beachtung?

Eigentlich ist das Gegenteil der Fall: Ich bringe immer gern das Beispiel vom amerikanischen Arbeitsmarktbericht, der kommt am ersten Freitag eines Monats. Die ganzen Börsenteilnehmer gucken dann wie das Kaninchen vor der Schlange auf diesen Arbeitsmarktbericht. Der wird danach ewig korrigiert, das interessiert dann aber keinen mehr. Dabei ist genau das notwendig, wenn man über strategische Anlagen spricht und nicht gerade Day Trader ist, also jeden Tag rein und raus möchte. Denn wie gesagt; die heißen Tipps an den Kapitalmärkten gibt es eigentlich nicht.

“Die Digitalisierung wird sich in alle Lebensbereiche hineinarbeiten, natürlich auch in eine Bank.” Foto: Marcus Simaitis

Und welcher Trend hat Sie in letzter Zeit persönlich beschäftigt oder überrascht?

Was mich total überrascht hat, ist sicherlich, dass wir mehr und mehr internationale Reformschritte sehen, vor allen Dingen auch in Entwicklungsländern: namentlich China, aber auch Indien; jetzt fangen auch Argentinien und Brasilien an. Wir haben einen breiteren Mittelstand und, statistisch gesehen, nimmt die Ungleichheit auf der Welt ab: Das sind eigentlich alles sehr gute Signale.

Denken Sie, dass durch die Digitalisierung auch die Deutsche Bank eine neue Rolle in der Beratung einnehmen muss? Oder wie sehen Sie die Rolle der Deutschen Bank in einer digitalen Informationsgesellschaft?

Foto: Marcus Simaitis

Die Digitalisierung wird sich in alle Lebensbereiche hineinarbeiten, natürlich auch in eine Bank.

Dann ist die Frage, wie gehen wir mit Beratung um. Viel wichtiger ist aber: Wie gehen Menschen mit Beratung um? Wir können technisch natürlich unglaublich viel umsetzen. Doch die Frage ist, ob Menschen immer noch über Anlagestrategien diskutieren wollen. Ich glaube, Kreativität, soziales Engagement, all diese Dinge werden wichtiger und werden dann natürlich auch für eine Bank wichtiger, weil man andere Arbeiten über Algorithmen oder das, was man eben unter Digitalisierung versteht, abarbeiten kann.

Und ein nostalgischer Moment zum Abschluss: Gibt es etwas, was Sie aus der analogen Arbeitswelt bzw. aus der Vergangenheit vermissen?

Foto: Marcus Simaitis

Ich finde die neuen Entwicklungen ehrlich gesagt total spannend. Ich freue mich da unglaublich drauf, in Zukunft auch mal nicht mehr am Lenkrad eines Autos sitzen zu müssen. Ich habe da auch gar keine Angst vor. Insofern, nein, ich kann nicht sagen, dass ich da irgendwas vermisse, sondern ich freue mich wirklich auf diese neuen Entwicklungen und hoffe, dass wir vernünftig damit umgehen werden. Ich habe aber eigentlich großes Zutrauen, dass das gelingen wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr Finanztrends und Empfehlungen von Dr. Ulrich Stephan findest du im Jahresausblick 2019 bei Deutsche Bank. Außerdem ist seit kurzem auch sein Podcast online, wo er ausführlich seine Trendthemen für den Anlagemarkt erläutert.  Findet ihr direkt sowohl bei Spotify als auch iTunes.

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