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Die neue Macht der Kinder

Seit Wochen ziert das Gesicht der schwedischen Schülerin Greta Thunberg die Titelseite. Die 16-Jährige wurde mit ihren Schulstreiks weltweit als Klima-Aktivistin bekannt. Dabei ist sie zurzeit nur eine von vielen Jugendlichen, die sich für die Zukunft einsetzen – und damit den älteren Generationen auf den Zahn fühlen.

 

Ich bin hier um zu sagen, dass unser Haus brennt.

Ich möchte, dass ihr in Panik geratet.”

Diese Worte richtete Klima-Aktivistin Greta Thunberg auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos an die dort geladenen Wirtschaftsbosse und Spitzenpolitiker dieser Welt. Die 16-Jährige wurde wegen ihres Engagements für die Klimapolitik zum Forum dieses Jahr eingeladen. Schon seit gut einem halben Jahr streikt sie jeden Freitag vor dem Parlament in Stockholm – auch in Deutschland hat sie damit eine Bewegung ins Leben gerufen: Den Schulstreik fürs Klima.

Obwohl eine Schulstreikerin zunächst nicht unbedingt weltbewegend klingt, ist es die Unerschrockenheit der Teenagerin mit den geflochtenen Zöpfen, die ihr zu internationaler Bekanntheit verholfen hat. Ohne Umschweife wirft sie den Politikern vor zu versagen,  sie erzählt offen von ihrer Angst um die Zukunft. Im Gespräch mit der schwedischen Abendzeitung Aftonbladet  kritisiert sie, die Politiker hätten „mehr Angst vor mir als vor der Klimakrise” und prangert das entspannte Mittagessen mit Hamburgern auf dem Weltwirtschaftsforum an: „Zu viel Gerede, zu wenig Handlung.”

Die Jugend ist wütend

Greta ist allerdings nicht die einzige junge Aktivistin, die derzeit fest entschlossen ist, gegen Missstände vorzugehen: Die Jugend ist wütend und zeigt es ganz offensichtlich: Vor knapp einem Jahr erlangte die mittlerweile 19 Jahre alte Emma Gonzales internationale Bekanntheit. Nachdem sie das Schulmassaker von Parkland, Florida, am 14. Februar 2018 überlebt hatte – das zu dem Zeitpunkt bereits 17. sogenannte school shooting in jenem Jahr – wurde sie zum Symbol der Frustration der Angehörigen der Opfer und zum Gesicht einer ganzen Bewegung. In einer zutiefst bewegenden Rede machte sie ihrer Wut Luft und gedachte wenig später beim March for our Lives der 17 Opfer. Auch danach setzt sie sich weiterhin für die Änderung der Waffengesetze ein und spricht sich gegen Sexismus und Gewalt aus.

via Flickr von Tradlands (CC BY 2.0)

Kurz vor 12

 

Nicht nur Emma Gonzales, auch ihre Mitschüler, viele von ihnen ebenfalls Überlebende eines Schulmassakers, schlossen sich dieser Bewegung an. Ihr Ziel: Die in den USA vorherrschenden Waffengesetze ändern, um zu verhindern, dass mögliche zukünftige Attentate ein ähnlich brutales und trauriges Ausmaß annehmen.

Interessant dabei zu sehen ist, wie sich die oft als lakonisch und verweichlicht dargestellten Millennials zur Wehr setzen und der älteren Generation die Leviten liest. Die Anzahl an Jung-Aktivisten, die in den vergangenen Jahren zum Vorschein gekommen ist, zeigt, wie groß die Angst der Jugendlichen vor der Zukunft ist, vor Gewalt, Klimawandel und Diskriminierung. Sie wollen in einer Welt aufwachsen, in der sie sich sicher fühlen und sich frei entwickeln können.

Mehr Diversität in der Bewegung

Interessant an der neuen Bewegung ist, dass viele ihrer Protagonisten Minderheiten angehören. In ihren biografischen Erfahrungen als Migranten, Minderheiten oder Außenseiter spüren sie den größten Wunsch nach Veränderung: Greta Thunberg hat das Asperger-Syndrom und sagt selbst, dass sie ohne Asperger vermutlich keine solch radikale Haltung einnehmen würde. Emma Gonzales ist als Tochter eines kolumbianischen Einwanderers und aufgrund ihrer Bisexualität immer wieder Anfeindungen ausgesetzt. Auch der 18-jährige Xiuhtezcatl Roske-Martinez mit aztekischen Wurzeln hat als Sohn von Ureinwohnern in Amerika systematische Diskriminierung erlebt. Zusammen mit 21 weiteren Jugendlichen hat Xiuhtezcatl die US-Regierung verklagt, da sie nicht genug gegen den Klimawandel unternehme und dadurch gegen das verfassungsmäßige Recht auf Leben und Freiheit eines jeden Menschen verstoße.

In der Antidiskriminierungsbewegung sind Jugendliche mittlerweile Teil des Diskurses. Die 15-jährige Marley Dias startete im November 2015 (zu dem Zeitpunkt war sie erst in der 6. Klasse!) das Projekt #1000BlackGirlBooks, mit dem Ziel 1.000 Bücher für schwarze Mädchen in den USA zu sammeln, in denen nicht alle Hauptfiguren weiß sind. Die mittlerweile 18-jährige Jazz Jennings wusste nach eigenen Angaben bereits im Alter von 2 Jahren, dass sie eine Transfrau ist und gilt als wichtige Stimme der LGBTQ+ Bewegung.

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Big things coming🚀 #1000blackgirlbooks

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Mit Social Media zur internationalen Bekanntheit

Jugendliche Aktivisten sind kein neues Phänomen. Studentenproteste haben im Laufe des letzten Jahrhunderts immer wieder Zustände angeprangert und Reformen gefordert. Doch die Millennials haben den vorherigen Generationen etwas voraus: 69 % der 12-15-Jährigen haben Social Media-Profile, sie verbringen durchschnittlich 20 Stunden wöchentlich im Netz. Das macht sie nicht nur zu digital natives, sondern auch zu geborenen Werbeträgern: Sie wissen, wie sie die Sozialen Netzwerke nutzen müssen, welche Hashtags besonders viel Reichweite erhalten und wie sie ihren YouTube-Kanal erfolgreich in Szene setzen. Social Media ist eine Waffe – gewaltfrei allerdings effektiv, mit der die junge Generation weltweit Menschen erreichen, bewegen und mobilisieren kann.

Die Bedrohung der alten weißen Männer

Wer sich auf den sozialen Netzwerken äußert, muss leider auch mit starken Gegenreaktionen rechnen: Es lassen sich dabei auffällig viele Kommentare von älteren, hauptsächlich männlichen, weißen Menschen unter Artikeln über Jung-Aktivisten finden, in denen ihre Bemühungen um eine bessere Welt zunichte gemacht werden. Auch Greta Thunberg sah sich mit einer Welle von Hass-Nachrichten konfrontiert. Im Interview mit der ZEIT gibt sie sich jedoch entspannt: Die Leute empfänden sie als Bedrohung „und das ist gut.“

Headerfoto: Jan Ainali unter CC BY-SA 4.0

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