facebook-likehamburgerlupeoverview_iconoverviewplusslider-arrow-downslider-arrow-leftslider-arrow-righttwitter

Die Zukunft ist CO

Den Wohnraum oder Arbeitsplatz zu teilen ermöglicht ganz neue und progressive Lebensweisen. Bestes Beispiel dafür sind die Modelle von Co-Working und Co-Living. Neue zukunftsweisende Design-Experimente zeigen nun, dass sich das „CO"-Prinzip auch auf weitere Bereiche anwenden lässt.

CO ist eine lateinische Vorsilbe. Sie steht für „zusammen mit anderen”. Wir kennen alle Co-Working und Co-Living. Doch kann man diese Trends auch als den Beginn eines neuen gesellschaftlichen Systems nach dem Prinzip „CO” deuten? Bisher beschränkt sich das gemeinschaftliche Miteinander lediglich auf den Arbeitsplatz, künftig allerdings, kann es sich auch auf andere Bereiche ausdehnen. Und zwar jene, in denen diese Art der Interaktivität bis dato weder bewusst noch vorstellbar gewesen sind.

Foto: Mini Living

Auf der diesjährigen Milan Design Week haben wir bereits einige spannende Trends zum Thema Wohnraum der sogenannten Millennials entdeckt. Doch auch das Thema CO tauchte in verschiedener Form an zahlreichen Orten auf, insbesondere beim diesjährigen Lexus Design Award, bei der Installation von Mini Living, sowie der Ventura Future-Ausstellung. Wir haben uns fünf ganz besondere Beispiele genauer angeschaut, um die neue CO-Generation besser zu verstehen.

CO-Exist

Das Hauptexponat des diesjährigen Lexus Design Events bringt das Prinzip von „CO“ auf seine Basis zurück: „Stell dir vor, wir könnten alle in absoluter Harmonie koexistieren. Jedes Individuum kann sein eigenes Zentrum sein, und dabei dennoch ein Teil des Ganzen. Niemand steht im Schatten eines anderen.“ Die stimmungsvolle Lichtinstallation in einem komplett abgedunkelten Raum wirkt im ersten Moment wie ein Sternenhimmel, der langsam pulsierend näher zu kommen und sich wieder zu entfernen scheint. Erst durch den Beschreibungstext wird klar: Die Sterne sind Reflexionen an 12.000 vertikal hängenden Fäden, die alle durch nur eine einzige Lichtquelle angeleuchtet werden. Dabei wird jeder einzelne Faden gleich angeleuchtet, kein einziger ist jemals im Schatten eines anderen.

Foto: Lexus

So eindrucksvoll die Installation mit dem klangvollen Titel „Glaube an das Grenzenlose“ ist, so schön ist auch der Gedanke dahinter: Eine Gesellschaft in der alle gleich sind, niemand wird benachteiligt und alle dürfen ihren eigenen Individualismus ausleben. Besonders der Drang zur Selbstverwirklichung ist es, der in der Gesellschaft oft mit Gemeinschaftlichkeit und Gleichberechtigung im Widerspruch steht. Die Installation symbolisiert ein Prinzip, welches beide Aspekte miteinander in Einklang bringt.

CO-Build

Die Konzepte des Co-Living und Co-Working haben gezeigt, dass Wohnraum nicht nur auf die Familie und der Arbeitsplatz nicht nur auf ein Unternehmen beschränkt sein müssen. Beide Modelle repräsentieren Orte, an denen gemeinschaftlich gelebt oder gearbeitet werden kann. Sie sind für die Wohnenden und Arbeitenden allerdings vorgegeben; die Integration und Mitbestimmung bei der Erschaffung dieser Orte scheint der nächste logische Schritt zu sein.

Foto: Mini Living

Unter dem Titel „Built by All“ simuliert das Architekturbüro Studiomama in Zusammenarbeit mit MINI LIVING ein Wohnkonzept, bei dem die Bewohner/innen bei der Entstehung bereits aktiv mitwirken. Durch Partizipation wird somit ein Kompromiss erschaffen aus Privatem und Gemeinschaft wodurch die Grenzen zwischen Wohnraum und öffentlichem Raum zum Teil aufgelöst werden. Bei der Ausstellung wurden sowohl beispielhafte Wohneinheiten gezeigt, die modular nach individuellen Bedürfnissen zusammengestellt wurden, als auch Prinzipien der Partizipation vorgestellt, die nach dem Prinzip der Partizipation eine Art offene Designwerkstatt darstellten, in der sich Besucher/innen gemeinsam an einer langen Tafel sitzend aus bunten Bausteinen aus verschiedenen Materialien kunstvolle kleine Installationen zusammenbasteln konnten. Diese waren hochgradig individuell, und dennoch harmonierten sie ästhetisch miteinander.

CO-Test

Das Projekt „Testing Hypotheticals“ des Research Studios Extrapolation Factory, dem diesjährigen Grand Prix-Gewinner des Lexus Design Awards, spinnt die Idee der integrativen Erschaffung von Lebensräumen und des gemeinschaftlichen Wohnens noch etwas weiter. Denn was passiert, wenn sich trotz eines idealen Wohnraums neue Problemstellungen in der Gemeinschaft auftun?

Foto: Frank Schröder

In einem Workshop sollen zusammen mit real existierenden Communities Szenarien und damit verbundene Probleme konzipiert werden, für die jeweils Lösungen im realen Umfeld mit selbstentwickelten Prototypen erarbeitet und getestet werden können. Die Idee dahinter ist, den Menschen die Methoden und Hilfsmittel an die Hand zu geben, um mit Herausforderungen, die in gemeinschaftlichen Situationen, etwa in ihrer eigenen Nachbarschaft oder Hausgemeinschaft, eigenständig zu meistern, ohne auf das Einwirken von übergeordneten Instanzen angewiesen zu sein.

CO-Play

Foto: Frank Schröder

Die Studierenden des „Design for Play“-Studiengangs der Design School Kolding möchten mit ihrer interaktiven Installation „The Play“ in der Ventura Future Ausstellung mittels spielerischer Zusammenarbeit einen kulturellen Austausch zwischen den Teilnehmer/innen initiieren. Auf einer langen Tafel stehen eine Reihe von gläsernen Gefäßen jeglicher Art und Form, die mit bunten Flüssigkeiten gefüllt sind. Die Besucher/nnen sind dazu angehalten, diese nach Belieben miteinander zu mischen und übereinander zu stapeln. Das Ergebnis ist ein nicht enden wollendes kollaboratives Chemieexperiment, welches allerdings keinerlei Chemiekenntnisse erfordert und welches vor allem eines bringt: viel Spaß an der gemeinsamen kreativen Verwirklichung.

Koexistieren, zusammen etwas erschaffen, gemeinsam Lösungen für Probleme testen und einen neuen kommunikativen Weg mit- und zueinander finden – all diese Beispiele machen deutlich, wie weit das Prinzip „CO” über die uns bekannten Modelle wie Co-Working und Co-Living hinausgehen kann. Sie zeigen auch, wie sich die Gesellschaft von morgen noch weiter durch eine gezielte Zusammenarbeit besser organisieren und der Rolle als Gemeinschaft gerecht werden kann.

Mein Kommentar