facebook-likehamburgerlupeoverview_iconoverviewplusslider-arrow-downslider-arrow-leftslider-arrow-righttwitter
Foto: Franziska Müller-Degenhardt

Foto: Franziska Müller-Degenhardt

Diese Gründerinnen fordern mehr Vielfalt unter deutschen Medienmachern

Joanna Schröder und Anna Baur haben mit ihrer Plattform „heartxwork“ ein Medium geschaffen, über das kreative Menschen mit Migrationshintergrund ihre Geschichte erzählen können.

In einer Zeit, in der die Unwissenheit über fremde Kulturen Menschen weltweit spaltet, möchten Joanna und Anna aufklären. Sie sind zwei deutsche Gründerinnen, die sich für mehr Diversität in der deutschen Medienlandschaft einsetzen. Ihr Ziel: Menschen mit Migrationshintergrund die Möglichkeit geben, ihre Perspektive zu schildern und damit für mehr Empathie und Sichtbarkeit sorgen. So entstand ihr Herzensprojekt „heartxwork.

Beide Gründerinnen lernten sich 2012 kennen und arbeiteten anschließend gemeinsam in Hamburg bei der Zeitschrift „BLONDE“. Joanna war als Online Redakteurin und Anna als Redakteurin tätig. Sie selbst sind mit einem deutschen und einem afrikanischen Elternteil in beiden Kulturen verwurzelt und wissen, wie schwer es ist, die eigene Identität zu finden. In dieser Zeit entwickelte sich die Idee, gemeinsam ein eigenes Magazin und gleichzeitig eine Plattform aufzubauen, die Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland ein Medium für ihre Geschichten bietet.

Die “heartxwork”-Gründerinnen Joanna Schröder (rechts) und Anna Baur (links). Foto: Franziska Müller-Degenhardt

Anna: „Wir wollten etwas machen, das mit unserem Hintergrund zu tun hat. Verdeutlichen, was es heißt, zwischen Kulturen zu stehen. Wir haben beide afrikanische Elternteile, daher wollten wir mit Menschen arbeiten, denen es ähnlich geht, und erfahren, wie sie ihre Zugehörigkeit gefunden haben.“

Nur jeder fünfzigste redaktionelle Mitarbeiter hat einen Migrationshintergrund

Bewegt hat sie dazu unter anderem eine Studie, die besagt, dass jeder fünfte Einwohner in Deutschland einen Migrationshintergrund hat, in Redaktionen jedoch nur jeder fünfzigste Mitarbeiter über einen solchen verfügt. Besonders interessant dabei: Die Diversität der Medienpersonen – Models, Influencer, Schauspieler – und damit auch die Toleranz der Medienkonsumenten hat zugenommen, während die Medienmacher und Konzeptschreiber selbst überwiegend einen deutschen Hintergrund haben.

Joanna: „Die Modebranche zum Beispiel ist immer auf der Suche nach etwas Neuem, es könnte also passieren, dass wieder ein neuer Trend aufgetan wird, der Diversity ablöst. Wie nachhaltig ist dieser Trend und was passiert tatsächlich in unseren Arbeitsstrukturen?“

Da fragt man sich, ob Diversität zurzeit einfach ein Werbe- und Medien-Trend ist oder ob diese Entwicklung die Weichen für eine neue, vielfältigere Medienlandschaft stellen wird. Mehr Diversität in den Redaktionen würde jedenfalls langfristig für mehr Vielfalt in den Themen unserer Werbung, Zeitschriften und Fernsehprogrammen sorgen.

Anna: „Instagram hat ebenfalls viel dazu beigetragen, unsere Sehgewohnheiten zu verändern. Man wird dort mit so vielen verschiedenen Menschen und Perspektiven konfrontiert, die unsere Gesellschaft widerspiegeln.“

Über „heartxwork“ wollen die beiden Gründerinnen Menschen verschiedener Hintergründe miteinander verbinden, ihnen Mut schenken und auch für ihre multikulturellen Leser Parallelen schaffen, mit denen sie sich identifizieren können und sie so bei der Verankerung ihrer Identität in Deutschland unterstützen.

Anna: „Eine bestimmte Anzahl an Minderheiten sollte überall unter Meinungsmachern vertreten sein. Es muss ein Repräsentationssystem errichtet werden, in dem auch Themen zur Sprache kommen, die Minderheiten wichtig sind.“ Foto: Leni Wronkowitz

Storytelling als Mittel für mehr Empathie

Die beiden betonen die Wichtigkeit einer universellen Perspektive. Auch Chimamanda Ngozi Adichie bringt dies in ihrem bekannten TED-Talk „The Danger of a Single Story“ vor: Im Rahmen ihres Vortrags stützt sie sich auf zehn verschiedene Geschichten unterschiedlicher Gesichtspunkte, um ihre Kernbotschaft zu vermitteln. Gemeinsam ergeben diese Geschichten eine universelle Perspektive.

https://www.ted.com/talks/chimamanda_adichie_the_danger_of_a_single_story/discussion?. html

Das Migrationsaufkommen in Deutschland wird voraussichtlich nicht abnehmen, im Gegenteil: Durch die Konsequenzen der Klimakrise wird eine  prognostiziert. Umso wichtiger ist es, Empathie für den ethnischen und kulturellen Hintergrund des anderen zu entwickeln, denn Verständnis verbindet. . Es ist deshalb unerlässlich, sich zu informieren und Vermittlerplattformen wie „heartxwork“ zu unterstützen.

Anna: „Wird Menschen nur vermittelt, dass es politisch nicht korrekt ist, nach dem Migrationshintergrund seines Gegenüber zu fragen, tun sie das vielleicht nicht mehr, aber verstehen nicht weshalb. Wir wollen Empathie schaffen und durch die Geschichten unserer Contributors erklären, was die Frage ihrer Herkunft für sie im Einzelnen bedeutet.“

Joanna: „Wir wollen nicht belehren, sondern Verständnis für die Welt des anderen schaffen.“ Foto: Franziska Müller-Degenhardt

Es braucht mehr Minderheiten unter Meinungsmachern

Was Joanna und Anna von unten anstoßen, wäre besonders von oben ausgehend wirksam: Die Politik müsste mitziehen. Im Jahr 2017 wurden in Deutschland 19,3 Millionen Einwohner mit Migrationshintergrund gezählt. Mehr öffentliche Stimmen mit Migrationshintergrund wären demnach wünschenswert, um Grauzonen zu beleuchten und die Polarisierung von „deutsch“ und „nicht deutsch“ zu entschärfen. Würde unsere Bevölkerung auf diese Art vielleicht wieder mehr Vertrauen in die Politik gewinnen?

Joanna: „Ich hatte bei den EU-Wahlen Probleme, jemanden zu finden, den ich wählen möchte. Wer repräsentiert mich und all die Themen, die mich ausmachen und beschäftigen?“

Joanna und Anna stoßen mit „heartxwork“ etwas an, das gerade erst dabei ist, sich in unserer Gesellschaft zu entfalten. Es soll eine tolerante Community für Kreative entstehen, die Lust haben, Teil der wachsenden Aufklärungsbewegung zu sein. Daher laden beide Gründerinnen alle, die sich angesprochen fühlen, herzlich dazu ein, auf der Plattform ihre Geschichte zu erzählen, darüber zu schreiben, was sie beschäftigt oder ihre kreative Arbeit vorzustellen.

Habt ihr Lust, Teil der Bewegung zu werden? Mehr Informationen findet ihr bei „heartxwork“.

Immer auf dem Laufenden bleiben?

Abonniere jetzt den Qiio-Newsletter

Mein Kommentar

42 − = 32