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Diese Mädchenschule sorgt für Gleichberechtigung in Indien

Obwohl die indische Verfassung Männern und Frauen gleiche Rechte einräumt, bestehen weiterhin geschlechtsspezifische Diskriminierungen. Der schwerwiegendste Faktor ist Armut und fehlende Bildung. Ein neues Schulkonzept will für jungen Frauen ein neues Bildungsmodell ermöglichen. 

Insgesamt 30 Prozent der Menschen leben in Indien unterhalb der Armutsgrenze, 70 Prozent davon sind Frauen. Mit dem Ziel, die Gleichstellung der Geschlechter in Indien zu fördern und junge Frauen auf ihrem Weg zu unterstützen, entwickelte das Architekturstudio Diana Kellogg Architects zusammen mit der gemeinnützigen CITTA-Stiftung, eine Mädchenschule die in Indien mit Vorzeigeeffekt eine nachhaltige Veränderung bewirken soll. Die ovalförmige Schule ist für 400 Schülerinnen vom Kindergarten bis zur zehnten Klasse konzipiert und soll im Juni dieses Jahres öffnen. Die Mädchen sollen dort sowohl Lesen und Schreiben, als auch traditionelles Handwerk erlernen. 

Die Form des Eis gilt als eine Anspielung auf die universellen Symbole weiblicher Stärke. Foto: Vinay Panjwani.

Warum ist eine Mädchenschule für junge Frauen in Indien so wichtig? 

Die Rajkumari-Ratnavati-Mädchenschule wird in der Thar-Wüste von Jaisalmer im Norden Indiens gebau. Die Form des Eis gilt dabei als eine Anspielung auf die universellen Symbole weiblicher Stärke. Die Schule wird aus mehreren Klassenzimmern, einer Bibliothek und einem Computerzentrum bestehen. Es sollen darüber hinaus Mittagsmahlzeiten für die Mädchen angeboten werden. Es wird auch einen Bus geben, der die Schülerinnen schließlich aus den umliegenden Dörfern zur Schule bringt. So soll für Mädchen, die unter der Armutsgrenze in Jaisalmer leben, ein Zugang zu Bildung, wirtschaftlicher Freiheit und persönlicher Autonomie geschaffen werden. CITTA hofft so den Teufelskreis aus Misshandlung, weiblicher Kindstötung, Kinderheirat und unzureichender Bildung zu durchbrechen. 

Die Schule wird aus mehreren Klassenzimmern, einer Bibliothek und einem Computerzentrum bestehen. Es sollen darüber hinaus Mittagsmahlzeiten für die Mädchen angeboten werden. Foto: Vinay Panjwani.

Mit mehr Bildung zu Geschlechtergerechtigkeit 

Spannender Weise gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen der Förderung von Frauen und dem allgemeinen Wirtschaftswachstum in Indien. Zahlen aus dem jüngsten Global Gender Gap Report des World Economic Forums zeigen, dass derzeit nur 29 % der Frauen am Erwerbsleben teilnehmen, im Vergleich zu 83 % der Männer. Indien unternimmt erste Schritte, um dieses Problem anzugehen, doch es muss noch mehr getan werden, um Frauen letztlich zu ermöglichen, eine vollwertige Rolle in der Arbeitswelt einzunehmen. Laut einer Studie des McKinsey-Instituts würde eine gleichberechtigte Einbeziehung von Frauen in die indische Wirtschaft bis zum Jahr 2025 zu einer Zunahme der Wirtschaftsleistung um 2,9 Billionen Dollar führen. Laut derselben Studie hat Indien, mehr als jedes andere Land der Welt, am meisten zu gewinnen, wenn sich die Diskrepanz zwischen den Geschlechtern verringert. 

Die Schule ist aus Sandstein gebaut und schafft Schulplätze für 400 Mädchen. Foto: Vinay Panjwani.

Frauen müssen also in den Mittelpunkt des indischen Wirtschaftswachstums gestellt werden

Ganz einfach ausgedrückt: Wenn eine Frau in der Lage ist, ihr eigenes Geld zu verdienen und zu verwalten, hat sie mehr Entscheidungsgewalt über ihr eigenes Leben und das ihrer Kinder. Untersuchungen zeigen, dass Frauen 90 % ihres Verdienstes wieder in ihre Familien investieren – das ist Geld, das für Essen, Gesundheitsvorsorge und Schulbildung ausgegeben wird. Eine Studie des Unternehmer-Netzwerks Ernst & Young zeigt außerdem, dass Frauen weltweit als Unternehmerinnen in hohem Maße Arbeitsplätze schaffen und in diesem Bereich ihre männlichen Kollegen übertreffen. Doch Geschlechtergerechtigkeit in einer Gesellschaft zu schaffen, die von der Kastenordnung beherrscht wird, erfordert nicht nur “ein wenig Umzudenken”, es erfordert eigentlich eine Revolution. Sudha Varghese ist Gründerin und Geschäftsführerin der indischen Frauenrechtsorganisation Nari Gunjan. In einem Interview mit Oxfam fasst sie die tiefen Veränderungen, die in der indischen Gesellschaft stattfinden müssen, zusammen: „Der springende Punkt ist, dass wir einen Einstellungswandel und eine proaktive Umsetzung von Gesetzen brauchen, die zur Selbstsicherheit der Frauen beitragen – damit sie das aushandeln können, was ihnen vorenthalten wird.“ Einer dieser ersten Schritte zur Gleichberechtigung der Geschlechter wurde mit dem Bau der Rajkumari-Ratnavati-Mädchenschule getan. Durch ihre Eröffnung im Juni werden hoffentlich viele weitere Projekte dieser Art angestoßen, welche die Selbstbestimmung der indischen Frau fördern können.

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