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Foto: Alicia Kassebohm

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Politik-Happen auf Instagram – Insta.Politik bringt dich hinter die Kulissen des Bundestages

So einfach kann es sein, für Politik zu motivieren. Nine und Lara zeigen auf Instagram ihren Blick auf die politische Bühne Deutschlands. Ihr Motto: Durch mehr Transparenz entsteht mehr politische Mitwirkung.

Ihr Profil-Bild auf Instagram zeigt zwei junge Frauen, die sympathisch in die Kamera strahlen. Eine lehnt sich vertraut an die Schulter der anderen. Zwei ganz normale Freundinnen – denkt man auf den ersten Blick. Doch Nine und Lara posten auf ihrem Instagram-Kanal nicht über ihre Freundschaft, ihre Freizeit oder ihr Mittagessen. Davon gibt es auf Instagram ja schon genug. Stattdessen finden die beiden Frauen, dass relevante gesellschaftliche und politische Themen auf Social Media in Deutschland zu kurz kommen. Deswegen haben sich Lara und Nine entschieden, selbst aktiv zu werden und sich für politische Bildung zu engagieren. Mit ihrem Account @insta.politik berichten sie direkt aus dem Marie-Elisabeth-Lüders- oder dem Paul-Löbe-Haus und erklären neue Gesetze oder aktuelle Diskussionen. In kurzen, entspannten Selfie-Videos werden Themen wie der UN-Migrationspakt, die Digitalisierungsoffensive und die Problematik Plastik-Müll diskutiert. Dazu fordern sie auch ihre Follower mit Augenzwinkern und Charme auf. Denn Politik geht nur gemeinsam. Qiio durfte die beiden Macherinnen im Bundestag besuchen und einen Einblick in ihre Arbeit bekommen.

Foto: Alicia Kassebohm

Nine und Lara, ihr bloggt quasi hinter den Kulissen des Deutschen Bundestages. Wie kam es zu dieser Idee und zu eurem gemeinsamen Instagram Profil?

Lara: Nine und ich arbeiten seit ungefähr zwei Jahren im Deutschen Bundestag, hier haben wir uns kennengelernt. Wir haben Zugang zu einem ganz besonderen Ort. Das Parlament gestaltet die Spielregeln für unser gesellschaftliches Zusammenleben. Jeden Tag erleben wir hautnah den Prozess, wie Gesetzesentwürfe von den Fraktionen in den Ausschüssen beraten und Beschlussempfehlungen für das Plenum erarbeitet werden. Mit Insta.Politik möchten wir jungen Leuten einen Einblick in diese Welt geben. Außerdem möchten wir dazu motivieren, sich politisch zu informieren. Das geht am besten über Plattformen wie Instagram, die unsere Generation tagtäglich nutzt.

Wie ist die allgemeine Reaktion auf eure Instagram Tätigkeit? Verstehen zum Beispiel eure Großeltern, was und warum ihr das tut?

Nine: Feedback ist uns wichtig. Dadurch erfahren wir, was unseren Followern gefällt und was wir noch verbessern können. Wir bekommen viel positives Feedback, was uns natürlich sehr freut. Unser größter Fan ist aber tatsächlich meine Omi. Zu Beginn habe ich ihr unsere Videos noch per WhatsApp gesendet, mittlerweile konnte ich Instagram auf ihrem Handy installieren und sie folgt uns! Soviel zum Thema, ältere Menschen können nicht technisch versiert sein.

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Gibt es auch Hater oder negative Kommentatoren, mit denen ihr umgehen müsst?

Nine: Klar. Beispielsweise hat Lara von mir ein Bild gepostet, auf dem ich ein sächsisches Herz in den Händen gehalten habe. Damit wollte ich unbedingt auf die „Mit Herzblut für Sachsen“-Kampagne aufmerksam machen, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Bekenntnis zum Ehrenamt in Sachsen zu stärken. Prompt hagelte es Kommentare wie „Rechtes Sachsen … Hitlergruß … Aufmarsch von Nazis … schäme dich etc.“ Wir haben uns in dieser Situation dafür entschieden, mit „Hatern“ ins Gespräch zu kommen und Gegenfragen zu stellen, anstatt die Kommentare zu ignorieren.

Was ist eure eigentliche Tätigkeit im Bundestag?

Nine: Wir arbeiten beide für einen Abgeordneten. Unsere Aufgabenfelder sind doch sehr unterschiedlich. Ich habe Rechtswissenschaften studiert und bereite beispielsweise die Berichterstattungsthemen in einigen Ausschüssen auf, so zum Beispiel im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz.

Lara: Ich bin für den Bereich Kommunikation zuständig und beschäftige mich damit, wie Politiker mit Hilfe von Social Media ihre Fachkompetenz und ihre Persönlichkeit einsetzen können, um den Menschen ihre politischen Überzeugungen zugänglicher zu machen.

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Um Politik zu verstehen, muss man sich erst einmal genauer mit ihr beschäftigen. Das kann auch schnell entmutigen. Sind die meisten jungen Leute eurer Meinung nach zu wenig an Politik interessiert oder merkt ihr ein steigendes Interesse?

Nine: Aufgrund unserer Zuschriften haben wir den Eindruck, dass sich junge Leute durchaus für Politik interessieren. Tatsächlich ist es aber so, dass aller Anfang schwer ist. Ich denke jedoch, dass man noch mehr Unterstützung leisten kann dafür, dass gerade junge Leute frühzeitig ein Verständnis entwickeln, wie unsere Demokratie funktioniert und wie man sich selber einbringen oder engagieren kann.

Lara: Eine weitere Beobachtung von uns: Gerade auch Politiker sprechen häufig in recht komplizierter Sprache. Das liegt natürlich auch daran, dass politische Sachverhalte sehr komplex sind. Wir leben in einer Welt der digitalen Reizüberflutung, in der von allen Seiten der Versuch unternommen wird, unsere Aufmerksamkeit zu beanspruchen. Meinung wird heutzutage vielseitig im Internet gebildet und viele Politiker sind zurzeit in einem Lernprozess, was ihre digitale Präsenz angeht.

Und vor allem, weil man euch die Leidenschaft für Politik ansieht: Wie kann man jemanden für das Thema begeistern?

Lara: Ich denke vor allem, indem man selber mitmachen kann und durch cool aufbereiteten und inhaltlich interessanten Content. Wir nutzen zum Beispiel die Umfragen-Funktion bei den Instagram Stories, um unsere Follower zu ihrer Meinung zu befragen. Oder wir machen ein Quiz mit Fragen zu unseren Videos im Stil von „Teste dein Wissen“ – das ist interaktiv und fordert heraus. Ein Follower von uns, Jonas, 13 Jahre alt, hat uns neulich geschrieben, dass er aufgrund unserer Videos beschlossen hat, in eine politische Jugendorganisation einzutreten und sich zu engagieren. Darüber freuen wir uns sehr.

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Was hat euch anfangs am meisten bei eurer Arbeit im Bundestag erstaunt? Gab es etwas, mit dem ihr gar nicht gerechnet habt oder etwas oder jemanden, den ihr euch ganz anders vorgestellt habt?

Nine: Auf jeden Fall. Zum Beispiel kann ich mich gut daran erinnern, dass ich allein schon die Parlamentsgebäude beeindruckend fand. Interessant ist dabei nicht nur die Geschichte, sondern auch die Architektur. Zudem ist der Bundestag reich an Kunst in Form von Gemälden, Skulpturen und Installationen. Neben den “Kunst-am-Bau”-Werken besitzt der Deutsche Bundestag seit 1969 eine eigene Kunstsammlung, die Jahr für Jahr durch Ankäufe erweitert wird. Und seit 2005 verfügt der Deutsche Bundestag über einen eigenen Kunst-Raum, der für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst genutzt wird und so das Fenster zur aktuellen Kunstszene offenhält. Da gerate ich gleich wirklich wieder ins Schwärmen!

In einem eurer Posts seid ihr am Beispiel von Jugendorganisationen darauf eingegangen, wie man sich politisch engagieren kann. Was kann man als Berufstätiger tun?

Nine: Eine ganze Menge. Nennen möchte ich hier die sogenannten „Freiwilligenarbeitsprojekte“, welche wertvolle Unterstützung zum Beispiel in Form von Entwicklungsarbeit leisten. Viele Unternehmen fördern dies unter dem Stichwort „Corporate Volunteering“. Des Weiteren gibt es eine Art Suchmaschine „Ehrenamt in meiner Stadt“, die je nach Interessensschwerpunkt einige Vorschläge parat hat. Dies kann von Lesepatenschaften bis zum Gesprächstraining mit Demenzkranken gehen. Wer keine Zeit hat, könnte mit Sach- und Geldspenden helfen. Ehrenamt nützt nicht nur der Gesellschaft, sondern kann Freiwilligen dazu dienen, sich persönlich weiterzuentwickeln und eine neue Sichtweise auf alte und neue Probleme zu gewinnen.

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Egal, was für Entscheidungen Politiker treffen, sie müssen täglich mit extrem viel Kritik umgehen. Könnt ihr euch seit eurer Arbeit im Bundestag mehr mit einzelnen Politikern identifizieren und versteht gewisse Entscheidungen mehr als vorher?

Lara: Ja, in der Tat. Ich habe enorm viel Respekt vor der täglichen Arbeit von Politikern. Viele der Themengebiete sind extrem komplex. Ich glaube, es wird häufig unterschätzt, wie tiefgreifend man sich mit den Themen auseinandersetzen muss, um sich ein abschließendes Urteil zu bilden und Entscheidungen zu treffen. Deshalb ist es für Politiker auch wichtig, einen Stab an guten Leuten und Vertrauten zu haben, die ihnen zuarbeiten und beratend zur Seite stehen.

Wenn es um die Wahl geht, sprechen viele davon, dass sie nur das kleinste Übel an Parteien wählen können.
Seht ihr das genauso oder wie habt ihr zu einer Partei gefunden?

Lara: Grundsätzlich wird es in jeder Partei Positionen geben, mit denen man sich nicht zu 100% identifizieren kann. In den Parteien gibt es ja auch unterschiedliche Strömungen und der demokratische Prozess sieht vor, für Entscheidungen auch einen Konsens zu finden. Kompromisse können aber auch dazu führen, dass Parteien weniger unterscheidbar werden und dadurch Parteien mit radikaleren Positionen mehr Zuspruch erhalten. Traditionelle Parteien als „kleinstes Übel“ anzusehen, ist ein deprimierender Ansatz. Aber auch ich würde mir wünschen, dass wieder mehr über mutige Visionen diskutiert wird.

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Was sind momentan die für euch wichtigsten politischen Themen im Bundestag?

Nine: Ich denke, es kommt ganz auf den Blickwinkel an. Die Arbeit im Ausschuss „Arbeit und Soziales“ ist von großer Bedeutung für alle Generationen. Demgegenüber sind Bildung und Forschung entscheidende Voraussetzungen für Innovationen in Wirtschaft und Gesellschaft. Der Gesundheitsausschuss diskutiert von der menschenwürdigen, qualitativ hochwertigen Pflege bis hin zur flächendeckenden ärztlichen Versorgung. Dies lässt schon erkennen, dass alle 24 Ausschüsse des Deutschen Bundestages wichtige politische Arbeit leisten und letztlich die Politiker eine große Verantwortung tragen.

Schaut man sich die Zahlen der Abgeordneten auf bundestag.de an, könnte man meinen, dass Politik noch überwiegend Männersache ist. Aktuell sind es 219 Frauen und 490 Männer. Warum sollten eurer Meinung nach mehr Frauen in die Politik?

Lara: Es ist interessant, dass zurzeit drei sehr wichtige Positionen in der Politik mit Frauen besetzt sind: Angela Merkel als Bundeskanzlerin, Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Chefin und Andrea Nahles als Chefin der SPD und SPD-Fraktion. Und dennoch sind leider nur wenige Frauen im Parlament vertreten. Das finden wir sehr schade. Das Parlament sollte doch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft sein und aktuell sind Frauen definitiv unterrepräsentiert.

Nine: Ich glaube, es ist wichtig, dass Frauen generell noch besser zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen. Deshalb freuen wir uns besonders über positives Feedback von Frauen zu unserem Kanal.

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Danke für eure Zeit und für die spannende Führung.

Eure tägliche Dosis Insta.Politik findet ihr bei Instagram.

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