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Instagram statt Bettgeflüster – Wie das Smartphone unser Liebesleben verändert

Eine Studie aus den USA gibt Hinweise darauf, wie das Smartphone unsere sexuellen Bedürfnisse verändert. Doch wie ist es soweit gekommen?

Wie sieht sie aus, die neue Zweisamkeit? Wo man früher noch kuschelnd im Bett lag, liegt man heute schweigend nebeneinander, die Aufmerksamkeit nicht auf dem Partner, sondern auf dem Handy. Eine alarmierende Studie der General Society Survey portraitierte dieses alltägliches Szenario. Sie ergab, dass rekordverdächtige 23 Prozent der 18- bis 29-jährigen US-Amerikaner im letzten Jahr keinen Sex hatten. Diese Zahl hat sich im Vergleich zu 2008 verdoppelt. Da betrafen es nur 12 Prozent dieser Altersgruppe, die aus verschiedensten Gründen enthaltsam blieb. Größtenteils geben die Befragten den sozialen Medien die Schuld an der eigenen Abstinenz. Im Schnitt prüft man sein Smartphone 84 mal täglich und nutzt es für 154 Minuten am Tag. So passiert es schnell, dass abends die romantische Zweisamkeit von Instagram-Posts, Whatsapp-Nachrichten und dem Scrollen des Facebook Feeds gestört wird.

Im Zuge einer aktuellen Studie von Telefónica Deutschland wurden 1000 Smartphone-Nutzer zwischen 18 bis 29 Jahren zu ihrem Nutzungsverhalten befragt. Besonders bezeichnend für den Zustand unserer sozialen Interaktionen: keiner der Befragten legt sein Smartphone länger als 60 Minuten aus der Hand und jeder beantwortet im Schnitt alle fünf Minuten eine Nachricht. Wenn das Handy ständig zum Interagieren anregt, wie soll es da abends überhaupt zu einem ungestörten, erotischen Miteinander kommen? Die Zeitschrift Psychology of Popular Media veröffentlichte eine Studie mit 170 US-Studenten, die weniger die Dauer der Smartphone Nutzung innerhalb der Partnerschaft an den Pranger stellen, sondern vielmehr die Ablenkung die dadurch entsteht. Wenn der Partner ständig sein Telefon überprüft, sendet er implizit die Nachricht, dass er das was auf dem Telefon passiert für interessanter hält. Das führt nach Aussagen der Befragten vermehrt zu Konflikten und dadurch zu weniger Sex.

Eine weltweite Studie von Motorola ergab, dass die Hälfte der Befragten lieber Zeit mit ihrem Handy, als mit ihren Freunden verbringen und weitere 50 Prozent gaben an, dass ihr Handy ihr bester Freund sei. Darüber hinaus gaben acht Prozent der Nutzer zu, sich mit ihren Freunden nur noch über soziale Medien auszutauschen. Paradoxerweise scheinen ‘soziale’ Netzwerke die Menschen weiter voneinander zu entfernen, anstatt sie einander näher zu bringen.

Warum verbringt man lieber Zeit mit dem Smartphone, als mit dem Partner?

Bezeichnend für den veränderten Stellenwert von Sex in unserer Beziehung ist auch das Ergebnis der Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marktagent.com. Demnach würden 53 Prozent der Befragten eine Woche lang auf Sex verzichten, jedoch nur 19 Prozent auf ihr Smartphone.

So sehr das Handy Intimität aus dem Schlafzimmer verdrängt, serviert es uns Sex auf einem Silbertablett. Täglich konsumiert man sexualisierte Inhalte auf Instagram, Pornographie ist stets mobil auf Abruf und Apps wie Tinder ermöglichen uns Sex durch einen kurzen Swipe. Das Angebot ist ausufernd, Sex omnipräsent, aber eben nur virtuell.

Warum verbringen viele lieber Zeit mit ihren Handy, als mit ihren Freunden und Partnern? Und was passiert eigentlich mit unserem Gehirn, wenn wir unser Smartphone nutzen? Wenn wir Nachrichten auf unser Telefon erhalten, setzt dieses Ereignis in unserem Gehirn den Botenstoff Dopamin frei. Lange Zeit hat die Forschung vermutet, dass Dopamin unter anderem das Belohnungssystem unseres Gehirns kontrolliert. Neueste Forschungen sind da allerdings anderer Meinung. Dopamin löst nach diesen Erkenntnissen nicht mehr nur ein positives Gefühlserlebnis aus, sondern fördert zugleich unser zielgerichtetes Verhalten. Es leitet den Menschen also an, gezielt bestimmten Dingen nachzugehen.

Foto: Zun Zun.

So regen Benachrichtigungen von Instagram, Nachrichten auf Whatsapp und Neuigkeiten bei Facebook ständig dazu an, zu überprüfen, was auf den Netzwerken neues passiert ist. Und so landet der Smartphone-Nutzer in einer befriedigenden, Dopamin induzierten Endlosschleife das Handy in die Hand zu nehmen und zu prüfen, was es Neues gibt. Bis alle Apps auf dem Handy nach Neuigkeiten abgegrast sind, dauert das natürlich seine Zeit. Und so hat unsere ständige Erreichbarkeit das Bedürfnis nach echtem Kontakt bereits weit zurückgedrängt. Kein Wunder also, dass viele ihren Partner auf Grund einer neuronalen Welle des Smartphone-Glücks im Bett links liegen lassen.

Das Bett wird zur Smartphone-freien Zone deklariert

Wenn dem Smartphone weiterhin erlaubt wird, das Bedürfnis nach Sex mit dem Partner zu verdrängen, kann die Beziehung langfristig Schaden nehmen. Verbannt man es aber an die Ladestation und widmet seine Aufmerksamkeit Abends wieder voll und ganz der gemeinsamen Zeit, kann auch die Digitalisierung unseren zwischenmenschlichen und körperlichen Bedürfnissen nichts anhaben. Dr. Volker Busch , Facharzt für Neurologie an der Universitätsklinik in Regensburg, sagte gegenüber dem Focus Magazin, dass allein täglich geregelte Smartphone-Pausen helfen werden, die Smartphone-Sucht abzuschwächen und Kontrolle über unsere Bedürfnisse und unser Verhalten zurückzugewinnen. So können wir uns wieder dem menschlichen Kontakt zuwenden, der uns tatsächlich Wärme spendet und nicht nur der blauen Handystrahlung.

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