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Männlichkeit wird kritisiert und alle rasten aus!

Männer müssen sich ändern! Darf man das so sagen oder ist das schon männerfeindlich? Die aktuelle Debatte um die Rolle der Männlichkeit in unserer Gesellschaft, sorgt für Uneinigkeit und aggressive Stimmung im Netz.

Als die #MeToo-Bewegung im Jahr 2017 aus den USA nach Deutschland überschwappte, wurde auch hierzulande die strukturelle Belästigung, Diskriminierung und Ungleichbehandlung, die vom ‘starken Geschlecht’ ausgeht – endlich – ins gesellschaftliche Bewusstsein gerückt. Heute – zwei Jahre später – ist klar: Es muss sich etwas ändern. Doch wie genau diese Veränderung aussieht, bleibt unklar.

Entmannung als Zukunftsszenario

Ein neuer Werbespot des Rasierer-Herstellers Gillette, der innerhalb von 48h zum viralen – und polarisierenden – Internet-Hit wurde, versucht positive Antworten zu finden auf diese ‘Krise der Männlichkeit’. „Mobbing, die MeToo-Bewegung gegen sexuelle Belästigung, Toxic Masculinity, ist das bereits das Beste, zu dem Männer in der Lage sind?“, fragt das Voice-Over zu Beginn des knapp zweiminütigen Clips. Ausschnitte aus der Berichterstattung über die #Metoo-Bewegung, Szenarien von Sexismus in der Arbeitswelt und im Film, sowie Gewalt zwischen Jungen werden miteinander verbunden, um zu verdeutlichen, in welcher Form Männer in diesen Situationen selber eingreifen können.

Doch könnten die Reaktionen auf den kurzen Werbefilm unterschiedlicher nicht sein und verdeutlichen gerade dadurch seine gesellschaftliche Tragweite. Einerseits erhielt Gillette Lob für die Schaffung eines positiven Zukunftsszenarios, während andere Stimmen die „entmannende“ Kampagne schlicht als Erbärmlichen globalen Angriff auf Männlichkeit bezeichneten. „Die Kommentare unter der neuen Gillette Werbung sind ein lebendes Dokument dafür, wie dringend die Gesellschaft Dinge wie die Gillette Toxic-Masculinity-Werbung benötigt“, schreibt der australische Journalist Andrew P. Street auf Twitter.

Das Video präsentiert negative Verhaltensweisen von toxischer Männlichkeit wie Catcalling.

Traditionelle Männlichkeit ist gefährlich

Die Veröffentlichung der neuen Werbekampagne findet zeitgleich mit der erstmaligen offiziellen Warnung der ‘American Psychological Association’ (APA) vor ‘Toxic Masculinity’ statt, wie die LA Times berichtete. ‘Toxic Masculinity’, ein im englischsprachigen Raum geläufiger Begriff, beschreibt die giftigen Verhaltensweisen und Strukturen von Dominanz und Aggression gegenüber Frauen, und nicht-männlichen Körpern, die das klassische westliche Männlichkeitsbild unterstützt.

Die Anfang Januar veröffentlichte Warnung der APA beruft sich auf 40 Jahre Forschung. Untersucht wurde eine gesellschaftlich-verankerte Form der ‘Männlichkeitsideolgie’, die traditionell männliche Eigenschaften wie Anti-Weiblichkeit, die Ablehnung von Schwäche, Risikobereitschaft und Gewalt als positiv und erstrebenswert darstelle. Runter brechen könnte man das auf den Spruch den heranwachsende Jungs zu hören bekommen: “Sein kein Mädchen. Das tut man(n) nicht!” Das Gesellschaftsbild welches definiert was ‘richtig männlich’ und quasi unmännlich ist, veranlasst bereits junge Männer dazu, Emotionen zu unterdrücken und Ängste zu verschleiern. Die Folgen seien aggressives Verhalten, Mobbing, sexuelle Übergriffe, und Homophobie und ebnet den Weg für Gewalt gegen andere und sich selber. In wenigen Worte: toxische Männlichkeit ist so relevant weil sie einfach allen schadet, Männer wie Frauen.

Wie sieht eine neue, positive Männlichkeit in Zukunft aus ?

David Jacob geshootet von Jule Müller

Die Botschaft der ‘We Believe’-Kampagne ist simpel: ‘See something, say something!’ – Veränderung beginnt zwischen Männern selber. „Gillette glaubt an das Beste in Männern“, äußerte Gary Coombe, der Präsident des Gillette-Mutterunternehmens Procter & Gamble, in einer öffentlichen Stellungnahme. „Nur indem wir uns gegenseitig zur Rechenschaft ziehen und eine neue Generation unterstützen auf ihr Bestes hinzuarbeiten, können wir positive Veränderungen bewirken.“

Gillette wurde von vielen Stimmen dafür kritisiert ein so relevantes feministisches Thema in einen plumpen Werbeslogan zu verwandeln. Zwar sollte man die zugrunde liegende, rein wirtschaftliche Intention, Männern Rasierer zu verkaufen, nicht vergessen – doch kann die Kampagne einen Ausblick auf eine neue ‘positive Männlichkeit’ geben und eine realistische Form des gesellschaftlichen Umdenkens, das von Männern selber ausgeht und diese ‘Krise der Männlichkeit’ beenden könnte. Männer müssten sich ehrlich mit ihrer gesellschaftlichen Stellung und den damit einhergehenden Privilegien auseinandersetzen.

„Diese Werbung ist nicht anti-Männer, sie ist pro-Menschheit“, schreibt Bernice King, Tochter der verstorbenen Bürgerrechts-Legende Martin Luther King, im Guardian. „Und sie verdeutlicht, dass es charakterliche Stärke braucht, um Zustände zu verändern.“

Mehr lesen zum Diskurs der Geschlechter könnt ihr in unserem Kompendium Multiple Gender.

Headerbild: Anton Darius | @theSollers

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