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Meine Freunde sind mein Europa

Kurz vor der Wahl des Europa-Parlaments 2019 erzählt Claudio Rimmele, Chefredakteur von Qiio, seine persönliche Geschichte mit der Europäischen Union und stellt Menschen vor, die er ohne die EU vielleicht niemals kennengelernt hätte.

Ein Zug fährt. Ein Kind sitzt am Fenster und sieht verschiedene Landschaften vorbeirasen. Berge, Wälder, Seen und immer mal wieder eine Stadt. Dieses Kind merkt gar nicht, dass der Zug von einem Land in das nächste fährt. Man sieht weder eine Grenze noch wird nach dem Ausweis gefragt. Dieses Kind war ich.

Als Kind dachte ich, dass Väter die Aufgabe hätten, ihren Kindern Deutsch beizubringen. Im italienischen Kindergarten war ich verblüfft, dass die anderen Kinder nichts verstanden, wenn ich ins Deutsche wechselte. Hat dir das dein Vater nicht beigebracht?

Meine Eltern lernten sich in den 80ern in Freiburg am Institut für Germanistik kennen. Meine italienische Mutter studierte dort aus Liebe zu den deutschen Philosophen, die sie unbedingt im Original lesen wollte.

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Ohne die Europäische Union hätten sich meine Eltern niemals kennengelernt. Und auch alle weiteren Jahre, in denen sie immer mal wieder aus beruflichen Gründen von einem Land ins andere wechselten, hätten sich vermutlich als schwierig, wenn nicht sogar als unmöglich erwiesen.

Als ich fünf Jahre alt war, wurden die Grenzen zu einem neuen Teil Europas geöffnet. Und wenige Jahre nach der Wiedervereinigung zogen wir genau dorthin. In den tiefen Osten, wo früher kein Europa war. Wobei mir das als Kind unlogisch vorkam, warum dieser Teil der Welt nicht Europa sein sollte, wo es sich doch genauso auf dem europäischen Kontinent befand wie die anderen Länder?

In Dresden waren meine Mutter und ich für viele Menschen die erste Begegnung mit Personen aus einem anderen europäischen Land. Meine Mutter musste regelmäßig den älteren Frauen im Supermarkt erklären, wie man Zucchini zubereitet. Denn mit diesen komischen Gurken, die roh nicht gut schmecken, waren die Menschen noch nicht so vertraut.

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In diesen Jahren wurden lange Zugfahrten unternommen. 18 Stunden dauerte die Zugfahrt von Dresden nach Florenz. Als Kind fühlte sich das immer an wie eine ganze Woche. Der Gedanke an Europa war für mich eher weit weg. Wie ein entfernter Verwandter. Zu sehr überwog die Frage, wie man sein möchte? Wie die Mutter oder wie der Vater? Deutscher oder Italiener?

Mit dem Umzug nach Berlin war man auf einmal nicht mehr allein mit seiner Geschichte aus zwei Ländern. Und andere Lebensgeschichten gingen über viel mehr Länder hinweg. Die Namen der Länder schienen auch für die Geschichten ihre Bedeutung zu verlieren. Man wusste mehr über einen Menschen, wenn man die Heimatstadt kannte. Oder wie die Familie sich an Feiertagen verhielt. Oder wie laut man sich in den öffentlichen Verkehrsmitteln mit seinen Freunden unterhielt.

In den letzten Jahren habe ich Europa als Teil meiner Identität angenommen. Die Möglichkeiten, die ich und meine Familie hatten, frei zu reisen, frei zu arbeiten und frei über unser Leben zu entscheiden, hat mich in meiner Arbeit und meinen Werten stark geprägt.

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Aber ich bin nicht nur dankbar, selber diese Freiheiten genossen zu haben. Viel mehr weiß ich heute zu schätzen, dass ich dank der Idee der Europäischen Union viele Menschen kennenlernen durfte. Einige von ihnen haben mein Leben sehr bereichert und sind heute meine Freunde.

Für diesen Artikel habe ich sie gebeten, mir einen kleinen Brief zu schreiben, was Europa für sie persönlich bedeutet. Ihre Gesichter und Gedanken findet ihr zwischen den Zeilen meiner eigenen Geschichte. Weil sie Teil dieser Geschichte sind und ich sie euch vorstellen möchte. Sie machen mein Leben aus. Sie sind mein Europa.

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Hast du auch Lust, uns einen Brief zu schreiben, was Europa für dich bedeutet? Unter allen Einsendungen verlosen wir mit Qiio drei Sweatshirts mit der Europa-Flagge. Mit dieser Verlosung geht es uns nicht darum, ein Fashion-Statement zu setzen, sondern dir ein kleines Dankeschön für deine Einsendung zukommen zu lassen.

So nimmst du teil:

  1. Erzähl uns in einem Kommentar auf Instagram oder per Mail, was Europa für dich bedeutet. (kontakt@blogfabrik.de)

  2. Markiere 2 Freunde in deinem Kommentar, von denen du wissen möchtest, was Europa für sie bedeutet.

  3. Folge @qiiomag damit wir dich per DM benachrichtigen können.

Teilnahmeschluss ist der 26.05.19 um 23:59 Uhr. Wir drücken die Daumen ✊. Das Gewinnspiel steht in keinem Zusammenhang mit Instagram. Mit der Teilnahme stimmst du zu, dass wir deine Einsendung für einen Artikel auf www.qiio.de verwenden dürfen. Der Gewinner wird per Zufall ermittelt und per Direktnachricht kontaktiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Am wichtigsten ist uns aber, dass du am 26.05.19 wählen gehst. Denn je mehr Menschen mitentscheiden, wer ins Europa-Parlament einzieht, desto stärker ist die europäische Demokratie und diese ermöglicht uns unschätzbare Freiheiten.

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