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Meinung: Fußball-Weltmeister kann man nicht ausrechnen, auch nicht mit KI

Wissenschaftler der Technischen Universität Dortmund simulieren die Weltmeisterschaft 100.000 Mal und ermitteln so den Weltmeister. Doch wie realistisch ist das?

Rummenigge war mit dem berechnenden Stil des damaligen Bayern-Trainers Hitzfeld nicht einverstanden. Foto: Michael Lucan, Lizenz: CC-BY-SA 3.0 de, CC BY-SA 3.0

Der erste Doppelpack von Lukas Podolski bei FC Bayern München hätte eigentlich ein Festtag sein müssen. Doch an einem kalten Novembertag im Jahr 2007 waren die Münchener nach einem 2:2 gegen die Bolton Wanderers alles andere als glücklich. Allen voran Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge machte seinem Ärger Luft und sagte einen Satz in die Mikrofone der wartenden Journalisten, der legendär werden sollte: „Fußball ist keine Mathematik.“

Fußball besitzt zu viele Variablen

Damit kritisierte Rummenigge den damaligen Trainer des Rekordmeisters, Ottmar Hitzfeld, scharf. Denn er war bekannt dafür, seine Aufstellungen zu rotieren, also Spieler zu schonen und vor großer Belastung zu schützen – Hitzfeld versuchte, den Fußball auszurechnen. Rummenigge war deshalb stinksauer. Er forderte seinen Trainer auf, immer die bestmögliche Mannschaft aufzustellen. Fußball, so Rummenigges Vorstellung, besitzt zu viele Variablen. Immer ist alles möglich. Ein Szenario kann nicht ausgerechnet werden.

Heute, elf Jahre später, ist Rummenigge immer noch Chef beim FC Bayern. Ottmar Hitzfeld ist im verdienten Ruhestand, Lukas Podolski hat Eisdielen und Dönerbuden aufgemacht und die Bolton Wanderers spielen in der zweiten englischen Liga. Alles gut also? Nicht ganz! Denn ein Wissenschaftler tritt gerade an, Rummenigges Satz zu widerlegen. Und das aus noch aus Dortmund!

100.000 Simulationen später: Deutschland wird Weltmeister

Andreas Groll arbeitet an der Technischen Universität Dortmund und versucht das Unmögliche möglich zu machen: Er will den Fußball ausrechnen. Genauer: die Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Mit 100.000 Simulationen des Turniers wollen Groll und sein Team den späteren Gewinner voraussagen. Die Methode, die sie anwenden, ist die „Random Forest“-Technik. Sie ist optimal, um große Mengen an Daten handhabbar zu machen. Im Falle der Weltmeisterschaft analysieren die Wissenschaftler die Resultate von einem zufällig erstellten Turnierbaum.  Dann wiederholen sie den Vorgang – insgesamt 100.000 Mal.

Das Endergebnis ist der Durchschnitt von allen zufällig simulierten Turnierbäumen. Die Stärken der Mannschaften werden aus unterschiedlichen Faktoren ermittelt: Ihr Platz in der FIFA-Rangliste, ihre Zahl an Champions League-Spielern und sogar das Bruttoinlandsprodukt des Landes. Aufgrund dieser Analyse kommen Groll und sein Team zum Schluss, dass höchstwahrscheinlich Deutschland in Russland Weltmeister wird.

Was nicht miteinberechnet wurde

Da stellt sich die Frage, ob Groll und die anderen Wissenschaftler auch das Foto von den Mittelfeldspielern Mesut Özil und Ilkay Gündogan beim türkischen Staatschef Recep Erdogan in ihren Variablen haben, oder die überraschende Nichtnominierung von Premier League Star Leroy Sane, oder die dürftige Unterkunft der deutschen Mannschaft in Watutinki, die Bundestrainer Löw offen kritisierte, oder die plötzliche Erkrankung von Stammspieler Jonas Hector, oder den klasse Auftritt von Deutschlands erstem Gegner Mexiko, der mitunter zur ersten Niederlage der DFB-Elf führte.

Wurde überraschend nicht nominiert: Leroy Sane. Foto: Thomas Rodenbücher – MSV-Schalke-5709.

Wahrscheinlich nicht. Denn all diese Faktoren kamen zusammen, als Deutschland das erste Mal auf dem Platz stand und wie gelähmt wirkte. Die erste Niederlage im Turnier heißt noch nichts, zeigt aber, dass es unmöglich ist, den Fußball im Voraus auszurechnen. Rummenigge hat recht: Fußball ist keine Mathematik.

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