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“Mommy Makeover” – Muttersein ohne Makel

Neue Brüste, eine Bauchdeckenstraffung oder Fettabsaugung. Immer mehr junge Mütter entscheiden sich für ein „Mommy Makeover“, eine Rundumerneuerung nach der Geburt. Woher kommt dieser Trend und was erzählt er über die Mütter von heute? 

Eine Schwangerschaft, eine Geburt ist mehr als nur eine Kraftanstrengung, oft ist sie ein Kampf mit dem eigenen Körper. Ein Kampf, der für viele Frauen auch nach der Entbindung weitergeht. Mit Sport und gesunder Ernährung kämpfen sich junge Mütter zurück in ihre alte Kleidergröße. Nicht immer ist dieser Kampf mit dem eigenen Körper erfolgreich. Nicht jede Frau kann oder will sich dann mit diesem neuen Ich, dieser neuen Schale anfreunden. Manch eine entscheidet sich fürs Messer. 

mommy makeover

Mommy Makeover als Trend-Suchbegriff auf Google. Foto: Google.

Neue Brüste, eine Bauchdeckenstraffung, Fettabsaugung oder die Straffung der Vagina. Eingriffe, die unter einem Suchbegriff auf Google trenden: Mommy Makeover. Ein Trend, der es vor rund sieben Jahren von den bunten Titeln amerikanischer Klatschzeitschriften in die Wartezimmer der deutschen Schönheitschirurgen schaffte. Ein Trend, der die Zeichen, die Überbleibsel der Schwangerschaft tilgen soll. Keine schlaffen Bäuche, keine Dehnungsstreifen, kein Extra-Gewicht. Mütter ohne Makel.

 Mütter ohne Makel 

Von diesen neuen Müttern gibt es immer mehr. Auf Instagram, den Laufstegen in Paris und Mailand und in Hollywood-Produktionen. Wer „After Baby Body“ googelt, der wird geflutet mit einer Welle von knackigen Frauenkörpern, Tipps zum richtigen Abnehmen und speziellem Workout. Wer sich durch die Bilder klickt, bekommt schnell den Eindruck, dass Mütter ohne Makel die neue Norm sind: Finanziell unabhängig, liebevoll mit Kind und Mann, organisiert im Haushalt. Und dank Mommy Makeover schlank, schön und gut gelaunt.

2014 ließen sich rund 20.000 Frauen in Deutschland Fett absaugen, 4.000 unterzogen sich einer Schamlippenkorrektur, rund 9.500 ließen sich die Bauchdecke straffen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter plastischen Chirurgen aus dem Jahr 2015. Tendenz steigend. Woher kommt dieser Trend zum Makeover, dieser Wunsch nach Perfektion, der Frauen schon nach wenigen Monaten nach der Geburt zum ersten Beratungstermin treibt?

Immer mehr junge Mütter entscheiden sich für ein „Mommy Makeover“, eine Rundumerneuerung nach der Geburt. Foto: Arren Mills.

 

Die Welle des Makeovers schwappte aus den USA nach Europa

„Seit sechs bis sieben Jahren steigen die konkreten Nachfragen zu plastisch chirurgischen Eingriffen nach Beendigung der Stillzeit“, sagt Dr. med Mariam Omar. Die Fachärztin betreibt eine Klinik für plastische und ästhetische Chirurgie in Berlin. Ein Trend, der seinen Ursprung in  den USA und Brasilien habe, sagt Mariam Omar. „Und jetzt gibt es eben dieses Label dafür: Mommy Makeover.“

Die meisten ihrer Patientinnen seien zwischen 35 und 40, finanziell gut aufgestellt und berufstätig. „Das sind Frauen, die im Leben stehen“, sagt Dr. Mariam Omar. „Die sagen: Nach dem Glück der Schwangerschaft möchte ich mich in meinem eigenen Körper wohlfühlen“

Ein Trend, der sicherlich auch durch soziale Medien befeuert werde, bestätigt Omar. Rund 300.000 Einträge gibt es unter dem Hashtag “Mommy Makeover” bei Instagram. Wer sich vor der Operation ein Bild von dem Ergebnis machen möchte, wird hier fündig. 

Die Fachärztin Dr. med Mariam Omar betreibt eine Klinik für plastische und ästhetische Chirurgie in Berlin. Foto: Privat.

Rund 50 Prozent, der Patientinnen, die zu Mariam Omar in die Praxis kommen, fragen nach einem Mommy Makeover: nach einer Brust-OP in Kombination mit einer Bauchstraffung oder einer Fettabsaugung. Im Vergleich zu früheren Zeiten ein klarer Anstieg, erklärt Omar. Die meisten ihrer Patientinnen seien zwischen 35 und 40, finanziell gut aufgestellt und berufstätig. „Das sind Frauen, die im Leben stehen“, sagt Omar. „Die sagen: Jetzt bin ich mal dran.“

 

Das Mommy Makeover als emanzipativer Akt?

 „Mommy Makeover ist vor allem ein Marketingbegriff der Schönheitschirurgie, der suggeriert: Da muss rekonstruiert werden und zwar alles“, erklärt Kerstin van Ark. Von Ark ist Geschäftsführerin und Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen e.V. in Berlin.

Kerstin van Ark ist Geschäftsführerin und Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen e.V. in Berlin. Foto: privat.

Seit Jahren beobachtet van Ark, dass immer mehr junge Mütter sich unters Messer legen. Da findet eine Normalisierung statt, erzählt van Ark. „Eine Normalisierung, die vor allem Druck aufbaut.“ Immer schneller müssten Frauen heute nach einer Geburt wieder fit sein, sagt van Ark. „Das finde ich bedenklich.“

 

Immer mehr junge Mütter legen sich unters Messer 

Die Mutter ohne Makel, ist sie die neue Norm?

„Die Frauen heute sprechen anders über ihren Körper als noch vor ein paar Jahren“, sagt Sabine Kroh. „Als Gesellschaft sind wir viel öffentlicher geworden, auch mit unseren Körpern.“ Seit dreißig Jahren betreut Kroh als Hebamme Schwangere und junge Mütter.

Der Wunsch, nach der Geburt sofort wieder den alten Körper herzustellen, werde jetzt immer häufiger an sie herangetragen. Dass immer mehr Mütter plastische Chirurgie in Erwägung ziehen, sei auch eine Konsequenz dieser Öffnung, glaubt Kroh. 

Was rät sie den Frauen, die einen Eingriff planen? „Vor allem eine gute Beratung“, sagt Kroh und mindestens ein Jahr nach der Geburt mit der Operation zu warten. „Diese Zeit braucht der Körper, um sich zu erholen. “

Geduld und Erholung statt Social Media und dem perfekten After-Baby-Body. Was heute noch normal ist, wird angesichts der bunten Bilderflut, dem Trend zur OP, vielleicht irgendwann zur Ausnahme. Wer dann noch mithalten will, muss unters Messer. Oder einen anderen Weg gehen: weg von Instagram, hin zu Frauen, Müttern, deren Körper ebenfalls einen Wandel vollzogen haben. Wer dann immer noch das Bedürfnis hat, sich unters Messer zu legen, hat immerhin Zeit gehabt, wieder im alten Körper anzukommen. 

über 328.000 Suchergebnisse des Hashtags #mommymakeover auf Instagram. Foto: Gesa Steeger.

Romy Busacker wartete fast zwei Jahre mit dem Mommy Makeover. Zuerst ließ sie sich die Brüste vergrößern, da war ihr Kind knapp fünf. „Nach einer langen Zeit des Stillens und starker Gewichtsabnahme war von meiner Brust nicht mehr viel übrig“, sagt die 34-jährige.  Etwas später ließ sie sich an Bauch und Hüften Fett absaugen. „Meine Problemzonen waren trotz Sport und viel Disziplin mit der Ernährung nicht wegzubekommen.“ Für das Mommy Makeover hat sie sich damals entschieden, weil sie es sich Wert war und den ständigen Kampf gegen die Zeit nicht mehr führen wollte, sagt Busacker. „Ich habe lange daraufhin gespart, um mir diesen Traum zu erfüllen“.  Vor allem sei aber der Wunsch nach einem schönen Körper entscheidend gewesen. „Nur weil ich Mutter bin, muss ich mich nicht gehen lassen”, sagt Romy Busacker. Auf Heidi Klum und Co. habe sie dabei nicht geschaut, nur auf sich. „Ich habe es vermisst, mich in meinem Körper wohlzufühlen“, erklärt Busacker

Sie sei nicht perfekt, aber das eigene Wohlbefinden ist massiv gestiegen. Den Zustand so zu erhalten ist dann nur etwas Fleißarbeit.

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