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Pheromon-Algorithmus – der älteste Liebeszauber der Welt

Flirten mit dem eigenen Körpergeruch? Ein neuer Trend beweist, dass sich immer mehr Menschen nach einer neuen Art des Datings sehnen.

Liebe in Zeiten des Screens ist unwillkürlicher geworden, zielgerichtet, zum Teil unromantisch. Aus Daten werden Dates und dann Liebe – so dachte man. Und wo am Anfang die Euphorie über Instant Dating Apps und Matching-Algorithmen groß war, bricht allmählich die Welle der Ernüchterung. Die Glanzzeit, als Tinder, Bumble u. a. noch das Versprechen hielten, die einsamen Schönen zueinander zu bringen, scheint vorbei zu sein.

Pheromone heißen die Geruchsbotenstoffe, die meinem Gegenüber signalisieren, dass wir ein Match sein könnten. Und sie haften an unserer getragenen Kleidung. Foto: Katja Hentschel

Liebe ist nur selten Zufall

Inzwischen fragmentiert sich das Geschäft mit der Liebe; immer mehr Anbieter drängen mit spezialisierten Dating-Apps auf den Markt. Vom Foodie bis zum Fitnessfreak wollen sie für jeden den passenden Partner finden. Deshalb hält sich Tinder bedeckt, was seine aktiven Nutzerzahlen angeht. Und die Muttergesellschaft Match Group, der auch OKCupid, Plenty of Fish und andere Dating-Dienste angehören, wird von Analysten heruntergestuft.

Aber, Liebe ist nur in den seltensten Fällen Zufall. Dass Menschen, die sich gut riechen können, gut zusammenpassen, besagt ja nicht nur ein Sprichwort. Pheromone heißen die Geruchsbotenstoffe, die meinem Gegenüber signalisieren, dass wir ein Match sein könnten. Und genau auf diese zielt ein neuer Trend der Beziehungsanbahnung: Liebe über Geruch, ob Smell Dating oder der perfekte Partner aus dem Parfümflakon.

Lebensabschnittsgefährten finden? Immer der Nase nach

Bei Smell Dating erhält der Teilnehmer oder die Teilnehmerin ein weißes T-Shirt zugeschickt, das er oder sie drei Tage und Nächte ohne Deodorant oder Parfüm trägt. Retourniert wird das getragene T-Shirt in kleine Teile zerschnitten und an zehn potenzielle Partner versendet. Alles ist anonymisiert, nur der Geruch entscheidet. Gefällt der Duft einer Stichprobe, trägt man die Präferenz in ein Online-Formular ein. Wählt nun auch der oder die Auserwählte die eigene Stichprobe aus, entsteht ein Match und man erhält auch gleich die Telefonnummer.

Ob aber das, was wir als anziehend bezeichnen, vor allem vom Geruch abhängt, darüber gibt es bisher keine ausreichenden Erkenntnisse. Noch ist Smell Dating in der Testphase und beschränkt auf New York City. Es bleibt daher abzuwarten, ob aus der als Kunstprojekt gestarteten Idee ein Service wird, den wir auch in Deutschland nutzen können.

‘Eau.M.G.’ (‘Eau Mon Garcon’):  Flirt-Geist aus der Flasche

Einen anderen Ansatz verfolgt ein Pop-up Shop, der am Valentinstag diesen Jahres in London eröffnete. In Zusammenarbeit mit dem Pariser Parfümeur CARACTER kreierte die Datingseite Match.com individuelle Düfte. Die Technik, Olfactory Photography genannt, lichtet den natürlichen Körpergeruch von sechs männlichen Mitgliedern der Datingplattform in Parfümflaschen ab.

Weibliche Singles hatten bei der Eröffnung die Möglichkeit, die Männerdüfte in Ruhe zu testen und bei Gefallen, den betreffenden Mann über die Plattform direkt zu kontaktieren. Doch auch zusätzliche Informationen wie Alter, Beruf, Wohnort und ein Profilbild waren für Interessierte sichtbar. So kam dem Profilbild letztlich die wahrscheinlich größere Rolle beim Match zu. Dadurch wird der Geruch eher zum Gimmick, als dass es tatsächlicher Kuppelgrund ist.

Hinter Smell Dating und Eau.M.G. steckt eine Mischung aus Wissenschaft und Hoffnung. Menschen verbreiten durch ihren Eigengeruch unwillkürlich Informationen über ihre DNA, die wiederum unbewusst von ihrem Gegenüber wahrgenommen werden. Der Forschung nach bevorzugen Menschen einen Partner, der das eigene Genprofil ergänzt, um so die Wahrscheinlichkeit von gesunden Nachkommen zu steigern. Was für den menschlichen Organismus Sinn macht, klingt natürlich wenig romantisch.

So bleiben Smell Dating und Events wie Match‘s Eau.M.G., zumindest bis wir alle Faktoren entschlüsseln, die die perfekte Partnerwahl garantieren, eher Spaß als wissenschaftlicher Ernst. Noch müssen einsame Herzen also auch anderen Fährten folgen.

Mehr Trends rundum Dating in Zeiten des Screens erfahrt ihr in unserem Kompendium Digitale Partnerschaft.

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