facebook-likehamburgerlupeoverview_iconoverviewplusslider-arrow-downslider-arrow-leftslider-arrow-righttwitter

Foto: Fotografierende.

Schreibtherapie: Über das Schreiben von Briefen an unser Zukunfts-Ich

Der Trend des Briefeschreibens an sein Zukunfts-Ich ist auf Instagram zurzeit sehr präsent. Es soll dabei helfen, seine Ziele zu manifestieren. Doch wie funktioniert das genau? 

Von wem habt ihr das letzte Mal einen guten Rat bekommen? Einer Freundin, von eurer Mutter oder eurem Lieblingsautor? Wir denken bei Ratschlägen oft an die Überlieferung von Weisheit von Älteren an die jüngere Generation, Lehrer an Schüler, Eltern an Kinder. Der Erfahrene berät den Neuling – das war bisher eine gut und gerne akzeptierte Hierarchie. Aber was ist, wenn sich die Perspektive umkehrt und wir, als unser heutiges Ich, einer älteren Version von uns selbst, Ratschläge geben? 

Es ist Winter 2021. Marie studiert Sozialanthropologie an der FU in Berlin, nach wie vor online. Dafür hat sie letzten Sommer ihren Heimatort verlassen und ist ihrem Bauchgefühl nach Berlin gefolgt. Neue spannende Kontakte und aufregende Erlebnisse blieben bisher aus. Schnell musste musste sie sich damit abfinden, dass ihr gesamtes Leben durch den Lockdown und Unigeschehen in den Cyberspace, auf diverse soziale Plattformen verlegt wurde. Wie viele andere Erstsemester in einer fremden Stadt wurde Marie still und leise unglücklich. Im Februar 2021 beschließt sie, ihre Lebenssituation auf eigene Faust zu ändern. Auf Instagram entdeckte sie, wie andere Gleichgesinnte ihrem Zukunfts-Ich Briefe schreiben. Es soll dabei helfen, sich selbst zu motivieren und weniger unglücklich zu sein. Sie beginnt ihren ersten Brief an sich. 

Liebe Marie,

ich freue mich für dich das du dich in Berlin so wohl fühlst und tolle Freunde gefunden hast. Du weißt, es war nicht einfach die ersten Schri…

Das Briefeschreiben ist wohl die älteste Form der Nachrichtenübermittlung. Auch wenn sich dieser Kommunikationsweg digitalisiert hat, bleibt das verschicken von Nachrichten, ob an uns selbst oder andere, ein großer Teil unserer Kommunikationskultur. Foto: Joanna Kosinska.

Über die Unterhaltung mit seinem Zukunfts-Ich

Online gibt es Zahlreiche Anbieter, die einem dabei helfen, eine Email an sein Zukunfts-Ich abzusenden. Ein Anbieter, der nach eigenen Aussagen bereits millionenfach Zukunfts- Emails versendet hat, ist FutureMe. Die Plattform existiert bereits seit knapp 20 Jahren und ermöglicht den Nutzern, eine Email an sich selbst zu schreiben und diese zu einem zukünftigen Zeitpunkt seiner Wahl zu erhalten. Die grundlegende Idee, Briefe an sich selbst zu schreiben, ist auch Teil moderner Psychotherapie. Sogenannte Schreibtherapie wird oft zur Behandlung emotionaler Traumata verwendet. Dabei schreiben die Patienten über bestimmte, von ihrem Therapeuten ausgewählte Themen und schreiben dazu Briefe an ausgewählte Personen oder eben an sich selbst. Eine Studie aus Japan bestätigt, dass das Zukunftsbriefe schreiben therapeutisch sehr wertvoll ist. Dort wird die Praxis in einem Krankenhaus getestet, allerdings nicht an Patienten, sondern an den behandelnden Krankenschwestern. Das sogenannte Role Letter Writing hilft ihnen dabei Stress abzubauen, persönliche Probleme zu erkennen und ihre Arbeit gewinnbringend zu reflektieren. 

Das Zukunftsbriefe schreiben hilft uns bei der Bewusstwerdung der eigenen Ziele und fördert unsere Motivation diese auch tatsächlich zu erreichen. Man geht dabei in sich, wie man in dieser Zeit leben und was man erreichen möchte und schreibt es auf. Wenn man nach der Zeitspanne mit den Veränderungen nicht zufrieden ist, kann man immer über mögliche Änderungen reflektieren. Der Künstler Lee Mingwei verwandelte die Idee in ein wertvolles Projekt, das nicht nur ihn, sondern hunderte Menschen involvierte. Er lud im Berliner Museum Martin-Gropius-Bau die Öffentlichkeit ein, Briefe an sich selbst zu schreiben, die sich mit folgenden Fragen beschäftigen: Wie sieht die aktuelle Situation für dich aus? Was beunruhigt dich am meisten? Was gibt dir Hoffnung? Diese Briefe konnten bis zum Mai 2020 an den Gropius Bau geschickt werden und sind nun dort digital auf der Website einzusehen

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Gropius Bau (@gropiusbau)

In unserem Beispiel hilft das Schreiben Marie dabei, während des Lockdowns wieder Mut zu fassen. Es unterstützt sie dabei ihr Leben zu reflektieren und zu verinnerlichen, was sie in Zukunft ändern kann, um zufriedener zu werden. Sie ermutigt sich selbst mit dem Gedanken, dass ihr Zukunfts-Ich in 6 Monaten ihre Email öffnen wird und erkennt, wie sehr sie ihr Glück im letzten halben Jahr in die eigene Hand genommen hat.

Immer auf dem Laufenden bleiben?

Abonniere jetzt den Qiio-Newsletter

Mein Kommentar

6 + = 15