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Starlink-Satelliten: Der Sternenhimmel wird nie wieder so aussehen wie früher

Der Weltraum wird als Ressource immer beliebter. Wie auch andere Unternehmen setzt Elon Musk mit seinem Projekt „Starlink“ auf außerirdische Datenübertragung mittels Satelliten. Das Ziel: Einwandfreies Internet für alle – egal, wie abgelegen sie auch leben mögen. Was zunächst gut klingt, bringt aber auch viel Kritik mit sich.

Sollte der Nachthimmel künftig nicht von Sternen, sondern von Satelliten erleuchtet werden, könnte Elon Musk seine Finger im Spiel haben. Der Tesla-Chef scheint sowieso irgendwie nicht von dieser Welt zu sein, möchte man meinen, wenn er mit seinem Cybertruck durch die Straßen fährt oder seinem jüngsten Sohn den Namen X Æ A-12 gibt. Und auch mit seinem neuen futuristischen Projekt namens Starlink wagt er sich in die unendlichen Weiten des Weltraums, um das Internet zu revolutionieren. Aber was verspricht das Web 3.0 à la Musk wirklich? 

Internet, das der Himmel schickt

Starlink ist ein Projekt des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX, dessen Gründer und Geschäftsführer wiederum Elon Musk ist. Dessen Ziel lässt sich ganz einfach erklären: Man möchte ein kostengünstiges, zugleich aber auch das fortschrittlichste Breitband-Internet-System der Welt schaffen. Eines, das eine minimale Übertragungszeit hat und auch ländliche Ecken erreicht, wo es mit der Verbindung bisher gehakt hat. Wie das funktionieren soll? Mit speziellen Satelliten, die im Universum ihre Runden drehen. Das neue World Wide Web schickt quasi der Himmel. 

SpaceX Ziel lässt sich ganz einfach erklären: Man möchte ein kostengünstiges, zugleich aber auch das fortschrittlichste Breitband-Internet-System der Welt schaffen. Foto: Bill Jelen.

Aber jetzt einmal ganz konkret: Das Vorhaben soll vorangetrieben werden, indem Falcon-Raketen von SpaceX in verschiedenen Zeitabständen bzw. Aufbauphasen jeweils eine größere Gruppe von Satelliten ins All befördern. Letztere sollen wiederum in niedrigen Umlaufbahnen fliegen und per Laser Daten untereinander austauschen können. Die 260 Kilogramm schweren Modelle sind mit diversen Innovationen ausgestattet und verfügen unter anderem über eine Solaranlage, Ionentriebwerke, Navigationssensoren und sogenannte Phased-Array-Antennen, die elektronisch geschwenkt werden. Wer denkt, das Ganze wäre Zukunftsmusik, muss nur in den Himmel schauen. Denn einige dieser Satelliten haben schon ihre Mission aufgenommen, um den Baustein für das Internet von Morgen zu legen. 

 

Bereits 2018 wurden zwei Testsatelliten ins All geschickt; im November 2019 startete dann die erste Aufbauphase, die insgesamt 1584 Satelliten einplant. Seitdem werden in regelmäßigen Abständen dank Falcon 9 immer wieder neue Modelle über die Wolken katapultiert. Dort können sie, aufgereiht wie eine Perlenkette, sogar gesichtet werden – auch am nächtlichen Himmel in Deutschland. Alle, die sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen wollen, können mithilfe der Plattform “Find Starlink” verfolgen, wann die Satelliten wo auftauchen und zu beobachten sind. 

Der erfolgreiche Start von SpaceX’s Falcon 9 in der Vandenberg Airforce Base am 14. Januar 2017. Foto: Tim Mossholder.

Der Weltraum ist zur wirtschaftlichen Ressource geworden

Wir sind also bereits mittendrin in der Technologie der Zukunft. Das mag für die einen sicherlich gewöhnungsbedürftig, für die anderen gar beängstigend sein. Schließlich, und das müssen wir uns vor Augen führen, wird der Himmel wahrscheinlich nie mehr so sein, wie wir ihn bislang kennen. Aufgrund irdischer Interessen ist der Weltraum als Ressource noch stärker in den Fokus gerückt. Gehen wir von den Erfahrungswerten rund um die Ressource Erde aus, sollte hier präventiv eigentlich folgendes Gebot gelten: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. 

Doch das ist der Knackpunkt: Da der Weltraum keinem Staat allein gehören darf, steht es allen Staaten frei, ihn zu erforschen und zu nutzen. Die Genehmigungen der Starlink-Satelliten hat SpaceX zum Beispiel von der zuständigen US-Behörde FCC (Federal Communications Commission) bekommen – unabhängig davon, wie man vielleicht fernab der Vereinigten Staaten über das Vorhaben, das uns ja international betrifft, denken mag. Im Weltraum herrscht außerdem kein international verbindliches Lotsensystem, wie dies beim Luftverkehr der Fall ist. Wenn die Bedeutung des Alls als wirtschaftliche Ressource also weiter wächst, braucht es künftig Regeln. Und es muss mit Sicherheit zügig darüber gesprochen werden, inwiefern einzelne Unternehmen den Weltraum für sich beanspruchen dürfen.

12.000 geplante Satelliten – leidet das Weltall am irdischen Vorhaben?

Wie wichtig die Diskussion ist, zeigen auch kritische Stimmen aus der Astronomie. Die Gesellschaft American Astronomical Society bezog bereits Stellung und warnte davor, dass es durch die hell leuchtenden und deutlich sichtbaren Satelliten zu einer erheblichen Beeinträchtigung astronomischer Beobachtungen kommen könnte. Fraglich ist auch, ob die Funksignale der Satelliten störend sind oder wie sie sich insgesamt auf die Radioastronomie auswirken werden. Expert*innen befürchten zudem, dass diese in großen Konstellationen langfristig das Bild des Nachthimmels beeinflussen und zur Lichtverschmutzung beitragen könnten. Wird der Sternenhimmel also künftig nur noch ein Satellitenhimmel sein? Denn etwas darf hierbei nicht vergessen werden: Bei den über 400 Satelliten, die bisher auf Tour sind, wird es nicht bleiben. Starlink plant, in den kommenden Jahren mindestens 12.000 dieser Satelliten im Orbit zu haben – Tendenz steigend. 

Starlink plant, in den kommenden Jahren mindestens 12.000 Satelliten im Orbit zu haben – Tendenz steigend. Foto: NASA.

Auf die Menge kommt es an. Denn nur mit dieser Vielzahl an Satelliten soll es künftig möglich sein, lückenlos Internet auf der ganzen Welt anbieten zu können. Internet, das, egal wie fern gelegen und dünn besiedelt ein Ort auch sein mag, nicht nur einwandfrei und schnell funktioniert, sondern auch preiswert ist – was durchaus vielversprechend klingt. Vor allem wenn man bedenkt, dass laut der Internationalen Fernmeldeunion rund 40 Prozent der Menschheit zuhause noch keinen Internetzugang hat. Wird Letzterer geschaffen, könnte das besonders in Hinblick auf Bildung und Berufsmöglichkeiten ganz neue Chancen bieten. 

Wenn alles glatt läuft, soll der Service für das progressive Web in Nordamerika und Kanada noch 2020 starten, 2021 will man weltweit expandieren. Doch bis dahin könnte Starlink bereits seine Spuren hinterlassen haben: Kritische Stimmen äußern sich nämlich auch über die Entstehung und Anhäufung von Weltraumschrott, denn auch Starlink-Satelliten haben ein Ablaufdatum. Das Projekt baut schließlich auf stetige Entwicklungen und somit auf neue, angepasste Modelle auf, die alte ersetzen.

Ein Bild von einem der 400 Satelliten mit Blick auf die Erde, aufgenommen während der Aufbauphase der Starlink-Mission 2019. Foto: SpaceX.

Umstritten, aber durchaus lukrativ

Aber auch hier will man vorsorgen und die Satelliten am Ende ihrer kosmischen Arbeit wieder aus dem Weltraum holen. Das klappt, weil die Modelle beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre einfach verglühen. Auch was die Sichtbarkeit angeht, hat das Unternehmen auf die internationale Kritik reagiert. Künftige Modelle sollen demnach deutlich dunkler erscheinen. Doch trotz der Bemühungen und einem durchaus fortschrittlichen Arbeiten wollen Diskussionen rund um das umstrittene Projekt nicht abebben. 

Zum Beispiel, weil es im All eben keine Verkehrsregeln wie auf der Erde gibt. Auch wenn die Satelliten über Erkennungssysteme verfügen, die Zusammenstöße mit anderen Himmelskörpern vermeiden sollen, gibt es hierfür keine Garantie. Im September 2019 hätte es bereits zwischen einem Starlink- und einem europäischen Forschungssatelliten krachen können, doch das ESA-Kontrollzentrum konnte noch rechtzeitig ein Ausweichmanöver einleiten. Während durch den Satellitenzuwachs im Weltall die Gefahr von Kollisionen steigt, ist Musks Webprojekt auch für Verschwörungstheoretiker*innen ein gefundenes Fressen, die sich um die Privatsphäre und Daten der künftigen Nutzer*innen sorgen. 2015 soll ausgerechnet Google eine Milliarde US-Dollar in Starlink investiert haben. 

Trotz Kritik und Unbehagen ist das Ganze mehr als lukrativ – nicht nur für Musk. Denn der Tesla-Chef ist ja nicht der Erste, der Internet via Satellit anbietet. Aber er fährt bekanntlich gerne groß auf und möchte seine Mitstreiter*innen mit tausenden Satelliten um ein Vielfaches überbieten. Weil sie sich so nah an der Erdoberfläche bewegen, soll ihre Datenübertragung im Gegensatz zu manchen Konkurrent*innen auch deutlich schneller sein – und eben auch in entlegenen Gebieten mit fehlender Infrastruktur funktionieren. So dürfte die Welt künftig also noch ein Stück vernetzter werden. Wie lange das dauert und welche Gefahren und Chancen das Vorhaben langfristig mit sich bringt, steht in den Sternen…

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