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Bild von “Titanas”

Yogi Tee: Ein Getränk mit dunkler Vergangenheit

Nicht alles, was gut schmeckt und gesund ist, ist auch moralisch einwandfrei. Yogi Tee ist in Deutschland für seine gesunden Kräuterrezepturen und inspirierenden Botschaften auf jedem Teebeutel bekannt und beliebt. Was viele Verbraucher:innen jedoch nicht wissen, ist die problematische Geschichte, die sich hinter der Marke verbirgt – eine Geschichte, die eng mit dem Namen Yogi Bhajan verknüpft ist. Content Warnung: Missbrauch, Vergewaltigung, Abtreibung.

Die Anfänge von Yogi Tee reichen zurück in die frühen 1980er Jahre, als Yogi Bhajan, geboren als Harbhajan Singh Puri in Pakistan, die Teemarke ins Leben rief. Nach seiner Ankunft in den USA im Jahr 1969, mit dem Ziel, in Kalifornien und New Mexico Kundalini- und tantrisches Yoga zu lehren, gründete Bhajan die 3HO-Stiftung (kurz für “happy, healthy, and whole”). Diese sollte die Lehren einer bis dahin vermeintlich geheim gehaltenen Form des Yoga verbreiten.

1970 gathering at Santa Clara Canyon,
New Mexico vom Kundalini Research Institute
and Teachings of Yogi Bhajan

Yogi Bhajan servierte seinen Schüler:innen nach seinen Unterrichtseinheiten einen würzigen aromatischen Tee, der später als Yogi Tea bekannt werden sollte. Dieser enthält laut Angaben der Marke fünf Grundgewürze: Zimt, Ingwer, Kardamom, schwarzen Pfeffer und Nelken, die angeblich die Durchblutung fördern, Gelenksteifheit verringern, die Verdauung anregen und Blähungen und Übelkeit lindern.

Bhajan: Yogalehrer, Teeunternehmer und Manipulator

Die verstörende Vorgeschichte des Yogi Tees kam 2019 erstmals durch die Veröffentlichung eines Enthüllungsbuchs seiner ehemaligen Sekretärin Pamela Dyson ans Licht. Sie berichtet darin unter anderem, wie sie zu einer sexuellen Beziehung mit Bhajan gezwungen wurde, eine Beziehung, die in einer erzwungenen Abtreibung gipfelte. Nach der Veröffentlichung des Buches meldeten sich viele ehemalige Mitglieder der Gruppe und berichteten von ihren eigenen Missbrauchserfahrungen durch Bhajan.

Ein Bericht enthüllt grausame Details

Yogi Bhajan in December, 1985
vom Kundalini Research Institute
and Teachings of Yogi Bhajan

Die wachsende Liste an Übergriffen wurde in dem Bericht “An Olive Branch” dokumentiert, der mehrere Fälle von Vergewaltigungen, nicht einvernehmlichen Berührungen, das Zeigen von Pornografie an Minderjährige, und die Verwendung sexuell anstößiger Sprache feststellte. Bhajans Behauptungen, er lebe im Zölibat, waren falsch. Außerdem wandte er eine Vielzahl von Methoden, um seine Schüler:innen zu kontrollieren, darunter Abschottung, Gegenleistungen, Versprechungen, Drohungen, Verleumdungen, Telefonanrufe, Bewachung und/oder die Behauptung, Anhängerinnen seien seine Ehefrauen”.

Neben den Vorwürfen zu sexuellem Missbrauch berichteten ehemalige Mitglieder, dass er seine Anhänger überzeugte, ihre Geburtsnamen aufzugeben und alle Verbindungen zu Personen außerhalb der Gemeinschaft abzubrechen. Dabei arrangierte Bhajan Ehen zwischen Mitgliedern und gründete von 3HO betriebene Schulen in Indien und New Mexico, in welche die Anhänger ihre Kinder schicken mussten.

Diese Schulen waren Berichten zufolge eine Brutstätte für Krankheiten, extreme körperliche Bestrafungen, grobe Vernachlässigung, schlechte Lebensbedingungen und Unterernährung.

Nach Bhajans Tod

Nach Yogi Bhajans Tod im Jahr 2004 übernahm seine Witwe Bibiji Inderjit Kaur Puri die Marke und das Unternehmen Yogi Tea – nachdem es zu Rechtsstreitigkeiten mit den vorherigen Betreibern von Golden Temple gekommen war. Auch sie, sowie ihre gemeinsamen drei Kinder, waren Teil der 3HO-Gemeinschaft und von Yogi Bhajan gegründeten Organisationen.Die Familie hat zu den Vorwürfen und Kontroversen bisher keine Stellungnahmen vorgenommen. 

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Yogi Tee eine Teemarke mit großem Absatz

Trotz der schweren Anschuldigungen gegen Bhajan und die von ihm gegründete Organisation, bleibt Yogi Tee ein bedeutender Akteur im globalen Teemarkt. Der weltweite Spitzenumsatz von Yogi Tea erreichte alleine im Jahr 2022 55,4 Mio. Euro. 

Dies wirft die Frage auf, wie Marken und Produkte, die mit kontroversen Persönlichkeiten und Praktiken verbunden sind, in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden (sollten). Und natürlich, wie Verbraucher damit umgehen, dass der Erfinder des Produktes diese Vergangenheit aufweist. In einer Zeit, in der Verbraucher:innen zunehmend Wert auf Transparenz und ethische Produktionsbedingungen legen, bietet der Fall Yogi Tee wertvolle Einsichten in die Notwendigkeit, über das Produkt hinauszublicken und die Geschichten und Werte hinter den Marken zu verstehen, die wir täglich konsumieren.

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