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Foto: BP Miller.

YouTube-Kanal Finanzfluss – Über Hypes, Krypto und Vernunft am Aktienmarkt

Finanzfluss ist Deutschlands größter Finanz-Youtube-Kanal. Qiio-Chefredakteur Claudio Rimmele hat mit dem Gründer Thomas Kehl über den Hype des Aktienmarktes, Optimismus und seine intellektuelle Faszination für Kryptowährung gesprochen. 

Lieber langfristig investieren oder doch mal eben spontan auf dem Aktienmarkt mitzocken? Traditionell anlegen oder einfach über eine App? Und was sind jetzt nochmal ETFs? Thomas Kehl und Arno Krieger von Finanzfluss haben es sich 2015 zur Mission gemacht, Fragen rund um das Thema Anlage zu klären und Menschen zu ermutigen, ihre Finanzen in die eigenen Hände zu nehmen. Angefangen als YouTube-Kanal mit Erklärvideos haben sie sich innerhalb weniger Jahre zur größten Community für finanzielle Selbstentscheider im deutschsprachigen Raum entwickelt. Mit ihren Videos, Ratgebern und Vergleichen haben sie nicht nur eine Plattform zum Austausch geschaffen, sondern auch eine Community, die sich gegenseitig in Finanzfragen unterstützt. 

Es folgt ein Gespräch mit dem Gründer Thomas Kehl, einem bescheidenen Experten, der nicht behauptet, alles zu wissen oder den Finanzmarkt durchschaut zu haben, sich dafür aber mit einer guten Portion Vernunft und Optimismus seinen Weg bahnt. 

Thomas Kehl gründete den YouTube-Kanal Finanzfluss im Sommer 2015. Foto: Finanfluss.

Wie sieht eigentlich dein normaler Arbeitsalltag aus?

Sehr verschieden. Finanzfluss haben wir nebenbei am Wochenende gestartet, da war es noch eher eine Nebenaktivität. Mittlerweile haben wir ein Team von 15 Mitarbeitern. Ich arbeite nebenbei auch an vielen anderen Sachen, den klassischen Alltag gibt es also nicht. Wir haben jeden Morgen um 9:15 Uhr eine Konferenz, in der wir besprechen, was ansteht und wo man eventuell Hilfe braucht. Besonders im Homeoffice ist das wichtig, um uns zu koordinieren und zu erzählen, was wir heute machen. Danach arbeite ich entweder an neuen Videoskripten, beantworte Community-Fragen oder es wird geshootet und wir schauen uns die fertig produzierten Videos an. Abends ab 18 Uhr streame ich ein- bis zweimal die Woche, aber so gesehen gibt es eigentlich nicht den klassischen Alltag, in dem alles gleich abläuft. 

Würdest du dich selbst als Finanz-Influencer bezeichnen?

Ich habe ehrlich gesagt mit dem Begriff an sich kein Problem. Mir ist schon klar, dass wir viele Leute „influencen”, da uns viele Leute zuhören und unseren Ratschlägen folgen. Wir beraten nicht, sondern wir erklären ganze Sachverhalte, sodass Leute daraufhin selbst entscheiden können, was sie machen wollen. 

Das ganze Thema erlebt gerade einen starken Aufwind. Man merkt sehr, dass auf Instagram und YouTube das Finanzthema viel Aufmerksamkeit bekommt.

Auf jeden Fall. Besonders durch Corona und den Sturz der Aktien sind viele Menschen tief in das Thema Finanzen eingestiegen. Es gab aber bereits 2017 den großen Hype um Kryptowährungen, wo wir einer großen Masse an Menschen das Thema erklärt haben. Wir als Plattform profitieren auch davon, dass wir bereits Inhalte zum Thema ETFs und Nachhaltigkeit produziert haben, bevor der Hype kam. Es geht darum, immer am Puls der Zeit zu bleiben und den Leuten das zu erklären, wo gerade der Schuh drückt. Denn jetzt würde es keinen Sinn mehr ergeben, ein Video über ETFs zu produzieren, weil es davon zu diesem Zeitpunkt bereits sehr viele gibt. 

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Wie erklärst du dir, dass gerade jetzt diese Thematik so gehypt wird? 

Da gibt es drei Punkte, die mir dazu einfallen: Die Leute verbringen mehr Zeit im Homeoffice und setzen sich mehr mit den eigenen Finanzen auseinander. Der zweite Punkt ist der kostenlose und extrem einfache Zugang zu hilfreichen Informationen, mit unserem YouTube-Kanal als Beispiel. Der dritte Punkt ist der vereinfachte Zugang zum Aktienmarkt durch Trading-Apps. 

Meinst du damit ist unsere „German Angst” in Sachen Investitionen jetzt passé? 

Gute Frage. Ich glaube, das wird sich noch zeigen. Wir hatten im März 2020 einen Crash an den Aktienmärkten mit einem Einbruch von 35 %. Das hat die Leute, anders als üblicherweise, dazu bewegt, jetzt erst recht einzusteigen. Gerade junge Menschen hatten die höchsten Wachstumszahlen unter den Neuaktionären. Das zeigt, dass die neue Generation weniger ängstlich beim Investieren handelt. Ob das langfristig so bleibt, muss sich noch zeigen. 

Ich höre, dass sich viele zurzeit erst recht nicht trauen zu investieren und erst den nächsten Crash abwarten wollen. Wie findet man sich da überhaupt erst mal zurecht? 

Das ist halt so ein typischer Markt-Timing-Versuch. Du versuchst, genau im richtigen Moment einzusteigen, wenn die Kurse unten sind, um dann wieder auszusteigen, wenn die Kurse oben sind. Das Problematische an der Sache ist, dass das oft nicht funktioniert – bei Privatanlegern sogar noch weniger. Es ist vor allem wichtig, langfristig zu denken. Aktien sind über Jahrzehnte hinweg immer gewachsen und das mit attraktiven Renditen zwischen fünf und acht Prozent. Das sollte eigentlich das Ziel sein und nicht zu versuchen, innerhalb von zwei Monaten 300 % Gewinn zu machen. Das kann zwar gut gehen, es kann aber genauso gut nach hinten losgehen. Den richtigen Moment gibt‘s nicht, den würde ich auch gar nicht versuchen abzupassen. Man sollte einfach regelmäßig investieren, um langfristig vom Wachstum des Aktienmarkts profitieren. 

Hast du eigentlich das Gefühl, dass alle Menschen am Aktienmarkt, von Groß- bis Kleinanlegern, Gewinne erzielen können?

Klar. Es ist aktuell so einfach wie selten zuvor. Vorher warst du gezwungen, in Einzelaktien zu investieren. Mittlerweile gibt es eine neue Innovation am Finanzmarkt: ETFs. Sie haben an Popularität gewonnen, da sie einem erlauben, sich super breit zu diversifizieren und in Aktien als Anlageklasse zu investieren. Diese Anlageprodukte kriegst du gerade so günstig wie nie zuvor, was Privatanlegern die Möglichkeit bietet, mit Kosten unter 1 % pro Jahr zu investieren, was sonst nur Institutionelle machen konnten. 

Thomas über Markt-Timing-Versuche: “Du versuchst, genau im richtigen Moment einzusteigen, wenn die Kurse unten sind, um dann wieder auszusteigen, wenn die Kurse oben sind.” Foto: Morgan Housel.

Welche Trends findest du am Finanzmarkt gerade spannend? 

Ich finde das Thema Kryptowährungen gerade sehr spannend. Das soll jetzt aber kein Ratschlag sein, da Geld reinzustecken. Ich finde das Thema persönlich einfach intellektuell sehr stimulierend. Einzelne Sektorbetrachtungen, wie Wasserstoff oder Clean Energy, reizen mich eigentlich relativ wenig. 

Was deinen Charakter angeht: Bist du eher vernunft- oder gefühlsgetrieben?

Es kommt darauf an, worum es geht. Bei meinen Anlagen versuche ich eher vernunftgetrieben zu handeln (lacht). 

Wenn du gerade die Weltlage anschaust, wie ist da dein Gefühl? Hoffst du auf die menschliche Vernunft? 

Immer! Ich bin ein ziemlicher Optimist. Ansonsten würde meine Investment-Strategie auch nicht aufgehen. Gerade, wenn man mindestens 15 Jahre lang anlegen möchte, sollte man schon daran glauben, dass sich die Menschheit weiter- und nicht zurückentwickelt. 

Was würdest du gerne am Finanzmarkt ändern und welche Innovationen bräuchte es noch aus deiner Sicht? 

Ich finde den Finanzmarkt derzeitig tatsächlich super spannend. Er hat natürlich auch so seine Tücken, bei denen man relativ schnell viel Geld verbrennen kann. Wenn man sich zum Beispiel diese Wirecard-Stories anhört, wo Leute ihre gesamte Rente in eine einzelne Aktie gesteckt haben. Da hätte ich es schon gut gefunden, dass ihnen bewusst gewesen wäre, was sie da überhaupt für ein Risiko eingehen. Ich weiß aber nicht, ob Regulatorik das Problem lösen kann, weil das auch immer mehr einen Keil zwischen die Privatanleger und den Kapitalmarkt treiben wird. 

Ich finde unser Kapitalmarkt funktioniert richtig gut. Wir haben in Deutschland einen Riesenvorteil gegenüber vielen anderen Ländern, da wir einen sehr freien Kapitalmarkt haben, der faire Preise kreiert und man somit bereits ab 25 Euro im Monat daran teilhaben kann. 

Gibt es noch irgendetwas, woran du gerade arbeitest und worüber du uns erzählen möchtest?

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Finanzproduktwelt immer transparenter zu gestalten. Wir möchten beispielsweise ein Review-Portal haben, wo unsere Community ihre Erfahrungen zu verschiedenen Finanzprodukten teilen kann, diese auch vergleichen und somit die Schwarmintelligenz anzapfen kann. Das sind derzeit die Themen, die uns beschäftigen.

Mehr zum Thema Kryptowährungen erfahrt ihr auch bei Investment-Live-Stream  am 28.04.2021 vom Handelsblatt und Deutsche Bank mit dem Spezial-Thema Kryptowährungen. Am selben Tag findet auch ein Instagram-Live auf dem Instagram-Kanal des Handelsblatts statt. Auch dort wird über Kryptowährungen als neue Anlageformen diskutiert. 

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