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Das Ouroboros-Steak: DIY-Menschenfleisch im Steakformat

Im Labor gezüchtetes Fleisch wäre nicht nur wesentlich umweltfreundlicher, es würde auch der Massentierhaltung ein Ende setzen. Drei Biotech-Designer stellen im Design Museum in Philadelphia ein Steak vor, dass mit menschlichen Zellen gezüchtet wurde. Würdest du es probieren? 

Die Biotech-Designer Andrew Pelling, Orkan Telhan und Grace Knight haben Konzept für eine DIY-Fleischzucht entwickelt, mit der du zukünftig ganz einfach von zu Hause dein eigenes Fleisch züchten könntest – anhand deiner eigenen Zellen. In erster Linie möchte das Projekt bei uns Verbrauchern ein Zeichen setzen und die Ethik der Zuchtfleischindustrie in Frage stellen.

Das Labor-Fleisch trägt den Namen Ouroboros-Steak – benannt nach dem berühmten altägyptischen Symbol der Schlange aus dem 14. Jahrhundert v. Chr, die ihren eigenen Schwanz frisst – und soll bestenfalls den Bedarf an Tierfleisch überflüssig machen. Anders als vorherige Varianten soll dieses Fleisch nicht aus Pflanzen- oder Tierzellen hergestellt werden, sondern ausschließlich aus menschlichem Blut und Zellen bestehen. Diese eigenen Zellen sollen aus dem Inneren der Wange gesammelt und mit Serum gefüttert werden, das aus abgelaufenem, gespendeten Blut gewonnen wird.

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Diese sollen für ungefähr drei Monate in kleinen Schälchen in einer warmen Umgebung gelagert und mit Serum gefüttert, bis das Steak vollständig “ausgewachsen” ist. Die Überlegung, In-Vitro-Fleisch anhand von menschlichen Zellen zu züchten, ist bereits seit einigen Jahren im Gespräch, bekommt allerdings durch das Projekt weltweit neue mediale Aufmerksamkeit.

Wie grün ist eigentlich In-Vitro-Fleisch?

Das Ouroboros-Steak ist deshalb gerade buchstäblich in aller Munde, da es das erste im Labor kultivierte Fleisch ist, das nicht aus der Entnahme von Tierzellen entstanden ist. Obwohl die im Labor herangezüchtete Alternative behauptet, eine nachhaltigere Option zur Massentierhaltung anzubieten, stützt sich der Prozess immer noch auf fötales Rinderserum (FBS) als proteinreiche Wachstumsergänzung für tierische Zellkulturen. Es wird aus dem Blut von Kälberföten gewonnen, nachdem ihre Mütter von der Fleisch- oder Milchindustrie geschlachtet wurden. Im Labor gezüchtetes Fleisch bleibt also ein Nebenprodukt umweltschädlicher landwirtschaftlicher Praktiken, ähnlich wie normales Fleisch.

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Werden wir in Zukunft wirklich auf menschliches Fleisch zurückgreifen müssen?

Die Wissenschaftler hinter dem Ouroboros-Steak argumentieren, dass abgelaufenes menschliches Blut ein Abfallmaterial und nachhaltiger als Rinderserum ist. Allerdings ist die Idee einem natürlich erstmal zu wider aus Menschenzellen gezüchtetes Fleisch zu essen. Das Gefühl, dass das Ganze an Kannibalismus grenzt, können die Wissenschaftler nachvollziehen. Fachlich gesehen sei es aber nicht der Fall, da kein Mensch dabei zu schaden kommt. Owen Schaefer, Professor am Zentrum für biomedizinische Ethik an der National University of Singapore, hatte sich bereits 2018 mit den ethischen Fragen der menschlichen In-Vitro Fleischproduktion auseinandergesetzt. Er äußerte nicht nur die Bedenken, dass Menschen es aus finanziellem Interesse ausnutzen könnten, sondern merkt auch an, dass wir Menschen nicht mehr als Mitmenschen, sondern als Fleisch betrachten könnten. Obwohl er Letzteres für unwahrscheinlich hält. Die Frage eines angemessenen ethischen Umgangs bleibt Raum. 

Doch letztlich wirbt das Biotech-Team vom Ouroboros-Steak nicht dafür, dass das DIY-Menschenfleisch-Kit eine realistische Lösung für den übermäßigen Tierfleischkonsum darstellt. Sie stellen vielmehr die Frage, welche Opfer wir bringen müssten, um den Fleischkonsum einzugrenzen. Und es bleibt zukünftig die Frage: Wer wird sich überhaupt noch Tierfleisch leisten können, und wer wird vielleicht keine andere Möglichkeit haben, als sich Fleisch aus seinen eigenen Zellen zu züchten?

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