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Google Arts & Culture

Google Arts & Culture

Google Arts & Culture: Mehr als nur Selfie-Spielerei

Mit einer neuen App will uns Google tiefer in die Welt der Kunst eintauchen lassen. Darüber hinaus verrät uns die App Arts & Culture jedoch vor allem etwas über die Strukturen unserer Gesellschaft.

Schon seit Anfang des Jahres können amerikanische Smartphone-Nutzer die neue Google Arts & Culture App nutzen, um sich Gemäldegalerien oder Ausstellungen anzusehen, Museumsrundgänge am Smartphone zu machen und sich von 360-Grad-Visualisierungen beeindrucken zu lassen. Mit dem Launch in Deutschland sind auch die fünf Museen der Berliner Museumsinsel mit im Repertoire und damit  55 Online-Ausstellungen und Rundgänge zu mehr als 4.000 Objekten. Das medial erfolgreichste Feature der App ist jedoch das sogenannte Art Selfie: Der Nutzer kann ein Bild von sich durch die Suchfunktion laufen lassen, um zu schauen, in welchen Gemälde der eigene Doppelgänger zu finden ist.

Das Google Arts & Culture Art Selfie sucht nach dem eigenen, malerischen Doppelgänger.

Die Kunstwelt ist männlich & weiß

Auffällig dabei ist: Nach Diversität sucht man in den Kunstwerken vergeblich. Die meisten Kunstwerke der großen Museen und Kunstgalerien der Welt zeigen die Werke von weißen, europäischen, meist männlichen Künstlern, die ebenfalls vorrangig weiße männliche wohlhabende Menschen porträtieren.

Die Hersteller der Google Arts & Culture App können dafür wenig. Der Grund für die mangelnde Auswahl liegt in der eurozentrischen Kunstgeschichte: Die großen Institutionen liegen vor allem in der westlichen Welt und auch die realistische Malerei, der diese Portraits zugrunde liegen, ist eine eher europäische Tradition. Aus dem Problem lassen sich aber auch die elitären Tendenzen des damaligen Europas ablesen, das von Diversität und Gleichberechtigung weit entfernt war.

Selfies mit der Mona Lisa

Das eigentliche Problem mit der App, die so ein vielfältiges kulturelles Angebot bietet, ist, dass sie größtenteils auf die Selfie-Funktion reduziert wird, die eigentlich nur als kleine Marketing-Spielerei am Rande gedacht war. Statt sich in den virtuellen Räumen von Museen zu verlieren, die am anderen Ende der Welt liegen und die man vielleicht niemals im realen Leben aufsuchen wird, dominieren die malerischen Doppelgänger das Internet.

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Guys, this app is DEAD ON.

Ein Beitrag geteilt von kristen bell (@kristenanniebell) am

Der Trend, Kunst für die eigene Darstellung zu nutzen, ist kein neuer und zeigt uns die die zunehmend narzisstischen Strukturen unserer Gesellschaft. Täglich strömen Massen an Touristen in den Louvre, um ein Selfie oder ein Foto von der Mona Lisa zu machen und es mit den Followern zu teilen.

Die Kunst rutscht hier an den Rand des Interesses, die Selbstdarstellung und das Mitteilungsbedürfnis haben Vorrang. Dabei geht schonmal Kunst in die Brüche: Bei einem Selfie-Shoot kam es 2017 in einer Galerie in Los Angeles zu einem Unfall, bei der eine ganze Sockelreihe mit fragilen Skulpturen zerstört wurde.

Support your virtual art dealer

Dabei könnten die Gemälde und Installationen, würde man sich virtuell oder eben real tiefer damit befassen, doch so viel mit einem anstellen: Kunst kann Emotionen auslösen, Standpunkte hinterfragen und Geschichte erklären.

Ein Rundgang im Museum ist etwas besonderes – sowohl virtuell als auch im realen Leben.

Natürlich muss man dafür nicht den Spaß ausklammern: Nach dem Art Selfie hat man bei Google Arts & Culture die Möglichkeit, sich tiefer mit seinen Doppelgängern zu befassen: Das Gemälde kann ausgiebig betrachtet werden, es gibt weitere empfohlene Kunstwerke und externe Links und Informationen zu Künstler und Museum, das man direkt virtuell besuchen kann. Alternativ macht man einfach sein Handy aus und plant den nächsten realen Museumsbesuch. Selfie-Stick dafür aber bitte Zuhause lassen!

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