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Foto: chuttersnap.

Im Labor gezüchtetes Holz: Die Rettung unserer Wälder?

Wissenschaftler des MIT haben herausgefunden, wie man aus Pflanzenzellen im Labor echtes Holz züchten kann. Und das ganz ohne die Umweltbelastung der Holzindustrie.

Holzmöbel ohne ökologische Gewissensbisse – das könnte dank neuer Forschungsergebnisse bald möglich sein. Forscher des MIT gehen der Annahme nach, dass sie im Labor in windeseile das produzieren können, was in der Natur Jahrzehnte dauern würde. Die Vision: Holzgewebe in voll ausgebildete Möbel, wie beispielsweise einen Stuhl, heran züchten und dadurch die Umweltbelastung durch schädliche Emissionen und starke Abrodung durch die Holz- und Bauindustrie mindern. 

In einer kürzlich im Journal of Cleaner Production veröffentlichten Arbeit beschreiben die Wissenschaftler detailliert, wie sie holzähnliches Pflanzengewebe aus Zellen züchteten, die sie aus den Blättern einer Pflanze extrahierten. Dabei brauchten sie weder Erde noch Sonnenlicht. In einem Interview mit Fast Company sagte Luis Velásquez-García, leitender Wissenschaftler des Microsystems Technology Laboratories des MIT, dass die dabei entnommenen Pflanzenzellen tierischen Stammzellen sehr ähneln und sie somit das Potential haben, vielerlei Formen anzunehmen. 

Der Wald war für uns schon immer ein verlässlicher Rohstofflieferant und stiller Klimaregulator. Foto: Clem Onojeghuo.

Wird so der Weg für eine nachhaltige Holzproduktion geebnet?

Luis Velásquez-García bemängelt an der herkömmlichen Holzindustrie, dass während des Produktionsprozesses zu viel Material abgeschnitten wird, das 20 Jahre lang angebaut wurde und letztlich als Abfallprodukt endet. Stattdessen ist ihre Idee rechteckige Holzstrukturen zu züchten, die letztlich effizienter in der Verarbeitung sind. Am liebsten aber würden sie das Holz gleich in ein ganzes Möbelstück wachsen lassen, wie einen Stuhl oder einen Tisch, sodass es nicht erst zusammengebaut werden muss. Das würde den bei der Produktion anfallenden Abfall reduzieren und möglicherweise dazu führen, dass das Land, welches für die Abholzung genutzt wird, als Wald erhalten bleiben kann.

Der Produktionsvorgang ist dem des künstlich gezüchteten Fleischs tatsächlich sehr ähnlich. Dabei wird das Pflanzengewebe sorgfältig isoliert und neu produziert, ohne dabei die ganze Pflanze züchten zu müssen. Die Wissenschaftler appellieren allerdings daran, dass pflanzliche Zellkulturen einfacher zu züchten sind, als tierische Zellkulturen. Auf diese Weise wird das im Labor gezüchtete Holz auch schneller wettbewerbsfähig werden können. Doch wie nachhaltig wären die Konsequenzen einer Holzzucht im Labor? Während eine umweltbewusste Waldwirt­schaft und Holznutzung das Klima positiv beeinflussen, wirken sich Klimaänderungen negativ auf unsere Waldflächen aus. Waldbestän­de die heute begründet werden, müssen auch mit dem Klima im 22. Jahrhundert zurechtkommen. Die Sorge würde durch das im Labor gezüchtete Holz vermindert werden. Auch Hauptschadstoffe wie Holzstaub und andere organische Emissionen würden durch die Abfallarme Verarbeitung des Laborholzes vermindert werden. 

Noch befindet sich diese Forschung in einem sehr frühen Stadium. Doch durch die erfolgreiche Züchtung des ersten Laborholzes haben die Wissenschaftler einen Ausgangspunkt für eine neue Art der Holzproduktion geschaffen. Ein Schritt weg vom Raubbau an unserer Natur und hoffentlich ebenso ein gutes Stück näher daran, Plastikprodukte gegen biologisch abbaubare Materialien auszutauschen.

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