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In Wales gibt es ein Ministerium für die zukünftigen Generationen

Seit 2015 setzt sich ein Ministerium in Wales, für die ungeborenen Generationen ein. Ein Modell, von dem sich andere Länder unbedingt inspirieren lassen sollten. 

Wales Politik hat etwas geschaffen, was so auf der Welt einzigartig ist. Im Jahr 2015 wurde ein Ministerium gegründet, das sich dafür einsetzt Entscheidungen zu treffen, die nicht nur die Verbesserung der aktuellen Lebenssituation ihrer Bevölkerung berücksichtigt, sondern besonders die Konsequenzen für zukünftige, ungeborene Generationen in Betracht zieht. So setzt sich das “Well-being of Future Generations (Wales) Act” damit auseinander, das soziale, wirtschaftliche, ökologisches und kulturelle Wohlergehen der ungeborenen Bevölkerung in Wales zu verbessern. 

Dafür motiviert es öffentliche Einrichtungen in Wales über die langfristigen Auswirkungen ihrer Entscheidungen nachzudenken, enger mit den Bewohnern und den dortigen Gemeinschaften zusammenzuarbeiten und anhaltende Problemen wie Armut, gesundheitliche Belastungen und dem Klimawandel vorzubeugen. Dieses Konzept ist weltweit einmalig, denn noch kein anderes Land  hat bisher versucht das Prinzip zu verankern, dass künftige Generationen in der gegenwärtigen politischen Debatte eine Rolle spielen.

Bis jetzt hat sich das Ministerium bereits für kostenfreie Fahrräder als Leistung des staatlichen Gesundheitssystems in Cardiff und für mehr Kleinbetriebe an Umschlagplätzen wie Bahnhöfen eingesetzt, statt Franchise-Unternehmen wie Starbucks.

Seit 2016 wird das Ministerium geleitet von Sophie Howe, die bisher vor allem in der Gesundheitspolitik Wales aktiv war. In Interview mit dem Guardian erzählt sie, wie wichtig ein ganzheitlicher Ansatz des Wohlbefindens sein wird für die Gesellschaft von morgen.

Nextbike Cardiff

Die Bemühungen des Ministry of Future Generations haben sich gelohnt. Nextbikes können von NHS-Patienten in Cardiff kostenfrei gemietet werden. Foto: Nextbike

Wie schafft man Zukunftsperspektiven in einer alternden Gesellschaft?

Um heutigen und zukünftigen Generationen eine bessere Lebensqualität zu gewährleisten, muss über die langfristigen Auswirkungen von Entscheidungen nachgedacht werden. In England ist Brexit wohl das signifikanteste Beispiel, wo eine folgenschwere politische Entscheidung von Älteren männlichen Wählern getroffen wurde. Aber auch in Deutschland, wo Politiker durschnittlich zwischen 50 und 60 Jahren Entscheidungen über unsere Zukunft treffen, werden oft die Konsequenzen ihrer Entscheidungen für die kommende Generation außer acht gelassen. 

Aktuelle Bewegungen, wie das bekannteste Beispiel “Friday for Future”, zeigen, dass Interessen der Kinder von Kindern vorgetragen werden müssen, da die ältere Generation die Perspektiven und Bedürfnisse der Jüngeren nicht im Blick haben. Würde ein solches Ministerium in Deutschland jene politisch interessierten Kindern zu einer entscheidenden Stimme verhelfen?

Bruttonationalglück statt Bruttoinlandsprodukt

Ein weiteres ungewöhnliches Ministerium, das sich mit der zukünftigen Verbesserung der Lebenssituation der Bevölkerung befasst, ist beispielsweise das Ministerium für Glück in Bhutan. Im kleinen Königreich Bhutan wurde dafür 2011 das Bruttonationalglück etabliert. Ziel des Bruttonationalglücks ist es, die Lebenssituation der weniger privilegierten Bewohner des Landes zu verbessern. Um dies erreichen zu können, werden alle paar Jahre ausführliche Umfragen in Bhutan durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Befragungen werden analysiert, um daraus Maßnahmen zu entwickeln und diese in politische Prozesse einzubinden. 

Die Initiative “Minesterium für Glück und Wohlbefinden” in Berlin. Foto: Gina Schöler.

Auch Gina Schöler hat 2012 in Deutschland eine ähnliche Alternative gestartet. Ihr Ministerium für Glück und Wohlbefinden ist zwar nicht auf politischer Ebene aktiv, fungiert jedoch als interaktive und anregende Initiative. Aufgabe und Ziel des Ministeriums für Glück und Wohlbefinden in Berlin ist es, einen Perspektivwechsel einzuleiten, einen anstehenden Wandel zu gestalten und aktiv zu begleiten.

Mit diesen unkonventionellen Ministerien wird Glück für jeden Menschen greifbarer, Kinder müssten vielleicht nicht mehr ihre politischen Wünsche auf den Straßen kundtun und das Bruttonationalglück könnte ein Bestandteil politischer Diskussionen weltweit sein.

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