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Mensch und Pferd in Symbiose – Interview mit Kathleen Keller

Kann man zu früh erfolgreich sein im Leben? Oder ist es gerade gut, schon im frühen Alter ein wenig Erfolgsluft zu schnuppern?

Bei Dressurreiterin Kathleen Keller, die schon im Alter von 4 Jahren ihre ersten Turniere gewann, kann man sich diese Frage durchaus stellen. Oder man lässt sich einfach von ihrer Disziplin und inneren Stärke inspirieren. Im Zuge unseres Gründer-Events #Segelsetzen durften wir ihr Fragen stellen und mit ihr über ihren Weg zum Erfolg, ihre Motivationstipps und die Rolle ihrer Leidenschaft zum Reiten reden.

Deine Eltern sind selbst erfolgreiche Pferdetrainer. Glaubst du, dass sie für deine Leidenschaft für Pferde und für den Pferdesport mitverantwortlich sind oder hättest du auch ohne deinen Hintergrund im Reitsport dorthin gefunden?

Das ist relativ schwierig zu sagen. Die Familie meines Vaters hatte beispielsweise überhaupt nichts mit Pferden zu tun. Er ist durch Freunde ans Reiten gekommen und hatte sich den Pferdevirus schon als kleines Kind eingefangen. Dadurch hat er relativ schnell festgestellt, dass er das gern beruflich machen möchte. Ich bin von beiden Seiten, mütterlicher- wie väterlicherseits, geprägt worden. Das hat mich sehr früh beeinflusst, denn Pferde waren immer in meiner Nähe und so habe ich auch sehr früh angefangen zu reiten. Hätte ich also eine Abneigung gegen Pferde gehabt, hätte ich das relativ schnell gemerkt (lacht).

Ich denke, die Liebe zu Pferden erfasst auch Menschen ohne Reiterfahrung. Allerdings ist es viel einfacher, zum Reiten zu kommen, wenn man daran von Haus aus früh herangeführt wird.

Als jüngste Gewinnerin des Deutschen Dressurderbys hattest du bereits im frühen Alter ein großes Erfolgserlebnis. Wie wichtig, glaubst du, sind erste Erfolge für die spätere Karriere?

Erfolge sind immer eine Bestätigung für dein Können und für den Aufwand, den du in deine Leidenschaft investiert hast. Wenn ich also etwas gewinne, ist es eine Bestätigung für all die Mühe und den Aufwand, den ich betrieben habe. Dieser Erfolg zeigt dir, dass du auf dem richtigen Weg bist und motiviert dich, weiter zu machen. Viele Reiter sagen, dass sie zufrieden sein möchten, mit dem was sie geschafft haben. Erfolg bringt die Bestätigung und damit auch die Zufriedenheit.

Natürlich kommt es auch mal zu Niederlagen. Je früher man also Erfolge erlebt, desto früher lernt man auch, mit Niederlagen umzugehen.

Bei aller Zielstrebigkeit hat Kathleen Müller immer auch ein starkes Herz für ihr Pferd.

Du reitest bereits seit deiner Kindheit. Was hat dir geholfen, derart konsequent am Ball zu bleiben?

Definitiv meine Leidenschaft zu den Pferden. Und sicherlich auch die Motivation, etwas gut zu machen. Ich glaube, das kann jeder Sportler verstehen: Wenn man auf ein Turnier hinarbeitet und der Tag kommt, ist es besonders toll, wenn alles gut läuft. Reiten ist ja auch kein Einzelsport, man hat immer sein Pferd als Partner. Und wenn man sich dann in einer Art Symbiose mit dem Pferd befindet und alles klappt, das ist einfach ein einmaliges Gefühl. Ich glaube, das kann man so in keiner anderen Sportart erleben, wie in der Reiterei. Das ist genau das, was Reiten für mich außergewöhnlich macht.

Das kam gerade aus vollstem Herzen. Was gefällt dir an der Arbeit mit Pferden eigentlich so gut?

Jeder, der ein Tier hat, kann mich verstehen. Tiere sind tatsächlich Lebenspartner. Gerade wenn ich mit jungen Pferden arbeite und merke, wie sie Fortschritte machen und man gemeinsam immer weiter Einklang findet. Letzten Endes ist es ein Zusammenspiel von vielen, leichten Hilfegebungen. Ich merke, wie sehr die Pferde auf meiner Seite sind, selbst Lust haben und motiviert sind.

Das motiviert mich im selben Zug genauso. Wenn man eine tolle Prüfung abgelegt hat und alles gut gelaufen ist – die Pferde wissen das und man merkt richtig, wie ihnen selbst eine Last von den Schultern fällt. Es ist manchmal wirklich schwer in Worte zu fassen, doch man teilt eine sehr emotionale Verbindung und damit auch eine starke Freundschaft.

Natürlich kann man nicht täglich 100 Prozent geben. Wie gehst du mit Tagen um, an denen du dich unmotiviert fühlst?

Wenn ich mich unmotiviert fühle, gehe ich mit den Pferden raus zum Reiten. Mal etwas anderes machen, was uns Spaß macht. Ich bin an solchen Tagen nicht grundsätzlich unmotiviert zu reiten, doch jeder Mensch hat einmal einen schlechten Tag. Die Pferde haben auch keine Lust, jeden Tag das Gleiche zu machen. Um Pferd und Reiter motiviert zu halten, versuche ich viel Abwechslung reinzubringen. Wie zum Beispiel mal aufs Gelände zu gehen, einen Tag abzuschalten und etwas Schönes zu machen.

Was denkst du, ist eine Eigenschaft, die man ablegen müsste, um seine Ziele zu erreichen?

Man darf mit sich selbst nicht nachtragend sein. Wenn einem ein Fehler unterlaufen ist, darf man sich nur in dem Moment ärgern. Dann muss man den Ärger ablegen können und sehr fokussiert geradeaus gucken. Sein Ego darf sich dabei nicht verletzt fühlen. Man kann es kurz analysieren, muss es dann aber auch abhaken können und aus den Fehlern lernen. In der nächsten Runde wird es dann besser gemacht.

Wie stellst du dir deine Zukunft vor. Gibt es ein Leben nach dem Reiten?

Ich arbeite jetzt schon seit viereinhalb Jahren in dem Beruf und kann gar nicht mehr ohne die Pferde leben. Es wird sich immer auf irgendeine Art um Pferde drehen. Es gibt auch im Pferdesport die Möglichkeit, später als Trainer zu arbeiten, wenn man selbst nicht mehr so viel reiten möchte. Jetzt möchte ich einfach nur reiten. Alles andere wird sich zeigen.

Es gibt Leute, die können nicht ohne Mode leben oder Leute, die morgens einfach laufen gehen müssen, das gehört einfach zu ihnen. Ich glaube, meine Liebe zum Reiten können nur Menschen nachvollziehen, die auch nach einer Sache so verrückt sind. Man kann es gar nicht anders sagen, aber ein bisschen verrückt ist man schon (lacht), aber das gehört dazu.

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