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Kompendium

Städte und Gesundheit – was noch immer wie ein Gegensatz scheint, gelingt heute besser denn je. Zumindest in der westlichen Hemisphäre unseres Planeten. Langfristig existieren kann die Stadt nur, wenn vom Kleinen ins Große gedacht wird.

Kompendium: Gesunde Stadt

Im Mittelalter waren Städte wegen Seuchen wie der Pest oder Cholera gefürchtet. Sie galten als offene Gräber der Menschheit. Trotzdem flüchtete die Landbevölkerung schon damals in die Stadt mit der Hoffnung, dort ein besseres Leben führen zu können.

Kompendium: Gesunde Stadt

Um die Stadt im Zeitalter der Industrialisierung als Lebensraum tragbarer zu machen, sind ein öffentliches Gesundheits- und Kanalisationssystem sowie Krankenhäuser entstanden.

Kompendium: Gesunde Stadt

In der heutigen Stadt wollen die Bewohner nicht einfach nur gesund bleiben, sondern fit sein und Lebensenergie tanken. Im globalen Städtewettbewerb werden diese Kriterien entscheidend sein.

Kompendium: Gesunde Stadt

Die Städte von morgen ziehen sich vom gesellschaftlichen Aspekt wieder zurück und entwickeln Dorfcharakter: Bürgerinitiativen und moderne Dienstleistungen wirken auf das Stadtleben ein. Die Bevölkerung wird noch heterogener und es gilt, Interessen gegeneinander auszuloten.

Kompendium: Gesunde Stadt

Eine Gesunde Stadt wird im globalen Wettbewerb entscheidend sein. Möglicherweise braucht es neue Planungsprinzipien, denn es gibt kaum noch Lebensraum, der nicht urbanisiert wurde.

Kompendium: Gesunde Stadt

Im Mittelalter ist die Stadt krank aber voller Hoffnung

Kompendium: Gesunde Stadt

Im Mittelalter ist die Stadt krank aber voller Hoffnung

Der geflügelte Tod - Die Pest von Arnold Böcklin

Der geflügelte Tod - Die Pest von Arnold Böcklin

Im Mittelalter waren Städte wegen Seuchen wie der Pest oder Cholera gefürchtet. Sie galten als offene Gräber der Menschheit. Trotzdem flüchtete die Landbevölkerung schon damals in die Stadt mit der Hoffnung, dort ein besseres Leben führen zu können.

Die deutsche Stadt Trier im Jahr 1572. Das heute so pittoreske Städtchen war damals ein Seuchenherd. Heimgesucht von mangelnder Hygiene, Dreck und Krankheiten. Die Straßen waren eng, der Müll wurde mitsamt dem Kot auf die Gassen geworfen, Schweine rannten frei herum, Ratten verbreiteten Krankheiten wie die Pest. Sauberes Trinkwasser gab es im Grunde nicht. Ähnlich wie in Trier war die Lage auch in anderen deutschen Städten wie Hartmut Boockmann in dem Buch Die Stadt im Mittelalter schreibt: „Die Brunnen der Hausbesitzer waren in der Regel direkt neben den Kloaken hinter den Häusern angelegt”.

Bauern flüchteten in die Stadt

Trotz dieser Lebensbedingungen wuchs die Stadt Trier genauso wie andere Städte im Mittelalter. Der Grund war die ökonomische Ausbeutung der Leibeigenen die von Adligen unterjocht einen Teil ihrer Ernte abgeben mussten. Um diesem Schicksal zu entkommen, flüchteten sich ehemalige Bauern in die Städte und tauchten dort unter. Daher auch das Sprichwort: Stadtluft macht frei – aber früher oder später auch krank.

Bilder der Stadt: Zwischen Krankheit und Hoffnung

Die Feudalherren dieser Zeit wollten mit Dreck und Krankheiten nichts zu tun haben und bauten sich außerhalb der Städte Schlossparks und Gärten. So entstanden die sogenannten Englischen Parks und die Französischen Gärten. Sie dienten den Herrschern und Adligen als Orte der Erholung und als Jagdgrund. Schon damals hegte man den Wunsch die Vorzüge einer Stadt wie dichtere Infrastruktur und mehr Arbeitsmöglichkeiten nutzen zu können und gleichzeitig vor den gesundheitlichen Nachteilen geschützt zu werden. Die Stadt des Mittelalters war alles andere als gesund, dennoch etablierte sie sich als gesellschaftlicher Sehnsuchtsort. Die Optimierung der Stadt war damit sozusagen vorprogrammiert.

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Kompendium: Gesunde Stadt

Der Park als grüne Lunge der Stadt

Kompendium: Gesunde Stadt

Der Park als grüne Lunge der Stadt

St. Stephen’s Green ist ein Park im Zentrum der Stadt Dublin. Foto: Dronepicr (edited by King of Hearts), CC BY 3.0

St. Stephen’s Green ist ein Park im Zentrum der Stadt Dublin. Foto: Dronepicr (edited by King of Hearts), CC BY 3.0

Um die Stadt im Zeitalter der Industrialisierung als Lebensraum tragbarer zu machen, sind ein öffentliches Gesundheits- und Kanalisationssystem sowie Krankenhäuser entstanden.

Auch zu Beginn des 19. Jahrhunderts sind die Städte zwar etwas bewohnbarer, ein raues Klima herrschte allerdings nach wie vor. Rauchende Schornsteine, dreckige Straßen, Menschen, die in Wohnblocks eingepfercht leben und eine stinkende Kanalisation.

Als die Industrialisierung schließlich noch mehr Menschen in Ballungszentren wie London oder Paris lockte, realisierten die Stadtoberhäupter, dass sie die Bewohner nicht einfach ihrem eigenen Schicksal überlassen konnten. Im Jahr 1857 erließ England den Public Health Act, welcher den Bau einer Kanalisation und die Beleuchtung in den Straßen verbindlich regelte. Rund 20 Jahre später wurde in Deutschland der Verein für öffentliche Gesundheitspflege gegründet. Parallel dazu entstand die Idee von Volksparks.

Erst im 19. Jahrhundert wurde der Bau von Kanalisationen in Städten Europas und Nordamerikas veranlasst und verbindlich geregelt, obwohl bereits im Antiken Griechenland Kanalsysteme für Abwässer verwendet wurden. Foto: Internet Archive Book Images

Parks zum Wohl der Reichen

So wurde im Jahr 1858 der Central Park in Manhattan errichtet; damals erlebte der Bevölkerungszuwachs einen erheblichen Anstieg. Der Bedarf an Erholungsfläche war hoch. Die ärmsten Stadtbewohner hausten in Baracken auf jenem Gelände, welches zu Erholungszwecken anvisiert wurde. Sie wurden vertrieben, die Fläche trockengelegt und ein Wettbewerb zur Parkerrichtung ausgeschrieben. Gleiches geschah Jahrhunderte später in Asien, bspw. in den Slums in Indien. Immer wieder findet in der Geschichte der Stadt die gleiche Entwicklung statt: Arme müssen für die Gesundheit der reichen Bürger Platz machen und sind ihrem eigenen Schicksal überlassen.

„Nur in Ausnahmen widmet man sich der individuellen Krankenpflege.”

Unter dem Bau des Central Parks mussten die Ärmsten leiden: Sie wurden ihrer Behausungen enteignet. Foto: John Atherton – View of Central Park from a helicopter, 1967, CC BY-SA 2.0

Eine grüne Lunge allein reichte allerdings nicht aus, um das Wohlbefinden der Stadtbewohner langfristig zu steigern. Im 19. Jahrhundert entstanden in Deutschland zahlreiche Vorschriften für ein städtisches Gesundheitswesen. Pesthäuser wurden eingerichtet, Stadtärzte angestellt und zahlreiche Hospitäler nahmen ihren Betrieb auf. Sie waren damals die Vorläufer von Krankenhäusern. Dort ging es aber in erster Linie um die Pflege von Armen und Bedürftigen. „Nur in Ausnahmen widmete man sich damals der individuellen Krankenpflege“, schreibt Alfons Labisch in seinem Buch Einem jeden Kranken in einem Hospitale sein eigenes Bett. Krankenhäuser entstanden erst später. Eines der ersten modernen Krankenhäuser war die Charité in Berlin. Sie öffnete im Jahr 1727 ihre Pforten. Mit dem Fortschritt der Medizin gelang schließlich die individuelle Betreuung von Kranken.

Gesundheitskonzepte entstanden

Dass aber nicht nur öffentliche Einrichtungen als Anlaufstelle für Kranke der Stadtbevölkerung dienen konnten wurde schnell klar. So wurden auch damalige Megastädte wie Berlin oder London zunehmend nach dem „gesunden“ Prinzip gebaut und geplant. Die um 1900 entstandene „Gartenstadtbewegung“ wollte die Gegensätze von Stadt und Land aufheben und die „Land-Stadt“ errichten, wie Wolfgang Schlicht im Buch Urban Health: Erkenntnisse zur Gestaltung einer gesunden Stadt darlegt.

Das Konzept sollte nicht nur die Städte sauberer und damit hygienischer machen, sondern auch die sozialen Unterschiede aufheben. Das Bewusstsein entstand, dass die Stadt nur gesund sein könne, wenn alle Bevölkerungsschichten von den Verbesserungen profitierten. Die Umsetzung jener Ideen in reale Maßnahmen dauert allerdings noch bis heute an und wird uns auch noch für viele Jahrzehnte beschäftigen.

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Kompendium: Gesunde Stadt

Die Stadt als Fitnesscenter

Kompendium: Gesunde Stadt

Die Stadt als Fitnesscenter

Cape-Town bietet seinen Bewohnern viele Fitness-Möglichkeiten. Foto: Kym Ellis

Cape-Town bietet seinen Bewohnern viele Fitness-Möglichkeiten. Foto: Kym Ellis

In der heutigen Stadt wollen die Bewohner nicht einfach nur gesund bleiben, sondern fit sein und Lebensenergie tanken. Im globalen Städtewettbewerb werden diese Kriterien entscheidend sein.

Heute scheint es als wären die Städte in der westlichen Welt so grün, sauber und gesund wie nie zuvor. Diesen Eindruck erweckt zumindest der „Lebensqualität“-Index des Beratungsunternehmens Mercer, der jährlich erscheint. Dort belegen westliche Städte wie Wien, Zürich oder München die Spitzenplätze. Auch, da Luftverschmutzung, Trinkwasserqualität, Abfallentsorgung und Zugang zum Gesundheitssystem als Gradmesser dienen.

Die Stadt war noch nie so grün und gesund wie heute – Zumindest in der westlichen Welt.

„Der Erfolg internationaler Entsendungen hängt maßgeblich davon ab, wie reibungslos Fortbewegung und Kommunikation funktionieren und ob ausreichend hohe Standards in den Bereichen Hygiene, persönliche Sicherheit und Zugang zu behördlichen Dienstleistungen erfüllt sind“, sagt Slagin Parakatil von Mercer, der verantwortlich ist für die Lebensqualität-Studien. Das prägt etwa eine Stadt wie Zürich, die größte Metropole der Schweiz. Sie liegt im Index weit vorne, weil sie viele Aspekte einer gesunden Stadt vereint: kurze Wege, reibungsloses ÖV, Erholungsgebiete mit Badeanstalten und Parks und ein hervorragendes Gesundheitssystem. Aber auch Faktoren wie politische Sicherheit, Jobsicherheit und Kinderbetreuung beeinflussen die Gesundheit der Menschen. Ein Mangel dieser Faktoren kann psychischen Stress und damit verbundene Krankheiten auslösen.

„Das Risiko an Schizophrenie zu erkranken, ist in der Stadt etwa doppelt so hoch wie auf dem Land“

Bei europäischen Metropolen wie London, Paris, Berlin oder eben Zürich zählen heute vor allem „softe Faktoren“, die nicht in verschmutzten Straßen, dreckigem Wasser und kaputten Gebäuden messbar sind. Das gesundheitliche Wohlbefinden der westlichen Stadtbewohner hängt von wirtschaftlichen Faktoren ab: Bildungsangebote, Kultur- und Freizeit, Konsum und Dienstleistung, Wohnsituation und Umwelt. Ein hoher Gesundheitsstandard scheint selbstverständlich zu sein. Eine Ambulanz ist immer vor Ort, jeder hat Zugang zu einem Arzt und öffentliche Krankenhäuser erfüllen hohe Standards. Es gibt genügend Angebote, sich sportlich zu betätigen und die Luftverschmutzung hält sich in Grenzen.

“Eine gesunde Stadt von heute muss Räume schaffen, in denen sich die Menschen wohlfühlen und ihren Stress abbauen können.” Foto: Hal Ozart

Städte sind grün, Seelen sind belastet

Was den Menschen in westlichen Städten zu schaffen macht, sind Burnouts, Beziehungsstress und lange Arbeitstage. Diese psychischen Faktoren sind wenig fassbar und deshalb schwierig in die Planung einer „gesunden Stadt“ miteinzubeziehen. Das verdeutlicht auch Mazda Adli, Chefarzt der Fliedner Klinik in Berlin. Er kümmert sich dort um jene „Großstadtmenschen“ mit psychischen Störungen und sagt in einem Interview mit der Berliner Zeitung: „Das Risiko an Schizophrenie zu erkranken, ist in der Stadt etwa doppelt so hoch wie auf dem Land, und es steigt mit der Größe der Stadt.“ Unser Gehirn sei nicht ausgerichtet auf das Leben in den großen, überbevölkerten Großstädten, sagt Adli.

Aus diesem Grund sollte die Gesunde Stadt von heute entsprechende Räume schaffen, in denen sich die Menschen wohlfühlen und ihren Stress abbauen können. Das kann allerdings nur gelingen, wenn diese speziellen Räume so konzipiert sind, dass man zwischen sozialer Interaktion und privaten Rückzug wählen kann.

Gehen ist besser als fahren

In den „Gardens by the bay“ in Singapur verschmelzen Stahl, Pflanze und Licht zu einer Art Science-Fiction-Baum. Foto: Chen Hu

Daraus ergibt sich ein weiteres Schlagwort, welches eine moderne Stadt ausmacht: „Walkability“. Álvaro Valera Sosa von der Technischen Universität Berlin am Institut für Architektur beschäftigt sich mit eben jenem Thema der Walkability. Er ist der Gründer des Health Environment Institute Berlin (HEI). „Ein bestimmtes Gesundheitsverhalten wie Laufen oder Radfahren kann das Auftreten und die Prävalenz von lebensstilbezogenen Krankheiten reduzieren“, sagt Sosa. „Die Stadt von heute, aber auch von morgen, muss begehbar sein. Es muss Fahrräder geben und die Stadt muss einen aktiven Lebensstil der Bewohner fördern“, betont der Wissenschaftler.

Das sogenannte Urban Gardening wie es bspw. auf dem Tempelhofer Feld stattfindet, verschafft den Menschen Erholung auch im Zentrum der Stadt. In den „Gardens by the bay“ in Singapur verschmelzen Stahl, Pflanze und Licht zu einer Art Science-Fiction-Baum. Diese High-tech-Natur und unser Verlangen nach Wohlbefinden, zusätzlich gepusht von Apps und gesundem Essen wird in den kommenden Jahren noch weiter zunehmen.

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Kompendium: Gesunde Stadt

Die Stadt wird zum Dorf, um gesund zu werden

Kompendium: Gesunde Stadt

Die Stadt wird zum Dorf, um gesund zu werden

Das hypermoderne Dorf als Teil jeder Stadt. Foto: Chuttersnap

Das hypermoderne Dorf als Teil jeder Stadt. Foto: Chuttersnap

Die Städte von morgen ziehen sich vom gesellschaftlichen Aspekt wieder zurück und entwickeln Dorfcharakter: Bürgerinitiativen und moderne Dienstleistungen wirken auf das Stadtleben ein. Die Bevölkerung wird noch heterogener und es gilt, Interessen gegeneinander auszuloten.

Berlin im Jahr 2030: Die Stadt beherbergt mittlerweile über vier Millionen Menschen und hat sich weiter zu einer internationalen Metropole mit Hochhäusern und modernen Wohnkonzepten verdichtet. Freistehende Flächen sind verbaut, der private Verkehr wurde durch strengere Regulierungen nahezu aus der Stadt verbannt und die Menschen arbeiten ortsungebunden. Die Stadtbewohner bewegen sich in einem höchst effizienten Mobilitäts-Kreislauf bestehend aus Fahrrad, Carsharing und ÖV. Alles wird geteilt; dadurch sinkt die Schad- und Lärmstoffbelastung – dies wiederum steigert die Lebensqualität der Stadtbewohner. Zudem wird mehr Platz für Grünflächen geschaffen. Ein Aspekt, der auch die Straßennutzung und -führung grundlegend verändert. Fahrradstraßen sind gleichauf mit Autostraßen, Busse und Trams haben Vorrang, freie Parkflächen sind zu Begegnungszonen umfunktioniert worden und mehrspurige Straßen wie die Hermannstraße sind nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form vorhanden.

Die Bürger gestalten ihre Stadt aktiv mit. Foto: Daniel Funes Fuentes

In der Innenstadt sind mehr Grünflächen entstanden. Und zwar nicht nur in Form von zusätzlichen Parkanlagen, sondern auch auf Initiative der Unternehmen selbst in privaten oder halböffentlichen Gebäuden in Form von Gärten und grünen „Terrassen“. Nahezu alle Innenhöfe sind inzwischen begrünt, auf dem Tempelhofer Feld wurde ein künstlicher See geschaffen. Zudem sind nur noch elektrische Autos in der Innenstadt erlaubt, was den Lärm deutlich reduziert hat. All diese Maßnahmen haben die Lebensqualität der Berliner merklich gesteigert.

Jahrhundertelang geträumt, jetzt Realität: Die Stadt gehört den Bewohnern

Viele Maßnahmen sind aus einem zunehmenden Engagement in der zweiten Hälfte der 2020er-Jahren entstanden. Angefangen mit der Gestaltung von Parks greifen die Bewohner in ihren Quartieren immer mehr in die städtische Struktur ein. Sie schaffen Plätze für gemeinsame Yogastunden, sie bepflanzen öffentliche Anlagen, sie organisieren Märkte und sie bauen eigenes Gemüse an.

Unterstützt werden sie dabei auch von Privatunternehmen, die dank einer mehr Liberalisierung mehr Möglichkeiten haben, Brachlandschaften aufzuwerten. Vor allem auch die Immobilienunternehmen haben erkannt, dass sie in einer beliebten Stadt wie Berlin den steigenden Ansprüchen der Bewohner gerecht werden müssen. Die Dächer und Hinterhöfe in Berlin, die lange Zeit brach lagen, haben sich in grüne Oasen verwandelt und lassen es zu, dass die Bewohner im Sommer nicht alle in einen Park gehen müssen, sondern sich auch ihrer Wohngegend im Grünen entspannen können.

“Wie früher in Dörfern tauschen die Menschen vermehrt Güter, die sie nicht oft brauchen oder sie teilen Lebensmittel, die übrig bleiben.” Foto: Elaine Casap

Teilen statt Besitzen!

Bereits im den ersten zwei Jahrzehnten der 2000er hat Berlin eine Vorreiterrolle bei der Lebensweise „Teilen statt Besitzen“ eingenommen. Inzwischen hat sich das Konsumverhalten drastisch verändert: Wie früher in Dörfern tauschen die Menschen vermehrt Güter, die sie nicht oft brauchen oder sie teilen Lebensmittel, die übrig bleiben. Ein Netz aus selbstfahrenden Autos und engagierten Fahrradfahrern stellt die Anlieferung der Güter sicher. Dazu gibt es mehr gemeinschaftlich genutzte Räume wie Küchen oder Werkstätten, was den Wohnflächenbedarf weiter reduziert und die Ressourcen schont. Damit diese Zukunftsvision Realität wird, braucht es Initiativen, die an eine Stadt für Alle glauben. Denn nur so kann urbaner Lebensraum langfristig gesund bleiben.

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Kompendium: Gesunde Stadt

Städte von Anfang an gesund planen

Kompendium: Gesunde Stadt

Städte von Anfang an gesund planen

Foto: Dmitry Kotov

Foto: Dmitry Kotov

Eine Gesunde Stadt wird im globalen Wettbewerb entscheidend sein. Möglicherweise braucht es neue Planungsprinzipien, denn es gibt kaum noch Lebensraum, der nicht urbanisiert wurde.

Ende dieses Jahrhunderts wird die jahrtausendealte Wanderung der Menschheit in die Städte abgeschlossen sein. Laut Prognosen werden 85 Prozent der Menschen in Städten wohnen – mehr ist nicht möglich. Bei einer Weltbevölkerung von geschätzten elf Milliarden Menschen bis 2100.

Damit die Stadt der Zukunft gelingen kann, ist eine öffentliche Beteiligung der Bewohner unabdingbar.  Das bestätigt auch Álvaro Valera Sosa von der Technischen Universität (TU) Berlin. Er ist dort am Institut für Architektur tätig und Gründer des Health Environment Institute Berlin (HEI). „Wir beobachten, dass nachhaltige und gesundheitsfördernde Maßnahmen aus kleinen Initiativen innerhalb der Stadtviertel entstehen und diese Vielzahl die Stadt als solches verändert“, sagt Sosa. Aber auch das Individuum kann mit physischen Aktivitäten zur Gesundheit der Stadt beitragen. „Mit jedem Schritt zu Fuß, sinken die Gesamtkosten der Gesellschaft“. Wenn jemand zu Fuß geht, zahlt die Gesellschaft 0,01 Euro, fährt jemand mit dem Auto, zahlt sie 9,20 Euro, sagt Sosa.

Gesundheitsoasen für jede Stadt – Foto: Janis Skribans

Technik für Waren, aber nicht für Menschen

Die Theorien von Sosa lassen folgenden Schluss zu: Anstatt nur mit schwebenden Autos durch die Stadt zu fliegen, werden wir uns wieder viel mehr unter Anstrengung unserer eigenen Kräfte bewegen. Der Warentransport wird in Tunnels – sogenannte Hyperloops – verbannt, Häuser werden zu grünen Oasen umgestaltet und die Menschen zu ortsgebundenen Fußgängern erzogen. Die Technik wird nicht aus der Stadt verbannt, ihr Einfluss wird ruhiger.

Europäische und westliche Städte werden diesen Zustand vermehrt anstreben. Auch, da sie verstanden haben, dass sie als Gemeinschaft die Zukunft der Städte gestalten müssen. In Kommunen liegt laut Sosa auch die Zukunft einer gesunden Stadt. In der Organisation von Urban Gardening, von Märkten, von gemeinsamen Aktivitäten, aber auch mithilfe einer fairen Bezahlung von Arbeitskräften und einer Verminderung der Lohnschere sowie zusätzlichen Freizeitangeboten. Die Gemeinschaft, typischerweise ein Merkmal der Dörfer, wird in der westlichen Stadt der Zukunft wieder an Bedeutung sein Gewinnen. „Wir arbeiten derzeit daran, die Städte zu ‚reparieren‘“, sagt der Architekt Glenn Howells während eines TEDx Talk in Birmingham.

Gesunde Integration von Technik im Urbanen Raum wird vermutlich von Unternehmen gefördert.

“Die Technik wird nicht aus der Stadt verbannt werden, sondern sie wird sich ‚beruhigen‘”

Es fällt schwer bei dem Thema „Gesunde Städte“ nicht nur von westlichen oder mitteleuropäischen Städten zu sprechen. Ein Vergleich mit asiatischen oder südamerikanischen Städten ist aber auch nicht einfach: Delhi, die Hauptstadt von Indien, ist die Stadt mit der höchsten Luftverschmutzung weltweit. Auf der iPhone-Wetter-App wird das Wetter immer wieder als Dunst angezeigt, da der Smog überdurchschnittlich hoch ist. Mumbai, Delhi oder Karachi wachsen in solch atemberaubenden Tempo, dass die Zugezogenen erstmals nur in Slums unterkommen können. Dasselbe gilt für Städte in Afrika oder Südamerika. Die Lebensbedingungen sind für einen kleinen Teil der Bevölkerung gut, für einen großen Teil allerdings nicht. Die Probleme dieser Städte anzupacken, erfordert ein weiteres darauf zugeschnittenes Engagement. Es bleibt zu hoffen, dass diese Schwellenländer nicht erneut die gleichen Fehler machen wie die westlichen Städte ein Jahrhundert zuvor.

Städte ohne Luftverschmutzung – Realisierbare Vision? Foto: Christ Holgersson

Von Anfang an richtig

Das Problem der Luftverschmutzung haben die Chinesen mittlerweile erkannt und setzen auf Luftfilter in Großstädten und auf Elektroautos. Die Gesundheit der Stadtbewohner soll in China mit hypermodernen Smart Cities sichergestellt werden. Dabei kommt der Anschub aber vom Staat und nicht von den Bewohnern. Die Aufholjagd gegenüber den westlichen Städten mit ihrer hohen Lebensqualität ist eröffnet. Aufgrund des rasanten urbanen Wachstums, ist dies jedoch schwierig umzusetzen. Eine Lösung ist, Städte nicht wie von Howells angedeutet, neugestaltet und von Mängeln befreit werden, sondern von Grund auf zusammen mit den Bewohnern richtig gestaltet und gebaut werden.

Zum Anfang Im Mittelalter ist die Stadt krank aber voller Hoffnung
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