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Elektromobilität: die e.GO AG macht es sich zur Aufgabe, den Trend für jedermann möglich zu machen. Foto: e.GO Mobile AG.

Elektromobilität: die e.GO AG macht es sich zur Aufgabe, den Trend für jedermann möglich zu machen. Foto: e.GO Mobile AG.

E-Mobilität: Dieses Modell aus Deutschland will Tesla die Stirn bieten!

Elektrische Autos für alle! Der e.GO Mobile AG ist es ein Anliegen, Elektroautos abseits von Tesla’schen Luxusmodellen für jedermann erschwinglich zu machen. Mit Dr. Christian Steinborn – Executive Vice President Strategic Cooperations bei der e.GO Mobile AG – haben wir über die Vorteile und die strategischen Schwierigkeiten auf dem Weg zur massentauglichen E-Mobilität von morgen gesprochen.

Dr. Christian Steinborn:Der Schritt in Richtung E-Mobilität ist notwendig.

Herr Dr. Steinborn, Sie arbeiten bei e.GO und „kümmern“ sich sozusagen um die Versorgung der Menschheit mit Elektroautos. Was haben Sie vorher beruflich gemacht und wie sind Sie auf das Thema E-Mobilität gestoßen?

(Lacht) Das frage ich mich auch manchmal. Ursprünglich habe ich Jura und Psychologie studiert, wollte allerdings immer schon Unternehmer werden. Danach bin ich stets in Stationen tätig gewesen, die Tech-Start-ups betreut haben – entweder auf der Finanzierungs- oder auf der Management-Seite. Vor e.GO war ich zuletzt bei der StreetScooter GmbH, die das E-Auto für die Deutsche Post entwickelt hat. Ich arbeite also seit nunmehr 10 Jahren im Bereich E-Mobilität und seit etwa viereinhalb Jahren bei e.GO.

Haben Sie ein Elektroauto?

(Lacht) Ja, sogar unseres! Wir als Unternehmen verfolgen seit Beginn das Ziel, in unseren Autos schönes Design und hohen Kundennutzen mit geringen Kosten zu vereinen. Die Auslieferung des Modells „e.GO Life“ hat im letzten Jahr begonnen und es wird genau diesen Ansprüchen gerecht. Ich bin als Nutzer äußerst zufrieden und das Auto bereitet mir sehr viel Spaß: Es ist spritzig, es sieht gut aus –  es hat alles, was wir uns bei der Konzeptionierung gewünscht hatten. Und es ist deutlich günstiger als die Modelle von z. B. Tesla, die natürlich zukunftsweisend sind, aber den großen Nachteil haben, dass der Preis die Massentauglichkeit schlichtweg verhindert.

Das Modell e.GO Life wurde für den Stadtverkehr kreiert – er macht das Konzept der Elektromobilität für viele Leute erschwinglich. Foto: e.GO Mobile AG.

Wie sieht Ihr Arbeitsweg aus?

Ich fahre mit dem Elektroauto zur Arbeit, das ist perfekt für kürzere Strecken. Mein Arbeitsweg beläuft sich auf etwa sieben Kilometer. Das Auto kann ich sowohl zu Hause als auch in der Firma laden – da haben wir mit einer entsprechenden Infrastruktur vorgesorgt. Die Batterie reicht natürlich nicht nur allein für diese sieben Kilometer (voll aufgeladen kann damit eine Strecke von ca. 140 km zurückgelegt werden. Anm. d. Red.). Wenn ich allerdings lange Strecken fahren muss, dann nehme ich dafür mein anderes Auto: einen Hybridwagen.

Wenn man Elektroautos (für den Stadtverkehr) anbieten möchte – was für Faktoren gilt es da zu beachten? Schlägt sich das nur in der Art des Antriebs nieder oder auch in Konzept und Design?

Grundsätzlich bemisst sich die Attraktivität eines Elektrofahrzeugs für jeden Kunden nach seinem ganz persönlichen Benutzerprofil. Da kann man nicht pauschal sagen, was jetzt richtig oder falsch ist. Viele haben oft große Angst vor zu wenig Reichweite und vor einem starken Wertverlust, da es für Elektroautos noch keinen richtigen Zweitmarkt gibt. Und es kommt natürlich auch die Frage auf, ob das Fahrzeug wirklich ökologisch ist. Es sind einige Faktoren, die da bei den Kunden eine Rolle spielen.

Wenn man nun allerdings von Autos für den reinen Stadtverkehr spricht, braucht man keine große Reichweite von 400 km oder eine riesige Batterie. Bei einem Stadtauto kann man daher auf kleine Akkus zurückgreifen – und das ist, was wir bei e.GO auch konsequent tun. Wir bauen für die urbane Kurzstreckenmobilität mit kleinen Batterien zu einem erschwinglichen Preis.

Durch den Einbau von kleinen Akkus mit einer adäquaten Reichweite für den Stadtverkehr ist das e.GO Life Modell eine nachhaltige Alternative zum normalen Brennstoff betriebenen Auto. Außerdem sorgt die e.GO Mobile AG für ein second life der Batterien. Foto: e.GO Mobile AG.

Nachhaltigkeit ist durch die Klimabewegung in aller Munde. Sind neue Mobilitätskonzepte auch bei den Verbrauchern mehr gefragt? Spüren Sie das bei e.GO?

Sehen Sie, jedes gekaufte Auto ist ja ein Statement: Wenn Sie einen Ferrari kaufen, machen Sie ein Statement, wenn Sie eine Ente fahren, machen Sie ein Statement. Selbst wenn Sie keins machen wollen: Sie haben Ihr Auto aufgrund von bestimmten Faktoren ausgewählt, sei es, weil es besonders preisgünstig war oder weil es andere, für Sie wichtige Kriterien, erfüllt. So sehen wir und unsere Kunden unser Auto auch als Statement. Und zwar als Statement für Kurzstreckenmobilität, Nachhaltigkeit, Innovation – für etwas, das sich in Zukunft mehr durchsetzen wird. Denn der Markt folgt der Nachfrage. Dabei hilft ein Anstoß durch den Staat, aber das wird es nicht allein sein, sondern der Markt wird sich auch mit der Zeit selbst regulieren.

Es ist natürlich schade, dass es noch nicht flächendeckend Ladestationen für Elektroautos gibt, sonst würde das vielleicht schneller geschehen.

Es ist so: Der durchschnittliche Deutsche fährt am Tag nicht mehr als knapp 40 Kilometer. Da brauchen Sie im Prinzip keine flächendeckende Ausstattung mit Ladestationen – zumindest nicht im Stadtverkehr. Alles, was Sie benötigen, ist Ihre Steckdose zu Hause und optimalerweise am Arbeitsplatzan der Sie das Auto anschließen.

Wie stehen Sie zu der Kritik, dass die Rohstoffgewinnung für die Batterien oft mit Ausbeutung und Kinderarbeit verbunden ist? Wie gewährleisten Sie, dass Ihre Rohstoffe auf humane Weise abgebaut werden? Wie überprüfen Sie Ihre Lieferanten?

Das ist natürlich völlig korrekt, darauf muss man achten. Wir als Unternehmen bauen lediglich die Autos, haben mit der Produktion der Batterien tatsächlich aber nichts zu tun. Dafür sind unsere Lieferanten zuständig, bei denen wir allerdings einen sogenannten „Code of Conduct“ verlangen. So stellen wir sicher, dass sie ihr Sourcing entsprechend unseren Regeln betreiben – wir prüfen das auch nach. Ich weiß um die Herausforderungen, die sich da ergeben. Was wir jedenfalls beitragen können ist der Einbau nur kleiner Batterien in unsere Fahrzeuge, wofür man wiederum z.B. weniger Lithium benötigt. Und – noch wichtiger – wir sorgen für ein „second Life“ des Akkus: Es gibt Konzepte für die Weiterverwendung der Batterien, welche die Ausnutzung der Rohstoffe optimieren. Das senkt die Notwendigkeit, mehr dafür abzubauen.

Anm. d. Red.: Die e.GO Mobile betreibt die Produktionsstätte des „e.GO Life“-Elektroautos im Übrigen mit einer eigenen Photovoltaikanlage.

Was glauben Sie wird der nächste Schritt in Sachen E-Mobilität sein – was z. B. wäre für die e.GO Mobile noch ein interessantes Produkt oder Ziel?

Die Idee hinter der e.GO Mobile AG ist nicht die, ein reines Produktunternehmen zu werden, sondern wir sehen uns mehr als Mobilitätsprovider. Also als eine Firma, die alle Facetten der Elektromobilität abdeckt. Da reden wir von den digitalen Services, die man benötigt, um mit einem Elektroauto umzugehen. Wir haben auch eine Firma gegründet, die Range Extender herstellt, um die Reichweite bei größeren Fahrzeugen, wie zum Beispiel Bussen oder LKWs, die längere Strecken zurücklegen müssen, erhöhen zu können.  Das ist in dem Fall nicht e.GO selbst, aber wir sind Mitglied einer Beteiligungsgesellschaft der RWTH Aachen, die verschiedene Unternehmen umfasst. Hier werden Ideen – wie etwa die eines elektrischen Flugtaxis – und andere Mobilitätslösungen entwickelt, welche sich rund um die Verbesserung des Verkehrs innerhalb von Städten drehen. Dabei wird auf möglichst ressourcenschonende Methoden gesetzt: zum Beispiel die Idee einer Brennstoffzelle, die dann eine kleine Batterie speisen könnte – als Alternative zu einem Verbrennungsmotor.

Wie sieht es mit selbstfahrenden Autos aus? Ist das ein Bereich, an dem man sich in Ihrem Unternehmen beteiligen möchte?

Bald vielleicht Alltagswirklichkeit? Mit dem e.GO Mover könnte das selbstfahrende Auto für den Personentransport zukünftig das Reisen effizienter gestaltet werden. Foto: e.GO MOOVE GmbH.

Selbstfahrende Autos sind auch ein Teil dessen, womit wir uns beschäftigen. In dem gemeinsamen Joint Venture „e.GO MOOVE GmbH“ mit ZF entwickeln und produzieren wir den Elektrokleinbus e.GO Mover, der in Zukunft auch hochautomatisiert fahren soll. In diesem ist unsere AG Mehrheitseigentümer. Durch selbstfahrende Fahrzeuge lässt sich die Sicherheit beim Fahren erhöhen. Natürlich bin ich als Jurist mit den diversen ethischen Fragestellungen in diesem Bereich vertraut, aber Maschinen machen nun einmal wesentlich weniger Fehler als Menschen. Diese Zukunftsvision könnte voraussichtlich in den nächsten 10 Jahren Wirklichkeit werden. Dadurch werden abgesehen von der Sicherheit auch ganz neue Geschäftsmodelle möglich: Die eingesparte Zeit auf längeren Reisen kann man in einem autonom fahrenden Auto ganz anders gestalten; sie gewinnt an Mehrwert. Deswegen investieren auch Firmen wie Google in diese Technologie – sie wissen, dass man diese Zeit effizienter nutzen kann.

Sie haben gerade von Investitionen seitens Google in die Technologie selbstfahrender Autos gesprochen. Ist das Thema auch sonst am Finanzmarkt interessant? Investieren mehr Menschen in E-Mobilität?

Ja, nämlich genau aus dem Grund, den ich eben schon nannte: Sowohl Individuen als auch Firmen schätzen die Wertsteigerung ihrer Zeit. Noch ist das Thema E-Mobilität und dergleichen nicht im Mainstream angekommen. Aber je mehr Menschen sich damit beschäftigen, desto stärker tritt es natürlich in den Vordergrund. Allerdings ist die Kapitalbeschaffung – Wachstums- oder Risikokapital – für Firmen, die innovative Ideen im Bereich E-Mobilität umsetzen möchten, in Deutschland extrem schwierig, wenn sie keine völlige Sicherheit gewährleisten können. Sie müssen verstehen, dass alles, bevor es verkauft werden kann, ja erst einmal produziert, getestet und verbessert werden muss. Das ist zu Beginn vorzufinanzieren. In Deutschland ist es generell sehr schwierig, Innovationen umzusetzen. An Ideen mangelt es zwar nicht, dafür oft an der Risikobereitschaft seitens des deutschen Finanzsektors. Es muss sichergestellt sein, dass Innovation finanzierbar ist, sonst drohen wir gerade im Automobilsektor den Anschluss zu verlieren. Das wäre sehr schade.

Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr zum Thema Gesunde Stadt findest Du in unserem gleichnamigen Kompendium.

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