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Made by Robots: Können KIs Mode designen?

Für manche ist es ein Endpunkt der menschlichen Arbeit: Maschinen, die unsere Arbeit erledigen. Für andere ist es eine Horrorvision: Roboter und KIs, die ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen. So oder so: Die Maschinen sind auf bestem Wege, den Arbeitsmarkt vollständig umzukrempeln – auch in der Modebranche.

Die Faszination über das vom Menschen geschaffene Wesen – vom Golem über Frankensteins Monster bis hin zu HAL 9000 – ist wohl so alt wie der Mensch selbst. Was lange hauptsächlich Stoff für Science-Fiction-Bücher und Filme lieferte, rückt langsam in greifbare Nähe.

Maschinen übernehmen bereits große Teile der Automobilproduktion und auch in der Raumfahrt sind sie nicht mehr wegzudenken. Künftig wird auch die Modebranche zunehmend von ihnen bevölkert werden: In der Produktion, in den sozialen Netzwerken, in Geschäften, Online-Shops, auf dem Laufsteg und sogar als Designer – die Roboter sind gekommen, um zu bleiben.

Fabriken ohne Menschen

Speed-to-Market lautet das Schlüsselwort der Zukunft, gerade in der schnellen und trendgetriebenen Modebranche. Wer die Produkte schneller beim Kunden hat, gewinnt. Inditex (die Mutter von Ketten wie Zara oder Bershka) schafft dies, weil die Fertigung des Unternehmens in näherer Entfernung liegt (in Tunesien und Marokko) als beispielsweise die von H&M (in Fernost) – Inditex hat damit einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil. Unternehmen, die diese Prozesse vorantreiben, und damit gleichzeitig den Kundenwunsch nach mehr Nachhaltigkeit bedienen (kürzere Lieferwege = weniger CO2), sind laut einer Studie von McKinsey die Gewinner der Zukunft. Das sogenannte „Nearshoring“ ist das eine, Automatisierung das andere, beides beugt langen Lieferzeiten vor.

Das sogenannte „Reshoring“, das mit solchen Roboterhilfskräften möglich wird, ist eine Entwicklung der gesamten Modebranche und holt die Produktion in Länder zurück, in denen die Arbeiter längst zu teuer sind, um dort rentabel produzieren zu können. Die Adidas Speedfactory ist ein solches Pilotprojekt, dass die Fertigung wieder zurück nach Deutschland holt. So können Schuhe, die dort allein von Maschinen hergestellt werden, dreimal schneller auf den Markt gebracht werden, als jene, die anderorts produziert werden. Fünf Stunden dauert die Produktion eines Paars Schuhe in der Fabrik im fränkischen Ansbach. Bis zum Jahr 2020 wollen die Herzogenauracher mit ihren beiden Speedfactories, dort und in Atlanta, jährlich eine Million Paar Schuhe fertigen.

Und Adidas ist damit nicht allein. Laut des Berichts der Beratungsfirma A.T. Kearney steht die Modeindustrie an dritter Stelle der Industriebranchen, die Reshoring betreiben. Zusätzlich kann man es als Brand Building sehen, was Unternehmen wie Nike, Under Armor und Burberry betreiben, wenn sie die Produktion wieder nach Hause holen, denn es ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern schafft auch Sympathiepunkte bei den Kunden im heimischen Markt.

Der Jeanshersteller Levi’s hat einen Prozess entwickelt, der Jeanshosen automatisch das gewünschte Finish verpasst. Die Jeans selbst werden zwar weiterhin in Asien produziert, das Finish, also der letzte Schliff einer Jeans, erfolgt aber in den USA, abgestimmt auf die aktuelle Nachfrage. So kann eine Distressed Jeans mit Hilfe eines automatisierten Laserprogramms innerhalb von 90 Sekunden repliziert werden – ein Prozess, der händisch zwischen 20 und 30 Minuten in Anspruch nimmt. Das Projekt wird aktuell getestet und soll im Jahr 2020 ausgerollt werden. Auch Prozesse wie Nähen, Stricken, Tapen und Bonden, sowie Warehousing sind maschinell reproduzierbar und werden wohl in Zukunft zunehmend vollständig von Maschinen übernommen.

Roboter als Verkäufer und Berater

Beim Shoppen dürften uns zukünftig ebenfalls immer häufiger Roboter begegnen, und zwar sowohl off- wie auch online. Pepper heißt beispielsweise der niedlich aussehende 1,20 Meter große Humanoide von SoftBank Robotics, der Beratungsgespräche im Laden führen kann (und soll). Er kann mit Menschen via Touchscreen und Konversation interagieren und ist bereits im Einsatz. Laut Mediapost-Bericht kostet der Roboter 1.700 US-Dollar zusätzlich einer monatlichen Rate von etwa 200 US-Dollar, darin ist die Wartung mitinbegriffen – er dürfte sich also, verglichen mit dem Gehalt eines Verkaufsangestellten, bereits im ersten Monat amortisieren. Zumal er eine gute Erfolgsrate aufweisen kann: In einem Pilotprojekt bei B8ta, einem Tech-Shop in Palo Alto, in dem Pepper im Jahr 2017 eine Woche lang im Kundenservice tätig war, verzeichnete das Geschäft einen Besucheranstieg um 70 Prozent. (Dies kann natürlich auf ein gesteigertes Interesse an dem neuen Roboter in der Tech-Hauptstadt der Welt zurückzuführen sein, ein Effekt, der wohl nicht überall und nicht für immer anhalten dürfte). Bei einem weiteren Pilotprojekt in Santa Monica im Dezember verzeichnete der Shop laut Aussage von SoftBank eine Umsatzsteigerung von 13 Prozent und eine Versechsfachung des Umsatzes eines vorgestellten Produkts.

Bei Amazon setzt man auf KI, die die Kunden im eigenen Heim beraten soll. Echo Look ist der „Style Assistant“ von Amazon. Sein „Style Check“ analysiert Outfits mithilfe von Algorithmen und menschlichen „Fashion Spezialisten“ – ob der Personal Style-Ratgeber es schaffen wird, Amazon Fashion endlich in der Modesparte zu etablieren, bleibt abzuwarten.

Chatbots sind im Onlinehandel längst Alltag. Studien zufolge ziehen heute viele Menschen Chats und Messenger-Services dem persönlichen Gespräch oder Telefonat vor. So offeriert Saks Fifth Avenue Geschenkideen per Chatbot, Sephora hilft per Chatbot bei der Auswahl der richtigen Lippenstiftfarbe und der Levi’s Virtual Stylist berät per Chatbot in Sachen perfekter Jeanspassform. Die Reaktionszeit ist schneller als bei menschlichen Mitarbeitern und die Arbeitszeit endet nicht. Ein klarer Vorteil von Chatbots.

Roboter als Models

Designer Philip Plein kann man kaum vorwerfen, auf Minimalismus zu setzen. Entsprechend seiner Maxime „Mehr ist mehr“ entsandte er zur vergangene Fashion Week in New York Model Irina Shayk, die aus einem UFO kam, Händchen haltend mit einem Roboter über den Laufsteg. Der Roboter erinnerte an eine Mischung aus Transformer und RoboCop, war aber dann doch mehr Schein als Sein – in dem Roboterkostüm steckte ein Mensch.

Dabei wäre es durchaus eine Option gewesen, einen echten Roboter zu engagieren. Atlas, der Roboter von Boston Dynamics, stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass es um die Motorik zweibeinig gehender Roboter schon ziemlich gut bestellt ist. Vorbei die Tage, an denen sie an Treppenstufen verzweifelten. Atlas absolviert im Video einen ziemlich beeindruckenden Parcours und kann sogar Salto. Dass Roboter also auch grazil einen Catwalk entlangschreiten könnten, steht demnach also außer Frage.

Und sie können ihn nicht nur laufen lassen – auch fliegen ist neuerdings möglich. So nutzte das Designerduo Dolce & Gabbana für seinen Laufsteg in Mailand Drohnen, die Handtaschen transportierten. Die Gäste mussten ihr WLAN während der Show deaktivieren, um die Choreografie nicht durcheinander zu bringen, dann schwebten die neuesten Accessoires auf Augenhöhe an ihnen vorbei.

Roboter als Influencer

Lil Miquaela ist eine Mode- und Meinungs-Influencerin , die nicht wirklich existiert. Sie ist ein computergenerierter Avatar, ihre Persönlichkeit wurde mit Hilfe von IBMs Künstlicher Intelligenz Watson generiert. Sie ist sehr emotional und stylisch, trägt Chanel, Fendi und Supreme und hat eine eigene Clique, die Drama erzeugen kann wie die Kardashians – deshalb folgen ihr mittlerweile 1,4 Millionen Menschen (oder zumindest Profile) auf Instagram. Erfunden wurde sie von Brud, einem Unternehmen mit Sitz in L.A., das sich auf KI und Robotics spezialisiert hat. Kürzlich hat sie einen Riesen-Werbedeal an Land gezogen. Das Unternehmen UGG feierte sein 40-jähriges Jubiläum mit einer Kampagne, bei dem sie das vierte Gesicht – neben dem Model Adwoa Aboah, dem Designer Heron Preston und dem Schauspieler, Model und Künstler Luka Sabbat – sein durfte. Wie hoch wohl die Gage war, die damit einer echten Influencerin entgangen ist?

KI als Designer

Künstliche Intelligenz wertet die Laufstege aus und analysiert Trends, so zum Beispiel bei Edited, einem Retail-Analyseunternehmen mit Sitz in London. Einst war es das Handwerk von Moderedakteuren und Trendforschern, heute übernimmt die viel schnellere KI das Sichten von Laufsteglooks, erkennt Trendfarben, Silhouetten, Muster und Accessoires. Doch damit nicht genug: Auch das Design selbst könnte zukünftig aus den Schaltkreisen von KI stammen. Das zuvor von den Laufstegen analysierte kann nämlich auch genutzt werden, um etwas Neues daraus zusammenzusetzen, das sich mit hoher Wahrscheinlichkeit verkaufen wird – allerdings dürfte dabei wirkliche Innovation unter den Tisch fallen.

So will der Onlinehändler Yoox eine eigene Marke lancieren, die auf gesammelten Daten basieren soll. Die Kollektion, deren Name noch nicht bekannt ist, wird sich auf künstliche Intelligenz verlassen, soll aber dennoch von einem Kreativteam entworfen werden. Der Geschäftsführer der Yoox Net-a-Porter-Group, Federico Marchetti, schlug darüber hinaus vor, dass Kleidungsetiketten zukünftig nicht länger den Herstellungsort wie „Made in Italy“ ausweisen sollten, sondern stattdessen kennzeichnen sollten wer sie gemacht hat, wie etwa „Made by Humans“.

Welche Auswirkungen es haben wird, wenn die Roboter und KIs die Mode übernehmen, bleibt abzuwarten. Gerade im Bereich Mode und Design dürfte es langweiliger werden, denn der Algorithmus begünstigt meist das, was sich bereits gut verkauft. Ob Big Data in einer Kreativbranche echte Begehrlichkeiten wecken kann, darf bezweifelt werden. Genies wie Alexander McQueen oder Disruptoren wie Rei Kawakubo wird die KI, zumindest vorerst, wahrscheinlich nicht hervorbringen.

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