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Foto: Visual Feast - Gestalten Verlag

Foto: Visual Feast - Gestalten Verlag

Meinung: Ist Kunst mit Essen ein ethisches No-Go?

Dorothée Selz ist Bildhauerin und Malerin, geboren 1946 in Paris. Sie beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Lebensmitteln und ist eine repräsentative Künstlerin auf diesem Gebiet. Ihre Arbeiten sind von kritischen und zeitgenössischen Themen beeinflusst und transportieren ihr Engagement, anderen durch ihre Kunst weiterzubringen. Sie hat unter anderem auf der Biennale in Venedig, im Centre Pompidou, im Palais de Tokyo und in anderen bedeutenden Museen und Galerien ausgestellt.

Dorothée Selz, ist Ihre Arbeit von den Krisen betroffen, die wir gerade erleben? Politik, Flüchtlinge oder gar Klimawandel? Können Sie einige Beispiele nennen?

Dorothée Selz: Ich werde persönlich sehr von den Krisen der Politik, den Flüchtlingen, dem Klimawandel beeinflusst und bin betroffen. Und ich war immer beeinflusst von den Krisen meiner Generation (ich bin 1946 geboren): Atombombe, Rassendiskriminierung, fehlende Gleichstellung von Frau und Mann(alles noch Realität…). Meine Familie ist jüdisch aus Litauen.

Sehr früh dachte ich: Künstlersein ist eine wichtige Entscheidung gegen Ignoranz, Gewalt, Rassismus. Ich engagiere mich persönlich in verschiedenen Aktionen (Kindererziehung, besonders für Mädchen in China »Couleurs de Chine« und in Paris, die humanitäre Organisation »Les Restos du Coeur« von Coluche, 1944-1986).

Meine Arbeit mit Essen ist ein offenes Angebot, kein snobistisches Ereignis für wenige Glückliche…. Ich arbeite daran, besondere Momente zu teilen, indem ich Essen in vielen verschiedenen Kontexten anbiete: Bildungsorte, Studentenorte, kulturelle Orte, arme oder reiche Kulturzentren in Europa, Paraguay, Kolumbien, Argentinien, Brasilien, Asien…. Ich verwende einfache, lokale Produkte wie Gemüse und Früchte, oft bio. Ich signiere mit »Dorothée Selz«, weil ich Künstlerin bin. Mein humanitäres Engagement ist anonym. Ich denke, meine Kunst, meine Berufswahl ist eine Verpflichtung.

Ist es für Sie wichtig, dass kein Essen im Prozess der Kunstproduktion verschwendet wird oder lohnt es sich, im „Namen der Kunst” zu verschwenden?

Natürlich dürfen Lebensmittel im Kunstprozess nicht verschwendet werden. In meinem Fall wird das Essen an die Öffentlichkeit gegeben und nicht verschwendet.

Ich »spiele« nicht mit dem Essen! Meine Einstellung ist das Gegenteil vom Spiel mit dem Essen: Einfache Grundnahrungsmittel wie Reis, Mais, Brot, Obst und Gemüse werden glorifiziert. Mit einfachen Volksgerichten, auf andere Weise präsentiert, wird das Essen zu einem künstlerischen Akt. Das ist meine Arbeit: zu teilen. Es ist schwer zu behaupten, dass Kunst im Allgemeinen in jeder Krise helfen kann. Aber ich hoffe, die Kunst kann helfen, gute Fragen zu stellen, wie zum Beispiel: Was bedeutet Essen? Essen geben? Essen teilen? Essen? Gut essen? Gesunde und ungesunde Ernährung? Essen als Fest, um besondere Ereignisse zu feiern?

http://dorothee-selz.com

 

Images © D.Selz > from Medellin and Popayan, Colombia 2007

Offering Edible Sculpture with local products: fruits, vegetables, local pastries, chocolate in popular location: a public garden (Medellin), a free – open cultural center in Popayan

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