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Rubin Lind entwarf mit 17 eine App für interaktives Lernen – er zählt zu den jüngsten Gründern Deutschlands. Foto: Veemotion.

Rubin Lind entwarf mit 17 eine App für interaktives Lernen – er zählt zu den jüngsten Gründern Deutschlands. Foto: Veemotion.

Schulrevolution per App: wie Gründer Rubin Lind das Lernen neu erfindet

Rubin Lind gestaltete schon mit 17 eine interaktive Lern-App. Durch „Die Höhle der Löwen“ wurde er als Gründer in ganz Deutschland bekannt. Aber abseits vom Rampenlicht des Reality-TV sieht die Gründungsrealität wesentlich turbulenter aus.

Stumpfes Auswendiglernen mit dem alten Mathebuch für die nächste Klausur: Das macht so ziemlich niemandem Spaß. Dabei ist genau dieser Spaß so wichtig, um produktiv lernen zu können. Das weiß auch der junge Gründer Rubin Lind und konzipierte deshalb seine App Skills4School, die interaktives Lernen ermöglicht und Feedback zum Lernstand gibt. Wir haben mit ihm über die Idee hinter seiner App, die Schwierigkeiten nach der Gründung und über die Mängel des deutschen Schulsystems gesprochen.

Mit 17 hast du eine App entworfen, die dir dabei helfen sollte, besser und präziser für Klausuren in der Schule zu lernen. Warum glaubst du, gab es sowas noch nicht?

Ich habe noch klassisch mit dem Schulbuch gelernt. Es gab natürlich schon damals Onlinelernportale, bei denen man sich anmelden und PDF-Arbeitsblätter herunterladen konnte – oder man hat sich einfach Videos bei YouTube angesehen. Aber das war nicht die Art von digitalem Lernen, die ich mir vorgestellt hatte. Stattdessen habe ich blind auf Klausuren hin gelernt und wusste dabei gar nicht so wirklich, wo ich stand: Was ich wo besser hätte lernen können oder müssen. Allerdings besuchte ich zur selben Zeit auch die Fahrschule und konnte mit dem dort bereitgestellten Material wenigstens am Handy lernen. Diesen Ansatz auf das Schulmaterial zu übertragen hat mich gereizt – unterwegs lernen: auf dem Weg ins Schwimmbad, zu Freunden usw. In der Zeit, in der man sonst durch Instagram oder Twitter scrollt, könnte man sich weiterbilden. Ermöglichen sollte das eine App, die dem Nutzer Feedback zum Lernstand gibt. So ist die Idee entstanden.

Wie du siehst, habe ich mit 17 kein Unternehmen gegründet, sondern Dinge gemacht, die man mit 17 halt so macht. Gab es bei dir nichts, was dich abgelenkt hat?

Na ja, ursprünglich hatte ich gar nicht die Absicht, gleich eine eigene Firma zu gründen. Ich hatte lediglich die Idee dieser Lern-App und habe mir darüber Gedanken gemacht, wie so eine App aussehen und was sie leisten müsste. Damit bin ich zu verschiedenen Wettbewerben gegangen, habe Feedback erhalten und die Idee auf dieser Grundlage weiterentwickelt. Schließlich knüpfte ich die richtigen Kontakte, dann kam die Website und so hat sich das Stück für Stück entwickelt. Erst als es praktisch nicht mehr ging, sich als Privatperson alleine darum zu kümmern, musste ich mich zwangsläufig mit den Themen Wirtschaft und Unternehmensgründung auseinandersetzen.

Deine letzten Monate bei Skills4School waren sehr herausfordernd. Du musstest Insolvenz anmelden und hast die versprochene Finanzierung durch „Die Höhle der Löwen“ dann doch nicht erhalten. Was würdest du heute anders machen?

Bestimmt würde ich heute einiges anders machen. Am Ende ist man immer schlauer, das ist ganz normal. Damals als 17- oder 18-Jähriger war ich einfach froh, die erste Finanzierungsrunde zu erhalten, um meine Idee weiterentwickeln zu dürfen. Und dann übernimmt man in diesem Alter zwar die Vertragsgestaltung, ist vor lauter Euphorie allerdings nicht so genau, wie es eigentlich angebracht wäre – was dann in einem Vertrag mit nur 9 statt 40 Seiten Klauseln endet. Was genau in so einem Vertrag abgedeckt werden muss, lernt man erst mit der Zeit und vor allem aus Fehlern. Trotzdem würde ich den Weg wieder gehen und das Unternehmen noch einmal gründen, weil ich an die Idee glaube. Das zeigt sich ja auch darin, wie wir letztendlich damit umgegangen sind.

Mit den verschiedenen Lernpaketen bereitet man sich individuell auf das vor, was man gerade benötigt. Foto: Skills4School.

Hattest du direkt einen Plan, wie die App aussehen sollte oder gab es Vorbilder wie Sprachlern-Apps oder ähnliches?

Man macht sich natürlich immer Gedanken, was die Usability der App angeht. Bevor wir unsere eigene App konzipierten, haben wir uns diverse andere Apps angesehen und deren Benutzerfreundlichkeit verglichen. Dabei sind wir aber nicht nur bei Lern-Apps geblieben, sondern haben uns ebenso von der Gaming- und der Rezeptebranche inspirieren lassen.

Wie hat sich Skills4School seit seiner ersten Probephase weiterentwickelt? Wird es z. B. auch eine Version für Studenten geben? Was habt Ihr noch vor?

Natürlich soll die Idee weiter ausgebaut werden. Wir haben zum Beispiel letzten Sommer angefangen, neben Skills4School auch Skills4Work zu entwickeln und zu vertreiben: eine Version der App, mit deren Hilfe sich Mitarbeiter von Unternehmen weiterbilden können. Wir konzentrieren uns erst einmal darauf. Aber danach sind natürlich noch weitere Themen spannend: Skills4Study, Skills4Life – ich würde da mit dem Unternehmen gerne in die Richtung des lebenslangen Lernens gehen. Man kann immer etwas dazulernen, egal wie alt und in welchem Lebensabschnitt man gerade ist.

Wie steht es bei deutschen Schülern um das Thema Finanzwissen?

Darum steht es, so wie ich das sehe, leider nicht sonderlich gut – außer man besucht eine Schule, an der das internationale Abitur angeboten wird. Dort sind die Jugendlichen tatsächlich recht fit darin. Aber der durchschnittliche Schüler hat keinerlei Ahnung von Finanzen oder von unserem Wirtschaftssystem.

An meiner Schule war es zwar möglich, eine Art Wirtschaftsleistungskurs zu belegen, doch selbst da habe ich nicht viel mitgenommen. Das meiste habe ich erst in der konkreten Anwendung gelernt – eben als ich es mir aneignen musste oder mich dafür interessierte.

Was würdest du dir konkret vom deutschen Bildungssystem wünschen, damit Schülern das Lernen leichter fällt?

Zunächst einmal bin ich der Ansicht, dass es nicht mehr zeitgemäß ist, einem Lehrer 30 Schüler vorzusetzen und dann zu verlangen, dass in einer solchen Konstellation jeder individuell gefördert wird. Die Schüler kommen aus ganz unterschiedlichen Umfeldern und stehen privat vor völlig verschiedenen Herausforderungen. Entsprechend brauchen sie unterschiedlich lange, um ein Problem zu erfassen. Man muss Lernen auf jeden Fall stärker personalisieren und individueller gestalten. Und es müssen natürlich auch Kenntnisse in der Schule vermittelt werden, die man später im alltäglichen Arbeitsleben braucht: Wie kommuniziere ich richtig in Schriftstücken? Wie mache ich eine Steuererklärung? Zu guter Letzt sollte man sich von dem Gedanken verabschieden, dass die Schule das alleinige Monopol auf Wissensvermittlung hätte, schließlich können sehr viele Informationen und Unmengen an Lernstoff aus dem Internet gewonnen werden. Spannender wäre es doch, wenn man in der Schule lernen und reflektieren würde, welches Wissen man wie anwenden kann.

Die Absicht, ein eigenes Unternehmen zu gründen, hatte Rubin eigentlich nicht. Das hat sich einfach so entwickelt. Foto: Lukas Hoppe.

Was hat dir als Gründer an Hilfestellungen gefehlt? Welche Unterstützung hättest du speziell als junger Gründer gebraucht?

Grundsätzlich gibt es schon sehr viel Infomaterial, das einem hilft und man kann sich viel selbst aneignen; das gilt jedoch nur für die ersten Schritte der Gründung. Für alles, was danach kommt, war ich immer ein großer Freund von Mentoring. Mir hat es viel gebracht, mich mit anderen Gründern über ihre Erfahrungen auszutauschen. Davon profitiert man im Endeffekt wirklich sehr.

Denkst du, jugendliche Vorbilder – junge Gründer und auch Aktivisten – sind das, was wir gerade brauchen? Insbesondere mit Hinblick auf Themen wie Nachhaltigkeit und Gleichberechtigung?

Ja, ich denke zumindest, dass junge Vorbilder viel stärker gefragt sind als noch vor einigen Jahren. Das hängt mit Sicherheit damit zusammen, dass junge Menschen wesentlich weniger Probleme haben als noch ihre Großeltern im selben Alter – damals war Krieg und die Nahrungsmittel knapp. Dementsprechend kommt gerade bei den Jüngeren immer mehr die Frage nach einem möglichst sinnstiftenden, nachhaltigen Leben auf. Allerdings bin ich der Ansicht, dass Jung und Alt zu wenig in den Dialog miteinander gehen: Beim Thema Umwelt passiert es gerade, doch auch was das Thema nachhaltige Wirtschaft angeht, sollte man sich zusammentun. Denn wem hilft es, wenn die Führungsetagen von Unternehmen aus 55- bis 60-jährigen Menschen bestehen, die als Zielgruppe für die eigenen Produkte gar nicht mehr relevant sind? Gerade hier könnte man deren Erfahrung mit neuen Ideen von jungen Mitarbeitern gut vereinen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Wenn du Rubin gerne persönlich kennenlernen und ihm Fragen zu seiner Gründerlaufbahn stellen möchtest, dann melde dich doch zum #PayAttention-Moneytalk am 19. November in Düsseldorf an. Hier geht’s zur Anmeldung!

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