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Kompendium: Automatisierung

In den nächsten Jahrzehnten steht uns eine weitere Industrielle Revolution bevor. Intelligente Netzwerke werden bald Aufgaben übernehmen, die bislang ausschließlich Menschen vorbehalten waren. Es ist ein gesellschaftlicher Umbruch, auf den wir uns vorbereiten müssen.

Kompendium: Automatisierung

Automatisierung wird immer komplexer und ist kaum mehr durch einen einzelnen Menschen zu begreifen. Die intelligenten Systeme entwickeln sich zu einem neuen Akteur in unserer Gesellschaft. In Zukunft werden wir neu definieren müssen, welche Verantwortung der Staat und jeder Einzelne trägt.

Kompendium

Dinge, die sich wie von Geisterhand bewegen, faszinieren Menschen seit der Antike. Doch wenn wir unsere Aufgaben an Maschinen abgeben, verlieren wir auch ein Stück Kontrolle. In Zukunft werden wir nichts Geringeres als ein neues Gesellschaftsmodell brauchen, um auf die Veränderungen angemessen zu reagieren.

Kompendium: Automatisierung

Schon die ersten Automaten berührten die Grundfragen unseres Seins. Mit ihren Werken untersuchten Ingenieure, wie der Mensch funktioniert und was ihn von seiner Umwelt unterscheidet. Zum Leben erweckte Objekte zogen die Menschen über Jahrhunderte in ihren Bann.

Kompendium: Automatisierung

Vor etwa 250 Jahren erforderte ein steigendes Bevölkerungswachstum neue Ideen. Die Menschen entdeckten, dass Automatisierung helfen kann, Arbeit schneller auszuführen. Doch der Gewinn durch die neue Produktivität blieb den meisten Menschen vorenthalten.

Kompendium: Automatisierung

Die technische Entwicklung hat heute viele Lebensbereiche nachhaltig verändert. Wissenschaftler und Entwickler sehen sich nun mit einer ganz neuen Herausforderung konfrontiert. Man will eine Kernkompetenz des Menschen automatisieren: Die Intuition.

Kompendium: Automatisierung

Als die Umwelt zum Leben erwachte

Kompendium: Automatisierung

Als die Umwelt zum Leben erwachte

Der Schreiber - von Pierre Jaquet Droz - ausgestellt im  NEUCHÂTEL, Musée d’art et d’histoire

Der Schreiber - von Pierre Jaquet Droz - ausgestellt im NEUCHÂTEL, Musée d’art et d’histoire

Schon die ersten Automaten berührten die Grundfragen unseres Seins. Mit ihren Werken untersuchten Ingenieure, wie der Mensch funktioniert und was ihn von seiner Umwelt unterscheidet. Zum Leben erweckte Objekte zogen die Menschen über Jahrhunderte in ihren Bann.

Die Anfänge der Automatisierung liegen weit zurück. Einer ihrer ersten Protagonisten lebte im antiken Griechenland. Es ist der Mathematiker und Ingenieur Heron von Alexandria, der nicht ohne Grund auch den Spitznamen Mechanicus hatte. In mehreren Schriften beschrieb er unzählige Erfindungen, die seiner damaligen Zeit weit voraus waren.

Seine Skizzen zeigen unter anderem Maschinen, die mit Wasser, Luft und Hitze betrieben werden. Ein Beispiel ist der Aeolipile, der auch als Heronsball bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um eine Kugel, die an zwei Stäben aufgehängt ist. Ein Behälter unter ihr wird mit Wasser gefüllt, das durch ein Feuer zum Verdampfen gebracht wird. Der Wasserdampf steigt in die Kugel und entweicht über zwei gebogene Rohre. So entsteht ein Rückstoß und die Kugel dreht sich.

Heronsball

Zur damaligen Zeit war der Aeolipile ein Kuriosum, das die Menschen in Staunen versetzte. Was damals aber noch niemand ahnte: Heron von Alexandria hatte damit die erste Wärmekraftmaschine der Welt gebaut. Genau dieses Prinzip sollte über eineinhalb Jahrtausende später die Erfindung der Dampfmaschine und die Industrielle Revolution ermöglichen.

Die Erfindung Herons von Alexandria ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Von der Antike bis in die frühe Neuzeit waren Automaten vor allem magische Apparate. Sie hatten nur selten eine spezielle Funktion, sondern waren zur Unterhaltung oder als Studie physikalischer Wirkmechanismen gedacht. Ihre Faszination besteht darin, dass sie dem Menschen das Gefühl geben, seiner Umwelt auf eine fast göttliche Weise Leben einhauchen zu können.

Die Natur mit Technik nachbilden

Vordenker René Descartes

Vordenker René Descartes: Frans Hals [Public domain], via Wikimedia Commons

Im 18. Jahrhundert fand die Zeit der Wunderwerke ihren Höhepunkt. Besonders beeindruckend sind die Arbeiten von Jacques de Vaucanson. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, mechanische Modelle des menschlichen Körpers zu bauen, um seine Funktionsweise zu verdeutlichen. Besondere Aufmerksamkeit bekam de Vaucanson für zwei automatische Flötenspieler, die verschiedene Lieder vorspielen konnten. Außerdem hatte er eine Ente gebaut, die laufen konnte und in der Lage war, Nahrung über ein Schlauchsystem im Inneren aufzunehmen und wieder auszuscheiden. 1748 wurden seine Automaten in Augsburg ausgestellt und waren eine echte Attraktion.

Die Idee, mit technischen Modellen die Natur nachzubauen, ist auch der Kerngedanke des Weltbilds von René Descartes. Der französische Philosoph hat in seinen Schriften immer wieder die Parallelen zwischen Natur und Technik hervorgehoben und war davon ausgegangen, dass Körper genauso wie technische Apparate funktionieren. Hierbei ließ sich Descartes sicherlich auch von den beeindruckenden Erfindungen seiner Zeit lenken. Bis heute werden weite Teile unseres Denkens durch dieses Weltbild beeinflusst, obwohl es in der Wissenschaft inzwischen als überholt gilt.

Ein anderer, beeindruckender Automat ist der Schreiber, der um 1770 von Pierre Jaquet-Droz und seinem Sohn gemeinsam mit einem angestellten Mechaniker entwickelt wurde. Der Schreiber ist eine puppenartige Figur, die automatisch Texte von bis zu 40 Zeichen schreiben kann. Zunächst werden dazu die entsprechenden Buchstaben eingestellt. Spielte man die eingestellte Kombination ab, tauchte der Schreiber zunächst seine Schreibfeder in ein Tintenfass und schrieb dann Strich für Strich den eingegebenen Text auf ein Blatt Papier.

Der Schreiber ist in gewisser Weise ein Vorläufer des Computers, da man verschiedene Programme in einen Speicher eingeben und abspielen lassen kann. Aber natürlich war der Schreiber damals eher die Verkörperung einer Phantasie. Denn bis Automaten tatsächlich das Schreiben von Texten effizient erledigen konnten, sollte es noch rund 200 Jahre dauern.

 

Weiterlesen Die Wirtschaftskraft der Automatisierung
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Header Collage erstellt von Frank Schröder, zusammengestellt aus Fotos von Adrien Milcent, Ant Rozetsky, Dmitry Pavlov, Edgar Moran, Ferdinand Stohr, Joel Filipe, Lance Anderson, Samuel Zeller und Tony Webster via Unsplash.com.

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Die Wirtschaftskraft der Automatisierung

Kompendium: Automatisierung

Die Wirtschaftskraft der Automatisierung

Charlie Chaplin in Modern Times:  movie studio (ebay) [Public domain], via Wikimedia Commons

Charlie Chaplin in Modern Times: movie studio (ebay) [Public domain], via Wikimedia Commons

Vor etwa 250 Jahren erforderte ein steigendes Bevölkerungswachstum neue Ideen. Die Menschen entdeckten, dass Automatisierung helfen kann, Arbeit schneller auszuführen. Doch der Gewinn durch die neue Produktivität blieb den meisten Menschen vorenthalten.

Ab dem 19. Jahrhundert wurde Automatisierung nutzbringend eingesetzt. Vor allem in Westeuropa, den USA und Japan war die Industrielle Revolution bereits in vollem Gange. Tätigkeiten, die zuvor in Heimarbeit oder auf landwirtschaftlichen Gütern stattfanden, wurden jetzt von Maschinen übernommen. Sie waren wesentlich schneller und produktiver als Handarbeit.

Die erste Tätigkeit, die vermehrt von Maschinen übernommen wurde, war das Spinnen von Garn. Die Spinning Jenny, eine automatische Spinnmaschine, konnte 200 Mal schneller Garn herstellen als ein herkömmlicher Arbeiter. Schon 1783 wurde in Ratingen die erste deutsche Fabrik eröffnet, die mit dieser in England entwickelten Technologie arbeitete.

Die ehemaligen Handarbeiter, die auf dem Land lebten, konnten schnell nicht mehr mit den sinkenden Preisen und der kurzen Produktionszeit mithalten. Ihnen blieb letztlich keine andere Wahl, als in die Städte zu ziehen und ihre Arbeitskraft in den Dienst der Fabrikbesitzer zu stellen.

Dort lebten sie meist unter unwürdigen Bedingungen. Vor allem London war bekannt für seine riesigen Slums, in denen ganze Familien auf kleinstem Wohnraum hausten. Kinderarbeit und Arbeitstage von weit über 12 Stunden standen auf der Tagesordnung. Die Automatisierung der Arbeit hätte eigentlich zu mehr Wohlstand in der Gesellschaft führen können, doch die Gewinne wurden nicht gleich unter den Menschen verteilt.

Automatisierung durch Spinning Jenny

Andrew Ure, Peter Lund Simmonds, H.G. Bohn, 1861 [Public domain], via Wikimedia Commons

Grund hierfür waren nicht nur Unternehmer, die den Gewinn aus ihren Fabriken maximieren wollten. Der Fehler lag auch im System, denn um die teuren Maschinen anschaffen und die Fabrik in das neue Zeitalter bringen zu können, war viel Kapital nötig. Als Besitzer der Fabrikanlagen musste der Unternehmer das Kapital deshalb bei sich anhäufen, um die nötigen Investitionen tätigen zu können. Ein Missstand, den auch Karl Marx in seinem Werk „Das Kapital“ beschrieb.

Automatisierung als physische und psychische Belastung

Die Automatisierung hatte aber noch eine andere Folge: In den Fabriken war der Tätigkeitsspielraum der Arbeiter sehr viel enger als bei der früheren Handarbeit. Oft mussten stundenlang immer wieder die gleichen Handgriffe durchgeführt werden, was den Arbeitern nicht nur körperlich, sondern auch psychisch zusetzte.

An diesen Zuständen änderte sich lange Zeit nichts. 1936 greift Charlie Chaplin dieses Gefühl in seinem Film „Modern Times“ auf. Als Angestellter in einer modernen Fabrik kann er dem vorgegeben Takt nicht standhalten. Kurz vor dem Wahnsinn, wird er ins Gefängnis gesteckt. In der Tat mussten Arbeiter, die sich gegen das System auflehnten, mit Konsequenzen rechnen. In England wurden Aufständische mitunter zum Tode verurteilt oder in die Sträflingskolonie Australien deportiert.

Wenige Jahre später sollte ein radikaler Wandel in der Automatisierung eingeleitet werden. 1941 entwickelte Konrad Zuse in Berlin die Z3, den ersten universell programmierbaren Computer. Damit war die Grundlage geschaffen, um nicht nur handwerkliche Arbeit, sondern auch abstrakte Denkprozesse von Maschinen erledigen zu lassen.

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Die Automatisierung von Intuition

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Die Automatisierung von Intuition

Eine Traumwelt, die durch einen Algorithmus erstellt wurde.

Eine Traumwelt, die durch einen Algorithmus erstellt wurde.

Die technische Entwicklung hat heute viele Lebensbereiche nachhaltig verändert. Wissenschaftler und Entwickler sehen sich nun mit einer ganz neuen Herausforderung konfrontiert. Man will eine Kernkompetenz des Menschen automatisieren: Die Intuition.

Etwa 75 Jahre nach der Erfindung des Computers hat sich unsere Gesellschaft vollständig verändert. Automatisierung beschränkt sich lange nicht mehr auf Fabrikhallen, sondern hat fast jeden Lebensbereich erreicht. Mit immer leistungsfähigeren Computern wurden immer komplexere Algorithmen realisiert, die uns bei der Arbeit und im Alltag unter die Arme greifen.

Die Anwendungsmöglichkeiten für derartige Algorithmen stoßen jedoch allmählich an ihre Grenzen. Aufgaben, die dem Menschen zwar schwerfallen, aber durch relativ einfache Logiken beschrieben werden können, sind schon weitreichend automatisiert. In Fabriken laufen viele Prozesse inzwischen von alleine ab und kommen mit einer geringen Anzahl an Aufsichtspersonal aus. Monotone, körperlich anstrengende Arbeit wird aus unserer Gesellschaft bald vollständig verschwinden.

Inzwischen haben sich Forscher und Entwickler deshalb eine neue Herausforderung gesucht. Der nächste Schritt ist die Automatisierung von Aufgaben, die Menschen relativ leichtfallen, die aber nur schwer erklärt werden können. Tätigkeiten, wie das Erkennen von Bildern und Sprache oder das Steuern eines Autos führen wir intuitiv aus. Die Regeln, nach denen wir vorgehen, können wir kaum erklären und deshalb auch nicht in maschinelle Algorithmen übertragen.

Um Maschinen solche Tätigkeiten beizubringen, orientieren sich Entwickler an der Natur. Mit Programmcodes entwickeln sie Netzwerke, die wie ein menschliches Gehirn funktionieren. Sie verarbeiten Informationen, indem eintreffende Reize von Knoten zu Knoten weitergegeben werden und schließlich ein Ergebnis produziert wird. Genauso wie Menschen und Tiere lernen die Netzwerke mit jedem Versuch, ob das produzierte Ergebnis richtig oder falsch war. Nach und nach bilden sich so komplexe Entscheidungsmuster aus.

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Ein Netzwerk an Informationen. © William Bout on Unsplash

Deep Learning als Automatisierungsprozess

Bei diesem Vorgehen, das als Deep Learning bezeichnet wird, speisen Entwickler also ein Set aus Trainingsdaten in das System ein. Der Algorithmus nimmt dabei selbst eine Form an, die zu den Daten passt. Oft können auf diese Weise sehr leistungsstarke Algorithmen entwickelt werden. Eine Forschergruppe am Mount Sinai Krankenhaus in New York hat 2015 einen Algorithmus entwickelt, der mit rund 700.000 Patientendaten trainiert wurde. Der Deep Patient genannte Algorithmus hat sich als überraschend zutreffend erwiesen. Er kann selbst Krankheiten wie einsetzende Schizophrenie zuverlässig diagnostizieren, die Ärzte sonst nur selten entdecken.

Das Problem ist: Wenn es um Themen wie Gesundheit oder Sicherheit geht, kann man sich auf einen Algorithmus nur verlassen, wenn nachvollziehbar ist, wie er arbeitet. Das ist nicht nur wichtig, damit Menschen die Algorithmen in ihre Arbeit integrieren können und eine richtige Zusammenarbeit möglich ist, sondern auch notwendig, damit die Entscheidungen von Algorithmen überprüft werden können. Denn auch Algorithmen funktionieren nicht fehlerfrei.

Ein Beispiel hierfür sind selbstfahrende Autos. Es reicht nicht aus, wenn ein Auto zuverlässig durch den normalen Verkehr navigieren kann. Man muss auch sichergehen können, dass das Fahrzeug in ungewohnten Situationen wie gewünscht reagiert, die im Training gar nicht enthalten waren.

Forscher arbeiten deshalb mit Hochdruck an der Frage, wie Automatisierung für den Menschen transparent und nachvollziehbar werden kann. Eines dieser Projekte ist Deep Dream von Google. Hier wurde ein Algorithmus umgekehrt, der sonst zur Bilderkennung dient, sodass er selbst Bilder produziert. Daraus entstehen traumartige, teils befremdliche Bilder wie zum Beispiel in diesem Video:

Weiterlesen Automatisierung zwingt zum Umdenken
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Automatisierung zwingt zum Umdenken

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Automatisierung zwingt zum Umdenken

Roboter als Erleichterung auf dem Arbeitsmarkt? ©Alex Knight on Unsplash

Roboter als Erleichterung auf dem Arbeitsmarkt? ©Alex Knight on Unsplash

In den nächsten Jahrzehnten steht uns eine weitere Industrielle Revolution bevor. Intelligente Netzwerke werden bald Aufgaben übernehmen, die bislang ausschließlich Menschen vorbehalten waren. Es ist ein gesellschaftlicher Umbruch, auf den wir uns vorbereiten müssen.

Nach den Prognosen vieler Wirtschaftswissenschaftler wird die voranschreitende Automatisierung schon in wenigen Jahren eine Herausforderung für unsere Gesellschaft darstellen. Viele der heutigen Berufe werden durch Maschinen ersetzt, wodurch wiederum  neue Berufe entstehen. Einer aktuellen Studie zufolge könnten über die Hälfte der Jobs in den OECD-Staaten durch Automatisierung ersetzt werden. In China liegt der Anteil sogar bei 77%.

In den meisten Fällen werden Jobs allerdings nicht durch Automatisierung ersetzt, sondern erweitert. Die Verschmelzung von Mensch und Maschine wird im Vordergrund stehen. Kernaufgaben wie Beratung, Pflege, strategische Planung oder Kreativität, die in vielen verschiedenen Berufsbildern enthalten sind, bleiben auch in den nächsten Jahrzehnten im Verantwortungsbereich von Menschen. Maschinen helfen vor allem bei der Erfassung und Auswertung von Daten und bei routinemäßigen körperlichen Aufgaben.

Daniela Rus, die Direktorin des Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory am MIT, betont stattdessen die Chancen der Automatisierung. Intelligente Systeme werden alten, kranken oder behinderten Menschen mehr Komfort und Unabhängigkeit ermöglichen. Um diese und andere Innovationen zu entwickeln und zu betreiben, werden neue Jobs entstehen. Eine Studie des Weltwirtschaftsforums schätzt, dass 65% der heutigen Grundschüler einmal einen Job haben werden, den es heute noch gar nicht gibt.

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Die Angst vor der Begegnung mit künstlicher Intelligenz legt sich. © Andy Kelly on Unsplash

Um diese Möglichkeiten auszuschöpfen, wird die Ausbildung junger Menschen in den sogenannten MINT-Fächern eine zentrale Rolle spielen: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Aber auch Erwachsene werden sich häufiger neue Fähigkeiten aneignen müssen, um dem rasch wandelnden Arbeitsmarkt gewachsen zu sein. Immer mehr Menschen werden die Angebote von Weiterbildung über das Internet nutzen. Die Anerkennung von Zertifikaten aus Online-Kursen wird deshalb in Zukunft zunehmen.

Automatisierung und die Verteilung von Wohlstand

Die Automatisierung von Arbeit wird aber nicht nur dazu führen, dass große Bevölkerungsgruppen einen neuen Beruf erlernen müssen. Auch die gerechte Verteilung des neuen Wohlstands ist eine gesellschaftliche Herausforderung. Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass breite Teile der Gesellschaft bisher nicht am wirtschaftlichen Fortschritt durch neue Technologien beteiligt wurden. Es braucht neue Ideen für das gesellschaftliche Zusammenleben, um auf Dauer Gerechtigkeit und Frieden zu sichern.

Bill Gates hat in diesem Zusammenhang vorgeschlagen, die Automatisierung von Arbeit mit einer Steuer zu belegen. Wenn viele Arbeitsplätze durch die schnellen Veränderungen am Arbeitsmarkt wegfallen, sind staatlichen Einnahmen für die Fortbildung und Entwicklung von Fachkräften erforderlich.

Möglicherweise brauchen wir für die nächsten Jahrzehnte jedoch auch eine ganz neue, moderne Gesellschaftsform. Bei der Industriellen Revolution im 18. und 19. Jahrhundert haben wir gesehen, dass der Kapitalismus kein geeignetes Modell ist. Eine einseitige Verteilung von Besitz führt zu Ungerechtigkeit und Verarmung. Ein neuer Ansatz könnte sein, Besitz unter den Bürgern gemeinschaftlich zu verteilen. Mit Innovationen wie Crowdfunding und Kryptowährungen könnte dieses Zeitalter des Post-Kapitalismus schon längst begonnen haben.

 

Weiterlesen Künstliche Intelligenz als neuer Mitbürger
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Künstliche Intelligenz als neuer Mitbürger

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Künstliche Intelligenz als neuer Mitbürger

Photo by Matt Pritchard on Unsplash

Photo by Matt Pritchard on Unsplash

Automatisierung wird immer komplexer und ist kaum mehr durch einen einzelnen Menschen zu begreifen. Die intelligenten Systeme entwickeln sich zu einem neuen Akteur in unserer Gesellschaft. In Zukunft werden wir neu definieren müssen, welche Verantwortung der Staat und jeder Einzelne trägt.

Eine Prognose über die Zukunft ist wie ein Blick in die Glaskugel. Das gilt besonders für einen technologischen Bereich wie der Automatisierung, die von Jahr zu Jahr schneller voranschreitet. Alles deutet aber darauf hin, dass am Ende dieses Jahrhunderts ein Großteil von dem, was wir heute noch selbst tun, durch intelligente Maschinen und Algorithmen erledigt wird.

Menschen werden in Zukunft wohl hauptsächlich damit beschäftigt sein, diese automatischen Systeme zu kontrollieren und zu lenken. Gerade Aufgaben, bei denen es auf grundlegende Werte ankommt, werden im Verantwortungsbereich von Menschen bleiben. Genauso werden Bereiche wie Pflege und Bildung noch lange in der Verantwortung von Menschen liegen.

Auch in Schulen kann Automatisierung stärker zum Einsatz kommen. Algorithmen könnten einem Lehrer beispielsweise dabei helfen, sich ausgewogen um die Kinder in der Klasse zu kümmern und sie optimal zu fördern. Trotzdem wird am Ende immer der menschliche Kontakt entscheidend sein. Das Gefühl, von einem Menschen Aufmerksamkeit und Zuspruch zu bekommen, kann durch eine Maschine nicht ersetzt werden.

Automatisierung ist gut, Kontrolle ist besser

Doch selbst wenn sich Menschen nach wie vor um die strategischen und kreativen Aufgaben kümmern, werden wir durch die weitreichende Automatisierung des Lebens auch Kontrolle verlieren. In Zukunft wird eine der großen Herausforderungen deshalb sein, Automatisierung so zu gestalten, dass sie die Mündigkeit der Menschen fördert und erhält.

Die Europäische Union hat bereits einen Vorstoß in diese Richtung gemacht: Ab 2018 wird die Datenschutz-Grundverordnung gelten. Dann soll jeder Mensch das grundlegende Recht haben zu erfahren, wie ein Algorithmus funktioniert und wie er zu seinem Ergebnis gekommen ist. Doch selbst wenn Algorithmen dadurch nachvollziehbar werden, können wir nicht in jeder Situation überprüfen, ob eine Automatisierung in unserem Sinne funktioniert.

Vom Algorithmus diskriminiert

Vernetzung von Informationen.

Vernetzung von Informationen. © JJ Ying on Unsplash

Die Menschen, die Automatisierung gestalten, haben damit eine große ethische Verantwortung. Bislang wird diese Verantwortung von einem kleinen Kreis von Menschen getragen, die in den Entwicklungsabteilungen großer IT-Konzerne Algorithmen berechnen. In Zukunft müssen wir Wege finden, wie mehr Menschen aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen an der Entwicklung von Automatisierung beteiligt werden können. Außerdem werden wir unabhängige Stellen brauchen, die beurteilen, ob sich Algorithmen an unsere Grundwerte halten und frei sind von rassistischen und sexistischen Tendenzen.

Solche Unstimmigkeiten wurden zum Beispiel in einem Algorithmus festgestellt, der von Gerichten in den USA eingesetzt wird. Er analysiert die Akten von Verurteilten und errechnet daraus eine Wahrscheinlichkeit, mit der die Personen erneut straffällig wird. Eine nähere Untersuchung hat den Verdacht geweckt, dass der Algorithmus Menschen auch nach ihrer Hautfarbe beurteilt.

Die Zukunft der Automatisierung

Je mehr wir uns auf die Automatisierung verlassen, desto größer werden auch die damit verbundenen Sicherheitsrisiken. Wenn weite Teile unseres Lebens automatisch ablaufen, kann ein plötzlicher Ausfall der Systeme folgenreich sein. Je mehr Daten über eine Person gesammelt werden, desto schwerer kann ein Diebstahl dieser Daten wiegen. Cyber Security wird deshalb in Zukunft ein zentrales Thema sein.

In einer Welt mit komplexer Automatisierung und hoher Vernetzung ist es für eine Einzelperson aber kaum mehr möglich, sich selbst gegen diese Gefahren zu schützen. Die Bedeutung unabhängiger Stellen wird also auch in diesem Bereich wichtiger werden. Es wird neue Ideen brauchen, wie Menschen Vertrauen und Sicherheit in einer digitalen Welt erhalten können. Wie diese Aufgaben in Zukunft vom Staat, von privaten Unternehmen und  der Medien- und Zivilgesellschaft erfüllt werden, ist noch völlig offen.

Und schließlich werden wir auch neue Antworten auf die grundlegende ethische und philosophische Frage finden müssen, was eigentlich Leben ist. Bislang konnte wissenschaftlich nicht geklärt werden, wie menschliches Bewusstsein zustande kommt. Je intelligenter automatische Systeme aber werden und je mehr sie Tieren oder gar Menschen ähneln, desto mehr verschwimmen auch die Grenzen der Begrifflichkeiten. Es stellt sich deshalb die Frage, wann wir eine künstliche Intelligenz als Leben begreifen und mit entsprechenden Rechten schützen müssen.

 

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