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Kompendium: Bionik

Was Rennboliden dank Karbon-Leichtbau an Beschleunigung wettmachen, gelingt Denise Schindler schon seit geraumer Zeit: Die Deutsche trägt eine Performance-Prothese aus Karbon und ist damit die schnellste Paracyclerin ihrer Disziplin auf der Welt.

Kompendium: Bionik

In fünf Jahren werden nicht nur die Geschlechteridentitäten in der Virtual Reality neu definiert: Bionik kann auch als Ausweg aus der Verletzlichkeit dienen.

Kompendium: Bionik

Roboter nehmen uns in Zukunft die Arbeit ab?! Schön wär’s. Stattdessen schuften die menschlichen Arbeiter in Exoskeletten. Science-Fiction-Filme sagen es uns für das Jahr 2154 voraus.

Kompendium

Ende der 1950er Jahre prägte der Militärarzt Jack Steele das neue Wissenschaftsfeld der Bionik. Ursprünglich martialisch besetzt, führen uns künstliche Gliedmaße, kybernetische Extremitäten, Exoskelette und sogar Cyborgs immer wieder die Verletzlichkeit des Menschen vor. Dadurch wurden Wege zur Auflösung der Geschlechtsidentitäten hin zum Nichtbinären aufgezeigt.

Kompendium: Bionik

Die Seele kann nur im Ganzen ins Reich der Götter aufsteigen und auch nur, wenn der Körper es auch ist. Prothesen – oder zumindest Attrappen von Körperteilen – waren dafür essentiell.

Kompendium: Bionik

Wie kybernetische Erweiterungen des weiblichen Körpers die Grenzen der Identität aufweichen: Weibliche Kampfmaschinen walzen Stereotype einfach nieder.

Kompendium: Bionik

Mit Fake-Gliedmaßen ins Totenreich

Kompendium: Bionik

Mit Fake-Gliedmaßen ins Totenreich

Für die alten Ägypter war der Gang in das Totenreich nur mit einem vollständigen Körper vorstellbar - im Notfall wurde deshalb mit Prothesen nachgeholfen. Collage mit Fotos von:  Philip Pikart, Door Jon Bodsworth und British Museum (Wikimedia Commons)

Für die alten Ägypter war der Gang in das Totenreich nur mit einem vollständigen Körper vorstellbar - im Notfall wurde deshalb mit Prothesen nachgeholfen. Collage mit Fotos von: Philip Pikart, Door Jon Bodsworth und British Museum (Wikimedia Commons)

Die Seele kann nur im Ganzen ins Reich der Götter aufsteigen und auch nur, wenn der Körper es auch ist. Prothesen – oder zumindest Attrappen von Körperteilen – waren dafür essentiell.

Im Alten Ägypten wurden fehlende Körperteile, sofern eine solche Maßnahme zu Lebzeiten zu teuer war, anschließend nach dem Tod aus Lehm, Harz oder Leinen nachgebildet und vor der Mumifizierung dem toten Körper angefügt. Denn nach einer erfolgreichen Prüfung durch das Totengericht benötigte die Seele einen vollkommenen Leichnam, wenn sie ins Jenseits gelangen durfte. Prothesen trugen aber auch die – zumindest wohlhabenderen – Lebenden: Eine frühe Zehenprothese fand man bei der Tochter eines ägyptischen Priesters mit dem Namen Tabaketenmut in ihrem Grab bei Luxor im südlichen Ägypten. Tabaketenmut lebte von etwa 950 bis 710 v. Chr. und erkrankte offenbar an Diabetes, wodurch sie den rechten großen Zeh verlor. Die Prothese aus Holz und Leder wurde ihr maßgeschneidert zum Laufen in traditionellen Sandalen angepasst und beweist die bemerkenswerten anatomischen und medizinischen Kenntnisse und Expertise des Prothesenbauers.

Kapillaren aus hauchdünnem Golddraht

Die Zehen-Prothese der Tabaketenmut. Foto: Door Jon Bodsworth

Eine noch ältere gefundene Prothese stammt bereits aus der Bronzezeit. In der Ausgrabungsstätte Schahr-e Suchte an der iranisch-afghanischen Grenze wurde im Jahr 2006 ein künstliches Auge ausgegraben. Es ist die erste okulare Prothese der Welt. Der Augapfel, etwa zwischen 2.900 und 2.800 v.Chr. gefertigt, ist nicht nur eine erstaunlich detailgetreue Nachbildung. Auf der Oberfläche sind sogar die Kapillaren mit beeindruckender Präzision nachempfunden. Verwendet wurde dafür offenbar feinster Golddraht von nur einem halben Millimeter Durchmesser. Diese Okular-Prothese gehörte wohl einer Frau der Oberschicht oder Priesterin und war etwas ganz Besonderes.

Die Prothese als magisches Instrument

Schließlich hat das Auge bis heute bei den persischen Mystikern eine übernatürliche Bedeutung. Heilige mit besonderen Sehkräften finden sich immer wieder in der iranischen Hagiografie: Sie sehen die Sünder in ihrer eigentlichen Tierform und können mit dem inneren Auge die Ehrlichen von den Heuchlern unterscheiden. Das Interessante daran: In einer modernen Interpretation gelingt dies auch mithilfe einer Augenprothese. In der iranischen TV-Serie „The Final Sin“ aus dem Jahr 2006 wird einem jungen Orthopäden die Hornhaut eines verstorbenen Mystikers implantiert. Fortan erkennt er das wahre Gesicht seiner Mitmenschen abhängig von ihren Taten – entweder als fürchterliche Bestien oder aber umhüllt von Licht.

Prothesen waren von Bedeutung für den Übergang ins Geisterreich oder sie waren mit übernatürlichen Kräften ausgestattet: Ersatzgliedmaße besaßen magische Kräfte, davon war man überzeugt. Die Spiritualität nimmt hier lange vorweg, was sich deutlich später in dem Phänomen der Bionik manifestieren sollte.

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Kompendium: Bionik

Der Siegeszug der Prothese im Geschlechterkampf

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Der Siegeszug der Prothese im Geschlechterkampf

Schauspielerin Aimee Mullins, die seit frühem Kindesalter auf Prothesen läuft,

Schauspielerin Aimee Mullins, die seit frühem Kindesalter auf Prothesen läuft,

Wie kybernetische Erweiterungen des weiblichen Körpers die Grenzen der Identität aufweichen: Weibliche Kampfmaschinen walzen Stereotype einfach nieder.

Die Geschichte der Bionik ist auch die Geschichte unserer eigenen Verletzlichkeit als Mensch. Denn die von Militärarzt Jack Steele in den 1950ern imaginierte Super-Prothese für den unbesiegbaren Soldaten überdeckt eigentlich etwas – eine schmerzliche Schwachstelle. Die Pop-Kultur jedoch, drehte diese Schwäche zur Stärke für weibliche Protagonisten um und kreierte neue Geschlechtsidentitäten.

Als einer der Vorreiter prägte Science-Fiction-Autor und Visionär William Gibson seit den 1980ern das literarische Genre des Cyberpunk. Starke Frauenfiguren, die sich den typischen Stereotypen von schwacher und hilfsbedürftiger Weiblichkeit widersetzen, durchziehen sein Werk. Eine seiner wiederkehrenden Heldinnen ist die Figur des weiblichen Cyborgs namens Molly Millions, Jane oder auch Sally Shears. Ausgestattet mit kybernetischen Implantaten, Spezial-Linsen vor den Augen und ausfahrbaren Klingen unter den Fingernägeln, arbeitet sie als Kampfmaschine und Bodyguard – und Beschützer des männlichen Protagonisten Case. Ganz reibungslos läuft das aber auch nicht immer: Die Verbindung von Mensch und Maschine wird bei Gibson oft als ambivalent, als eine Abhängigkeit von der Bionik, dargestellt.

Der Cyborg als soziale Realität für neue Identitäten

Starke Frauebilder mit Prothesen erreichen die Popkultur zunehmend. Collage mit Fotos von: “Grindhouse” (CC BY-SA 2.0) by *floydgal* & https://twitter.com/AnoukWipprecht/status/888709429532741632

Als übermenschlicher Cyborg gibt es für Molly aber noch eine andere Lesart: Im Jahr 1985 begründet die Autorin und Professorin für Feminismus-Studien Donna Haraway mit ihrem „Cyborg Manifesto“ eine feministische Theorie, die mit dem Hybrid aus Organismus und Maschine auch die Grenzen der Identitäten verwischt. Der Cyborg hat eine politische Agenda und dekonstruiert die traditionellen Grenzen beziehungsweise Dualismen von Rasse, Ethnizität, Binarität und Realität/Fiktion. Für Haraway bedeutet der Cyborg nicht nur eine fiktive Gestalt aus der Science-Fiction, sondern auch eine soziale Realität. In diesem Kontext kann man Charaktere wie Molly als ein frühes Beispiel für Cyberfeminismus verstehen: Ihre kybernetischen Erweiterungen stellen ihre symbolische – wie physische – Macht dar; ihre Rolle in den Romanen ist eine „traditionell“ eigentlich männlich besetzte.

Raubkatzen-Frau auf Geparden-Beinen

Die Geschichte des starken, weiblichen Cyborgs und der feministischen Deformationen innerhalb der Popkultur scheinen ansonsten eher rar gesät. Eine der Ausnahmen wäre etwa die US-Amerikanerin Aimee Mullins als Raubkatzen-Frau in der „Cremaster“-Kunstfilm-Serie des amerikanischen Künstlers Mathew Barney. In einer Episode von „Cremaster 3“ aus dem Jahr 2002 muss der „Apprentice“ (Mathew Barney) die fünf Stockwerke des Guggenheim Museums in New York bezwingen. Aimee Mullins performt hier in einer Doppelrolle. Die Athletin, Schauspielerin und Model verlor nach ihrer Geburt beide Unterschenkel. Als Ego von Mathew Barney verwandelt sie sich später in eine Raubkatze auf zwei Hinterbeinen. Von ihrem Sims aus attackiert sie ihn als Geparden-Frau. Ein starkes Szenenbild, das sich als starker visueller Eindruck in das kollektive Popkultur-Bewusstsein nach der Jahrtausendwende eingebrannt hat.

Prothesen im Zeichen der Diversität

Die Künstlerin Viktoria Modesta macht die Notwendigkeit einer Prothese zu ihrem Markenzeichen. Foto: Screenshot Viktoria Modesta – Prototype

Gut eine Dekade später, braucht es die von manchen kritisierten „Macho-Initiationsrituale“ von Mathew Barney nicht mehr, um eine starke, kämpferische Frau mit Prothese im Zeitalter der Diversität einzuführen: Viktoria Modesta, eine lettisch-britische Sängerin und Performance-Künstlerin, erledigt das gleich selbst und erklärt sich zur „bionischen Künstlerin“. Nach 15 Operationen ließ sie sich schließlich im Alter von 20 Jahren das linke Bein unterhalb des Knies amputieren. In ihrem Video-Clip zum Song „Prototype“ aus dem Jahr 2014, erklärt sie das Phänomen der Versehrtheit zu einer Stärke und tanzt mit einer leuchtenden Prothese. Der Höhepunkt des Clips ist jedoch ihr „Spike Dance“: Als Ballerina hackt sie mit ihrer Kegel-Prothese aus Metall den Boden auf.

Im Jahr 2017 kreierte ihr die niederländische 3-D-Designerin Anouk Wipprecht dann noch zum Prothesen-Design das passende, mithilfe von 3-D gedruckte Kleid. Mit „Sonifica“ kann sie selbst Sounds erzeugen. Die dafür designte Prothese ist das Markenzeichen und Teil der künstlerischen wie professionellen Identität von Viktoria Modesta. Sie ist damit längst nicht die Einzige, deren besonders gestaltete künstliche Extremität ihr eine neue Identität verleiht.

Weiterlesen Der bionische Vorteil entscheidet: 3-D-Extremitäten im Profi-Sport
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Der bionische Vorteil entscheidet: 3-D-Extremitäten im Profi-Sport

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Der bionische Vorteil entscheidet: 3-D-Extremitäten im Profi-Sport

Collage mit Fotos von: Martin Hofmann und Denise Schindler auf Instagram

Collage mit Fotos von: Martin Hofmann und Denise Schindler auf Instagram

Was Rennboliden dank Karbon-Leichtbau an Beschleunigung wettmachen, gelingt Denise Schindler schon seit geraumer Zeit: Die Deutsche trägt eine Performance-Prothese aus Karbon und ist damit die schnellste Paracyclerin ihrer Disziplin auf der Welt.

Vieles hat sich Denise Schindler schon erkämpft: Sie ist nicht nur paralympische Weltmeisterin im Bahn-Radrennen über 3.000 Meter in Rio. Neben vielen weiteren gewonnenen Rennen ist sie auch die erste weibliche Paracyclerin, die die Transalp-Tour in sieben Tagen bezwungen hat. Die Paralympischen Spiele 2020 in Tokio sind ihr nächstes Ziel und dafür trainiert sie hart – derzeit im Trainingscamp in Südafrika.

Jeder Sprung bedeutet einen Stoß auf das sensible Gewebe

Mit zwei Jahren verlor Denise Schindler nach einem Unfall ihren rechten Unterschenkel. Sie konnte nie richtig rennen, nur unter Schmerzen: Mit jedem Schritt und der einhergehenden Erschütterung erfolgt auch ein Stoß der Prothese auf das sensible Gewebe. Eines Tages entdeckte Denise schließlich das Indoorcycling für sich– die Bewegung dort erfolgt wesentlich geschmeidiger. Denise Schindler hatte nicht nur ihren Sport gefunden, seit dem Jahr 2010 ist Paracycling sogar ihre Profession.

3-D-Abbild per Laser-Scan

Beinprothesen für Profisportler werden bislang in langwieriger Handarbeit gefertigt. Dank maßgeschneidertem 3-D-Druck geht das viel schneller: Zusammen mit der 3-D-Sofware-Firma Autodesk entwickelte Denise ihr neues Super-Bein anhand von Laserscan.

Aerodynamischer Huf statt Bein

Ihre erste 3-D-Prothese, so erzählte Denise Schindler auf der Berliner Digitalkonferenz hub.berlin 2017, benötigte 60 Testdrucke bis sie endlich fertig und rundum zufriedenstellend war. Nach anderthalb Jahren Entwicklung passte die finale Form aus widerstandsfähigem Karbon und weichem Silikon endlich perfekt. Ihre aerodynamische Form soll der Radrennfahrerin einen Vorteil auf der Strecke verschaffen: Statt eines Fußes, verfügt sie über ein hufförmiges Modul, das auf dem Pedal einrastet. Eine Sport-Prothese dieser Art kann in 48 Stunden in 3-D gedruckt werden und kostet um die 350 US-Dollar.

3-D-Prothesen für Krisenregionen

Natürlich profitieren nicht nur Profisportler von dem günstigen und schnelleren 3-D-Druck der bionischen Erweiterungen. Mittlerweile gibt es einige Firmen und Organisationen, denen die Entwicklung von maßgeschneiderten mit 3-D-Drucker gefertigten Prothesen für Menschen mit Amputationen in Krisen- und Kriegsgebieten ein Anliegen ist. Im jordanischen Amman gibt es seit dem Jahr 2015 sogar ein eigenes Krankenhaus der Ärzte ohne Grenzen (MSF), das sich ausschließlich auf rekonstruktive Chirurgie für Patienten im Mittleren Osten spezialisiert hat. Mit 3-D-Druckern gefertigte Prothesen stehen dort an der Tagesordnung. In Zukunft könnten diese Prothesen durch implantierte Chips sogar ganz mit dem Körper verbunden werden und den Menschen auf eine neue anthropologische Ebene heben. Das wird nicht nur die Art unserer Fortbewegung verändern, sondern auch die Art wie wir leben und lieben.

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Bionische Dates und geschlechterloser Sex

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Bionische Dates und geschlechterloser Sex

"In einer virtuellen Zukunft jenseits von Geschlecht und Aussehen können wir mit jedem Wesen, Objekt oder auch einer Künstlichen Intelligenz Sex haben und Lusterfüllung (emp)finden." Foto: Charles

In fünf Jahren werden nicht nur die Geschlechteridentitäten in der Virtual Reality neu definiert: Bionik kann auch als Ausweg aus der Verletzlichkeit dienen.

Mit der Weiterentwicklung der Virtual Reality sieht Stephanie Alys ganz neue Möglichkeiten. Die Mitgründerin des britischen Sex-Toy-Herstellers MysteryVibe sagt eine genderlose Zukunft voraus. Sie erklärt in einem TEDx Talk: „Menschen möchten nicht mehr gelabelt werden“. Wie bei der Unisex-Mode seien genderlose Sex Toys ein Trend. Analog sieht sie eine Möglichkeit in der VR, in der zwei Menschen mittels Headsets und anderen Hilfsmitteln eine romantische und sexuelle Beziehung miteinander haben können, ohne sich jemals im echten Leben begegnet zu sein. Dann wird vieles in Realität ziemlich egal, nicht nur das Aussehen. „Macht es dann noch einen Unterschied, welches Geschlecht ich in der Virtual Reality habe?“, fragt sie.

Beim Cyber-Sex ist es egal, wie der andere eigentlich real aussieht

Wenn Geschlecht und Körperbau in der VR nicht mehr ausschlaggebend für die sexuelle Aktivität wären, entscheidet „was ich sexy am Verhalten des anderen finde und seine oder ihre erotischen Qualitäten jenseits der physischen“, sagt Alys. Das könnte grundlegend in Frage stellen, womit wir uns Lust bereiten, was wir uns wünschen und wie wir unser Dasein als Mensch und unsere Identität verstehen, so Alys. In einer virtuellen Zukunft jenseits von Geschlecht und Aussehen können wir mit jedem Wesen, Objekt oder auch einer Künstlichen Intelligenz Sex haben und Lusterfüllung (emp)finden.

Virtual Sex kann uns dabei helfen unsere Identität und Gefühle zu schützen. Allerdings verzichten wir damit auf den physischen Kontakt. Foto: Oleg Ivanov

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Könntest Du Dir vorstellen in der Virtual Reality jemanden kennenzulernen und mit dieser Person Sex zu haben?

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Bionik schützt unsere Intimsphäre

Die Bionik ist ein Mittel zum Zweck. Sie verleiht uns neue Identitäten und beschützt uns: Wir müssen uns für neue Kontakte nicht mehr in der physischen Welt treffen und unsere Verletzlichkeiten beim ersten Date preisgeben. Schon im Jahr 2022 visionieren Jenna Owsianik und Ross Dawson der Strategieagentur Advanced Human Technologies in ihrem Future Of Sex-Report , werden die ersten virtuellen Dates mittels Motion Capture-Ganzkörperanzügen populär. Im Jahr 2024 werden wir uns in fotorealistische VR-Welten begeben und wir werden bestimmen wie und mit wem wir Sex haben, so ihre Voraussage.

Damit erlangt die Vision von Donna Haraways weiblichem Cyborg eine ganz neue, zusätzliche Bedeutung: Die Bionik räumt uns die Möglichkeit ein, uns aus der Verletzlichkeit unseres menschlichen Körpers und unserer Identität zu befreien.

Weiterlesen Arbeiter der Zukunft, ab in die Exoskelette!
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Arbeiter der Zukunft, ab in die Exoskelette!

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Arbeiter der Zukunft, ab in die Exoskelette!

Von der Zukunftsvision in die Wirklichkeit: Exoskelette. Foto: Prof. Sankai, University of Tsukuba / CYBERDYNE Inc.

Von der Zukunftsvision in die Wirklichkeit: Exoskelette. Foto: Prof. Sankai, University of Tsukuba / CYBERDYNE Inc.

Roboter nehmen uns in Zukunft die Arbeit ab?! Schön wär’s. Stattdessen schuften die menschlichen Arbeiter in Exoskeletten. Science-Fiction-Filme sagen es uns für das Jahr 2154 voraus.

Exoskelette kannten wir bislang eher aus der Science-Fiction. Mittlerweile kommen sie allerdings nicht nur in japanischen Seniorenheimen zum Einsatz. Dort werden die HAL-Exoskelette des japanischen Unternehmens Cyberdyne als Gehhilfe (der sogenannte „Lower Limb Type“) von Patienten mit Verletzungen am Rückenmark oder Schlaganfall-Patienten genutzt.

Arbeits-Drohnen in Exoskeletten

Weniger komplexe Exoskelette unterstützen heute auch Fabrikarbeiter in den Fertigungsstraßen der Autobauer Volkswagen, Ford und BMW. Könnten diese Arbeiten – und viele weitere unserer alltäglichen Arbeitsprozesse wie von einigen befürchtet –irgendwann von Robotern verrichtet werden und uns als Arbeitskräfte ersetzen? Science-Fiction-Erzählungen und -Filme haben die Verwendung von Exoskeletten vielfach durchgespielt und zeigen auf, was uns in Zukunft erwarten könnte.

Übermenschliche Gabelstapler

Nicht nur Roboter sind ein realistisches Szenario für die Zukunft. Exoskelette sind bereits Teil unserer Arbeitswelt. Foto: Frank V

Gerade auf einem Raumschiff wird deutlich, dass Bionik die Geschlechtergrenzen aufweichen kann – die Maloche hat sich jedoch keineswegs geändert. Im Sci-Fi-Horrorfilm „Aliens“ (1986) stellt Regisseur James Cameron eine Bord-Mannschaft vor, deren untere Ränge die beschwerlichen Lastenarbeiten mit Hilfe eines „Power Loader“-Exoskeletts verrichten. Ausgehend von einem gewöhnlichen Gabelstapler, imaginierte Cameron mit Produktionsdesigner Syd Mead ein wuchtiges Exoskelett aus Stahl mit hydraulischen Zangen. Ellen Ripley, dargestellt von Sigourney Weaver, soll sich nützlich machen und kann den martialischen Power Loader mit seinen gigantischen Greifern bedienen.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass „Aliens“ im gleichen Jahrzehnt entstand wie das Genre des Cyberpunks und Donna Haraways These vom weiblichen Cyborg. Das Exoskelltett wird die einzig effektive Waffe der technisch so erstarkten Protagonistin Ripley gegen das Alien. In einer ikonischen Szene kämpft sie mit ihm im Hightech-Gabelstapler.

Vor Aliens besteht in unserer Zukunft (noch) kein Grund zur Panik. Doch zeigt dieser Sci-Fi-Horror gut, dass in der Zukunft bei allem Hightech jemand die Drecksarbeit machen muss. Das bedeutet nach dieser Vision im Umkehrschluss: Es besteht kein Grund zur Panik, dass die Roboter uns bald alle Arbeitsplätze wegnehmen. Für viele Arbeiten, so robotisiert sie irgendwann auch sein mögen, wird es den Menschen als letzte Entscheidungsinstanz benötigen. Denn die sind am Ende doch multifunktionaler, günstiger und weniger wartungsintensiv als die empfindlichen Maschinen. Schließlich muss auch Ripley im Gabelstapler ran.

Neuroprothesen durchs Rückenmark

Ein Exoskelett, kombiniert mit Neuroprothesen, könnte Querschnittsgelähmten das Gehen und Stehen ermöglichen. Foto: “Ekso Bionics Ekso” (CC BY-ND 2.0) by Ekso Bionics

Wahrscheinlicher ist eine Zukunft, in der Menschen so weit zu Cyborgs erweitert werden, um noch viel mehr schuften zu können. Ein stark belastbares Humankapital sozusagen. Implantierte Neuroprothesen wären ein Weg dorthin. Sie werden in 20 bis 30 Jahren nicht nur einem Querschnittsgelähmten das Stehen und Gehen ermöglichen. Neuroprothesen zusammen mit einem Exoskelett eröffnen neue Möglichkeiten für schwere Arbeiten. Eine dystopische Version des Prozederes liefert Regisseur Neill Blomkamp in seinem Science-Fiction-Film und Sozial-Kommentar „Elysium“ (2013): Darin wird dem Fabrikarbeiter Max (Matt Damon) im Jahr 2154 ein Exoskelett implantiert. Dieser „Exo Suit“ ist mit seinem Rückenmark und Gehirn verbunden und besitzt einen Bildschirm am Hinterkopf.

Reflexe für die Super-Workforce

„Die motorische Kontrolle findet tatsächlich im Rückenmark statt. Wenn es diese Art von Interface zu Gehirn und Rückenmark gibt, erzielt man übermenschliche Reflexe,“ sagte der Neurowissenschaftler und Robotiker Charles Higgins von der Universität Arizona in einem Interview im Jahr 2013. Als Zeitpunkt dafür schätzt er jedoch erst 2154, das Jahr, in dem der Film spielt, als realistisch für diese Entwicklung ein. Bis dahin wird die Forschung einen Weg finden, Elektroden dauerhaft im Gehirn zu verankern, ohne dass das Gehirn diese nach einer Weile als Fremdkörper abstößt.

Ist es nun eine Utopie, dass es im Jahr 2154 Arbeiter mit Exoskelett geben wird, deren Arbeiten durch Bionik ungemein erleichtert werden und ihnen vieles mühelos gelingt? Oder ist es eine Dystopie, in der menschliche Arbeits-Drohnen geknechtet werden? Auf jeden Fall ist es eine Ära der Cyborg-Identitäten, an dessen Idee wir uns gewöhnen müssen.

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