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Kompendium: Digitale Partnerschaft

Längst haben Apps den Dating-Markt revolutioniert und sind fester Bestandteil unseres Alltags geworden. Allerdings stellt sich die Frage, wo das Maß an Digitalisierung und Effizienz hinführen wird. Bleibt die Romantik zunehmend auf der Strecke?

Kompendium: Digitale Partnerschaft

Das Leben der nahen Zukunft wird effizienter, intelligenter und virtueller. Wir leben in einer hypervernetzten Welt. Aber welche Auswirkungen hat dies auf zwischenmenschliche Beziehungen und das Kennenlernen neuer Partner?

Kompendium: Digitale Partnerschaft

Längst haben smarte Algorithmen und neuartige Sexroboter das Liebesleben und die Dating-Welt erobert, doch eine analoge Gegenbewegung könnte die bestehende Welt erneut revolutionieren.

Kompendium

Die sexuelle Revolution der Steinzeit war die Monogamie. Heutzutage swipen wir uns immer schneller und immer effizienter durch eine riesige Auswahl potenzieller Partner. Doch wo soll die Reise zukünftig hingehen? Zurück zu traditionellen Werten oder doch eher zur Beziehung mit Sexrobotern?

Kompendium: Digitale Partnerschaft

Monogamie ist unter den Nomaden der Urzeit noch völlig unbekannt. Warum sie sich dennoch weltweit ausbreitet und unser aller Leben revolutioniert, könnte mit sexuell übertragbaren Krankheiten zusammenhängen.

Kompendium: Digitale Partnerschaft

Wir befinden uns im Zeitalter der Fernseh-Romantik und doch: Immer mehr Ehen werden geschieden. Die Anfänge der Digitalisierung vor der Jahrtausendwende bringen allerdings zahlreiche neue Dating-Optionen auf den Markt.

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Monogamie – die sexuelle Revolution der Steinzeit

Kompendium: Digitale Partnerschaft

Monogamie – die sexuelle Revolution der Steinzeit

Monogamie in der Steinzeit

Monogamie in der Steinzeit

Monogamie ist unter den Nomaden der Urzeit noch völlig unbekannt. Warum sie sich dennoch weltweit ausbreitet und unser aller Leben revolutioniert, könnte mit sexuell übertragbaren Krankheiten zusammenhängen.

Ein untersetzter Mann im Lendenschurz trommelt sich mit den Fäusten auf die haarige Brust, um eine Frau mit zotteligem Haar aus ihrer Höhle zu locken. „Ich Mann, du Frau! Wir Koitus?“ Die Frau guckt sich kurz um. Niemand sonst da. Na gut. Name, Aussehen, Hobbys? Egal. Die Fortpflanzung geht vor.

So oder so ähnlich ist unser Bild des triebgesteuerten Urzeitmannes, der seinen Samen möglichst weit verbreiten und viele Kinder zeugen möchte. Und von der willigen Frau, die sich von Stärke und Gesundheit beeindrucken lässt, denn diese Parameter erhöhen die Chancen auf gesunde Nachkommen. Der Fortbestand der eigenen Gene hat für beide oberste Priorität. Wer beim Fortpflanzungsspiel durch das Fruchtbarkeitsraster fällt, bleibt allein zurück. Selbst in der Bibel teilt etwa Abraham seine Liebe großzügig mit mehreren Damen, um die Nachkommenschaft zu sichern.

Mit Monogamie wird die Liebe exklusiv

Vor rund zehntausend Jahren hat allerdings ein dramatischer Umbruch in der Menschheitsgeschichte stattgefunden. Nach dem Ende der Eiszeit wird die sogenannte Neolithische Revolution von Landwirtschaft, Viehzucht und dem Übergang vom Nomadenleben hin zur Sesshaftigkeit geprägt. Beziehungen werden immer exklusiver und allmählich setzt sich die monogame Lebensweise durch.

„Der Übergang vom Nomadenleben hin zur Sesshaftigkeit und zur Landwirtschaft ist eine der größten Herausforderungen in der Geschichte der Menschheit gewesen.”
Marion Benz, Institut für Vorderasiatische Archäologie der Universität Freiburg

Wie Knochenfunde frühsteinzeitlicher Bauern belegen, werden Partner zunächst hauptsächlich im eigenen Familienkreis gewählt. Dies geschieht vermutlich nicht aus der Not heraus, sondern freiwillig, etwa um die Gruppe zu stärken und Nahrungsressourcen lediglich im engsten Kreis teilen zu müssen.

Mit Landbesitz und Hausbau werden die Nachkommen in der Erbfolge nun wichtiger als jemals zuvor. Mann und Frau arbeiten mit vereinten Kräften daran, dass die Kinder und damit auch ihre eigene Blutlinie möglichst lang überleben.

Frauen und Männer sind aufeinander angewiesen – auch wenn das gemeinsame Glück damals oft von kurzer Dauer ist, denn die Lebenserwartung liegt bei rund 30 Jahren.

Monogamie als Schutz vor Krankheiten

Warum gerade die Monogamie sich als Beziehungskonstrukt durchsetzt, ist bis heute von Forschern umstritten. Studien vermuten, dass sexuell übertragbare Krankheiten einen Einfluss auf diese historische Entwicklung hatten. Syphilis, Gonorrhö oder Chlamydien führten häufig zu Unfruchtbarkeit und wurden so zum Dauerproblem. Das Risiko einer Ansteckung war in Zweierbeziehungen deutlich geringer.

Die Bindung an einen einzigen Partner mag zusätzlich wirtschaftliche Vorteile haben, bedeutet aber auch eine freiwillig gewählte Selbstbeschränkung, die nur allzu oft an der Umsetzung scheitert. Genau das soll die Menschheit zukünftig noch zu spüren bekommen.

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Lucas Gutierrez

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So, lieber Jochen, wählst du Kandidatin 1, 2 oder 3?

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So, lieber Jochen, wählst du Kandidatin 1, 2 oder 3?

Beziehungsbildung wird zum Medienformat und gelangt durchs Fernsehen in die heimischen Wohnzimmer.

Beziehungsbildung wird zum Medienformat und gelangt durchs Fernsehen in die heimischen Wohnzimmer.

Wir befinden uns im Zeitalter der Fernseh-Romantik und doch: Immer mehr Ehen werden geschieden. Die Anfänge der Digitalisierung vor der Jahrtausendwende bringen allerdings zahlreiche neue Dating-Optionen auf den Markt.

Es ist Samstagabend, Vera und Manfred sitzen auf dem Sofa und gucken „Geld oder Liebe“. Die Kinder schlafen schon. Vera hat sich in der Fernsehzeitung außerdem „Nur die Liebe zählt“, „Flitterabend“, „Herzblatt“ und „Traumhochzeit“ markiert. Wann Hugo Egon Balders Show „Tutti Frutti“ läuft, weiß Manfred auch so. Das Paar hat sich beim Tanzen kennengelernt. Manfred hat Vera so lang Briefe geschrieben, bis sie tatsächlich einwilligte, mit ihm auszugehen.

Wir schreiben das Zeitalter der Fernseh-Romantik der 80er Jahre, das Zeitalter der Sicherheit – vielleicht auch das der Langeweile. Hochzeit, Kind, Bausparvertrag, Nine-to-Five-Job, Käffchen mit den Nachbarn, Sommerurlaub in Griechenland, Auto vor der Tür, Zweit-TV im Schlafzimmer.

Was Manfred für außereheliche Freuden auf seiner Geschäftsreise erlebt und Vera, wenn sie mittwochs „zum Sport geht“, bleibt oft unentdeckt. Hinweise auf Ehebrüche müssen in Form von eindeutigen fremden Parfumdüften am Kragen oder durch Videoaufnahmen aus dem Fundus der neugierigen Nachbarin erbracht werden. Die Ehe ist längst kein Garant mehr für die Liebe bis dass der Tod sie scheidet. Die frühzeitige Scheidung vor dem Ableben ist gesellschaftlich allerdings auch kein angesehener Ausweg aus der Ehekrise.

Liebe passt auf eine Dia!
Photo: Gemma Evans

Die Gleichberechtigung kommt

Bereits 1949 wurde in Artikel 3 des Grundgesetzes verankert, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Allerdings mussten Fortschritte bei Themenfeldern wie körperliche Selbstbestimmung, Frauenquoten in Industrie und Politik, sexueller Missbrauch (in der Ehe), gleiche Löhne und vieles mehr erst mühsam von der Frauenbewegung erkämpft werden – und werden es noch immer.

Immerhin: Ein uneheliches Kind ist nun keine Schande mehr. Scheidungen stürzen Frauen nicht mehr in Existenznot, denn sie stehen finanziell oft auf eigenen Beinen. Frauen besuchen Hochschulen und gehen einer Arbeit nach – wenngleich diese auch meistens noch weniger gut bezahlt ist als die ihrer männlichen Kollegen. Wer Hausfrau sein möchte, entscheidet sich dafür. Die meisten kümmern sich sowohl um ihren Beruf als auch die Kinder.

Eröffnung des Dating-Markts

Wer noch keine Partnerin oder keinen Partner gefunden hat oder wieder auf dem Markt ist, kann auf eine gewisse Bandbreite an Dating-Optionen zurückgreifen: den Flirt per Chiffre-Anzeigen, „Fisch sucht Fahrrad“-Partys, mittels Teletext-Angeboten und sogar über SMS-Chat.

Auch wenn viele noch skeptisch sind und lieber das Telefon zu Hause oder eine der zahlreichen Telefonzellen nutzen: Die Erfolgsgeschichte der mobilen Kommunikation nimmt ihren Lauf. 1992 öffnet sich der Markt für Handys. Um die Jahrtausendwende wird die Millionste .de-Domain registriert. Kurz darauf wird Wikipedia gegründet. Microsoft-Gründer Bill Gates ist inzwischen längst Multimilliardär. In deutschen Familien wird nicht mehr nur um die Fernbedienung, sondern neuerdings auch um den Zugriff auf das Modem gestritten. Das Netz bietet neue Möglichkeiten beim Dating – auch wenn es fast noch verpönt ist auf diesem Wege jemanden kennenzulernen und eher heimlich stattfindet.

Partnervermittlungen nehmen viel Geld für das Erstellen von Porträt-Videos und das sogenannte Matching mit potenziellen Partnerinnen und Partnern. Wem Deutschland zu wenig Singles bietet, der kann Frauen alternativ in Osteuropa und Männer in der Dominikanischen Republik finden. Das Prinzip ist simpel: Ins Flugzeug steigen und gucken, wen man so trifft.

Bereits 2003 hat eine Studie ergeben, dass Online-Singlebörsen als drittwichtigste Möglichkeit zur Partnersuche angesehen werden – hinter Arbeitsplatz und Freundeskreis. Die Themen Geschlechterrollen, alternative Beziehungsmodelle und die Öffnung für neue Dating-Optionen werden zunehmend diskutiert. Sachbuchtitel wie Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken von Allan und Barbara Pease verkaufen sich millionenfach. Und während das Leben als „ewiger Junggeselle“ als mutig und modern bewertet wird, gilt das der „alten Jungfer“ hingegen eher als traurig. Das soll sich aber bald ändern.

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Lucas Gutierrez

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Wie wir uns kennengelernt haben? Ganz normal per Rechts-Swipe

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Wie wir uns kennengelernt haben? Ganz normal per Rechts-Swipe

Das Business der Liebe in Zeiten von Tinder und co.

Das Business der Liebe in Zeiten von Tinder und co.

Längst haben Apps den Dating-Markt revolutioniert und sind fester Bestandteil unseres Alltags geworden. Allerdings stellt sich die Frage, wo das Maß an Digitalisierung und Effizienz hinführen wird. Bleibt die Romantik zunehmend auf der Strecke?

Tim und Stella sitzen mit ihren Unifreunden in einer Bar in Berlin und trinken Moscow Mules. Sie haben sich über eine Dating-App kennengelernt – Liebe per Rechts-Swipe. Anfangs war es nur etwas Unverbindliches zwischen ihnen, nun sind sie ein Paar. Das vermutet Stella zumindest, so ganz sicher ist sie sich nicht. Zumindest hat Tim alle Dating-Apps deinstalliert und Stella schreibt sich nicht mehr mit ihren ehemaligen Affären. Und das will schließlich etwas heißen.

Willkommen in der Gegenwart! In den Köpfen ist die Monogamie nach wie vor das Ideal unserer Gesellschaft. Und auch wenn der Bund der Ehe inzwischen deutlich länger hält, nämlich etwa 15 Jahre, wird jede dritte Ehe wieder geschieden. Oft ist der Grund dafür Untreue.

Liebe im hier und jetzt statt Liebe für immer

Doch die Monogamie wird heute eher aufgebrochen in kleine, handliche, monogame Abschnitte – eine feste Beziehung oder Ehe reiht sich an die nächste. Forscher betiteln das „Ich schlaf nur noch mit dir, bis einer von uns beiden wieder mit anderen schlafen will“-Phänomen als serielle Monogamie.

„Da der Anspruch an Beziehungen heute sehr hoch ist, lebt man entweder sehr glücklich mit dem Partner oder man trennt sich.“ – Lisa Fischbach, Psychologin und Paartherapeutin

Und auch andere Lebensmodelle werden angesehener bzw. gesellschaftlich zumindest mehr geduldet: offene Beziehungen, das Dauer-Singlesein, die Polyamorie, die Ehe für homosexuelle Paare – jeder darf nun offiziell jeden heiraten oder eben auch überhaupt nicht heiraten. Das öffnet die Möglichkeiten, über die sich viele allerdings auch beschweren. Will sich niemand mehr festlegen? Beziehungsstatus: It’s complicated.

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Beziehungsstatus: It’s complicated. © Brannon Naito on Unsplash

Digital love

Das Digitale ist inzwischen fester Bestandteil unseres Liebeslebens geworden. Kaum jemand lebt ohne Smartphone und Laptop. Die 14- bis 29-Jährigen sind täglich im Schnitt über 4,5 Stunden online. Über 8,4 Millionen User verkehren auf geschätzten 2.500 deutschen Online-Dating-Portalen, die einen Gesamtumsatz von über 200 Millionen Euro erwirtschaften – unseriöse Anbieter nicht miteingerechnet. Weitere 3,5 Millionen suchen im Netz explizit nach Sexkontakten. Immer mehr Menschen an beiden Enden der Altersskala kommen hinzu. Online-Dating kann jetzt jeder.

Eine Studie aus dem Jahr 2016 hat ergeben, dass 86 % der 17- bis 35-Jährigen an die Liebe fürs Leben glauben. Und diese Hoffnung wird vermarktet. Bereits 2011 erzielte die Dating-Branche in Deutschland einen Umsatz von 202,8 Millionen Euro und stellt damit nach dem Vereinigten Königreich den zweitgrößten europäischen Markt dar, der insgesamt auf 811 Millionen Euro beziffert wurde.

Das Dating in Zeiten der Apps ist auch effizient! Durch das vorherige Durchleuchten potenzieller Partnerinnen oder Partner in Bezug auf gemeinsame Werte oder die Optik wird das Risiko minimiert, seine wertvolle Zeit bei einem unnötigen Kennenlernen zu vergeuden. Von Freunden organisierte Blind Dates ohne den Check im Web gehören der Vergangenheit an.

Date

Von einem Date zum nächsten – mit nur einem Swipe. © Jacob Ufkes on Unsplash

Die Welt steht allen Singles offen, denn per Netz kann überallhin gedatet werden. Auf einmal erscheint das eigene Viertel wie ein viel zu kleiner Dating-Teich. Die Auswahl an potenziellen Partnerinnen und Partnern ist riesig! Aber auch die Verlockung neben der Beziehung kleine Abenteuer zu finden ist groß – wozu gibt es die Liste voller unverbindlicher Matches im Handy? So kommt es auch vor, dass schon so manche Beziehung aufgrund eindeutiger Tinder-Screenshots beendet worden ist.

Fernbeziehungen hingegen sind deutlich einfacher als früher, denn die digitale Vernetzung erlaubt es Paaren immer in Kontakt zu bleiben. Standort-Verfolgung des Partners, gemeinsame Kalender, Kurznachrichten, endlose Flatrate-Telefonate, WhatsApp-Gruppen mit Familie und Kollegen, Skype oder Snapchat für die intimen Stunden zu zweit – all dies sind Meisterwerke der Vernetzung.

Eine dringende Frage bleibt: Ist das romantische Liebesideal noch gültig und zeitgemäß? Oder gibt es sie doch, die Generation Beziehungsunfähig?

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Lucas Gutierrez

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Das virtuelle Zeitalter hat begonnen

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Das virtuelle Zeitalter hat begonnen

Photo by Michael Prewett on Unsplash

Photo by Michael Prewett on Unsplash

Das Leben der nahen Zukunft wird effizienter, intelligenter und virtueller. Wir leben in einer hypervernetzten Welt. Aber welche Auswirkungen hat dies auf zwischenmenschliche Beziehungen und das Kennenlernen neuer Partner?

Liam sitzt mit seiner Freundin Michelle auf der Couch. Die beiden sind seit ein paar Jahren zusammen und erzählen sich von ihrem Tag. Michelle lebt in Frankreich und datet auch andere Männer. Das ist okay für Liam, der in Deutschland zuhause ist. Auch er trifft sich hin und wieder mit anderen Frauen und Männern. Seine Eltern sind nicht sonderlich glücklich darüber, haben aber keinen Einfluss auf seine Beziehungen. Es ist spät geworden. Liam wirft Michelle einen Kuss zu, dann nimmt er die Virtual-Reality-Brille ab und geht alleine ins Bett.

Mehr Möglichkeiten durch Virtual Reality

Virtual Reality ist der große Trend des Datings. Die Brillen haben einen Großteil der herkömmlichen Bildschirme ersetzt. Trotz räumlicher Trennung ist es nun möglich, digital lebensecht zu daten. Auch Sprachbarrieren sind beseitigt, denn Gespräche können problemlos in jede Sprache der Welt verdolmetscht werden. Okay, ab und zu kommt es noch zu lustigen Übersetzungsfehlern; im Großen und Ganzen geht das Prinzip aber auf. Das Date meldet sich einen Tag lang nicht? Auf zur nächsten Person, es gibt ja Milliarden davon!

Intelligente, elektronische Assistenten sehen permanent die Bedürfnisse ihrer User voraus und informieren und beraten diese – auch bei Dating-Entscheidungen.

Längst ist Dating eines der lukrativsten Geschäftsfelder weltweit geworden. Und da die Menschen immer weniger Zeit zur freien Verfügung haben, sind bezahlte, effiziente Modelle eine gern genutzte Option für viele. Alleine bleiben muss niemand mehr. Zumindest nicht online.

Das Leben verlagert sich immer stärker in die eigenen vier Wände – den Universitäts-Abschluss gibt es per Online-Kurs, gearbeitet wird von zu Hause, Waren werden innerhalb kürzester Zeit von überall aus der Welt nach Hause geliefert, die Freunde werden eher über den Messenger erreicht als bei tatsächlichen Begegnungen. Psychologen warnen vor allem vor dem immer geringer werdenden zwischenmenschlichen Austausch.

Weit weg von klassischen Partnerschaften

Traditionelle Beziehungsmodelle sind auf dem Rückmarsch. Offene Paar-Konstellationen, Co-Parenting und Senioren-WGs gewinnen an Relevanz. Die Kinderplanung wird immer unabhängiger von den körperlichen Voraussetzungen der Eltern. Paare können bis ins hohe Alter Kinder bekommen. Der Besitz ist inzwischen an einzelne Personen gebunden – gemeinsame Konten gibt es in dieser Zeit der schnell wechselnden Beziehungen nur noch selten.

Paare können sich trotz Entfernung nah sein – im virtuellen Raum.

Auch konventionelle Geschlechterrollen sind – scheinbar – passé: Althergebrachte Vorstellungen von Mutter- und Vaterschaft verlieren ihre Notwendigkeit. Und auch verbindliche kulturelle und moralische Vorgaben fehlen weitestgehend; Frauen und Männer entscheiden selbst, auf wen sie sich einlassen, wie sie ihre Sexualität ausleben und welche Form der Beziehung sie führen.

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Klassische Partnerschaften sind passé. ©Meireles Neto on Unsplash

Die Überwachung des Partners kann ebenfalls lückenloser betrieben werden. Standort-bezogene Apps geben Echtzeit-Auskünfte über den Verbleib anderer. Im Notfall schlagen sie Alarm. Wer fremdgehen möchte, muss die Technik austricksen. Aber auch dafür gibt es natürlich Apps.

Die Online-Sexbranche hat durch den Einsatz von Virtual Reality einen weiteren Boom erlebt. Sexcams und Skype-Sex waren gestern. Heute trifft man sich mit anderen in privaten virtuellen Räumen – dargestellt durch seinen äußerst vorzeigbaren Avatar. Über App-gesteuerte Stimulatoren können zusätzlich zu den optischen und akustischen auch haptische Reize an den Geschlechtspartner gesendet werden. Bis zum vollkommen real wirkenden Erlebnis muss noch eine Menge entwickelt werden aber die Programmierer sind auf dem besten Weg dorthin.

Das virtuelle Ich

Die Digitalisierung schreitet immer weiter voran, vor allem im Smarthome und Health-Monitoring-Segment. Allerdings werden auch die Stimmen lauter, die sich gegen die vollkommene Transparenz von Menschen, ihren Gewohnheiten und Daten, aussprechen. Die vermehrte Selbstdarstellung führt immer mehr zur Abspaltung des virtuellen Ichs vom tatsächlichen Menschen dahinter. Emotionale Störungen und Probleme im Umgang mit anderen sind nur eine Folge davon. Doch der Weg Richtung Zukunft scheint unaufhaltsam – zu praktisch sind die technischen Neuerungen.

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Einmal Holodeck und zurück

Der Algorithmus der Liebe.

Der Algorithmus der Liebe.

Längst haben smarte Algorithmen und neuartige Sexroboter das Liebesleben und die Dating-Welt erobert, doch eine analoge Gegenbewegung könnte die bestehende Welt erneut revolutionieren.

Lennox ist 20. Zu seinem 14. Geburtstag haben seine Eltern ihm eine Simi, eine Roboterdame, geschenkt. Einmal hat Lennox es mit einer echten Frau versucht, aber das war zu herausfordernd: all die Anforderungen, Emotionen und Unsicherheiten. Da ist er doch lieber mit Simi zusammen. Die hat zwar durchaus eine eigene Meinung, beschwert sich aber wirklich nie. Simi schmeißt den Haushalt, unterhält ihn, macht im Bett alles mit. Neulich hat sie ihn sogar vor einem Einbrecher beschützt. Im Schnelllademodus ist Simi innerhalb von zehn Minuten voll aufgeladen. Demnächst steht ein Software-Update an, das sie noch witziger machen soll. Was will Lennox mehr?

Mit neuer Technologie zur großen Liebe

Neue Technologien sowie Kommerzialisierung, Emanzipation und Globalisierung haben zu größeren Veränderungen geführt, auch in der Liebe und Sexualität. Die eigene Filterblase ist prall gefüllt mit schönen Dingen, tollen Produkten, netten Komplimenten, den richtigen Einstellungen. Die Politik spielt dabei keine sonderlich große Rolle mehr. Dafür gibt es ja „die da oben”.

In jedem Gegenstand befindet sich inzwischen ein Chip, der mit dem Internet verbunden ist. Unsere Umgebung ist intelligenter als wir selbst und kann unsere Bedürfnisse voraussagen – und das noch bevor sie uns bewusst werden.

Der Nachwuchs kommt aus dem Reagenzglas oder vom Online-Elektromarkt. Geschlechterrollen sind komplett aufgebrochen, für welches Beziehungsmodell man sich entscheidet, bleibt einem selbst überlassen. Die Akzeptanz gegenüber alternativen Lebensweisen steigt, die lebenslange Partnerschaft hat als Modell aber so gut wie ausgesorgt. Das „perfekte” Match auf Big-Data-Basis rückt näher, auch wenn der Glaube an die Liebe fürs Leben hochgradig veraltet scheint.

Die Partnerin der Zukunft kann nach belieben programmiert werden. Photo: Erik Lucatero

Eine Beziehung mit der Maschine

Das Dating hat sich weiter revolutioniert. Intelligente Algorithmen und verhaltensbasierte Datenanalysen speisen Apps, die selbstständig entscheiden, wann, wo und mit wem ein Dating-Prozess initiiert wird und darüber hinaus hilfreiche Konversations- und Verhaltenstipps in Echtzeit liefern. Des Weiteren werden vor allem in der Virtual Reality Gaming-Prozesse in den Partnerfindungsprozess miteingebunden, die spielerisch gemeinsame Abenteuer und neuartige Welten inszenieren.

„Intimitäten sind im Jahre 2067 sowieso obsolet. Es gibt Maschinen, die diesen Job besser erledigen als emotional anfällige Menschen.” – Jule

Seit der Einführung von Sexrobotern gibt es einen weltweiten Rückgang der Prostitution. Gegner vermuten, die menschlichen Bedürfnisse könnten auf Dauer nicht von Maschinen gestillt werden. Allerdings könne jeder, der noch vor ein paar Jahrzehnten keinen Partner gefunden hat, nun auf diverse Roboter-Modelle zurückgreifen, die einem Menschen zum Verwechseln ähnlich sehen. Ist eine Beziehung zu einer Maschine schlechter als gar keine Beziehung? Wo ist die ethische Grenze im Umgang mit Robotern, vor allem in der Sexbranche? Und was unterscheidet einen Roboter von einem Menschen? Wollen wir uns von vermeintlich „smarten“ Maschinen bevormunden lassen? Das sind die großen Fragen der Zeit.

Die Analoge Revolution

Zwar strebt der Großteil der Menschheit weiter Richtung virtuelle Zukunft und Effizienz, ein starker Gegentrend ist aber zu verzeichnen: In kleinen kommunenähnlichen Zusammenschlüssen leben Menschen, die sich dem digitalen Raum total entziehen. Wie ihre Vorfahren vor vielen hundert Jahren betreiben sie Landwirtschaft, kümmern sich gemeinsam um die Erziehung und Bildung ihrer ausschließlich natürlich (!) gezeugten Kinder und lehnen Roboter als Partner oder Haushaltshilfen komplett ab. Frauen und Männer leben dort in monogamen hetero- oder homosexuellen Zweierbeziehungen und umwerben sich wie zu Urzeiten – mit direkten Gesprächen, kleinen Geschenken und handgeschriebenen Briefen. Vermutlich könnte diese DIY-Bewegung die sogenannte Analoge Revolution und damit ein völlig neues Zeitalter einleiten.

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