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Short Q

KI-Experten boykottieren “Killer-Roboter”

Zur Entwicklung verschiedener automatisierter und KI-gestützter Waffensysteme haben sich Forscher einer Universität und eines Rüstungskonzerns zusammengeschlossen. Dem Aufruf zum Boykott der Universität folgen Wissenschaftler aus aller Welt. Sie fürchten ein KI-Waffenwettrüsten.

Die Pläne klingen sehr eindeutig: Zur Entwicklung von KI-basierten Befehls- und Entscheidungssystemen, Flugzeug-Ausbildungssystemen, Tracking- und Identifizierungstechnologie sowie unbemannten U-Booten haben sich 25 Wissenschaftler der renommierten Universität KAIST mit dem Rüstungskonzerns Hanwha Systems zu einem Forschungszentrum zusammengeschlossen. Das stand zumindest in einer offiziellen KAIST-Meldung, welche inzwischen gelöscht wurde.

Keine Rückmeldung auf Nachfragen

Toby Walsh, einer der führenden Wissenschaftler im Bereich Künstliche Intelligenz, war wegen dieses Vorhabens erschrocken, von dem er zuerst in einem Artikel der The Korea Times las. Er wandte sich daraufhin an die offiziellen Stellen der Uni, bekam jedoch keine Antwort, und begann also einen Boykottaufruf zu verfassen. Bisher sind seinem Aufruf 57 fachverwandte Professoren aus aller Welt gefolgt. Damit verweigern sie sich jeglicher Zusammenarbeit mit KAIST, bis der Universitätspräsident die Entwicklung automatisierter Waffensysteme beendet.

Rüstungskonzern verkauft global geächtete Munition

“Es gibt zahlreiche großartige Dinge, die man mit KI machen kann, um Leben zu retten, auch im militärischen Kontext, aber offen zu erklären, das Ziel sei autonome Waffen zu entwickeln, und das mit einem Partner wie diesem, ist höchst besorgniserregend”, erklärt Walsh hierzu im britischen Guardian. KAIST sei eine renommierte Universität, doch die ethischen Standards von Kooperationspartner Hanwha Systems seien fragwürdig.

Der südkoreanische Rüstungskonzern stellt Streumunition her, dafür werden Bomben mit vielteiliger explosiver Munition ausgestattet. Die Herstellung und Verwendung von Streumunition ist in fast allen Staaten verboten, bis auf USA, China, Russland und Südkorea.

Überraschendes Statement der KAIST

Offenbar sah sich Sung-Chul Shin, der Universitätspräsident von KAIST, schließlich doch zu einer Reaktion gezwungen. In einem Statement streitet er die zuvor auf der eigenen Website veröffentlichten Forschungsziele ab: “Ich möchte nochmals bestätigen, dass KAIST weder die Absicht hat, sich an der Entwicklung tödlicher autonomer Waffensysteme, noch der von Killer-Robotern zu beteiligen. Als akademische Institution halten wir Menschenrechte und ethische Standards hoch.”