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Short Q

Miniaturkunst des Alltags: Von Masken-Freibädern und Brokkoli-Wäldern

Der Künstler Tatsuya Tanaka erstellt jeden Tag ein Miniaturkunstwerk aus Alltagsgegenständen und kleinen Diorama-Figuren, welche er anschließend online zur Freude von Millionen von Menschen zur Schau stellt. Unser Alltag aus einem neuen Betrachtungswinkel. 

Als Kind liebte ich es mir vorzustellen, der große grüne Brokkoli auf meiner Gabel ist eigentlich ein kleiner Baum, an dessen Blättern ich knabbern darf. Mein Kartoffelbrei wurde zu goldenen Dünen zurecht gemanscht und die Muschelnudeln, in Mamas Königsberger Klopse, zu kleinen Schiffchen umfunktioniert. Die Kinder-Fantasie, Dinge als viel mehr zu erkennen, als sie sind, war mein größter Spaß. 

Der japanische Künstler Tatsuya Tanaka hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau diese Magie, die man als Kind in herkömmlichen Dingen gesehen hat, in seiner Kunst aufleben zu lassen. Mit seinem 2011 gestarteten Projekt “Miniature Calendar” nimmt er Alltagsgegenstände und inszeniert diese mit Miniaturspielfiguren zu uns bekannten, kleinen Alltagsszenen, die wir dennoch auf diese Art so noch nie gesehen haben.

Foto: Tatsuya Tanaka.

Über 2.6 Millionen Fans werden auf Instagram täglich durch seine Kunst inspiriert

Seit 9 Jahren lädt er seine Werke täglich auf seinen sozialen Plattformen und seiner Website hoch, um sie mit der Welt zu teilen. Mit seiner außergewöhnlichen und verspielten Miniatur-Kunst hat er bisher 2,6 Millionen Anhänger auf Instagram gewonnen, die seine kreativen Posts täglich verfolgen. Doch damit nicht genug: Die Ausstellung seiner Werke “MINIATURE LIFE Exhibition: Tatsuya Tanaka’s World of Resemblance” verzeichnet seit ihrere Eröffnung im Jahr 2015 mittlerweile insgesamt über 1.000.000 Besucher und wurde im In- wie auch im Ausland begeistert aufgenommen. Es lohnt sich ebenfalls auf seiner Website vorbeizuschauen, denn dort präsentiert er nicht nur täglich ein neues Bild, sondern veröffentlicht ebenfalls ein Video dazu, wie dieses in seiner Werkstatt entstanden ist. Zu seinen veröffentlichten Buchbänden gehören bis heute “Miniature Life”, “Miniature Life 2”, “Small Wonders” und “Miniature Trip in Japan”. Das letzte ist eine sehr süße Nachempfindung der Kultur Japans durch kleine Figuren und den cleveren Einsatz von japanischen Alltagsgegenständen. So verwandelt unser Auge sofort einen Haufen grüner Strohhalme in einen Bambuswald, durch den eine Spaziergängerin wandert und eine bunte Fächersammlung in eine Hügellandschaft in Herbststimmung. 

Foto: Tatsuya Tanaka.

Japan und der shintoistische Glaube an die Allbeseeltheit

Tatsächlich ist die Inszenierung von Gegenständen als etwas lebendig beseeltes typisch japanisch. Verantwortlich dafür ist der Shintoismus, eine der meist verbreiteten Religionen Japans, neben dem Buddhismus. Der Shintoismus basiert auf der Vorstellung, dass die Natur, Menschen, Tiere und Gegenständen von Göttern, den sogenannten Kami, beseelt sein können. Er ist aus der ethno-religiösen Vorstellung des Animismus entsprungen, dem Glauben, dass alles um uns herum lebendig ist und ein inneres Wesen besitzt. Dieser Gedanke, mehr in dem uns gewohnten zu erkennen, als das Auge wahrnimmt, spiegelt sich auch in der Kunst Tanakas und schafft einen Perspektivwechsel. Er interpretiert gewohnte Gegenstände neu, indem er sie für uns ungewohnt inszeniert und lebendig werden lässt. Durch sein Projekt Miniatur Kalender erstellt er somit eine Kartografie unserer Zeit und ermöglicht dadurch eine neue Verortung unserer Selbst.

Foto: Tatsuya Tanaka.

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