facebook-likehamburgerlupeoverview_iconoverviewplusslider-arrow-downslider-arrow-leftslider-arrow-righttwitter
Short Q

Verzerrte Realität: Die Glitch-Make-Ups der Künstlerin Dain Yoon

Ein Make-Up-Trend begeistert das Internet. Die Künstlerin Dain Yoon kreiert extreme 3D-Beauty-Looks auf ihrem Gesicht und Körper, die den Begriff Make-Up um eine Dimension erweitern. Woher kommt unsere Lust auf Illusionen?

Die extremen Make-Up Looks der Koreanerin Dain Yoon scheinen die Realität in Frage zu stellen und sind mittlerweile weltweit bekannt. Mit einer Mischung aus Wassermalfarben und herkömmlichen Make-Up und verwandelt Dain ihr eigenes Gesicht in eine optische Täuschung. Dort zaubert sie Glitch-Effekte, verzerrt ihre Gesichtsmerkmale oder verschmilzt mit Hintergründen aus dem Alltag. So viel Arbeit, Detailverliebtheit und Kreativität wurde mit derart vielen Shares und Likes belohnt, dass sie seit 2016 über 600.000 Abonnenten angezogen hat, die ihre kreativen Ideen täglich mitverfolgen. Inspiriert wird sie dabei immer von ihrer eigenen Gefühlswelt, dem Weltgeschehen und den Menschen, die sie umgeben. In einem Interview mit dem Nachrichtensender BBC sagt sie: “Menschen haben multiple Persönlichkeiten, das halte ich in meinem Gesicht, wie in einem Tagebuch fest.”

Wer ist Dain Yoon und warum ist ihr die Verzerrung der Realität so wichtig?

Geboren und aufgewachsen ist das Ausnahmetalent in Seoul, Südkorea. Als Tochter eines Künstlers und einer Architektin studierte Dain an zwei renommierten Kunstschulen, bevor sie sich für ein Studium zur Bühnenbildnerin einschrieb. Dabei bemalte sie unter anderem die Körper der dort studierenden Schauspieler mit Theaterschminke. Jetzt konzentriert sie sich ausschließlich auf ihre eigenen Arbeiten, was dank ihrer online Bekanntheit zum Vollzeitjob wurde. In einem Interview mit i-D betont sie, dass sie sich selbst nicht als Make-Up-Artist bezeichnet. “Ich bin eine klassisch ausgebildete, bildende Künstlerin”, sagt sie, “die sich zufällig selbst als Leinwand benutzt”. 

Doch wie kommt sie auf ihre bizarren Looks? Sie versucht dabei immer nicht einfach “nur” ihr Gesicht zu bemalen, sondern mit jedem Kunstwerk die gesamten Situation drum herum mit einzufangen. “Nicht nur der Körper spielt dabei eine Rolle, sondern auch der Hintergrund, die Atmosphäre, die Umgebung, die Bewegung des Körpers und die Beleuchtung – jedes einzelne Detail.” Dabei ist es nicht verwunderlich, dass die Fertigstellung eines ihrer temporären Körperkunstwerke zwischen 3 und 12 Stunden dauern kann. Jedes Kunstwerk sei ein Spiegel ihrer Gefühle und Erlebnisse. Die Konzeption einer neuen Bildidee sei wie eine Therapiestunde, um dabei ihren eigenen Empfindungen auf den Grund zu gehen. 

Der Wunsch, im Gewöhnlichen die Hintertür zu entdecken

Optische Täuschungen und Realitätsverzerrungen spielen in vielen Disziplinen der Kunst eine Rolle. Der Faszination der Menschen mit der Magie der optischen Täuschungen ging Dr. Gustav Kuhn der Goldsmith University in seinem Buch Experiencing the Impossible auf den Grund. Er sagt unter anderem, dass eine “magische Erfahrung” nur dann eintritt, wenn es für den Zuschauer den Anschein hat, dass ein Naturgesetz verletzt wird. Betrachtet man Dains Kunstwerke, sind oft ganze Gesichtshälften verzerrt oder fehlen gänzlich. Dazu ergänzt er, dass aber nur 40% Prozent der Zuschauer einer Zaubershow wissen wollen, wie optische Täuschungen tatsächlich funktionieren. Das weist darauf hin, dass Menschen sich eben auch gerne verzaubern lassen. Bei dieser Erkenntnis ist es kein Wunder, dass Dains Kreationen hunderttausende Bewunderer bisher verzaubert hat. Vielleicht sind wir alle in unserer Alltagsroutine unbewusst auf der Suche, von etwas Ungewöhnlichem überrascht zu werden. Und vielleicht stillt Dain so das Bedürfnis abertausender Menschen, die sich nach Alltagsflucht sehnen und neben der täglich gleichen Nachrichtenflut endlich wieder inspiriert werden wollen.

Abonniere unseren Newsletter