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Kompendium: Entschleunigung

Wenn wir lernen mündiger mit unseren Medien umzugehen, schaffen wir es mit der Technik und ihren Möglichkeit eine bessere Lebensqualität zu erreichen. Ein Blick in die Zukunft von Arbeitswelt und Medien.

Kompendium: Entschleunigung

Im Jahr 2100 sieht die Welt radikal anders aus: Katastrophen im Klima haben uns endgültig zum Umdenken gebracht. Auf die Technik müssen wir dabei nicht gänzlich verzichten. Sie dient uns als Motor für gesellschaftliche Impulse – und verschafft Raum für mehr Muße.

Kompendium

Das Gefühl für Zeit ist relativ – nicht nur seit Albert Einstein. Moderne Prozessoptimierung beschleunigt Kommunikation und Arbeit. Aber wo bleibt die ganze gewonnene Zeit? Überlasten die täglichen 50 Mails, 200 WhatsApp-Nachrichten und die vielen Klicks durch die sozialen Netzwerke unsere Auffassungsgabe? Es fühlt sich an, als würde sich die Welt immer schneller drehen und uns wird schwindelig dabei. Es ist Zeit, runterzukommen.

Kompendium: Entschleunigung

In der Antike galt die Muße als Idealzustand: Sie erlaubte Verlangsamung, setzte schöpferische Kräfte frei und stimulierte den Geist. Die Arbeit dagegen war eine lästige Notwendigkeit, die man den Sklaven überließ.

Kompendium: Entschleunigung

Mit der Industrialisierung geht eine spürbare Beschleunigung der Zeit einher. Der Fortschrittsglaube treibt die Menschen dazu an, immer mehr zu arbeiten – der Stress steigt an, Müßiggang ist keine Option.

Kompendium: Entschleunigung

Wir können nur eine begrenzte Menge an Informationen gleichzeitig verarbeiten und stoßen im Umgang mit den uns aktuell zur Verfügung stehenden Kommunikationsmitteln, längst an unsere Grenzen. Deshalb gehen wir schnell zum Yoga um runterkommen.

Kompendium: Entschleunigung

Von der Muße als Muse – das langsame Leben

Kompendium: Entschleunigung

Von der Muße als Muse – das langsame Leben

Foto: Giammarco Boscaro

Foto: Giammarco Boscaro

In der Antike galt die Muße als Idealzustand: Sie erlaubte Verlangsamung, setzte schöpferische Kräfte frei und stimulierte den Geist. Die Arbeit dagegen war eine lästige Notwendigkeit, die man den Sklaven überließ.

Was, wenn die Muße und nicht die Arbeit der Idealzustand wäre? Bereits in der griechischen Philosophie treffen wir bei Aristoteles auf eine Einteilung des Lebens in zwei Bereiche: die scholé auf der einen Seite, die ascholé auf der anderen. Dabei ist die Muße (scholé) der positive Zustand, während die Arbeitszeit (ascholé) als ein negierter Zustand beschrieben wird, markiert durch das „a”. An den Begriffen selbst wird die Gewichtung der beiden Seinszustände deutlich:

Die Muße war ein Idealzustand, die Arbeit das Gegenteil davon. Künstler: Frank Blackwell Mayer

Die Muße ist der Bereich des Lebens, der Kreativität zulässt. Ein Bereich, in dem die Energien fließen, in dem wir frei sind. Die Arbeit hingegen ist eine Notwendigkeit, die uns zwangsläufig unfrei macht. Deswegen müssen wir uns von der Arbeit abgrenzen, uns von ihr erholen und in den Zustand der Muße übergehen. Sokrates bezeichnet die Muße daher als „Schwester der Freiheit”. Bei Aristoteles heißt es weiter, dass Arbeit und Tugend einander gar ausschließen.

Der hier zugrundeliegende Begriff der Muße umfasst ein breites Bedeutungsspektrum: Er meint die schöpferische Muße, wie wir sie auch heute noch verstehen. Die sprachliche Nähe zwischen Schule und scholé ist keineswegs Zufall. Studium und Muße bedingen sich gegenseitig. Muße kann aber auch Verlangsamung bedeuten und so sehen wir hier bereits den ersten Hinweis auf eine Wahrnehmung der Geschwindigkeit von Zeit. Während die Arbeit uns mit ständiger Eile beansprucht, kommen wir in der Muße zur Ruhe. Die Arbeit ist Beschleunigung, die Muße die Entschleunigung.

Aristoteles teilte das Leben in Muße und Arbeit ein. Hier unterrichtet er Alexander den Großen. Gravierung: Charles Laplante

Es wird deutlich: Je mehr ein Mensch der Arbeit entbunden ist, desto eher kann er sich der Muße hingeben. Der soziale Status eines Menschen bestimmt seinen Zugang zur Möglichkeit, seine Zeit frei zu gestalten. Die Muße war bereits in der Antike, obgleich ein Ideal, ein rares Gut. Das antike Rom übernahm die Ideen der griechischen Philosophie: Hier treffen wir auf die Begriffe vita contemplativa (das beschauliche Leben) und vita activa (das aktive Leben). Dabei ist das aktive Leben hier nicht nur Arbeit, sondern auch Politik und deckt ein soziales Zusammenleben ab. Doch was passiert, wenn sich die antike Bedeutung des aktiven Lebens neu gedeutet wird?

Weiterlesen Weg mit der Muße, her mit der Arbeit!
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Header Collage erstellt von Frank Schröder, zusammengestellt aus Fotos von Adrian (aows), Daniil Avilov, Kira auf der Heide, Noah Silliman und Sabine Schulte via Unsplash.com.

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Kompendium: Entschleunigung

Weg mit der Muße, her mit der Arbeit!

Kompendium: Entschleunigung

Weg mit der Muße, her mit der Arbeit!

The Night Train - Lionel Walden (American, 1861-1933)

The Night Train - Lionel Walden (American, 1861-1933)

Mit der Industrialisierung geht eine spürbare Beschleunigung der Zeit einher. Der Fortschrittsglaube treibt die Menschen dazu an, immer mehr zu arbeiten – der Stress steigt an, Müßiggang ist keine Option.

Der Erfindergeist brachte Maschinen zum Dampfen, Fabriken zum Laufen, Eisenbahnen auf die Schienen. Die Literaturwissenschaftlerin Aleida Assmann nennt diesen Paradigmenwechsel „das Zeitregime der Moderne“. Dessen Credo lautet: Morgen wird alles besser, denn die Technik bringt uns nur Gutes.

Cardiff Docks – Lionel Walden

Vor allem in der Stadt ist die rasante Beschleunigung ab dem 19. Jahrhundert deutlich spürbar. Sichtbar wird dies aus einer Gegenbewegung, die Walter Benjamin poetisch beschreibt: An der Figur des Flaneurs macht das faszinierende Moment der Ruhe aus. Der Flaneur spaziert durch die Straßen, ungesehen beobachtet er die Menschen. Er ist der Betrachter einer hektischen Zeit und dank der Getriebenheit seiner Mitmenschen kann er unsichtbar werden. Er entzieht sich gezielt dem hektischen Rhythmus der Moderne, wird so zu einer Figur außerhalb der Zeit.

Hannah Arendt, die Denkerin und Zeitkritikerin, nahm sich den antiken Konzepten von aktivem und kontemplativen Leben nach dem Zweiten Weltkrieg an, um sie einer modernen und radikalen Neudeutung zu unterziehen. In ihrem Hauptwerk, Vita Activa oder Vom tätigen Leben, postuliert sie, dass die vita activa nicht nur banale Freizeittätigkeiten beinhaltet, sondern in ihrem ideengeschichtlichen Ursprung bei Aristoteles auch ein politisches Handeln impliziere. Die Reduktion der vita activa auf ein arbeitendes Leben sei ein Produkt des christlichen Mittelalters und der frühen Moderne.

Steelworks, Cardiff, at Night – Lionel Walden

So behauptete Luther noch, dass niemand von Arbeit sterben könne, wohl aber von der Muße. Eine Aussage, die für uns heute nur schwer nachvollziehbar ist. Arendt löst die Hierarchisierung zwischen dem aktiven und kontemplativen Leben auf. Für sie sind beide Aspekte im Leben notwendig für das Wohlergehen des Menschen. Das Pendeln zwischen Aktion und Kontemplation – die antike Work-Life-Balance – ist also ein entscheidender Faktor im Leben, um glücklich zu sein.

Ab diesem Zeitpunkt dauerte es nicht mehr lange, bis der Begriff Entschleunigung zum ersten Mal im deutschen Sprachraum seine Erwähnung fand. Im Jahr 1979 war es Jürgen vom Scheidt, der in seinem Ratgeber “Singles. Alleinsein als Chance des Lebens” diesen Begriff zum ersten Mal verwendete. Der Begriff Entschleunigung macht danach in verschiedenen Bereichen Karriere. Ein Trend auf der einen Seite, aber auch Gegenstand der Forschung und in diesem Zusammenhang weitreichende gesellschaftliche Debatten über die Art, wie wir leben wollen, auf der anderen Seite. Dennoch bleibt die Gruppe der Befürworter der Muße in einer Welt relativ klein. Es ist noch nicht lange her, da verkündete Gerhard Schröder „Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschaft.“ Zumindest, wenn man arbeiten kann.

Weiterlesen Überdosis Vernetzung – bitte einmal alle auf Entzug
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Überdosis Vernetzung – bitte einmal alle auf Entzug

Kompendium: Entschleunigung

Überdosis Vernetzung – bitte einmal alle auf Entzug

Wir können nur eine begrenzte Menge an Informationen gleichzeitig verarbeiten und stoßen im Umgang mit den uns aktuell zur Verfügung stehenden Kommunikationsmitteln, längst an unsere Grenzen. Deshalb gehen wir schnell zum Yoga um runterkommen.

Der Wecker auf dem Smartphone klingelt. Erstmal snoozen. Dann klingelt er wieder. Zum Aufwachen schnell auf Instagram gehen und durch den Feed scrollen. Dann bei Facebook vorbei. Den Artikel über die 25 klügsten Hunde eben beim Zähneputzen lesen. In der Bahn hängt ein Bildschirm, der im Minutentakt Nachrichten anzeigt. Dazwischen natürlich Werbung. Noch nie waren Nachrichten so schnell auf der ganzen Welt verfügbar. Noch nie konnten wir einander so schnell erreichen wie heute. Und noch nie waren wir so ungeduldig mit Antworten, die nicht sofort zurückkommen. Alles ist gleichzeitiger und rasanter denn je.

Diese Beschleunigung entgrenzt die Linie zwischen Arbeit und Alltag. Denken wir zurück an das Damals – da hieß es noch, die Muße sei der Zustand, in dem wir leben und die Arbeit, die Abwesenheit der Muße. Jetzt ist die Arbeit alles: Wir definieren uns über unsere Leistung, unsere permanente Beschäftigung und nicht mehr über unser Nichts-Tun. Trotzdem eilen wir zum Yoga – ist ja gut für den Rücken –, meditieren eine Runde – aber nur 10 Minuten – mehr Zeit ist nicht drin. Und da wartet noch diese eine Mail. Wir sind so oft und so lange online, wie noch nie. Und wir hängen ziemlich gehetzt vor unseren Bildschirmen.

“Highly Sensitive Person sind Menschen, deren biologische und psychologische Voraussetzungen sie deutlich empfänglicher für Reize machen.” Foto: Daniel Monteiro

Diesen Wandel bemerken zuerst die Menschen, die besonders empfänglich für Veränderungen sind. Es scheint kein Zufall, dass die Debatte um Hochsensibilität immer mehr Beachtung erfährt. HSP, Highly Sensitive Person – das sind Menschen, deren biologische und psychologische Voraussetzungen sie deutlich empfänglicher für Reize machen. Das heißt aber auch, dass diese Menschen in einer reizüberfluteten Welt voller Informationen diejenigen sind, die Alarm schlagen. Und sie sagen: Das geht so nicht, wir wollen so nicht mehr arbeiten. Elaine Aron, selbst HSP und Pionierforscherin auf dem Gebiet, sagt, dass HSPs wie ein Frühwarnsystem für Gefahren in gesellschaftlichen Konstrukten wirken. Hören wir ihnen also besser zu.

Infografik: Arbeit unterm Weihnachtsbaum? | Statista

Gleichzeitig gibt es in den Großstädten der Industrienationen mehr Yoga-Studios als je zuvor. Mediation hat den Muff vergangener Hippie-Tage abgelegt. Stattdessen ist daraus ein Multimilliarden Geschäft mit Leggins geworden. Gerne bieten Konzerne wie Google ihren Mitarbeitern Training in Achtsamkeit an. Achtsamkeit, Yoga, Meditation: Das sind Aspekte einer vita contemplativa, die wir nun aus anderen Kulturen importieren und uns aneignen, da sie in unserer eigenen Kultur verloren gegangen sind. Die Menschen schauen sich die Ideen und Riten anderer Kulturen ab, um daraus zu übernehmen, was auch uns ein menschliches Grundbedürfnis ist. Die Sehnsucht eines jeden Menschen nach Ruhe und Introspektion wird als fremdartiges Phänomen wahrgenommen.

Hinter all der Kommodifizierung von Spiritualität steht aber auch eine Erkenntnis: Wir müssen mündiger mit dem Konsum unserer Medien umgehen. Die Nutzer müssen selbst lernen, abzuschalten. „Digital Detox“ als Radikalkur ist dann nur eine Crash-Diät. Der Jo-Jo-Effekt ist vorprogrammiert. Wenn wir am Ende nicht vollends ausgebrannt sein wollen, müssen wir sowohl unseren Akku als auch den unserer Geräte schonen. Das heißt auch, dass wir die Zeit nicht mehr als knappes Gut betrachten dürfen, dem wir hinterherhecheln. Ein neues Zeitregime steht vor der Tür und klopft. Und dies bringt weitreichende Folgen mit sich.

Weiterlesen Willkommen in der schönen neuen Arbeitswelt
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Willkommen in der schönen neuen Arbeitswelt

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Willkommen in der schönen neuen Arbeitswelt

Medienkompetenz bedeutet auch: Abschalten lernen!

Medienkompetenz bedeutet auch: Abschalten lernen!

Wenn wir lernen mündiger mit unseren Medien umzugehen, schaffen wir es mit der Technik und ihren Möglichkeit eine bessere Lebensqualität zu erreichen. Ein Blick in die Zukunft von Arbeitswelt und Medien.

Im Jahr 2030 feiert das Internet 40-jähriges Jubiläum in der kommerziellen Nutzung. Die Nutzer haben in diesen Jahren gelernt verantwortungsbewusster mit neuen Technologien umzugehen. Sie haben schmerzhaft erkannt, dass „immer schneller“ und „immer mehr“ nicht zu einem gesunden Leben passen. Dabei führen sie die Debatte um die Beschleunigung des Lebens nicht nur auf der Arbeit, sondern in allen Lebensbereichen.

“In Schulen wird Meditation als Praxisunterricht angeboten. Die Idee und die praktischen Modelle dazu stammen aus dem indischen Schulsystem.” Foto: Bhutan, Deep Thoughts

Der trending Hashtag #notnow löst in den 2020er Jahren eine weltweite Diskussion aus: Wenn wir immer sofort antworten, wie frei sind wir dann noch? Das neue Paradigma entzerrt Freundschaften und Beziehungen. Es ist plötzlich unhöflich zu erwarten, dass Menschen auf der Stelle antworten, nur weil es technisch möglich ist. Dieser Wandel des Kommunikationsknigge geht einher mit einer neuen Denkweise: Nur weil ich alles verfügbar habe, muss ich es nicht immer tun. Immer mehr Menschen in den westlichen Industrienationen stellen sich der quälenden Frage: „Wie geht es mir und welchen Impact hat mein Handeln auf meine Umwelt?”, bevor sie blind drauflos tippen und jede Nachricht sofort beantworten und jedes neue iPhone gleich kaufen.

Gleichzeitig wird bereits im Kindesalter standardmäßig an vielen Schulen Meditation als Praxisunterricht angeboten. So lernen Kinder von klein auf Ruhephasen in ihr Leben einzubauen. Die Idee und die praktischen Modelle dazu stammen aus dem indischen Schulsystem, welches schon seit dem 19. Jahrhundert damit experimentiert westliche Bildung mit spiritueller Praxis zu verknüpfen.

“Das Recht auf Freizeit, das Recht auf ein Leben außerhalb der Arbeit, es wird in Gesetze umgewandelt und ein neuer gesellschaftlicher Vertrag wird ausgehandelt.” Foto: Nowshad Arefin

Die Veränderungen der Arbeitswelt haben das Potenzial große gesellschaftliche Umwälzungen herbeizuführen. Man stelle sich folgendes Szenario vor: Ende der 2010er Jahre kommt es zu heftigen Streikwellen, welche die gesamte Gesellschaft wachrütteln. Das Anliegen vieler Streikender: 40 Stunden Arbeit sind nicht notwendig. Zugeständnisse bei der Arbeitszeit sollen auch kein Einzelfall mehr sein. Das Recht auf Freizeit, das Recht auf ein Leben außerhalb der Arbeit, es wird in Gesetze umgewandelt und ein neuer gesellschaftlicher Vertrag wird ausgehandelt. Möglich macht dies die Automatisierung von mehr und mehr Tätigkeiten, die Menschen nicht mehr übernehmen müssen. Die Angst vor der Arbeitslosigkeit hat sich als Mythos herausgestellt, der durch die Wiederentdeckung der Muße entzaubert worden ist. Endlich gibt es ein Recht auf Muße in der Gesellschaft – denn die Menschen merken, dass sie auf neue Ideen kommen, wenn sie mal abschalten.

Weiterlesen Entschleunigung als neues Ideal: Nicht alles wird besser, aber langsamer
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Entschleunigung als neues Ideal: Nicht alles wird besser, aber langsamer

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Entschleunigung als neues Ideal: Nicht alles wird besser, aber langsamer

"Es war ein langer Weg und es gab viel Widerstand, aber das Umdenken hat zu langsam stattgefunden." Foto: Aziz Acharki

Im Jahr 2100 sieht die Welt radikal anders aus: Katastrophen im Klima haben uns endgültig zum Umdenken gebracht. Auf die Technik müssen wir dabei nicht gänzlich verzichten. Sie dient uns als Motor für gesellschaftliche Impulse – und verschafft Raum für mehr Muße.

Der blinde Glaube an einen unbedingten, unendlichen Fortschritt stellt sich als historischer Irrtum mit großen Folgen heraus. Wir waren gewarnt, aber es war zu spät. In der Zukunft werden heutige Aktivisten wie Naomi Klein etwa, die schon seit Jahren aktiv für ein ökologisches Umdenken in Politik und Wirtschaft wirbt, eine besondere Rolle in Politik und Gesellschaft spielen. Klimakatastrophen haben die Welt verändert und tun es auch weiterhin.

Das Bewusstsein für ein nachhaltiges Leben ist stark gestiegen. Foto: Gem Lauris

Es war ein langer Weg und es gab viel Widerstand, aber das Umdenken hat zu langsam stattgefunden – zu lange war der technologische Fortschritt wichtiger als das Wohlergehen von Ökosystemen und Gesellschaften. Mit den steigenden Meeresspiegeln und den Hitzewellen sind Teile der Erde endgültig unbewohnbar. Diese verlorenen Zonen werden zur Warnung: So geht es nicht weiter.

Der Paradigmenwechsel hin zu einer Welt in Symbiose, nicht in Wachstum, zeigt Wirkung: Der Begriff der Arbeit hat sich in seiner Bedeutung komplett verändert. Menschen sind dazu angehalten ihren Platz in der Gesellschaft nicht gegeneinander, sondern füreinander zu finden. Ein bedingungsloses Grundeinkommen sichert das Notwendigste für alle. Dieser Zustand führt zu einer weiteren Entschleunigung für jeden einzelnen.

Die Urbanisierung, angetrieben von Fluchtbewegungen, hat dazu geführt, dass immer mehr Menschen in der Stadt leben – gleichzeitig findet global ein Wandel statt hin zu stärker verknüpften Nachbarschaften. Der alte Slogan „think global, act local” ist zur Maxime einer Welt geworden, die sich als Gemeinschaft begreift.

“In kleinen 3D-Drucker-Werkstätten kann alles lokal hergestellt werden, was man zur Reparatur braucht: Vom Smartphone bis zum Staubsauger.” Foto: Dana Vollenweider

Menschen können sich so flexibel in Strukturen einfinden, anstatt starr zu arbeiten. Qualifizierte Arbeitskräfte in der Pflege stehen Seite an Seite mit Freiwilligen. In Nachbarschaftsshops wird Essen verkauft, welches in Hinterhöfen angebaut wird.

Und schließlich konsumieren die Menschen nicht andauernd neue elektronische Produkte: In kleinen 3D-Drucker-Werkstätten kann alles lokal hergestellt werden, was man zur Reparatur braucht: Vom Smartphone bis zum Staubsauger, alles kann hier nachgebaut werden. Alle nötigen Anleitungen liegen als Open Source-Daten zur Verfügung. Die Monopolisierung von Wissen und weite Teile des Urheberrechts wurden bereits in den 2050ern ganz abgeschafft. Vielleicht könnte ein Artikel im Jahr 2100 so beginnen: „Das Umdenken hat die Menschen glücklicher gemacht: So zeigt eine repräsentative Umfrage in mehreren Metropolen der Welt, dass die Menschen glücklicher sind als noch vor 100 Jahren. Der Grund? Mehr Muße.“

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