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Kompendium: Dark Social

Gene werden zu Content, denn die Grundbausteine des Lebens beinhalten Informationen und bieten viel Speicherplatz. Ob wir so in Zukunft chatten werden? Wir haben uns überlegt, wie eine Whatsapp-Sprachnachricht der Zukunft aussehen könnte.

Kompendium

Was sich im Verborgenen der Kommunikationswege abspielt, nennen wir Dark Social. Aber was für neue Technologien und Möglichkeiten stecken hinter dieser Entwicklung? Die Zukunft der sozialen Medien wird uns vor neue Herausforderungen stellen, denn eines ist klar: Veränderung und den Wunsch nach geschützten Räumen wird es immer geben.

Kompendium: Dark Social

Heute kaum noch vorstellbar, aber in den späten 70ern ein riesiger Trend: Der Hobbyfunk revolutionierte die Art, mit der Menschen miteinander kommunizierten. Zwar war das Hobby für lange Zeit ein Nischenthema, aber es eilte unseren heutigen sozialen Netzwerken bereits in seiner Verbindungsfähigkeit voraus.

Kompendium: Dark Social

Das Internet, als Zusammenschluss von verschiedenen Computern zu einem Netzwerk, war schon immer sozial. Als die ersten Chatrooms entstanden, dachte noch niemand an die Möglichkeit, den Datenfluss zwischen Nutzenden zu messen. Eine kleine Geschichte der ersten Chatverläufe.

Kompendium: Dark Social

Terrorismus, Radikalisierung und Gefahren: Das soll der Inhalt von Telegram-Gruppen sein. Aber stimmt das wirklich oder liefert verschlüsselte Kommunikation die Antwort auf das Bedürfnis nach ungestörtem Austausch? In vielen Lebensbereichen chatten wir schon fleißig — und sicher.

Kompendium: Dark Social

Auch auf dem Finanzmarkt spielen die Kommunikationsformen von sozialen Netzwerken eine immer größere Rolle. Im Gespräch mit der Analystin Marion Labouré von Deutsche Bank Research haben wir uns über den Hype um Social Trading ausgetauscht und festgestellt: Wir sind bald am Kulminationspunkt mehrerer Trends.

Kompendium: Dark Social

Wie der Hobbyfunk den Chatroom vorwegnahm

Kompendium: Dark Social

Wie der Hobbyfunk den Chatroom vorwegnahm

Der Amateurfunk beruht auf einfacher Funktechnologie, die auf UKW-Frequenzen sendet. Foto: Mario Caruso.

Heute kaum noch vorstellbar, aber in den späten 70ern ein riesiger Trend: Der Hobbyfunk revolutionierte die Art, mit der Menschen miteinander kommunizierten. Zwar war das Hobby für lange Zeit ein Nischenthema, aber es eilte unseren heutigen sozialen Netzwerken bereits in seiner Verbindungsfähigkeit voraus.

Mit der Lizenz zum Funken

Man brauchte nicht mehr als eine kleine Radiostation, schon konnte man sich einwählen und losfunken. Was den Hobbyfunk so faszinierend macht, ist seine Beständigkeit: Hobbyfunker gab es in Deutschland bereits in den 1920ern, aber sie waren wenige und die notwendigen Lizenzen rar. Deswegen gab es bereits gleich zu Beginn eine lebendige Szene von Hobbyfunkenden, die sich illegal in der Welt der Funkwellen umhertrieben. Von da an etablierte sich der Amateurfunk in Deutschland und es experimentierten Menschen im Zivilen mit einer Technologie, die sie im Verborgenen durch unsichtbare Wellen miteinander sprechen ließ.

Eine Amateur Radiostation auf Lesbos in Griechenland. Foto: Henryk Kotowski.

Im Dritten Reich wurde die Vergabe von Lizenzen dann vereinfacht und es gab einen kleinen Funk-Boom, wobei mit dem Kriegsbeginn die Lizenzen wieder zurückgezogen wurden. Unter den Alliierten gab es schließlich ein komplettes Verbot der Funkanlagen im Privatgebrauch. Doch mit der Gründung der beiden deutschen Staaten entwickelte sich auch wieder eine Community von Hobbyfunkern, die bis heute weiterhin rege am Funken ist.

Der Amateurfunk beruht auf einfacher Funktechnologie, die auf UKW-Frequenzen sendet. Um hier teilnehmen zu dürfen, regelt seit Gründung der BRD ein Bundesgesetz den Zugang zu diesen Frequenzen. Während alle Teilnehmenden mit entsprechendem Equipment zuhören dürfen, darf nur senden, wer auch eine entsprechende Prüfung abgelegt hat. Hinzu kam in weiten Teilen der deutschen Geschichte eine zu zahlende Lizenzgebühr. Nur mit der Lizenz zum Funken konnten die Menschen sich frei über den Äther austauschen. Damit war der Zugang zum Amateurfunken immer schon staatlich reguliert, bis in der 70ern offiziell Bandbreiten freigegeben wurden.

Das ist ein CB-Funkgerät der Marke Stabo XF4000. Foto: Cptechnik.

Was so banal klingt, eröffnete einer ganz neuen Bewegung die Möglichkeit, über eine große Distanz hinweg mit fremden Menschen in Kontakt zu treten. Der Hobbyfunk war damit eine Kommunikationsrevolution, die uns bis heute prägt.

Citizen Band: Der Hobbyfunk wird populär

In den 70ern wurde durch den sogenannten CB-Funk (Citizen Band Funk) aus dem Hobby ein Phänomen von größerem Einfluss auf die Gesamtgesellschaft. Jetzt, wo keine Lizenz mehr notwendig war, durften sich CB-Funker auf bestimmten Frequenzen frei austauschen. So entstanden wilde Dialoge, zotige Chatrooms und grenzüberschreitende Gespräche. Zwar erreichten die CB-Funker nur begrenzt Reichweite, doch es entstand ein engmaschiges Netz von Funktürmen und Antennen, die das Funknetz durch private Anwender weiter ausbauten. Noch bevor es das Internet gab, entstand so ein dichtes Geflecht von Menschen, die anonym miteinander in Kontakt traten.

Das ist ein CD-Handfunkgerät der Marke Midland. Foto: Benjamin Heinecke.

Der anonyme Raum eröffnete die Möglichkeit, auch über streitbare Themen zu sprechen: Gewaltfantasien konnten hier in den Äther gebrüllt werden, Verschwörungstheorien oder auch radikale politische Meinungen hatten hier ihren gut kaschierten Platz. Auf dem Höhepunkt der Popularität von CB-Funk gab es sogar Songs in der Hitparade. So sang Gunter Gabriel in den späten 70ern „Ich bin CB-Funker“ und berichtete von seinen Abenteuern auf den Kurzwellen. Was verwundert: Es geht in einer speziellen Funksprache zu, die aber zugleich auch sexualisiert ist. So singt Gabriel: „Hier Schwarze Witwe. Bin unheimlich QRV!“. Übersetzt sagt die Teilnehmende hier, dass sie funkbereit ist. Was das genau bedeutet, kann man sich nur ausmalen. Die Abkürzung mit dem Q am Beginn haben die Hobbyfunker sich bei den Morsezeichen entliehen, hier gibt es eine große Zahl von sogenannten Q-Schlüsseln. Sie bezeichnen Abkürzungen mit einem Q beginnend, die komplexere Fragen abkürzen. Die Hobbyfunker übersetzen diese in gesprochene Sprache. Ein wenig so, als würden wir ein „lol” heute laut aussprechen. Funker haben damit eine eigene Sprache, die sich für Außenstehende nur schwer erschließt. 

War Hobbyfunk ein frühes soziales Medium?

Was passiert, wenn viele Menschen sich in einem neuen, anonymen Medium treffen? Der Hobbyfunk hat viele Gemeinsamkeiten mit den sozialen Medien, wie wir sie heute kennen. So fällt auf, dass sich die Funkenden hier mit Alias-Namen melden. Schwarze Witze könnte fast ein Name in einem Chatroom oder ein Instagram-Account sein. Hier liegt eine Gemeinsamkeit mit späteren Formen sozialer Medien vor, die ebenfalls auf Alias-Namen setzen und eine spezifische Sprache herausbilden. Hier zeigen sich Parallelen zu den Debatten der Gegenwart, wenn es um Telegram-Gruppen und Messenger-Dienste geht, die den Austausch außerhalb nachvollziehbarer, öffentlicher Kommunikationswege ermöglichen. So lässt sich auch festhalten, dass Funkwellen eine Art Proto-Chatroom waren. In der Geschichte der sozialen Medien sind sie jedenfalls ein Phänomen, das andeutet, was durch das Internet später möglich wird.

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Kompendium: Dark Social

Die Geschichte hinter den ersten Chatrooms im Internet

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Die Geschichte hinter den ersten Chatrooms im Internet

Die Tatsache, dass Menschen überhaupt auf einem Bildschirm miteinander kommunizieren konnten, war bahnbrechend. Foto: Steven Miller (CC-04

Das Internet, als Zusammenschluss von verschiedenen Computern zu einem Netzwerk, war schon immer sozial. Als die ersten Chatrooms entstanden, dachte noch niemand an die Möglichkeit, den Datenfluss zwischen Nutzenden zu messen. Eine kleine Geschichte der ersten Chatverläufe.

Talkomatic: Der erste Chatroom

Der erste öffentliche Chatroom geht weit in die Urgeschichte des Internets zurück und wurde bereits in den 70er-Jahren programmiert. Damals gab es noch kein weltweites Netz von Computern, selbst ein lokales Netzwerk war noch eine Neuheit und musste umständlich und unter viel Aufwand gebaut werden. Zu Beginn waren Chatrooms noch eine Kuriosität, da ihr Nutzen relativ begrenzt war. Ein Netzwerk macht erst Sinn, wenn es genug Teilnehmende hat. Dennoch erdachte im Jahr 1973 der Programmierer Doug Brown den ersten Chatroom, der vier Menschen gleichzeitig miteinander sprechen ließ. Bis heute lässt sich die Erfahrung dieser ersten Chatrooms auf der Website talko.cc nachvollziehen.

Kinder spielen mit dem Computer Amstrad CPC464. Daten und Programme wurden mit dem eingebauten Bandleser rechts neben der Tastatur eingegeben. Das Spiel auf dem Bildschirm ist Paperboy. Foto: Adrian Pingstone.

Bis zu vier Personen können gleichzeitig in je für sie vorgesehen Fenstern schreiben, man kann den Teilnehmenden sogar dabei zuschauen, wie sie tippen. Aus heutiger Sicht ein eher weniger gewünschtes Feature, denn wer will schon sehen, wie wir uns beim Schreiben andauernd vertippen? Aber diese Anwendungen stammen aus einer Zeit, in der Autocorrect noch kein Thema war und die Tatsache, dass Menschen überhaupt auf einem Bildschirm miteinander kommunizieren konnten, war bahnbrechend. Eine kommerzielle Nutzung dieser Systeme war noch lange nicht vorgesehen, doch dann änderte sich die Technologie in den frühen 80ern.

CB-Simulator: Chatrooms wie Hobbyfunk

Die ersten öffentlichen Chatrooms wurden nach dem Hobbyfunk benannt, denn sie waren der Funktechnologie nicht unähnlich. Mitte der 80er-Jahre ging der Anbieter CompuServe mit dem sogenannten „CB Simulator” online. Die Online-Community war nicht das Hauptprodukt, sondern ein Nebeneffekt, denn das Geschäftsmodell war es, die Zeit im Internet pro Stunde abzurechnen – und je mehr Zeit Menschen online verbrachten, desto mehr Profit. Daneben gab es Nachrichtenportale, Zugang zu Fluginformationen und andere informationsgetriebene Services. Autorin Lindsy van Gelder nimmt uns 1985 in ihrem Artikel „The Strange Case of Electronic Lover“ mit in die Welt der CB-Chatter. Sie erzählt dort: „Die meisten Menschen, die noch nie mit dem Medium in Kontakt gekommen sind, haben Schwierigkeiten damit, sich vorzustellen, das einfach so Wörter auf dem Computerbildschirm aufscheinen.“ Für einige Nutzer*innen war diese neue Welt eine große Bereicherung für das eigene Sozialleben, gerade für Menschen, die in der Welt offline benachteiligt waren.

Chatrooms sind in der DNA unserer sozialen Medien

Die drei Computer, die vom Byte Magazine als “1977 Trinity” bezeichnet wurden: Der Apple II, der TRS-80 Model I und der Commodore PET 2001. Foto: Tim Colegrove.

Was die Chatter von den Funkern übernahmen, war auch die Tendenz, sich einen Alias zuzulegen. Klarnamenpflicht gab es nicht, die Online-Identität bot die Möglichkeit, in eine neue Persona zu schlüpfen. Anstatt der eigenen Herkunft, der eigenen Lesbarkeit im Sinne von Geschlecht und Hautfarbe, ging es nur um den eigenen Ausdruck und den Geist. So wurde das Internet zu einem Schutzraum, einem Raum, in dem die Identität im Dunkeln blieb. Das Vokabular, das damals geprägt wurde, nutzen wir noch heute. Wenn wir heute davon sprechen, dass wir „offline“ gehen, dann haben wir das Vokabular den damaligen CB-User*innen zu verdanken, die den Begriff in den 80ern zum ersten Mal nutzten.

Doch auch die Kultur des anonymen Austauschs und der gegenseitige emotionale Support, den das Online-Medium in verschiedene Communites brachte, ist noch heute ein wichtiger Bestandteil unserer Kommunikation in Dark Social. Über große Distanzen anonym miteinander sprechen können, gehört fest in die Grammatik unserer sozialen Medien: von öffentlicher Plattform bis hin zu Dark Social.

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Wie Messenger die Finanz-Welt beeinflussen

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Wie Messenger die Finanz-Welt beeinflussen

Dark Social ist nicht nur eine Kommunikationsform, sondern drückt auch ein kulturelles Bedürfnis nach geschützten Räumen aus.

Terrorismus, Radikalisierung und Gefahren: Das soll der Inhalt von Telegram-Gruppen sein. Aber stimmt das wirklich oder liefert verschlüsselte Kommunikation die Antwort auf das Bedürfnis nach ungestörtem Austausch? In vielen Lebensbereichen chatten wir schon fleißig — und sicher.

Unter dem Radar: Wo soziale Medien nicht mehr sichtbar sind

Wir leben im Internet der Messenger: Vom Date bis zur Unternehmenskommunikation, die Situationen, in denen wir auf Messenger-Dienste zurückgreifen, durchziehen unseren Alltag. Wir sprechen uns per Slack zu Kundenprojekten ab, schreiben News in den Familienchat oder holen uns Updates zu Corona aus dem Channel des Bundesgesundheitsministeriums. Während vor einigen Jahren ein Großteil unserer Social-Media-Kommunikation noch in Newsfeeds passierte, hat mittlerweile jede Plattform auch eine eigene Messenger-Funktion. Dabei fällt schon seit jeher ein großer Teil des Internets auf sogenanntes Dark Social.

In einem Artikel aus dem Jahr 2012 definierte der Datenjournalist Alexis C. Madrigal den Begriff Dark Social als den Teil des Traffics auf eine Webseite, der nicht nachvollzogen werden kann. Während ein Link von Facebook oder Instagram auf eine Website, wie beispielsweise ein Nachrichtenportal, zurückverfolgt werden kann, entfällt ein großer Teil der Zugriffszahlen in einen nicht weiter nachvollziehbaren Bereich. Sie sind aus Sicht der Messenden im Dunkeln. Das heißt weder soziale Medien noch Suchanfragen sind der größte Treiber für Traffic gewesen, sondern das, was Madrigal als Dark Social bezeichnet. Seine These: Menschen teilen Links überwiegend in E-Mails oder per Messenger.

Virtuelle Kommunikation ist unumgänglich: Wir sprechen uns per Slack zu Kundenprojekten ab, schreiben News in den Familienchat oder holen uns Updates zu Corona aus dem Channel des Bundesgesundheitsministeriums. Foto: Tran Mau Tri Tam.

Und das klingt einleuchtend: User haben sich schon seit Beginn des Internets in Foren und Chats direkt miteinander ausgetauscht. Das lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: 2012 ging der Atlantic davon aus, dass ca. 56 % des Traffics aus Dark Social stammten. Aktuelle Zahlen zeigen, dass ca. 60 % der User*innen Dark Social nutzen, um sich auszutauschen. Das heißt mindestens die Hälfte des Informationsflusses im Internet passiert auf privaten Wegen im direkten Austausch. Sie findet außerhalb von Newsfeeds und Timelines statt. Wie auch in der Vergangenheit, ziehen sich die User*innen in dezentrale, geschützte Räume zurück.

Kryptotrading und Insiderwissen per Telegram-Gruppe

Telegram-Gruppen haben einen eher schlechten Ruf in den Medien: Hier organisieren sich angeblich nur Terrorzellen und rechte Polizeigruppen. Aber die Plattform selbst bietet, wie auch Signal, letztlich nur eine Technologie an, die einen sicheren Austausch ermöglicht. Das Bedürfnis dazu scheint groß, denn Telegram hat derzeit 500 Millionen monatliche aktive Nutzer und die Tendenz ist weiterhin steigend. Im Gegensatz zu Plattformen wie WhatsApp gehört Telegram eben nicht zu einem großen Konzern. Zwar ist der Gründer Pawel Durow als Internetunternehmer nicht viel greifbarer als ein Unternehmen und Telegram durch große Investoren abgesichert, aber in der Außenwirkung scheint Telegram vertrauenserweckender als ein Service wie Whatsapp, der zu einer großen Social-Media-Plattform wie Facebook gehört. Dieses auf einem Image basierende Grundvertrauen in die Plattform begünstigt dann auch den Austausch zu sensiblen Themen.

2012 ging der Atlantic davon aus, dass ca. 56 % des Traffics aus Dark Social stammten. Foto: Charles Deluvio.

Stellen wir uns folgendes Beispiel vor: Zwei Personen tauschen sich privat immer wieder über Kryptowährungen aus und geben einander Tipps. Eine dritte Person bekommt davon Wind und alle drei wollen sich regelmäßig und zeitnah zu aktuellen Entwicklungen austauschen. Der einfachste und sicherste Weg sich über ein so sensibles Thema wie Finanzen auszutauschen, ist ein verschlüsselter Messengerdienst – und schon entsteht ein Gruppenchat. Der Gruppenchat dient als Austauschplattform zur aktuellen Kursentwicklung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen. Es werden Memes geteilt, dazu kommen Tipps zu neuen Alt-Coins und sicheren Wallets. Der Gruppenchat wächst immer mehr, irgendwann sind 50 Leute in der Gruppe und haben sofortigen und einfachen Zugang zu einem Netzwerk von Krypto-Interessierten. Durch den persönlichen Bezug der Teilnehmenden gibt es ein Grundvertrauen in die Gruppe und die dort geteilten Informationen, natürlich immer unter dem Disclaimer, dass niemand in der Gruppe Finanzberatung machen kann. Bei einem Hochrisiko-Asset wie Kryptowährungen ist eine mehr als kurzfristige Einschätzung ohnehin schwierig, der Markt bewegt sich schnell, aber genauso schnell können Informationen geteilt werden.

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Hinzu kommt, dass durch die begrenzte Größe der Gruppe die Informationen niemals zu viele Menschen erreichen, sodass die Gruppe eine gewisse Exklusivität behält. Wer will schon seine wirklich guten Finanztipps mit Fremden teilen? Die Sicherheit der Plattform und die verschlüsselte Kommunikation schaffen die Grundlage für den Austausch von vertraulichen Informationen. So beeinflussen die technologischen Möglichkeiten des Messengers zugleich auch, was die Nutzenden dort austauschen möchten. Dark Social ist nicht nur eine Perspektive auf die Art, wie wir uns austauschen, sondern drückt auch ein kulturelles Bedürfnis nach zurückgezogenen, geschützten Räumen aus. Gerade für Themen aus dem Finanzbereich kann dieses Grundvertrauen in die Quelle von Informationen ein Treiber für neue Formen des Austauschs und Tradings werden.

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Social Trading – Anlegen per Copy/Paste?

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Social Trading – Anlegen per Copy/Paste?

Auch auf dem Finanzmarkt spielen die Kommunikationsformen von sozialen Netzwerken eine immer größere Rolle. Im Gespräch mit der Analystin Marion Labouré von Deutsche Bank Research haben wir uns über den Hype um Social Trading ausgetauscht und festgestellt: Wir sind bald am Kulminationspunkt mehrerer Trends.

Die Teilhabe am Finanzmarkt demokratisiert sich

„Wir beobachten dass sich der Finanzmarkt demokratisiert“, sagt Marion Labouré, die bei der Deutschen Bank im thematischen Research tätig ist. Dort beschäftigt sich die Ökonomin unter anderem mit Kryptowährungen und digitalen Finanzdienstleistungen. In ihren Artikeln widmet sie sich aktuellen Entwicklungen im Bereich der Blockchain-Technologie und gibt Einschätzungen über institutionelle und gesellschaftliche Auswirkungen dieser Technologien ab. Die von Labouré beschriebene Demokratisierung ermöglicht die Teilhabe am Finanzmarkt auch schon bei Mittelschichteinkommen und nicht nur für Eliten. Labouré beschreibt weiter, dass sich der Trend in den vergangenen zehn Jahren gebildet hat und sich in den kommenden Jahren weiter verstärken dürfte. „Es sind nicht mehr nur die Eliten, die Zugang zum Finanzmarkt haben”, wie sie es ausdrückt.

Die Analystin Marion Labouré von Deutsche Bank Research. Foto: Deutsche Bank.

Social Trading – der einfache Zugang zum Insiderwissen?

Doch auch soziale Netzwerke spielen in dieser Demokratisierung eine Rolle. Wenn Elon Musk tweetet, dass er in Bitcoin investiert, hat das große Kursschwankungen zur Folge und trägt zur weiteren Akzeptanz der digitalen Währung bei.

Aber man muss nicht unbedingt Elon Musk auf Twitter folgen, um persönliche Börsentipps zu bekommen. Ein wachsender Trend an der Schnittstelle von Social Media und Finanzen heißt Social Trading. Bei verschiedenen Socia-Trading-Anbietern, können Nutzer*innen anderen erfahrenen Trader*innen und Expert*innen folgen, um deren Strategien für eigene Investments zu kopieren. Während finanzielle Dienstleistungen und Ratschläge sonst stark reguliert sind, ist es hier einfach möglich, an Tipps und Ideen zu kommen. Sogar ganze Sets von Investmentstrategien kann man hier unkompliziert kopieren und kommentieren. Aber Social Trading geht noch weiter: Die Plattformen ermöglichen den Austausch und den Dialog, es gibt Follower und Newsfeeds. Damit entsteht eine Kommunikationsplattform, die den Austausch von Informationen weiter verdichtet. Wie lässt sich Social Trading in einem größeren Framework einordnen?

Der niedrigschwellige Eintritt in die Welt der Finanzen wird auch technisch weiter begünstigt: Unter dem Stichwort „DeFi“ lassen sich verschiedene technische Entwicklungen zusammenfassen, die eine Dezentralisierung von Finanzdienstleistungen beschreibt. Durch Blockchain-Technologie, die bei vielen Kryptowährungen zum Tragen kommt, lassen sich viele Transaktionen mittlerweile über sogenannte Smart Contracts abbilden, brauchen also keine Mittelsmänner mehr. Labouré und Juergen Braunstein beschreiben das in einem Artikel so: „In einem zentralisierten System, wie wir es heute haben, werden die Versorgung mit und die Nachfrage von Finanzdienstleistungen von Intermediären geregelt, also starken Institutionen, die Finanzprodukte anbieten und dafür sorgen, dass Geld von denen, die sparen, zu denen fließt, die es ausgeben [4]“. Durch DeFi ändert sich die Situation, denn die Mittelsmänner werden durch Software ersetzt werden. Das ermöglicht den direkten Transfer von Geld wie durch die Blockchain-Technologie, ohne dass eine klassische Bank hier zwischengeschaltet sein muss. Das bedeutet auch, dass diese Transaktionen sich, ähnlich wie die Kommunikation in Dark Social, nicht mehr nachvollziehen lassen. Sie finden unter dem Radar statt.

Neue Netzwerke braucht die Welt

“Auch soziale Netzwerke spielen in dieser Demokratisierung eine Rolle. Wenn Elon Musk tweetet, dass er in Bitcoin investiert, hat das große Kursschwankungen zur Folge und trägt zur weiteren Akzeptanz der digitalen Währung bei.” Foto Mika Baumeister.

Ein weiterer wichtiger Faktor, den Labouré als Indikator für Veränderung im Finanzwesen benennt, ist der Netzwerkeffekt. Damit ist die Steigerung des Mehrwerts eines Produkts oder einer Dienstleistung durch die Vergrößerung der Anzahl der Nutzer gemeint. Wenn ein Nutzer alleine auf einer Social-Trading-Plattform agiert, gibt es keine Interaktionen. Sind hier aber viele Menschen organisiert, wird durch das Netzwerk ein größerer Mehrwert für alle Teilnehmenden generiert. Die niedrigschwellige Einstiegshürde für Finanzdienstleistungen hat also auch viel damit zu tun, dass es mehr Netzwerke geben wird, auf denen Menschen sich miteinander austauschen können. So digitalisiert sich nicht nur die Kommunikation, sondern auch der Zugang zu Informationen, die dann Investmententscheidungen beeinflussen. Damit schaffen heutige soziale Medien bereits die Grundlage für die Netzwerke von morgen, auf denen Informationen, Aktien und digitale Währungen zugleich in größerem Umfang als heute ausgetauscht werden. Soziale Netzwerke werden so zum Marktplatz für Informationen zu Finanzprodukten mit einer direkten Verbindung zum Markt. Entsprechend wird der Einfluss kleinerer Anleger auf den gesamten Markt in den nächsten Jahren immer stärker werden.

Bargeld wird an Bedeutung verlieren

Ein dritter Trend kommt hier hinzu: Bargeld als Zahlungsmittel verliert immer mehr an Bedeutung und wird stärker von digitalen Zahlungsmitteln ersetzt werden. „Covid-19 hat den Rückgang von Bargeld um vier bis fünf Jahre beschleunigt. Es gibt eine klare strukturelle Entwicklung: Bargeld als Zahlungsmittel befindet sich in einem Abwärtstrend“, führt Labouré aus. Sie spricht damit auch sogenannte CBDC an, Central Bank Digital Currencies, also von Zentralbanken ausgestellte digitale Währungen. Die EZB sagt dazu über den digitalen Euro: „Unser Bargeld würde durch ihn nicht ersetzt, sondern ergänzt.“ Die Digitalisierung ergreift damit also nicht nur die eigentlichen Finanzdienstleistungen, sondern wirkt sich auf das Geld als solches aus, das bald nicht mehr nur gedruckt wird, sondern auch digital ausgestellt werden könnte.

“Heutige soziale Medien schaffen bereits die Grundlage für die Netzwerke von morgen, auf denen Informationen, Aktien und digitale Währungen zugleich in größerem Umfang als heute ausgetauscht werden.” Foto: Adam Nowakowski.

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Je größer der Einfluss, desto mehr Regulierung

Weniger Finanzintermediäre, dezentralere Dienstleistungen und Anlagestrategien per Copy/Paste: All das wird den Finanzmarkt der kommenden Jahre ziemlich auf den Kopf stellen. Durch die Größe der sozialen Netzwerke, die einen Einfluss auf den Finanzmarkt nehmen, steigt auch das Risiko einer Blasenbildung. Labouré geht davon aus, dass wir ab einem gewissen Punkt mehr Regulierungen sehen werden. Während die Demokratisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung die Finanzmärkte mit neuen Akteuren und mit mehr Teilnehmenden überfluten und diese die Regeln des Spiels ändern, steigt auch die Gefahr von drastischen Umbrüchen oder Bewegungen auf dem Markt. Doch wie genau diese Regulierungen aussehen werden, ist schwer abzusehen. Hier stehen Werte wie Privatsphäre und Datenschutz auf der Agenda und müssen entlang der neuen Technologien neu ausgehandelt werden. Ob wir eine Altersvorsorge von digitalen Finanzgurus planen lassen, Algorithmen unser Vermögen verwalten oder unsere Rente in digitalen Euro ausgezahlt bekommen, können wir noch nicht voraussagen. Eines ist jedoch klar: Die nächsten Jahre deuten auf große Veränderungen im Finanzwesen hin.

Mehr zum Thema Kryptowährungen erfahrt ihr auch bei Investment-Live-Stream  am 28.04.2021 vom Handelsblatt und Deutsche Bank mit dem Spezial-Thema Kryptowährungen. Am selben Tag findet auch ein Instagram-Live auf dem Instagram-Kanal des Handelsblatts statt. Auch dort wird über Kryptowährungen als neue Anlageformen diskutiert. 

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Direct Messaging mit Bakterien: Gene werden zu Content

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Direct Messaging mit Bakterien: Gene werden zu Content

Eine Bakterienlandschaft kann wunderschöne Formen annehmen. Erschaffen von Dr Nicola Fawcett. Foto: Christopher Wood. (CC-04)

Gene werden zu Content, denn die Grundbausteine des Lebens beinhalten Informationen und bieten viel Speicherplatz. Ob wir so in Zukunft chatten werden? Wir haben uns überlegt, wie eine Whatsapp-Sprachnachricht der Zukunft aussehen könnte.

Gene werden zu teilbarem Content

Bereits heute ist es möglich, in die Gene von Bakterien digitalen Content zu codieren und so die Erbinformation für den Träger eines GIFs zu machen. Was wird möglich sein, wenn wir diese Technologien um 50 Jahre in die Zukunft projizieren? Werden wir per Gentechnologie chatten können oder uns Memes per Bakterium schicken? Ein realistisches Szenario, denn Mikrobiome als Datenspeicher haben großes Potenzial für große Mengen an Daten. Ein einziges Gramm an Bakterien speichert bis zu 400 Millionen Gigabyte an Daten und kann mehrere tausend Jahre lang rekonstruiert werden. Eine externe Festplatte überlebt aktuelle im Durchschnitt gerade einmal zehn Jahre. Die Bausteine des Lebens werden damit zu Datenträgern, die wir beliebig manipulieren können – mit beinahe unbegrenzter Haltbarkeit.

Eine Gen-Editing-Station für Zuhause

Vorbei die Zeiten, in denen Datenträger lediglich  aus Metall und Plastik bestanden, stattdessen laufen viele Informationen jetzt über mikroskopisch kleine Helfer: Bakterienkolonien speichern Daten in ihren Genomen. Seit Mikrobiome als Informationsträger entdeckt wurden, hat sich der Informationsaustausch revolutioniert. Die weite Verbreitung der Technologie hat die Gen-Datentechnologie aus dem Labor in den Alltag geholt.

So könnte ein Szenario der Zukunft aussehen: Lisa will ihrer Freundin Yasmin ein Geschenk machen, denn es ist ihr Jahrestag. Vor drei Jahren haben sie sich zum ersten Mal getroffen und sind seitdem ein Paar. Weil die beiden sich in einer lokalen Chatgruppe für Pflanzenfreund*innen getroffen haben, findet Lisa, es sei eine gute Idee, Yasmin eine seltene Zimmerpflanze zu schenken. Sie findet eine Monstera deliciosa, die weiße Flecken hat und ihre Farbe verändert, wenn sie zu trocken ist. Lisa findet diesen Effekt seltsam, aber sie weiß, dass Yasmin genveränderte Pflanzen mag und bestellt sie in einem Laden im Kiez. Doch das reicht ihr nicht, sie will eine kleine persönliche Nachricht dazu legen. Damit diese nicht zu offensichtlich ist, entscheidet sie sich für eine ganz besondere Idee.

Mit einer CRISPR-Station, die sie daheim hat, kann sie Informationen in den Genen von lebenden Bakterienkulturen einschreiben. So lassen sich Informationen speichern, austauschen und teilen. Sie spricht eine Sprachnachricht ein, in der sie Yasmin davon erzählt, wie es war, als sie sich zum ersten Mal trafen. Sie erzählt davon, wie schön sie es fand, eine Person zu treffen, die genauso nerdy ist wie sie und die gleichen Interessen teilt. Sie erzählt davon, dass sie sich fragt, ob sie sich auch woanders getroffen hätten. Oder ob es Schicksal war, dass sie im gleichen Kiez-Chat herumhingen. Die Sprachnachricht lässt sie in das Mikrobiom der Bakterien einschreiben. Lisa erhält die Informationen in einer Trägerflüssigkeit, die sie auf die Blätter der Pflanze aufträgt.

Hier, eine Nachricht für dich im Mikrobiom

Werden wir in 50 Jahren per Gentechnologie chatten können oder uns Memes per Bakterium schicken? Foto: Nordwood Themes.

Yasmin freut sich über die Pflanze, die Lisa ihr geschenkt hat – eine Pflanze, die die Farben verändert, wenn sie zu trocken ist, findet sie super. Sie sitzt alleine in ihrem Wohnzimmer, als Lisa ihr eine Nachricht schickt: Teste mal die Blätter der Pflanze auf ihr Mikrobiom, da ist was für dich. Yasmin ist überrascht – was soll das heißen? Sie kennt die Technologie und hat selbst eine CRISPR-Station da, das ist bei vielen Menschen Standard. Aber was soll die Nachricht von Lisa? Sie wischt mit einem Tuch über die Blätter und gibt das Tuch in das Lesegerät der CRISPR-Station. Es dauert nur kurz bis die Bakterien ausgelesen werden und über die Lautsprecher im Wohnzimmer hört Yasmin, wie Lisa sich räuspert: „Hallo Schatz, ich bin zu schüchtern, dir das persönlich zu sagen, aber ich wollte mich für die drei wundervollen Jahren mit dir bedanken.” Yasmin ist gerührt, hat Lisa ihr die Sprachnachricht extra ins Mikrobiom geschrieben? Sie setzt sich gleich an eine Antwort, die sie ebenfalls in die Gene von Bakterien schreibt. Vielleicht gibt sie die in ein Parfum als Träger und lässt sie von Lisa dann von ihrer Haut ablesen, aber sie ist sich noch nicht sicher. Mit Genen als Informationsträger in Mikrobiomen eröffnen sich viele Möglichkeiten, unserer Kreativität freien Lauf zu lassen.

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