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Gründen ist keine Alters-, sondern eine Haltungsfrage

Selina Yapar und Martin Kaufmann sind beide Teil der Startup-Gruppe der Deutschen Bank in Hamburg. Sie stehen Gründern bei der Planung und Umsetzung ihrer Projekte beratend zur Seite.

Um jungen Hamburger Gründern Inspiration und Orientierung für ihren Karriereweg mitzugeben, hat die Deutsche Bank am 25. April 2019 das Event #Segelsetzen ins Leben gerufen. Dort haben wir mit Martin und Selina über die Startup-Szene in Hamburg gesprochen und sie gefragt, was junge Gründer für ein erfolgreiches Startup mitbringen sollten.

Ihr habt erwähnt, dass ihr erstaunt gewesen seid, wie sehr eure jungen Kunden auf dem Event an dem Thema Gründen interessiert sind. Wie alt sind denn die Kunden, die mit ihren Startup-Ideen zu euch kommen?

Selina: Wir haben von Millennials bis zu den Best-Agern alles dabei. Es gibt sehr junge Kunden, die schon während der Uni gründen. Aber es gibt auch Kunden, die jahrelange Management-Erfahrung haben und sich dann entscheiden, ein Unternehmen zu gründen. Pauschal lässt sich sagen, dass die meisten Gründer 20 bis 40 Jahren alt sind.

Spielt das Alter für euch eine Rolle?

Martin: Für uns als Bank und als beratende Einheit nicht. Für uns ist es wichtig, dass wir die Gründer unterstützen. Die Nutzung von Netzwerken und das Verhandlungsgeschick spielt oftmals eine große Rolle. Insbesondere hierbei versuchen wir junge Gründer an unseren Erfahrungen partizipieren zu lassen. Ebenso richten sich unsere Aktivitäten bereits an Hochschulen und Universitäten, um frühzeitig Vertrauen zu den Gründern der nächsten Generation aufzubauen.

Selina: Im Grunde genommen spielt das Alter keine Rolle, sowohl auf der Kundenseite als auch auf der Beraterseite. Ich gehöre zum Beispiel auf der Beraterseite zu den Jüngeren im Team und merke, dass mir der Kontakt zu den Startup-Kunden sehr leicht fällt. Viele Kunden haben im ersten Gespräch eine Klischeevorstellung von einem typischen Banker und sind im Nachgang oft sehr positiv über den lockeren, partnerschaftlichen Umgang überrascht. Es ist keine Altersfrage auf beiden Seiten, sondern eher eine Haltungsfrage.

Foto: Sabine Grothues

Ihr seid ja vor allem um den Standpunkt Hamburg herum aktiv. Wie seht ihr die Voraussetzungen in der Stadt Hamburg, ein Startup zu gründen?

Selina: Bekanntlich ist Berlin der Spitzenreiter in Deutschland, aber Hamburg kommt jetzt immer dichter an diesen Status heran. Es gibt inzwischen ein großes Netzwerk an Institutionen, die sich dem Thema Start up in Hamburg angenommen haben. Wir als Deutsche Bank haben seit über 3 Jahren ein Startup-Team in Hamburg. Neben uns spielen auch die Aktivitäten der öffentlichen Institutionen eine große Rolle, wie beispielsweise die Handelskammer oder die Innovations- und Förderbank. Wir arbeiten eng mit den Institutionen zusammen, um die Gründer bestmöglich zu beraten und zu unterstützen.

Martin: Hamburg hat nach Berlin eine wirklich starke Infrastruktur im Startup-Bereich aufgebaut. Ich würde fast von einer Art Ökosystem sprechen, das zunehmend immer weiter wächst. Rückblickend ist es für uns ein großer Erfolg, was wir als Team mit der Startup-Gruppe in den letzten drei Jahren geschafft haben. Dabei sind wir sehr stolz, wie wir als Startup-Gruppe zu einem Bestandteil dieses Ökosystems geworden sind, um unsere Kunden bei ihren unternehmerischen Aktivitäten zu unterstützen.

Selina, du meintest gerade, dass es viele bekannte und erfolgreiche Startups in Hamburg gibt. Könnt ihr uns vielleicht von ein paar Unternehmergeschichten aus Hamburg erzählen, die euch besonders inspiriert haben?

Selina: Uns inspirieren alle Unternehmergeschichten. Im Bereich Fin-Tech tut sich viel. Das ist ein Bereich, der uns auch als klassische Bank besonders interessiert. Da fallen mir in Hamburg Unternehmen wie Figo oder Deposit Solutions ein, mit denen wir bereits als Deutschen Bank kooperiert haben. Auch im Bereich künstliche Intelligenz gibt es sehr spannende Unternehmen, die sich momentan auf einem starken Wachstumspfad befinden.

Die Deutsche Bank betreut ja rund 4.000 Start ups in Deutschland. Gibt es Erfolgsfaktoren, die euch bei guten Startups aufgefallen sind?

Selina: Ganz wichtig ist ein durchdachtes Business-Model mit einer klaren Vorstellung des Produkts oder der Dienstleistung, ein gutes Gründerteam mit unterschiedlichen Kernkompetenzen und gezielt ausgesuchte strategische Partner, wie die betreuende Bank, die gerade in der frühen Gründungsphase eine hohe Relevanz als Partner für die Startups hat.

Martin: Für uns ist auch das Thema der nachhaltigen Finanzierbarkeit wichtig. Zudem sollte man sich Kenntnisse über die Eigenkapitalausstattung aneignen und im Team die einzelnen Kernkompetenzen festlegen.

Foto: Sabine Grothues

Nun seid ihr täglich mit spannenden Gründern und Erfolgsgeschichten konfrontiert. Reizt es euch dabei auch manchmal, ein eigenes Startup zu gründen?

Selina: (lacht) Mir fehlt eine innovative Idee, um ein Unternehmen zu gründen. Meine Kreativität hält sich da in Grenzen. Aber wir sehen uns als Partner der Gründer und es macht uns sehr viel Spaß, die Gründerteams von Beginn an zu unterstützen.

Man spricht international von der „German Angst“, dass Deutsche prinzipiell vorsichtig und weniger risikobereit sind. Seht ihr diese Tendenz auch in der Startup-Szene?

Selina: In Sachen Entrepreneurship ist Deutschland tatsächlich noch etwas verhaltener – im Vergleich zu der USA oder Israel. Oft scheitert die Umsetzung der Ideen an der umfassenden Bürokratie, die wir in unserem Land haben. Dennoch gibt es bei uns viele mutige Gründer, die bereits während dem Studium gründen oder aus dem Berufsleben aussteigen, um eine Geschäftsidee umzusetzen. Ich habe großen Respekt vor allen Gründern, ob jung oder alt, die diesen Weg in die Selbstständigkeit wagen.

Martin: Ich habe das Gefühl, dass das Thema Gründung in den letzten Jahren viel stärker in die Wahrnehmung der Leute gerückt ist. Der große Beliebtheitsgrad der Fernsehserie „Die Höhle der Löwen zeigt beispielsweise, dass sich heute eine größere Bevölkerungsgruppe für das Gründen interessiert. Gerade die junge Generation scheint aufgeschlossener und mutiger mit dem Thema umzugehen, als es vor 10 Jahren der Fall war. Nichtsdestotrotz liegt immer noch ein weiter Weg vor uns, gerade im Vergleich zu anderen Ländern – wie z. B. den USA – und deren vorbildlichen Umgang mit der eigenen Gründungskultur.

Was sind eure drei wichtigsten Tipps für anstrebende Gründer?

Selina: Die Gründer müssen ihre eigene Geschichte schreiben, nur so können sie sich von den anderen differenzieren. Zudem ist es sehr wichtig, dass im Unternehmen die Kernkompetenzen für die Umsetzung des Geschäftsmodells vorhanden sind. Des Weiteren ist es wichtig, mit Fehlern umgehen zu können und aus diesen zu lernen. Fehler machen gehört zum Entrepreneurship dazu und ich bin mir sicher, dass auch die „Big Player“ stets klein begonnen und sicherlich nicht immer alles richtig gemacht haben.

Martin: Vor allem sollten Gründer von ihren Konzepten überzeugt sein und die jeweiligen Kompetenzen, Mut und eine entsprechende Risikobereitschaft mitbringen. Ebenso relevant ist ein gutes Durchhaltevermögen, um möglicherweise auftretende „unternehmerische Durststrecken“ zu überstehen und ihre Ideen letztlich in die Tat umzusetzen.

Seid ihr selbst gerade in der Gründungsphase und braucht konkrete Beratung? Hier findet ihr die Kontakte zum Deutsche Bank Startup-Team.

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