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Kompendium: Das Handwerk als Luxusgut

Die Abkehr von Massenangeboten sorgt für ein Umdenken in der Luxusindustrie. Handgemachte Objekte erleben ein Revival.

Kompendium: Das Handwerk als Luxusgut

3D-Drucker und Lasertechniken verändern die Herstellungsabläufe und verschieben das Werteverständnis für Luxusgüter. Wünsche nach Erlebnissen lösen bestehende Produktbedürfnisse ab.

Kompendium: Das Handwerk als Luxusgut

Symbiosen aus künstlicher Intelligenz und Menschen prägen die Herstellungsprozesse. Immaterielle Bedürfnisse nehmen den Platz von Objektwünschen ein.

Kompendium

Der Esstisch aus Tropenholz, die Porzellanvase aus China – edle Statussymbole aus längst vergangenen Zeiten, angefertigt von geschulten Meistern ihres Handwerks. Sie sind die objekt-gewordene Antithese zur industriellen Massenproduktion. Doch der Wunsch nach Handgemachten keimt gerade wieder auf. Zumindest, bis das Konzept von Luxus von einer Generation, die lieber Erfahrungen sammelt, als Objekte, völlig neu gedacht wird.

Kompendium: Das Handwerk als Luxusgut

Im Übermaß bestückte Festtafeln prägten das Bild von römischen Gourmet-Orgien im 2. Jahrhundert v. Chr.. Aber nicht nur lukullisches Übermaß war ein Gradmesser für Macht und Wohlstand – auch das Mobiliar musste so prunk- und prachtvoll wie möglich sein.

Kompendium: Das Handwerk als Luxusgut

Mit der Gründung der Manufakturen in Frankreich entstand eine wachsende Luxusindustrie.

Kompendium: Das Handwerk als Luxusgut

Veni, vidi … Villa! Möbel und Macht im antiken Rom

Kompendium: Das Handwerk als Luxusgut

Veni, vidi … Villa! Möbel und Macht im antiken Rom

Roberto Bompiani: A Roman Feast

Roberto Bompiani: A Roman Feast

Im Übermaß bestückte Festtafeln prägten das Bild von römischen Gourmet-Orgien im 2. Jahrhundert v. Chr.. Aber nicht nur lukullisches Übermaß war ein Gradmesser für Macht und Wohlstand – auch das Mobiliar musste so prunk- und prachtvoll wie möglich sein.

„Mein Esstisch, mein Teppich, mein Wandbehang!“, so oder so ähnlich führten römische Politiker aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. die Gäste durch ihre Villa. Diese Protzgesten geschahen mit Kalkül, denn die schillernde Opulenz diente der eigenen Imagepflege, um sich ehrfürchtige Bewunderung zu sichern.

“Platos akademisches Mosaik”

Fresque des Mytères Pompéi

Die ausufernde Zurschaustellung des eigenen Reichtums gehörte bei den führenden Politikern des römischen Reiches zum Pflichtprogramm. Die alteingesessene Oberschicht aus Rom verschwendete, was das Volk unter kargen Bedingungen erarbeitete. Für die Einen gab es die marmorne Badewanne mit raffinierter Heißwassertechnik, für die Anderen blieb nur der verdreckte Tiber.

Protz gehört zum guten Ton

“Je eindrucksvoller die Zurschaustellung von Reichtum, desto größer wurde der politische Einfluss, desto besser die soziale Stellung. “

Zum guten Ton gehörte die Villa in der Provinz, am besten gleich ein Dutzend davon im ganzen Land verteilt. Getreu dem Credo: „Wer viel besitzt, hat auch viel Macht“ gingen Verschwendungssucht und Schwelgerei selbstredend Hand in Hand. Das angestrebte Lebensgefühl kam in Form von luxuria daher: Übermäßiger Luxus gehörte in gehobenen Kreisen zum guten Ton.

Je eindrucksvoller die Zurschaustellung von Reichtum, desto größer wurde der politische Einfluss, desto besser die soziale Stellung. Seinen Körper schmückte man mit Perlen, Edelsteinen und Silber. Doch auch die Behausung musste repräsentativ sein: Kostbare Esstische etwa wurden zur Trumpfkarte in jedem Luxusquartett. Ein standesgemäßer Tisch war nicht nur aus edelsten Hölzern gefertigt und mit kunstvollen, handgefertigten Verzierungen geschmückt; er musste auch groß genug sein, um in großen Tafelrunden jedem ausreichend Platz zu bieten.

So gab es einen waren Sesterzenregen für die Händler von seltenem Kunsthandwerk aus aller Welt. Im römischen Reich entstand zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit, ein internationaler Markt für Handwerksobjekte, die vielmehr Begehrlichkeiten wecken sollten, als dass sie einen alltäglichen Nutzen hatten. Damit wurde die Handwerkskunst als internationales Statussymbol aus der Taufe gehoben.

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Frank R. Schröder

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Kompendium: Das Handwerk als Luxusgut

Die Geburt der Luxusmanufakturen

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Die Geburt der Luxusmanufakturen

Luftaufnahme der Domäne von Versailles, Frankreich

Luftaufnahme der Domäne von Versailles, Frankreich

Mit der Gründung der Manufakturen in Frankreich entstand eine wachsende Luxusindustrie. Edelwaren aus Glas, Porzellan und Spitze eroberten zunächst europäische Königshäuser und dann die aufstrebende Bürgerschicht. Die aufkeimende Massenproduktion begann diesen elitären Zugang allmählich aufzubrechen.

Seidene Spitzenkragen, Wildleder-Stiefeletten, parfümierte Perücken – nur das Allerfeinste durfte die Gefolgschaft des französischen Sonnenkönigs in Versailles zur Schau stellen. Über hunderte von Handwerkern und Künstlern waren zu Hofe beschäftigt, nur um die Unmengen an benötigten Luxuswaren herzustellen. Der Sonnenkönig und sein Hofstaat benötigte sie, um vor den anderen Monarchen Europas zu protzen. „Der Staat bin ich”, soll Ludwig XIV. gesagt haben. Aber der Staat war pleite.

Handwerkskunst als Exportschlager Frankreichs

Louis XIV. beschäftigte hunderte von Handwerkern und Künstlern, nur um die Unmengen an benötigten Luxuswaren herzustellen.

Louis XIV. krempelte dann die Systeme um: Er senkte Steuern und förderte staatliche Handelskompanien und Manufakturen, um so den maroden Haushalt zu sanieren. Die für den Hofstaat bereits entwickelten Produkte wurden in neuen Handwerksmanufakturen für den Export produziert. Und so begann der Vormarsch der französischen Luxusindustrie.

Möbel, Teppiche und feinste Textilwaren gehörten zu den Exportschlagern Nummer eins. Die Nachfrage nach Edelware aus Frankreich stieg ins Unermessliche. Gobelins aus Paris, Spitze aus Calais und Spiegel aus der Picardie waren besonders en vogue. Und tatsächlich: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt: So konnte der heruntergewirtschaftete Staat durch die Arbeit neuer Branchen saniert werden.

Das Bürgertum sehnt sich nach „weißem Gold”

Verkaufsraum der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin

Aufgrund der hohen Nachfrage wurden weitere Manufakturen gegründet – und schließlich begannen die Preise zu sinken. Gleichzeitig bildete sich eine aufstrebende, wohlhabende Bürgerschaft aus und die Produkte blieben nicht mehr nur den Adligen vorbehalten. Bald setzte ein Trend in Europa ein: Nach dem Vorbild Frankreichs fanden sich dort in kurzer Zeit überall neugegründete Manufakturen. In Preußen wurde das „weiße Gold“ zum Aushängeschild. Porzellanobjekte aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin gab es im russischen Zarenhaus ebenso wie auf den Tafeln der europäischen Königshäuser, aber eben auch in der zahlungskräftigen Bürgerschicht.

Die Handwerkskunst als Motor der europäischen Wirtschaft

Auf diesem Gemälde ist Louis XIV zu Besuch bei einer Manufaktur.

Das Handwerk wurde längst zum unverzichtbaren Fundament und Motor der europäischen Wirtschaft. Uhrmacher, Porzellanmaler und Glasbläser: Mit der Spezialisierung der handwerklichen Berufe entstanden im Ergebnis immer feinere Unikate, die einen reißenden Absatz hatten. Ausschlaggebend war die Raffinesse der Stücke, die durch künstlerische Fertigkeiten und handwerkliches Knowhow kreiert wurden. Der wirtschaftliche Wert des Produktes regulierte sich durch Qualität und Quantität.

Porzellan ist bald auch für das Bürgertum erschwinglich, ein wahrer Hype um das „weiße Gold“ setzt ein.

Im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert fand allerdings ein tiefgreifender Wertewandel durch die immer effizienter werdende Massenproduktion statt. Der Zugang zu vormals limitierten Dingen wurde aufgebrochen. Durch die Herstellung am Fließband konnten viele Handwerksgegenstände nun auch von der breiten Masse konsumiert werden, die vorher den Königshäusern und dem gutsituierten Bürgertum vorbehalten geblieben waren.

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Frank R. Schröder

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Kompendium: Das Handwerk als Luxusgut

Die neue Rückbesinnung auf Traditionen

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Die neue Rückbesinnung auf Traditionen

Zukünftig wird man sich auf Traditionen zurückbesinnen.

Zukünftig wird man sich auf Traditionen zurückbesinnen.

Die Abkehr von Massenangeboten sorgt für ein Umdenken in der Luxusindustrie. Handgemachte Objekte erleben ein Revival und sorgen für ein Aufblühen der Handwerkstraditionen.

„Geiz ist geil!” kreischte 2002 eine Werbestimme und stand unvergleichlich für die Mentalität einer Gesellschaft, die ihr Wertgefühl im Überfluss verliert. Mehr ist mehr – und das gerne besonders günstig. Das Überangebot an Produkten senkt den Preis noch weiter. Bald leben Schnäppchenjäger und Pfennigfuchser für den Deal des Monats, den Wühltisch im Kaufhaus des Vertrauens und die „2 für 1“-Aktion im Supermarkt.

Im Rausch des Markenhypes zu Anfang der 2000er wollte sich keiner mehr den Luxus des Handgemachten leisten.

Im Rausch der Rabattaktionen und Discountangebote ist kaum noch jemand bereit, die deutlich höheren Preise für handgemachte Unikate zu bezahlen. Das Handwerk passt sich diesem Trend an, um im Preiskampf nicht unterzugehen: Produktionsschritte werden ausgelagert und automatisiert, hochwertige Materialien kommen nicht mehr zum Einsatz. So werden vermeintliche Luxusunikate einer einst prestigeträchtigen Marke zu austauschbaren Massenartikeln. Es zählt nicht die detaillierte Ausführung, das Design oder die Qualität der Materialien. Vielmehr werden die Marken als Zeichen für den eigenen Wohlstand nach Außen getragen.

Ich konsumiere, also bin ich?

Der Markenhype ebbte im Laufe der späteren 2000er Jahren deutlich ab. Auf der Suche nach Zugehörigkeit und der eigenen Identität sind die Antworten der großen Marken unzureichend. Der Wunsch nach mehr Individualität und Nachhaltigkeit zieht sich durch alle sozialen Gruppierungen. In einem Artikel für den Spiegel prophezeite der Schriftsteller Hans-Magnus Enzensberger bereits 1996: „Der Luxus der Zukunft verabschiedet sich vom Überflüssigen und strebt nach dem Notwendigen, von dem zu befürchten ist, daß es nur noch den Wenigsten zu Gebote stehen wird. Das, worauf es ankommt, hat kein Duty-free-Shop zu bieten.“

Unter anderem benennt Enzensberger das Bedürfnis nach Raum: „Wer sich dieser Käfighaltung entziehen kann, lebt luxuriös. Dazu gehört auch die Bereitschaft, sich aus dem Warenberg freizuschaufeln. Meist ist die ohnehin viel zu kleine Wohnung mit Möbeln, Geräten, Nippes und Klamotten verbarrikadiert. Was fehlt, ist jener Überfluss an Platz, der die freie Bewegung überhaupt erst möglich macht. Heute wirkt ein Zimmer luxuriös, wenn es leer ist.“ Die Einrichtung soll wirklich nur das eigene Ich präsentieren und dafür eben auch den nötigen Platz lassen. Dazu gehört auch die Abkehr, mit ständig neuem Mobiliar die eigenen vier Wände zu überfrachten. Es sind vielmehr Vintage-Stücke als Teil einer wachsenden Kultur des Bewahrens, die moderne Wohnraumgestaltung ausmachen.

Die Digitalisierung der Handwerkstradition

Handwerkliche Traditionen und kunstvolle Fertigungen rücken nach Jahren des Vergessens wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit. Produktdesigner wie Mark Braun sehen darin eine positive Entwicklung: „In Zukunft wird es vermutlich weniger, aber bessere Produkte geben. Allein schon durch die Digitalisierung wird aus dem Mehr ein Weniger. Ich glaube, dass diese wenigen Produkte den Besitzern viel Halt geben werden und Charakter haben. Wenn ich umziehe und keine „austauschbaren“ Möbel mehr habe, sondern nur noch meinen Lieblingsstuhl und mein Lieblingsregal, nehme ich auch immer direkt ein Stück Identität mit in die neue Wohnung.“

Die Liebe zum Unikat lässt so lokale Produktionsstätten wieder erblühen. Manufakturen von damals erkennen diese Chancen und ergänzen ihre Produktionsprozesse mit moderner Technologie – ohne dabei den Kern der Handarbeit zu verdrängen. Teilautomatisierung ist der Schlüssel zum Fortbestehen, bei der die handwerkliche Arbeit des Menschen erleichtert, aber nicht ersetzt wird. Der Wert dieser manuellen Produktion wird wieder mehr wertgeschätzt und bringt die Bereitschaft mit sich, auch höhere Preise zu bezahlen. Heute beginnt Luxus mit der Anschaffung des Notwendigen in einer nachhaltigen Qualität.

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Frank R. Schröder

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Kompendium: Das Handwerk als Luxusgut

Werkstätten rüsten sich für das Handwerk 4.0

Kompendium: Das Handwerk als Luxusgut

Werkstätten rüsten sich für das Handwerk 4.0

„Die Nachfrage nach ethischen Produkten, nachhaltigen Waren und immateriellen Gütern wird wachsen.“ Foto: Stefan Haehnel

„Die Nachfrage nach ethischen Produkten, nachhaltigen Waren und immateriellen Gütern wird wachsen.“ Foto: Stefan Haehnel

Neueste Technologien halten Einzug in traditionelle Werkstätten. 3D-Drucker und Lasertechniken verändern die Herstellungsabläufe und verschieben das Werteverständnis für Luxusgüter. Wünsche nach Erlebnissen lösen allmählich bestehende Produktbedürfnisse ab.

Nach dem Mainstream kommt die Nische! Der Wunsch nach mehr Individualität prägt auch die Angebote in allen Lebensbereichen. Die Nachfrage nach ethischen Produkten, nachhaltigen Waren und immateriellen Gütern wird in den nächsten 20 Jahren wachsen.

Es geht nicht mehr um rationale Notwendigkeiten. Eher drückt man mit bestimmten Handlungen seine Identität aus. Foto: Studio Teuber Kohlhoff

Die Verschiebung von Dingen hin zu Erfahrungen, die ein neues Luxusverständnis ausmachen werden, ist ausschlaggebend. Der Trendforscher Sven Gabor Janszky beobachtet große Veränderungen im Luxussegment: „Menschen tun Dinge, deren Hauptzweck nicht die Erledigung von rationalen Notwendigkeiten ist. Stattdessen tun Menschen diese Dinge, um ihre eigene Identität auszudrücken. Sie wollen ihren Mitmenschen, ihren Kollegen, Freunden und Bekannten und natürlich auch ihrem eigenen Ego gegenüber beweisen, dass sie besonders sind: besonders öko, besonders kulturinteressiert, besonders sportlich, besonders innovativ, besonders sparsam, besonders luxusorientiert, besonders designaffin, besonders regional verwurzelt … es gibt eine ganze (allerdings begrenzte) Anzahl von Identitäten.“ Es werden also unsere persönlichen Identitäts-Erfahrungen sein, die ein neues Luxusverständnis prägen und eine Abkehr von den Objekten einleiten.

Der größte Luxus ist es, seinen Designstuhl selbst anzufertigen

Das heißt nicht zwangsläufig die totale Abkehr von Produkten, schon gar nicht von Luxusgütern, die es nach wie vor geben wird. Allerdings müssen diese über ein gewisses „Mehr“ verfügen. Im Fokus stehen besondere und neuartige Produkte, die Erlebnisse und Erfahrungsmomente im Ergebnis mit sich bringen. Besonders, wenn diese sogar in Eigenregie angefertigt werden. Der Designerstuhl aus dem Baumarkt ist hier der Anfang!

Anna Teuber und Franziska Kohlhoff vom Berliner Studio Teuber Kohlhoff. Foto: Jules Villbrandt

Diese Herausforderung des „Mehr” gilt auch für das (Kunst-)Handwerk. Dabei geht es nicht nur um die Digitalisierung. Denn der digitale Wandel hat in den Betrieben, Werkstätten und Manufakturen längst begonnen: Softwarelösungen und neueste Technologien zur Steuerung von Arbeitsprozessen halten bereits Einzug und sollen der Optimierung von Herstellungsabläufen dienen. Die besondere Herausforderung, die die Zeit an die Betriebe stellt, ist die fortlaufende Integration von Innovationen, die helfen können, die eigenen Produkte weiterzuentwickeln.

Das Berliner Studio Teuber Kohlhoff experimentierte zum Beispiel für eine limitierte Tuch-Edition mit Digitaldruck auf traditioneller Habotai-Seide. „TESSELLATION ist eine Untersuchungsreihe menschlicher Sehgewohnheiten. Die Sicht durch geschliffenes Glas lässt die Außenwelt verschwimmen und zerlegt diese in ein fragmentiertes Bild”, so Anna Teuber und Franziska Kohlhoff.

„Die Übersetzung dieser analogen Beobachtung in einen digitalen Kontext erzeugt ein Spannungsfeld in der Ausführung. Auf zarte Seide gedruckt entsteht ein diffuses Gefühl von Raum und Dimension.” Der Einsatz digitaler Druckverfahren ist auch hier Resultat eines offenen Dialogs zwischen traditionellen Produktionsweisen und einem innovativen Ansatz für kreatives Schaffen.

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Frank R. Schröder

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Kompendium: Das Handwerk als Luxusgut

Das Ende der Dingkultur

Kompendium: Das Handwerk als Luxusgut

Das Ende der Dingkultur

Dieser robotische Arm dient als Prothese. In Zukunft können Symbiosen aus Mensch und Maschine vielmehr als Erweiterung denn als Ersatz dienen.

Dieser robotische Arm dient als Prothese. In Zukunft können Symbiosen aus Mensch und Maschine vielmehr als Erweiterung denn als Ersatz dienen.

Symbiosen aus künstlicher Intelligenz und Menschen prägen die Herstellungsprozesse. Immaterielle Bedürfnisse nehmen den Platz von Objektwünschen ein. Die Nachfrage nach materiellen Gütern wird nur noch in aufstrebenden Märkten das traditionelle Luxusverständnis fortbestehen lassen.

Drohnen, selbstfahrende Transporteinheiten und selbstoptimierende Produktionssysteme kündigen eine stetige Automatisierung von Technologien an. Sie verändern die klassische Vorstellung von Handwerk für immer. Symbiosen werden aus der Zusammenarbeit von künstlicher Intelligenz und dem Menschen entstehen: Es sind sogenannte „hu-maschinelle“ Konzepte, die vermeintliche Utopien zum Gegenstand der Forschungen machen.

„Am erfolgversprechendsten ist es, wenn der Mensch sich mit der Maschine verbindet.“

Die Zusammenarbeit aus menschlicher Kreativität und maschineller Intelligenz in Kombination mit vorhandenen Datenbanken bildet die Grundlage für zukünftige Arbeitsabläufe. In einem Artikel für DIE ZEIT sagt Yann Lecun, Leiter der KI-Abteilung von Facebook: „Die kreativen und mit den zwischenmenschlichen Beziehungen befassten Berufe haben gute Zukunftschancen. Dahingehend wird die Maschine den Menschen nur in seltenen Fällen ersetzen. Am erfolgversprechendsten ist es, wenn der Mensch sich mit der Maschine verbindet“.

Geborgenheit statt Porzellan – der neue Inbegriff von Luxus

Der gesellschaftlichen Veränderung unterliegt auch die Wahrnehmung und Definition von Luxus und Luxusgütern. In konsumübersättigten Gesellschaften werden immaterielle Bedürfnisse, wie Geborgenheit, Selbstverwirklichung und Liebe zunehmend den Platz von Objektwünschen einnehmen. Der materielle Anspruch kann nur noch in aufstrebenden Märkten, wie zurzeit China und Indien weiterhin das Güterverständnis prägen und kunsthandwerkliche Luxusprodukte in den Vordergrund stellen.

„Jahrtausendealtes handwerkliches Wissen wird durch spezialisierte Speichermedien bewahrt, vermittelt und fortgeführt.“

„Manu factum“ wird es vielleicht auch noch in 300 Jahren heißen, Voraussetzung dafür ist allerdings der Bedarf an handgemachten Objekten und das entsprechende Wertverständnis für eine Objektkultur, aber auch entsprechende Ressourcen.

Diese findet dann nicht unbedingt in der Realität statt, sondern wird in Simulationen codiert und dort in animierten Umfeldern fortgeführt. Jahrtausendealtes handwerkliches Wissen wird durch spezialisierte Speichermedien bewahrt, vermittelt und fortgeführt. Und in diesem Sinne sollte auch folgende Prognose nachvollzogen werden: Auch wenn eine Virtual Reality allumfassend den Platz der tatsächlichen Wirklichkeit einnehmen würde, würden Menschen noch immer ihren Handwerkstraditionen nachgehen. Töpfern kann man schließlich auch in einer animierten Welt.

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Frank R. Schröder

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