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Kompendium: Kreislaufwirtschaft

Die Welt ist vermessen und quantifiziert. Ressourcen haben einen Preis, der auch externe (Umwelt-)Kosten miteinberechnet. Ihre Wiederverwertung lohnt sich daher mehr und mehr – auch ökonomisch.

Kompendium: Kreislaufwirtschaft

Mandea lebt im Jahr 2120. Die Kreislaufwirtschaft ist schon längst Standard. Recyceln wird hier nicht belohnt, Verschwendung wird jedoch bestraft. Es gibt nur noch wenige Stoffe, die nicht mehr recycelt werden können. Herausforderungen gibt es dennoch.

Kompendium

Die Wirtschaft muss ökologisch nachhaltig werden, wenn heutige und zukünftige Herausforderungen bewältigt werden sollen. Eine Lösung könnte die Kreislaufwirtschaft sein. Das Modell ist keine neue Idee, sondern eine Wiederentdeckung. Wie Rohstoffe im Kreis geführt wurden, wann diese Wirtschaftsweise verloren ging und wie wir sie wiederbeleben können, zeigen wir in diesem Kompendium.

Kompendium: Kreislaufwirtschaft

Im Alten Ägypten wurde sehr nachhaltig gewirtschaftet. In einer Zeit begrenzter Ressourcen war es die logische Konsequenz, das gesamte System auf Wiederverwendung statt auf Verschwendung auszurichten.

Kompendium: Kreislaufwirtschaft

Mit der Industrialisierung kam der Müll – sowohl durch Luxusgüter, als auch durch Massenprodukte. Die Wirtschaft fand zur linearen Form.

Kompendium: Kreislaufwirtschaft

Wer der Circular Economy auf die Spuren kommen will, stößt dabei heutzutage oft auf große Ankündigungen und Versprechen seitens der Unternehmen und der Politik. Dabei sind die wirklich überzeugenden Ideen völlig unspektakulär – und trotzdem spannend.

Kompendium: Kreislaufwirtschaft

Antikes Upcyceln

Kompendium: Kreislaufwirtschaft

Antikes Upcyceln

"ächlich wurden kaum Ressourcen verschwendet: Was nicht niet- und nagelfest war, wurde recycelt." Foto: Maler der Grabkammer des Rechmirê - The Yorck Project (2002)

Im Alten Ägypten wurde sehr nachhaltig gewirtschaftet. In einer Zeit begrenzter Ressourcen war es die logische Konsequenz, das gesamte System auf Wiederverwendung statt auf Verschwendung auszurichten.

Prunkvolle Paläste und Gräber, majestätische Pyramiden und ein riesiges Reich: Wer an das Alte Ägypten denkt, dem kommt vermutlich ausschweifender Luxus auf den Schultern unzähliger Sklaven in den Sinn. Doch dieses Bild ist falsch.

Die Annahme, dass tausende Sklaven die Pyramiden errichteten, stammt von Herodot. Der griechische Historiker und Forschungsreisende besuchte Ägypten um 450 v. Chr., immerhin 2.000 Jahre nach der Errichtung der großen Pyramiden. Er fiel auf antike Märchen rein: Erbaut wurden die Pyramiden tatsächlich von regulären Arbeitern, die größtenteils direkt bei den Pyramiden lebten.

Auch Prunk und Verschwendungssucht waren kleiner, als es uns Hollywood oder Asterix und Obelix vorspielen. Tatsächlich wurden kaum Ressourcen verschwendet: Was nicht niet- und nagelfest war, wurde recycelt. Metall- und Glassammler zogen durch die Stadtstraßen des Alten Ägyptens und verkauften anschließend die wertvollen Materialien. Schließlich wurden die Rohstoffe eingeschmolzen und verarbeitet.

Kreislaufwirtschaft war selbstverständlich

Säulen aus der jungen Antike wurden im späteren Verlauf des Zeitalters erneut verwendet.

Neben der hauptsächlichen Verwendung pflanzlicher Materialien lieferten vor allem die horrenden Rohstoffpreise einen Anreiz, Recycling zu betreiben. Wäre Papyrus nicht so teuer gewesen, hätte man keine Tonscherben als Ersatz genutzt. Auch Metalle und Glas waren viel zu wertvoll, um sie nach einmaligem Gebrauch einfach zu entsorgen.

Auch zwischen verschiedenen Völkern und über verschiedene Epochen hinweg wurde deshalb re- und upcycled. Säulen, die zu Beginn der Antike im Römischen Reich oder im Antiken Griechenland errichtet wurden, verwendete man in der Spätantike wieder, ordnete sie etwa zu neuen Formationen. Die Expertin für Kreislaufwirtschaft Phoebe Blackburn meint dazu: „Die Gallier im heutigen Frankreich waren besonders pfiffig: Sie nutzten die alten Amphoren der römischen Besetzer, um Wein oder Olivenöl aufzubewahren. Die Römer selbst waren hingegen oft weniger motiviert zu recyceln.” Daran zeigt sich: Recycling, also das Wiederverwerten bereits verarbeiteter Ressourcen, entstand in der Antike eigentlich aus der Not heraus.

So fand auch der Bau von einfachen Wohnhäusern in der damaligen Zeit ökologisch betrachtet, deutlich nachhaltiger statt: Über lange Zeit wurde ausschließlich mit vergänglichen Materialien gebaut. Einfache Wohnhäuser, aber auch Paläste oder Villen, wurden mit getrockneten Nilschlammziegeln erbaut. Der Schlamm wurde mit Stroh vermengt und von der Sonne getrocknet. Ohne Probleme ließen sich diese ausbessern oder wiederverwenden. Doch ohne Pflege hielt das flexible Baumaterial nicht lange stand. Schnell zerfiel es wieder in seine Bestandteile und wurde damit der Umwelt zurückgeführt.

Tonscherben statt Papyrus

Es ist trügerisch, nur die Gebäude für das Alte Ägypten sprechen zu lassen, die wir heute noch sehen können. Denn sie vermitteln ein Bild des Prunks und Protzes. Tatsächlich waren die meisten Ägypter allerdings arm und lebten in entsprechend einfachen Verhältnissen. Es waren also nicht die steinernen Pyramiden, die das damalige Stadtbild bestimmten, sondern Nilschlammhäuser. Nicht steinerne Hieroglyphen und Papyrusrollen wurden vornehmlich zum Schreiben genutzt, sondern Tonscherben. Auch wenn dies nicht im Sinne der meisten Ägypter war, die Umweltbelastung war dadurch sehr gering.

Der Blick in das Alte Ägypten zeigt: Die Kreislaufwirtschaft war einer der ersten Wirtschaftsformen des Menschen. Über lange Zeiträume hinweg bestand der Großteil dessen, was er baute oder herstellte, aus leicht abbaubaren Materialien. Die wenigen Paläste, Werkzeuge, Waffen, Münzen oder Gefäße waren eher die Ausnahme, als die Regel. Fell wurde mit Harnstoff zu Leder gegerbt. Gefärbt wurde es mit Pflanzensäften. Nicht abbaubare Müllreste konnten sich nicht in großen Mengen ansammeln – die Gefahr, riesige Müllberge anzuhäufen, bestand damals also nicht. Doch das sollte sich noch radikal ändern.

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Kompendium: Kreislaufwirtschaft

Die Industrialisierung durchbricht den Kreis

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Die Industrialisierung durchbricht den Kreis

Mehr Maschinen heißt auch mehr Müll. Foto: Waldemar Titzenthaler (1869-1937) -

Mehr Maschinen heißt auch mehr Müll. Foto: Waldemar Titzenthaler (1869-1937) - "Die Maschinenfabrik R.Wolf Magdeburg-Buckau 1862-1912" von Conrad Matschass, Magdeburg 1912

Mit der Industrialisierung kam der Müll – sowohl durch Luxusgüter, als auch durch Massenprodukte. Die Wirtschaft fand zur linearen Form.

Mit der Industrialisierung änderte sich die Wirtschaft enorm – sie wurde linear. Denn nachdem Ressourcen zu Produkten verwertet wurden, und damit ihre oftmals kurze Lebensdauer überschritten war, landeten sie auf dem Müll. Die Wiederverwertung blieb also aus. Neue Produkte erforderten wieder den Abbau neuer Ressourcen.

Der Ökonomie zum Vorteil, der Ökologie zum Nachteil

„Durch die zahlreichen neuen Maschinen konnte plötzlich viel mehr produziert werden. In der Konsequenz stieg auch der Konsum und natürlich der damit verbundene Abfall. Die sogenannte Wegwerfmentalität hat ihren Ursprung auch in der Industrialisierung“, so Ria Schäfli vom verpackungsfreien Supermarkt Original Unverpackt in Berlin. Mit Beginn der Epoche wurden immer mehr Produkte maschinell gefertigt, teilweise waren diese allerdings von geringerer Qualität als ihre handgefertigten Vorgänger. Gleichzeitig wurden viele Produkte gerade durch die maschinelle Fertigung und günstigere Preise für einen großen Teil der Bevölkerung erst erschwinglich. Somit gab es plötzlich eine größere Menge von Produkten, die teilweise auch noch früher kaputt gingen.

“Neben den dicken Rauchschwaden zeugten auch wachsende Müllberge von den neu angebrochenen Zeiten.” Bild: Robert Koehler – Deutsches Historisches Museum

Ökonomisch betrachtet hatte es viele Vorteile: Produkte ließen sich in großen Mengen immer einfacher und billiger produzieren. Dadurch stiegen Angebot und Nachfrage, die Wirtschaft florierte. Doch die Produkte waren nicht mehr pflanzlichen Ursprungs, oftmals bestanden sie aus fossilen Rohstoffen oder waren chemisch verarbeitet, sodass sie der Natur nicht einfach zurückgeführt werden konnten, ohne dabei Schäden anzurichten. Zudem waren die Arbeitsbedingungen extrem schlecht, Arbeitnehmerrechte gab es so gut wie keine. Die Folge waren soziale Spannungen in einer zunehmend ungleichen Gesellschaft und wachsende Müllberge.

Probleme mit Abfällen und mangelhafter Verwertung gehen in London bis ins Mittelalter zurück. Damals wurde derart viel Müll in die Themse geworfen, dass ein breiter Landstreifen entstand, der später zur Bebauung genutzt wurde. Bedingt durch den Bau-Boom verarbeitete die britische Wirtschaft in den folgenden Jahrhunderten große Mengen an Holz. Vor allem die Schiffsflotte des Empires sorgte für eine massive Entwaldung im Königreich. Deshalb mussten neue Energiequellen erschlossen werden.

Asche zu Ziegelsteinhäusern

Als zu Zeiten der Industrialisierung das Holz knapp wurde, verfeuerten immer mehr Haushalte Kohle. Immerhin: Die Kohleasche wurde gesammelt und für die Ziegelproduktion verwendet. Viele dieser typischen sogenannten british boxes, den roten Ziegelsteinhäuser, bestehen auch heute noch aus diesen Ascheresten der Industrialisierung.

Doch der Rauch der Kohleverfeuerung war wesentlich schädlicher als die Asche. Die hunderten, privaten und industriellen Öfen führten zum berühmten Londoner Smog, der so dicht war, dass die Stadtbewohner ihn – ganz nach dem typisch britischen Humor – als „Erbsensuppe” bezeichneten. Dieser Smog wurde später in der Literatur als Nebel beschönigt und diente vielen Krimiautoren als Inspiration. Dabei suchte Sherlock Holmes nicht im Nebel nach Mördern, sondern im dichten Smog.

Noch heute stehen viele der “british boxes” aus Asche-Ziegelsteinen. Foto: Alex Vasey

Neben dem Smog legte die industrielle Verwertung von Kohle aber auch noch den Grundstein für ein anderes Problem, das uns noch über hundert Jahre später beschäftigen soll: Den massiven Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2, die zuvor im Boden als Kohlenstoff gespeichert wurden. Dies war ein weiterer Nebeneffekt der Linearwirtschaft – damals allerdings nahezu unmöglich vorherzusehen.

Die Geburt der Wegwerfgesellschaft

Neben den dicken Rauchschwaden zeugten auch wachsende Müllberge von den neu angebrochenen Zeiten. Zum einen vermehrte eine Minderheit ihren Wohlstand massiv und häufte immer mehr Güter an. Zum anderen sorgte auch die arbeitende Mehrheit für eine Menge Müll: Die Arbeiter konzentrierten sich immer mehr in Städten, weshalb die Güter ihres Tagesbedarfs nun weiter transportiert und verpackt werden mussten. Sowohl mit den Luxusgütern, als auch durch die Massenprodukte wuchs der Verpackungsmüll in ungekannten Ausmaßen an. Recycelt und wiederverwendet wurden wenig Verpackungen.

Die allgemeine Müllproduktion hat sich durch die Industrialisierung enorm verändert. Davor hatte jeder seinen eigenen Müll und entsorgte ihn selbst. Damals reichten Schweinetröge, Komposthaufen und kleine Müllecken (sogenannte Winkel) aus. Die kleinen Mengen, die nicht verrotteten, wurden vergraben oder in trockene Brunnen gekippt. Zudem wurde repariert, was sich reparieren ließ und jeder Müll als Ressource genutzt.

Eine Sache fehlte im Industrialisierungs-Müll: Plastik. Foto: Vince Gx

Industrialisierung bedeutete: Smog, Müll und Ratten

„Plötzlich war genug da, man musste nicht mehr alles behalten. Die Menschen wurden verschwenderisch. Zudem dachte man während der Industrialisierung noch nicht an die nachfolgende Generation, man war viel zu beschäftigt mit seiner eigenen“, fügt Ria Schäfli hinzu. Dem muss jedoch hinzugefügt werden, dass ein Großteil der Arbeiter in großer Armut lebte und die Oberschicht über kein Umweltbewusstsein verfügte, sondern Natur eher auf abstrakter Ebene wertschätzte.

Immerhin: In der Londoner Frühindustrialisierung gab es zwar Smog, riesige Müllberge und unzählige Ratten, doch die Londoner mussten sich weder mit Plastik noch mit großen Mengen von chemischen oder gar radioaktiven Abfällen herumschlagen.

Die Londoner gingen dann das Müllproblem an, indem sie im Jahr 1870 eine der ersten Müllverbrennungsanlagen, den sogenannten Desctructor, eröffneten. Praktiziert wurde also bereits die thermische Verwertung. Bis die stoffliche Verwertung im großen Stil organisiert wurde, musste allerdings noch viel Wasser die Themse entlangfließen.

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Kreislaufwirtschaft? Just do it!

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Kreislaufwirtschaft? Just do it!

Viel Müll, viele Lösungen - aber sind es auch die Richtigen? Foto: Henry Co

Viel Müll, viele Lösungen - aber sind es auch die Richtigen? Foto: Henry Co

Wer der Circular Economy auf die Spuren kommen will, stößt dabei heutzutage oft auf große Ankündigungen und Versprechen seitens der Unternehmen und der Politik. Dabei sind die wirklich überzeugenden Ideen völlig unspektakulär – und trotzdem spannend.

Du kennst das: Mutlos bis genervt scrollst du durch deine Social Media-Feeds, überall gibt es nur Schreckensmeldungen: rechte Demonstranten, Klimawandel, Artenschwund und Massentierhaltung. Dazwischen blitzt ein aufwendig produziertes Video auf. Gezeigt wird eine kompostierbare Trinkflasche, vielleicht sogar eine aus essbarem Bioplastik. Toll, das muss sie sein, diese Kreislaufwirtschaft. Hungrig nach guten Nachrichten, in der Hoffnung, den Algorithmus zu trainieren, likest du das Video.

Kompostierbare Bioplastik vs. einfache Glasflasche

Solche Wundermaterialien sind allerdings häufig Humbug. Sie sind dafür gemacht, viral zu gehen, haben aber meist wenig mit der Realität zu tun. Stattdessen nützt die große Reichweite der Social Media-Seite, auf der das Video veröffentlich wurde, kaum aber dem Hersteller (sofern es diesen überhaupt gibt) und am allerwenigsten der Umwelt. Während wir munter solche Videos teilen, wurde schließlich Deutschland, mit über 220 Kilo Verpackungsmüll pro Person, zum größten Abfallverursacher der EU gekürt.

Deutschland wurde, mit über 220 Kilo Verpackungsmüll pro Person, zum größten Abfallverursacher der EU gekürt. Foto: Jilbert Ebrahimi

Immerhin: Das Müllproblem kam in der Öffentlichkeit an. Zu erschreckend sind die Bilder von riesigen Plastikmüllinseln, als dass sie sich auf Dauer ignorieren lassen. Viele findige Hersteller setzen nun auf kompostierbare Verpackungen, um ihren Absatz trotz dieser Negativbilder zu verteidigen.

Kompostierbare Verpackungen als Lösung?

Es gibt verschiedene Standards der Kompostierfähigkeit. Kompostierbar kann auch heißen, dass das Produkt innerhalb von drei Monaten in einer Industriekompostierungsanlage abgebaut wird, bei 60 Grad Celsius. Die Flasche verrottet also nicht auf dem Gartenkompost, und schon gar nicht am Wegesrand. Bei der Kompostierung von Bioplastik entstehen übrigens Wasser, Kohlenstoffdioxid und ein paar Mineralien. Wer hier bei Kompost also an Dünger denkt, liegt falsch.

Viel besser als alle essbaren, kompostierbaren Einwegverpackungen, ist die Glasflasche. Einmal gekauft, kann sie unzählige Male wieder befüllt werden. Es muss nicht einmal die besondere Glasflasche einer Ökomarke sein – jede Glasflasche erfüllt den gleichen Zweck.

Auf wiederverwendbare Verpackungen setzt auch die Unverpackt-Bewegung. Ria Schäfli von Original Unverpackt meint dazu: „Ich denke nicht, dass Unverpackt-Läden allein das Segel in Richtung Kreislaufwirtschaft rumreißen können, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung und macht es jedem einzelnen einfacher, sich aktiv an der Kreislaufwirtschaft zu beteiligen.” Dass der Bedarf groß ist, zeigt die stetig länger werdende Liste von Unverpackt-Läden in Deutschland. In jeder größeren Stadt kann inzwischen verpackungsfrei oder verpackungsreduziert eingekauft werden.

„Es geht uns nicht nur um den eingesparten Müll selbst, wir bringen die Menschen zum Nachdenken, vermitteln unser Wissen und motivieren sie. Ich glaube, bei der Menschheit muss ein Schalter im Kopf umgelegt werden, damit sie sorgfältiger mit unserer Erde umgeht. Ich hoffe, wir legen ganz viele Schalter um,” so Ria.

Unverpackt als Konzept für die Zukunft? Foto: Sylvie Tittel

Kreislaufwirtschaft ist kein Müll

Bei dem Konzept der Kreislaufwirtschaft im Alltag geht es also gar nicht wirklich um neue, futuristische Produkte, sondern um Verhaltensänderungen. Was derzeit in Deutschland getan wird, geht allerdings nicht über Abfallmanagement und Recycling hinaus. Das heißt, anstatt grundlegend umzudenken, wird eher versucht, die Schäden des bestehenden Systems zu minimieren.

Stattdessen müsste schon bei der Produktion angesetzt werden. Eine einfache Reparatur und Wiederaufbereitung von Produkten müsste dafür durch Hersteller gewährleistet werden. Das Ziel ist stets: Die Nutzungsdauer von Produkten zu verlängern oder zumindest zu intensivieren.

Von Wiegen und Bahren

Als Vorreiter der Kreislaufwirtschaft sehen sich viele Vertreter des sogenannten Cradle-to-Cradle-Ansatzes, was so viel bedeutet wie „von der Wiege zur Wiege”. Nora Sophie Griefahn des C2C e.V. grenzt sie deutlich von der Kreislaufwirtschaft ab: „Bei Cradle-to-Cradle geht es nicht nur darum, irgendwas in Kreisen zirkulieren zu lassen. Man kann nämlich auch Sondermüll im Kreis laufen lassen. Es geht darum, von Anfang an die Dinge richtig zu designen, sodass sie kreislauffähig und gesund für Mensch und Umwelt sind.”

Doch die Abgrenzung fällt nicht immer leicht, gerade da es viele Definitionen der Kreislaufwirtschaft gäbe, so die Vorsitzende des C2C e.V.: „Unter Kreislaufwirtschaft verstehen die Menschen so viele verschiedene Dinge wie unter Nachhaltigkeit. Für die einen ist es futuristisch, für die anderen ist es halt die Umbenennung der Abfallwirtschaft.” Nun kommt es auf uns an, welche Vision der Kreislaufwirtschaft in der Zukunft mit Leben gefüllt wird.

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Ressourcen verschwenden? Unvorstellbar!

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Ressourcen verschwenden? Unvorstellbar!

"odes und automatische Materialerkennungen ermöglichen es, die Rohstoffe zuzuordnen, sortenrein zu sammeln und wiederzuverwerten." Foto: Vadim Sherbakov

Die Welt ist vermessen und quantifiziert. Ressourcen haben einen Preis, der auch externe (Umwelt-)Kosten miteinberechnet. Ihre Wiederverwertung lohnt sich daher mehr und mehr – auch ökonomisch.

Letztendlich sind es die Automatisierung und die Digitalisierung, die dabei helfen, unsere Güter effektiver zu verteilen und zu verfolgen. Allerdings verbrauchen die dafür verwendeten Computer und Gerätschaften auch eine Menge Strom und wertvolle Rohstoffe. Immerhin: Codes und automatische Materialerkennungen ermöglichen es, die Rohstoffe zuzuordnen, sortenrein zu sammeln und wiederzuverwerten.

Die jungen, urbanen sogenannten Professionals arbeiten kaum nur an einem Ort. Sie „sharen” große Tische, wenn sie Freunde zum Abendessen einladen, einen Grill für jeden Barbecue-Abend und hin und wieder sogar einen Staubsaugerroboter. Das Sharing dieser Produkte ist nicht sehr viel günstiger, als das Produkt selber zu kaufen und über einen längeren Zeitraum zu nutzen. Der Grund zu mieten ist für viele eher, dass sie sich nicht mit der Auswahl des passenden Staubsaugers beschäftigen wollen, mit der Entsorgung überfordert sind und obendrein für das Schlauchboot keinen Platz haben.

Hersteller müssen zu einem bestimmten Anteil reyceltes Material verwenden. Foto: Partricia Valerio

Die Schritte zur funktionierenden Kreislaufwirtschaft

Produkte für den ausschließlich eigenen Gebrauch sind hingegen deutlich teurer geworden, als sie es Anfang des 21. Jahrhunderts waren. Die Rohstoffpreise beinhalten nun auch die ökologischen Kosten für deren Abbau, so wie auch die Emissionen und andere Umweltverschmutzung besteuert ist.

Dass dadurch die Recyclingraten angestiegen sind, ist wenig verwunderlich. Wie die Geschichte zeigt, wird schließlich dann am ehesten recycelt, wenn die Rohstoffe schwer zu erschließen oder teuer im Einkauf sind. Gleichzeitig gibt es strikte Recyclingquoten. Alle Hersteller müssen bis zu einem bestimmten Anteil recyceltes Material verwenden. Auf diese Weise wird verhindert, dass große Mengen recycelt, aber dann nicht weiterverwendet werden. Die Materialwissenschaft hat es ermöglicht, dass die Qualität der recycelten Materialen der Qualität der entsprechenden Primärrohstoffe in nichts nachsteht. Dabei hilft es auch, dass die Materialien nach gewissen Standards produziert werden. Das wilde Mischen von Stoffen und Substanzen, das es schwer machte, Materialien sortenrein zu sortieren und zu recyceln, gibt es nicht mehr.

Manche Produkthersteller kooperieren direkt mit den großen Sharing-Plattformen – sie verleihen ihre Maschinen oder Möbel auf eigene Faust. Da sie die Reparaturen selbst bezahlen müssen, sind sie wesentlich motivierter als früher, langlebige Produkte herzustellen, die sich auch einfach reparieren lassen. Andere Effekte dieser Sharing Economy sind eher negativ für die Umwelt. Zum einen sind die sogenannten Sharer inzwischen verwöhnt: Sie wollen immer das neueste Auto oder die neueste Küchenmaschine leihen. Zum anderen sinkt die Lebensdauer der Produkte dadurch erheblich – sie werden frühzeitig aussortiert, was die ökologischen Vorteile des Sharing etwas verringert.

Sharing ist populär, hat aber nicht nur positive Effekte. Foto: Vizaformemories

Müll verbrennen? Komische Vorstellung…

Müll einfach zu verbrennen, kann man sich kaum mehr vorstellen – das passiert nur noch in Ausnahmefällen. Auch die billige, erneuerbare Energie hilft, die teilweise energieintensiven Recycling-Prozesse am Laufen zu halten.

Die Kreislaufwirtschaftsberaterin und -trainerin Phoebe Blackburn meinte 2018 dazu: „Ich hoffe, dass sich das Konzept der Kreislaufwirtschaft zu einem ganzheitlichen, menschenzentrierten Modell entwickelt.” Für die Expertin hat der Erfolg der Kreislaufwirtschaft mit mehreren Faktoren zu tun: „Business Schools sollten das Konzept standardmäßig lehren und alle EU-Länder sollten jeweils einen angepassten Fahrplan zur Umsetzung haben. Dann kann sich das derzeit überwiegend wirtschaftsorientiere Modell weiterentwickeln.“

Ria Schäfli hat Recht behalten, als sie sagte: „In 30 Jahren sind Unverpackt-Läden Teil der großen Supermärkte oder ersetzen diese sogar.” Inzwischen hat sich das Verhältnis von den klassischen Supermärkten zu den Unverpackt-Läden umgekehrt.

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Kompendium: Kreislaufwirtschaft

Kaum Müll – doch die Deponie wächst

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Kaum Müll – doch die Deponie wächst

Lieferdienste und Abholservices bringen die Kreislaufwirtschaft auf ein neues Level. Foto: Tycho Atsma

Lieferdienste und Abholservices bringen die Kreislaufwirtschaft auf ein neues Level. Foto: Tycho Atsma

Mandea lebt im Jahr 2120. Die Kreislaufwirtschaft ist schon längst Standard. Recyceln wird hier nicht belohnt, Verschwendung wird jedoch bestraft. Es gibt nur noch wenige Stoffe, die nicht mehr recycelt werden können. Herausforderungen gibt es dennoch.

Wenn Mandea am Morgen aufsteht und seinem Tagwerk nachgeht, kennt er schon längst nicht nur die genaue Kalorienzahl, die sein Körper benötigt, sondern weiß auch welche Zweitstoffe er verbraucht – so die neue Bezeichnung für Müll. Und er weiß dies so genau, weil die Zweitstoffe in der Nacht abgeholt worden sind. Die Müllabholung freut ihn – er bekommt für seinen unterdurchschnittlichen Müll ein paar Extra-Punkte gutgeschrieben, die seine Jahressteuer verringern. Allzu schwer ist es nicht, diese Punkte zu ergattern: Der Müll muss einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort stehen. Autonome Müllfahrzeuge beginnen schon während der Fahrt mit Trennung, Kompostierung und Verwertung. Einige Nutzen ihn sogar als Treibstoff.

Eine vollautomatisierte kreislaufbasierte Lebensweise

Früher wurden die Bürger belohnt, wenn sie besonders wenig Müll hatten. Doch dadurch entstanden unzählige illegale Müllabladeplätze. Dass es diese illegalen Deponien nicht mehr gibt, liegt nicht nur an dem Punktesystem. Die Verpackungs- und Produkthersteller, insbesondere die der Elektrogeräte, sind derart versessen auf den Müll, dass es gar nicht so einfach ist, viel Müll zu produzieren. Die Recyclingprozesse sind allerdings häufig sehr energieaufwendig – doch die notwendige Energie wird schon längst ausschließlich mit regenerativen Energieträgern erzeugt.

Die Kreislaufwirtschaft ist etabliert und recycelt automatisiert alle erdenklichen Stoffe. Foto: Alfonso Navarro

Mandea öffnet sein Paketfach und findet seine Bestellungen. Zum Glück, denn sonst gäbe es heute nichts zum Frühstück. Neben den bestellten Lebensmitteln stehen auch zwei neue elektronische Geräte in seinem Paketfach. Die alten landen später in der Box und gehen direkt zurück an den Hersteller. Schließlich wird von ihm erwartet, dass er diese Geräte am Ende ihre Lebenszeit reparieren lässt, weiterverkauft oder aber den Stoffkreisläufen wieder zuführt.

Optimismus für den Kreislauf

Die Kreislaufwirtschaftsexpertin Phoebe Blackburn hat die rosige Zukunft der Kreislaufwirtschaft bereits ein Jahrhundert zuvor aufkommen sehen. Sie prophezeite damals: „In 100 Jahren wird die Kreislaufwirtschaft einfach der Standard sein. Es wird weder Mülldeponien, noch das ständige Bedürfnis geben, neue Dinge zu kaufen. Auch wird es noch größere Plattformen geben, für alle möglichen Produkte – das Sharing wird endgültig im Mainstream angekommen sein, weshalb auch die Unternehmen ihre Produkte standardmäßig vermieten und nicht nur verkaufen werden. In dieser zukünftigen Welt gibt es diese Besessenheit nach Wachstum, wie wir sie von heute kennen, nicht mehr. Es wird weniger und anders konsumiert und die Regierungen haben Gesetze erlassen, um zirkuläre Modelle und Praktiken zu erleichtern.”

Ria Schäfli von Original Unverpackt in Berlin hat noch eine andere Vermutung und schmunzelte damals, zu Beginn des 21. Jahrhunderts als man sie fragte, ob Carsharing und fliegende Autos in der Zukunft eine Rolle spielen werden: „Fliegende Autos gibt’s ganz bestimmt. Da bin ich mir sicher. Plastik gibt’s ganz bestimmt nicht mehr. Da bin ich mir auch sicher.”

Vor uns liegt eine saubere Welt – mit großen digitalen Mülldeponien. Foto: Saketh Garuda

Ein Müllberg wächst immer weiter und lässt sich kaum eindämmen

Das Konzept der Kreislaufwirtschaft, in all seinen Definitionen und Facetten, kann also einen wichtigen Beitrag leisten, um den Ressourcenabbau und die Umweltzerstörung einzudämmen. Doch bisher konzentrieren sich die Kreislaufwirtschaftsansätze vor allem darauf, die greifbaren Ressourcen im Kreis zu führen und physischen Müll zu vermeiden.

Ein Müllberg wird indes ungemein wachsen: unser digitaler Müll. Die Menschheit produziert bereits zu Beginn des 21. Jahrhunderts immer mehr Daten, welche sich nur schwer sortieren, geschweige denn recyceln lassen. Noch lässt der Superspeicher auf sich warten. Die Fotos, Videos, Texte, unzähligen Nachrichten, aber auch Satellitendaten und Gesundheitsdaten, sammeln sich immer weiter an. Gleichzeitig gibt es die Befürchtung, dass, wenn Speicher nicht mehr lesbar oder kaputt sind, das sogenannte digitale Vergessen einsetzen wird.

Mandea kümmern weder Datenmüll, noch Unverpackt-Läden, die er nur selten besucht. Schließlich kommen deren Lieferwagen automatisch an jedem Morgen. Stattdessen geht er in das städtische Museum. Es gibt eine Sonderausstellung – gezeigt werden Mülleimer aus mehreren Jahrhunderten.

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