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Bild: Mathew Macquarrie
Short Q

Kann uns nur noch Angst zur Vernunft bringen?

Eine gesamte Stadt kann in kürzester Zeit ihr Konsumverhalten ändern – das haben jüngste Entwicklungen in Kapstadt gezeigt. Das ist eine beeindruckende Veränderung, und gleichzeitig eine gefährliche Zukunftsperspektive.

Es klingt wie ein fiktives Endzeit-Szenario, doch ab Ende des Jahres 2017 lief in Kapstadt der Countdown zu “Day Zero” – der Tag, an dem der südafrikanischen Großstadt das Wasser ausgehen wird. Am 21. April 2018 sollte es so weit sein.

Doch es gelang den Kapstadtern innerhalb kürzester Zeit ihren Wasserverbrauch um 33 Liter am Tag zu senken. “Day Zero” konnte so erst um einige Monate und schließlich auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Forscher der Stellenborsch University (SU) und der Universität von Kapstadt (UCT) fanden nun heraus, dass die jahrelangen instrumentellen Bemühungen der Stadt kaum Auswirkungen auf den Wasserverbrauch hatten. Erst die unmittelbare Angst vor “Day Zero” brachte die Menschen zur Vernunft, so der Befund der Studie.

Der Countdown läuft

Kapstadt ist jedoch kein Einzelfall. Nach Abwendung von “Day Zero” in Südafrika in letzter Minute berichtete The Guardian, dass rückläufige Wasserreservoirs in Marokko, Indien, Spanien und im Irak in naher Zukunft ähnliche Krisen auslösen könnten.

„Diese vier können als Vorbote verstanden werden”, berichtete Charles Island vom World Ressources Institute der britischen Tageszeitung. „Es gibt viele potenzielle Kapstädte. Die Zustände werden sich global nur noch verschlechtern, da der Wasserbedarf steigt und die Auswirkungen des Klimawandels immer weiter spürbar werden.“ Ohne beängstigenden Countdown habe sich der Wasserverbrauch in diesen Gebieten bis jetzt jedoch noch nicht bedeutend geändert.

Foto: Casey Allen

Ist Angst der Treibstoff unserer Zeit?

Angst kann ein machtvolles Werkzeug sein, um Menschen gezielt dazu zu bringen, ihre Einstellung und ihr Verhalten zu ändern. Aber kann sie wirklich Ausgangspunkt vernünftiger Entscheidungen sein? Anti-Raucher-Kampagnen weltweit nutzen seit Mitte der 2000er schockierende Darstellungen und angsteinflößende Aussagen auf Zigarettenpackungen, um Verbraucher dazu zu bewegen, ihr ungesundes Hobby aufzugeben – mit Erfolg. Die Zahl der Raucher in Deutschland ist, nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft, so niedrig wie noch nie zuvor.

Uns den richtigen Umgang mit Nachhaltigkeit und unserer Gesundheit auf eine persönlich-emotionale, zum Teil sogar schockierende Art und Weise zu vermitteln, leuchtet ein – und erscheint sogar notwendig. Denn nichts treibt unseren Selbstschutz-Instinkt so an wie Angst. Daher scheint es nur sinnvoll sie einzusetzen, wo rationale Argumente nicht mehr wirken. Doch das strategische Einsetzen von Angst ist ein Spiel mit dem Feuer.

Wenn Angst missbraucht wird

Eine aktuelle Studie der National Academy of Sciences fand heraus, dass der Sieg des rechtspopulistischen US-Präsidenten Donald Trumps darauf gründete, Ängste zu schüren und dann zu behaupten, nur er könne seine Anhänger schützen. Und er verkörpert nur einen der vielen politischen Machthaber unserer Zeit, die auf Angst als kraftvollen Katalysator ihrer simplen Rhetorik setzen.

Der Countdown zu “Day Zero” in Kapstadt zeigt, wie – erschreckend – schnell die eigene Angst Menschen dazu bringen kann, ihr Verhalten radikal zu ändern. Glücklicherweise hatten ihre Befürchtungen einen vernünftigen Kern – in diesem Fall…

Aber warum muss man uns erst die tickende Zeitbombe unter die Nase halten, damit wir anfangen zu handeln? Das ist keine nachhaltige Zukunftsperspektive und Angst kein Zustand, in dem wir leben sollten.

Tomas Björkman, Mitglied des Club of Rome, behauptet, den Schlüssel zu einer vernunftgesteuerten Demokratie zu kennen. So viel vorweg: Dabei geht es nicht um Angstmache. 

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