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Startups – Arbeit mit Benefits oder ‘just another job’?

Als Startups bezeichnet man neue Unternehmen, deren Gründung auf einer innovativen Idee mit hohem wirtschaftlichen Potenzial beruht. Startup-Gründer gelten seit dem Aufkommen der „neuen Gründerszene“ im Jahr 2000 inzwischen als Vorantreiber der Digitalisierung und sind daher beliebte Arbeitgeber, vor allem dann, wenn man frisch aus der Uni kommt. Aber was unterscheidet die Arbeit in Startups von anderen Unternehmen?

Freiheit und kreatives Arbeiten, hohe Lernkurven und die Möglichkeit, sich von Anfang an bei der Kursfindung eines Unternehmens einzubringen. Das sind die Vorteile, die sich junge Neu-Arbeitnehmer von der Arbeit in einem Startup versprechen. Die Teams sind klein und daher sind die Entscheidungswege kurz, festgelegte Strukturen gibt es nicht und der Wir-Gedanke ist riesengroß. Ist die Arbeit in einem Startup der Heilige Gral oder einfach nur ein normaler Job?

Kreative Arbeit oder normale Arbeit mit kreativen Decknamen?

Schon bei der Einstellung von neuen Mitarbeitern gehen Startups anders vor als große Konzerne und Unternehmen. Stellenbeschreibungen wie „Chief Happiness Officer“, „Online-Marketing Ninja“, „Treasure Hunter“ oder „Reporting Wizard“ suggerieren spannende Aufgaben, hinter denen sich meist jedoch ein ganz normaler Job verbirgt: Community Management, Online Marketing Management und Social Media Management findet man natürlich häufiger in Startups – gibt es aber mittlerweile auch in jedem Unternehmen, das sich mit der Digitalisierung auseinandersetzt. Allen voran natürlich Werbeagenturen. 

Startups – kreative Arbeit oder normale Arbeit mit kreativen Decknamen? Foto: Mika Baumeister.

Zweifellos ist die Arbeit oft kreativer, kann man doch insbesondere Content- und Marketing-Ideen anders angehen als in großen Wirtschaftsunternehmen. Trotzdem ist man bei der Durchführung an bestimmte Prozesse gebunden: Ideen pitchen, Presse-Mitteilungen verfassen, Newsletter rausschicken, Social-Media Posts vorbereiten. 

Allerdings ist all das kein Alleinstellungsmerkmal mehr von Werbeagenturen und digitalen Unternehmen. Selbst Unternehmensberatungen gönnen sich mittlerweile Insta-Accounts und stellen regelmäßig Storys und Fotos vom Arbeitsalltag online. Natürlich zeigen auch diese Fotos startup-esque Bilder: gemeinsames Grillen nach Feierabend, Bilder vom Fitnessbereich, der Firmencampus im Sonnenuntergang, im Vordergrund steht ein Glas Wein… So erreicht man die Bewerber da, wo sie sich aufhalten: in diesem Internet. Unternehmen sind schnell darin, vermeintliche Vorteile aus der Startup-Branche zu adaptieren, um sich ebenfalls bei jungen Absolventen beliebt zu machen.

 

Work, Work, Work und den Rest hab ich nicht verstanden

Und wie sieht es mit den so viel gelobten schnellen Entscheidungswegen aus? In einem kleinen Unternehmen sind selbstverständlich die Entscheidungswege an sich erst einmal kürzer, da nicht so viele Personen eingebunden sind. Außerdem hat so jeder im Team die Möglichkeit, die Kursfindung des Unternehmens mit zu beeinflussen und zu tragen. Doch kann genau das auch für ein großes Chaos und Gründer-Differenzen sorgen – besonders in frischen Teams mit mehreren Gründern. Wenn alle Mitarbeiter mitbestimmen, muss zunächst ein gemeinsamer Nenner gefunden werden. Wenn sich Gründer und Mitarbeiter nicht einig sind, kann das genauso lange dauern wie in großen Unternehmen. Vielleicht sogar länger.

In kleinen Teams müssen zudem viele Aufgaben auf wenig Leute verteilt werden. Das bedeutet viel Arbeitszeit und viele Überstunden für jeden. Problematisch wird es dann, wenn man sich das als Arbeitnehmer irgendwie anders vorgestellt hat. Unklar umrissene Aufgabengebiete können in manchen Leuten kreatives Potenzial und Ehrgeiz wecken, bei anderen aber sorgen sie für Verwirrung und Frust. Gerade bei Neueinsteigern, wenn eine leitende Hand fehlt. Dabei sollte doch alles ein riesiger Spaß werden – Arbeit eher mit Freunden, statt mit Kollegen. 

Es kann durchaus sein, dass einem, wenn man einen gemeinsamen Teamgeist entwickelt, das hohe Pensum an Arbeitszeit vielleicht nicht so viel ausmacht – nur ist Arbeit in Startups eben auch Arbeit, nicht nur Spaß. Zudem ist es oft Arbeit, die unterdurchschnittlich schlecht bezahlt wird: durchschnittlich 3.333 Euro für männliche Mitarbeiter und 2.500 Euro für Frauen, Gender Pay Gap inklusive. Es ist halt der Team-Gedanke, der zählt – nicht das Geld.

 

In kleinen Teams müssen zudem viele Aufgaben auf wenig Leute verteilt werden. Das bedeutet viele Überstunden für jeden. Foto: Studio Republic.

Money for Nothing – Klicks for free

Wer ein Startup gründen will, braucht ein gut durchdachtes Konzept und ein Team, mit unterschiedlichen Kernkompetenzen. Nicht jedes Startup hat das Zeug dazu, ein milliardenschweres Unternehmen à la Facebook zu werden. Gerade die Anfangszeit bedeutet über weite Strecken Unsicherheit: Wird das Produkt, die App, das Gadget, die Dienstleistung am Markt gut aufgenommen? In jeder Hinsicht sehen sich Gründer dabei mit der Skepsis der Verbraucher konfrontiert. Beim Launch einer jeden Idee stellen sich die Fragen: Braucht die Welt das? Kann das funktionieren? Gibt es das vielleicht schon und was wollen wir anders machen?

Gerade mit digitalen Dienstleistungen geht nämlich das Problem der unbegrenzt möglichen Monopolisierung einher: Niemand wählt das Zweitbeste auf dem Markt. „The Winner takes it all. The Loser gets nothing”, wie schon Marc-Uwe Kling die Figur des “Alten” in seinem dystopischen Roman Qualityland ganz richtig anmerken ließ.

Und dann kann es natürlich passieren, dass das Startup scheitert. Pech gehabt. Das Scheitern an sich ist für die Gründerszene heute keine Schmach mehr. Viele scheitern, zelebrieren es regelrecht und starten halt vielleicht später nochmal mit etwas anderem. Und wenn das Unternehmen Erfolg hat, wird es möglicherweise möglichst gewinnbringend verkauft. So oder so wird keine übermäßig hohe Rücksicht auf die Mitarbeiter genommen, möchte man meinen. Wer aber keine Angst davor hat, gibt sich selbst die Chance, viele verschiedene Erfahrungen zu sammeln. 

Eines ist daher sicher: Einen normalen Nine-to-Five Job gibt es in den wenigsten Startups. Das liegt nicht etwa daran, dass die Aufgaben spannender wären als z. B. in der Werbebranche oder in anderen Unternehmen – da sollte man sich nicht von den bereits erwähnten abenteuerlichen Jobbeschreibungen blauäugig täuschen lassen. Die Freiheit in der Arbeitsweise, die Kreativität, die oft ein Pro-Argument für die Arbeit in Startups zu sein scheint, ist meist der Tatsache geschuldet, dass es oft in vielen Startups keine fest abgesteckten Aufgabenbereiche gibt. Vieles wird durch „einfach machen“ herausgefunden, im schlimmsten Fall funktioniert es nicht und man versucht es nochmal. Diese Kultur des Ausprobierens und Scheiterns gibt es in großen Unternehmen nicht. Dennoch sind die Unterschiede in Arbeitsweise und Kultur nicht (mehr) so groß, wie im Allgemeinen suggeriert wird. In vielerlei Hinsicht ist die Arbeit in einem Startup einfach nur another job.

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