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Kompendium: Business of Science

Der Tee war zunächst ein chinesisches Arznei- und Aufputschmittel, frühe „Botaniker” erforschten seine Wirkung. Seefahrer brachten ihn nach Europa und die Briten machten ihn zum Geschäftsmodell. 

Kompendium: Business of Science

Ein Schokoladenriegel veränderte die Welt: Mikrowellenstrahlen sollten zunächst zur Überwachung von Flugzeugen eingesetzt werden, ein neugieriger Radar-Tüftler entdeckte aber, dass sie auch das Dessert erwärmen.

Kompendium: Business of Science

Forschung außerhalb des Elfenbeinturms wirbt mit dem Versprechen, die Ideen direkt zu den Menschen zu bringen. Große Unternehmen bieten spannende Bedingungen und Start-ups ein agiles Umfeld.

Kompendium: Business of Science

Noch immer ist Deutschland eines der innovativsten Länder der Erde. Doch bei den Gründungen hapert es. Die Wissenschaftlerin Professorin Nicola Breugst hat Ideen, um das zu ändern.

Kompendium: Business of Science

Im Jahr 2055 wird Forschung finanziert wie Kunst: aus Liebe am Wissen. Eine Geschichte über Nutzwert, Gewinne und Leidenschaft. 

Kompendium

Die Welt schaut auf die Wissenschaft: Biotech-Unternehmer*innen sind die neuen Idole. Die Forschung verlässt den Elfenbeinturm und die Methoden der Start-ups werden die Forschung verändern. Können Forschung und Wirtschaft in Zukunft mehr Hand in Hand gehen, ohne sich aus Versehen ein Bein zu stellen?

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Tee: Eine Medizin wird zum Massenprodukt

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Tee: Eine Medizin wird zum Massenprodukt

Damals wie heute gilt: Aus den richtigen Kräutern bereitet, soll der Tee heilen oder beruhigen, Schmerz und Entzündungen lindern, den Schlaf herbeiführen oder Menschen wach halten. Bild: 文徵明.

Der Tee war zunächst ein chinesisches Arznei- und Aufputschmittel, frühe „Botaniker” erforschten seine Wirkung. Seefahrer brachten ihn nach Europa und die Briten machten ihn zum Geschäftsmodell. 

Die Legende des Tees beginnt mit einem Zufall. Der chinesische Kaiser Shen Nung hatte seinen Untertanen befohlen, Wasser vor dem Trinken abzukochen, um so Krankheiten vorzubeugen. Das war etwa 2700 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Wie ungünstig sich manche Keime auf die Verdauung auswirken, war damals zwar noch nicht erforscht, wohl aber, dass Wasser bekömmlicher ist, wenn man es abkocht. Einmal sollen zufällig ein paar Blätter eines Krauts in das heiße Wasser geweht sein, Shen Nung trank davon und war von dem Geschmack sehr angetan, berichtete der Historiker Professor Dietmar Rothermund für das Deutsche Tee-Institut.

Die chinesische Teezeremonie wird als Gong fu bezeichnet. Gong fu cha bedeutet „besonders sorgfältig zubereiteter Tee“. Die sprachliche Nähe zum Kampfsport Kung fu ist kein Zufall: Kung fu bedeutet, dass etwas durch harte, geduldige Arbeit erreicht wurde.

Dies ist ein fiktives Porträt Lu Yus von dem Künstler Haruki Nammei um 1841. Bild: Haruki Nammei.

Erst der Zufall, dann die Sorgfalt

Wie der Siegeszug des Tees wirklich begann, ist historisch noch nicht genau rekonstruiert. Doch der Begriff „Siegeszug” ist tatsächlich prägend, wenn es um die Geschichte des Tees geht: Die Chinesen gossen vor mehreren tausend Jahren Wasser auf die Blätter der Teepflanze Camellia sinensis. Es entstand der Grüne Tee, ein Getränk, das wach macht, sogar aufputscht. Aus diesen Gründen trinken Kenner*innen ihn bis heute. Die frühen Methoden der Forschung werden heute mit modernsten Mitteln fortgesetzt. Das macht den Tee zum ersten Kronzeugen für wissenschaftliche Ideen, aus denen ein Weltmarkt entstand.

Damals wie heute gilt: Aus den richtigen Kräutern bereitet, soll der Tee heilen oder beruhigen, Schmerz und Entzündungen lindern, den Schlaf herbeiführen oder Menschen wach halten. 

Die frühe Wissenschaft rund um den Tee fand zwar nicht in Laboren statt, aber die Methoden unterschieden sich damals nicht sehr von den heutigen. Die Menschen experimentierten und strebten dabei nach Perfektion im Geschmack und im Herstellungsprozess.

Blätter sollen Leiden heilen

Zu einer wahren Wissenschaft, so berichtet es der Historiker Rothermund, wurde für die Chinesen übrigens auch die Wahl des richtigen Wassers für den Tee. Und der chinesische Autor Lu Yu berichtet von den botanischen Voraussetzungen für eine gute Teequalität: „In den meisten Fällen sind Pflanzen, die in natürlicher Umgebung wachsen, von besserer Qualität als jene, die in Gärten kultiviert werden”, schrieb er im Jahr 780 in seinem Werk „The classic of tea”. Tee heile „fiebrigen Durst, Angst, Zappeligkeit, Kopfschmerzen, getrübte Sicht, weiche Glieder und steife Gelenke”. Allerdings könne der Tee auch krank machen, wenn die Blätter zum falschen Zeitpunkt gepflückt oder nicht korrekt verarbeitet würden. Die Heilkraft der Blätter hing laut Lu Yu von deren Herkunft ab. Entscheidend für die Teekunst war auch, dass im südlichen China schon etwa 5000 Jahre vor unserer Zeitrechnung die Methode der Fermentierung entdeckt worden war. So entstand zum Beispiel der bis heute bekannte Pu-Erh Tee.

Händler legen die Grundlage für einen modernen Massenmarkt

Im Jahr 1610 brachte ein Schiff der niederländischen Ostindien-Kompanie eine Ladung Tee nach Europa. Im 18. Jahrhundert machten die Briten den Tee zum wichtigsten Exportprodukt Chinas. Nur mit der seltsamen Angewohnheit der Briten, Milch in den Tee zu geben, konnten die Chinesen wenig anfangen. Die Milch überdeckte indes die Aromen minderwertiger Teeblätter. Die Produzenten beklagten sich allerdings nicht, schreibt Rothermund in seiner Analyse. Nach Deutschland, genauer gesagt Ostfriesland, das bis heute für seine eigene Teekultur bekannt ist, gelangte das Getränk schließlich im 17. Jahrhundert. Heute ist Tee ein schnell wachsender Massenmarkt. Für 2021 erwarten Experten, dass mit Tee etwa 205 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet werden, 2025 könnten es bei einem jährlichen Wachstum von derzeit mehr als acht Prozent schon mehr als 280 Milliarden sein.

Die chinesische Teezeremonie wird als Gong fu bezeichnet. Gong fu cha bedeutet „besonders sorgfältig zubereiteter Tee“. Foto: 五玄土 ORIENTO.

Auf dem deutschen Markt etablieren sich gerade Lifestyle-Teemarken in moderner Verpackung und mit Bio-Zertifikat. Auch heute arbeiten Forscher wie Tojiro Tsushida am Produkt Tee im Labor. Ziel ist es, die Wirkung der Blätter stärker zu entfalten. Tsushida behandelte die Blätter des Grünen Tees mit Stickstoff und erhöhte so die Konzentration des Stoffes GABA, der gegen Unruhe und Angstzustände helfen kann. Der in Laborexperimenten weiterentwickelte Tee ist inzwischen ein neues Produkt geworden: GABA-Tee oder auch Gabalong kann online bestellt werden.

Im Internet können Experten und die, die sich dafür halten, ihre eigenen Tees mischen – ein Algorithmus prüft, ob die Zutaten kompatibel sind. Was im alten China als Forschung von Medizin, Botanik und Genuss begann, springt gerade ins Informationszeitalter.

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Mikrowellen: Eine Kriegserfindung erobert die Küche

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Mikrowellen: Eine Kriegserfindung erobert die Küche

Die erste kommerzielle Mikrowelle des Raytheon-Konzerns hieß Radarange, kam 1947 auf den Markt und kostete 5000 US-Dollar. Foto: Pamperchu.

Ein Schokoladenriegel veränderte die Welt: Mikrowellenstrahlen sollten zunächst zur Überwachung von Flugzeugen eingesetzt werden, ein neugieriger Radar-Tüftler entdeckte aber, dass sie auch das Dessert erwärmen.

Die Schokolade schmilzt, obwohl es gar nicht heiß ist. Das spürte Percy Spencer, als er bei der Arbeit nach seinem Schokoriegel tastete. Das war im Jahr 1946. Spencer war damals Ingenieur beim amerikanischen Rüstungskonzern Raytheon. Er experimentierte mit der Radartechnologie: Strahlen im Mikrowellenbereich sollen Flugzeuge orten. Dafür sendet ein Gerät elektromagnetische Wellen aus. Treffen sie auf ein Objekt, reflektiert es die Strahlen. Das Radar empfängt das Echo und kann so messen, wo sich zum Beispiel ein feindliches Flugzeug befindet.

In den 50er und 60er Jahren gab es den Boom der Haushaltsgeräte. Foto: 1950s Unlimited.

In der Entwicklungsabteilung von Raytheon arbeitete Spencer an einem Magnetron. Es war in Radargeräten verbaut und ist bis heute Bestandteil von Mikrowellen. Spencer war nicht der Erste, dessen Snack bei der Arbeit mit dem Radar geschmolzen ist. Er war nur der Erste, der sich darüber wunderte. Während andere es bei einer milden Enttäuschung über den geschmolzenen Snack belassen hätten, ging Spencer der Sache jedoch nach. 

Der Forschergeist führt zum Massenprodukt

Deshalb basiert die Erfindung der Mikrowelle auch nicht, wie oft behauptet, auf einem Zufall. Sie ist vielmehr das Ergebnis intensiver Arbeit. Ein Freund von Spencer schrieb viele Jahre später in Reader’s Digest: „Percy Spencer ist der neugierigste Mensch, den ich je gekannt habe. Heute ist er 63 Jahre alt und er hat noch immer diesen intensiven Drang eines kleinen Jungen, jedes Wunder der Welt um ihn herum zu erkunden.” 

Mit dieser Neugierde überspielte er, dass er schon im Alter von zwölf Jahren die Schule hatte verlassen müssen. Elektriker wurde er mit 16, das war im Jahr 1910. Er bewarb sich ohne jedes Vorwissen auf eine Stellenanzeige und tüftelte bei der Arbeit dann so lange, bis er seine Aufgabe gelöst hatte. Dieser Forschergeist trieb ihn an, aus seiner zufälligen Beobachtung ein Produkt für den Weltmarkt zu entwickeln, das mit dem Kerngeschäft des Rüstungskonzerns zunächst wenig zu tun hatte.

Kriegsgerät und Haushaltshilfe

Gemeinsam mit anderen begann Spencer, ein neues Gerät auszutüfteln: die Mikrowelle, „Microwave oven”, sagen die US-Amerikaner. Bei ihrer Arbeit bauten sie auf Erkenntnissen des deutschen Physikers Heinrich Hertz auf, der im Jahr 1886 elektromagnetische Wellen erzeugte und bald entdeckte, dass metallene Gegenstände diese Wellen reflektieren. In den folgenden Jahrzehnten arbeiteten Ingenieure rund um die Welt an der Technologie.

Damals ein großer Hit, heute entspricht die Mikrowelle nicht mehr dem Ideal eines gesunden Lebens. Foto: Vintage Magazine Ad.

Sie erhofften sich Vorteile vor allem im Zweiten Weltkrieg, um mit Hilfe von Radarstationen feindliche Angriffe frühzeitig melden zu können. Dies passierte oft auf Kosten der Gesundheit der Techniker: Die Geräte waren so schlecht abgeschirmt, dass viele später an Krebs erkrankten. 

Die erste kommerzielle Mikrowelle des Raytheon-Konzerns hieß Radarange, kam 1947 auf den Markt und kostete 5000 US-Dollar – heute wären das 64.000 US-Dollar oder 54.000 Euro. Sie war 1,80 Meter hoch und wog 340 Kilogramm. Diese erste Mikrowelle kam vor allem in Großküchen zum Einsatz, zum Beispiel auf Schiffen. Für den Hausgebrauch war sie zu sperrig und zu teuer. Die erste Mikrowelle für die Arbeitsplatte kam 1967 auf den Markt und würde heute umgerechnet 4000 US-Dollar kosten.

Ein Massenprodukt erliegt der modernen Welt

Zum Vergleich: Ein mittelgutes Markengerät gäbe es heute für rund 100 Euro zu kaufen. Nur verkaufen sich Mikrowellen eben nicht mehr. Weltweit wächst der Markt noch immer, aber mit 1,3 Prozent jährlicher Wachstumsrate ausgesprochen gering. Das Produkt hat seinen Zenit überschritten, schätzen Analysten im Magazin Quartz

Zwar gehen Marktanalysen noch immer davon aus, dass in etwa 90 Prozent der US-amerikanischen Haushalte eine Mikrowelle steht, doch ausgerechnet hier lässt der Absatz nach. Die Mikrowelle entspricht nicht mehr dem Ideal eines gesunden Lebens mit sorgfältig zubereiteten, frischen Lebensmitteln. Die Konsument*innen von heute wollen keine TK-Lasagne aufwärmen. Sie wollen, dass ihre Gurken geschnitten und ihre Karotten gehäckselt werden und mit ein paar frischen Zutaten auf Knopfdruck ein würziges Dressing entsteht. Und die Forscher*innen? Müssen sich neue Küchenhelfer ausdenken. Der Markt ist schon bereit.

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Außerhalb der Uni gibt’s auch schöne Labore

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Außerhalb der Uni gibt’s auch schöne Labore

Für junge Wissenschaftler*innen sind die Unternehmen eine gute Alternative zu den oft ausbeuterischen Verhältnissen an der Hochschule. Foto: M-Sense.

Forschung außerhalb des Elfenbeinturms wirbt mit dem Versprechen, die Ideen direkt zu den Menschen zu bringen. Große Unternehmen bieten spannende Bedingungen und Start-ups ein agiles Umfeld.

18 Prozent. So hoch ist der Anteil an Geldern für Forschung und Entwicklung, die in Deutschland den Hochschulen zur Verfügung stehen. Das mag wenig klingen, ist aber im internationalen Vergleich ganz schön viel. 82 Prozent des Geldes wird außerhalb der Hochschulen investiert. In China sind dies 93 Prozent, in den USA 96 Prozent. In beiden Ländern sind jedoch die Gesamtausgaben für Forschung deutlich höher. Deutschland hat im Jahr 2018 etwa 104 Milliarden Euro ausgegeben, China etwa 252 Milliarden Euro, die USA fast 500 Milliarden Euro. 

Wer an Forschung denkt, der sieht Labore, Menschen in Kitteln undoft ein Hochschulgebäude. Doch Wissenschaft war schon immer mehr als das. Foto: M-Sense.

Das bedeutet: Deutschland gibt weniger Geld für Wissenschaft aus und das Geld wird zu einem größeren Teil in den Hochschulen eingesetzt. Für die Grundlagenforschung ist das wichtig, deshalb gibt es auch keinen Grund, den Hochschulen Geld zu entziehen – im Gegenteil. Wichtig wäre es, den Kuchen insgesamt zu vergrößern: Denn Deutschland braucht gerade jetzt mehr forschende Unternehmen. 

Wer an Forschung denkt, der sieht Labore, Menschen in Kitteln undoft ein Hochschulgebäude. Doch Wissenschaft war schon immer mehr als das. Unternehmen leisten sich Forschungsprojekte, um Produkte zu entwickeln und zu verbessern. Die Grundlagenforschung der Hochschulen und die angewandte Wissenschaft in der Wirtschaft ergänzen sich dabei: Unternehmen gestalten vor allem die Gegenwart, die Hochschulen schaffen eine Grundlage für Technologien der Zukunft. Und beide Bereiche befruchten sich gegenseitig.

Aus dem Labor auf die Smartphones der Menschen

Der Physiker Dr. Markus Dahlem sagt: „Ich wollte, dass meine Forschung wirklich angewandt wird. Eine eigene Firma zu gründen, war irgendwann der nächste logische Schritt.” Dahlem ist Unternehmer und Wissenschaftler. Im Jahr 2016 hat er die Universität verlassen und das Start-up „M-Sense“ gegründet. Mit seinem Team hat er eine App entwickelt, die Migränepatient*innen helfen soll: „Wir wollen das Migränegehirn so umprogrammieren, dass es die Migräne verlernt.” 

Dr. Markus Dahlem ist Unternehmer und Wissenschaftler. Im Jahr 2016 hat er das Start-up „M-Sense“ gegründet. Mit seinem Team hat er eine App entwickelt, die Migränepatient*innen helfen soll. Foto: M-Sense.

Das trägt die Erkenntnisse der Grundlagenforschung direkt zu den Menschen: Dahlems Team will verstehen, wie Faktoren, beispielsweise Verhalten, Licht oder Töne, das Gehirn so beeinflussen, dass die Migräne zurückgeht. Genau so hatte er schon argumentiert, als er an der Universität Anträge für Forschungsgelder schrieb, „nur durfte ich das dann nie machen”. Dahlem sollte sich weiter mit der Mathematik hinter seinen Ideen beschäftigen und zu Konferenzen gehen. Das reichte ihm nicht: „Ich wollte wissen, wie es wirkt.” Deshalb gründete er sein eigenes Start-up.

„Ausgründen ist nicht für jeden etwas”, gibt Dahlem zu bedenken. „Die Forschung hat man dann zunächst verlassen.” Als Geschäftsführer wird es dann wichtig, Wagniskapital anzuwerben, Personal einzustellen und beides hinter einer Idee zu vereinen. Kurz: „Das Unternehmen unternehmensfähig bekommen”, sagt Dahlem. 

Die junge Firma lebt von der Forschung

Die Forschung bleibt aber weiterhin wichtig für die junge Firma. Das liegt schon in der Natur des Produkts: „Die App muss ja wirken”, sagt Dahlem. Wer eine Zulassung der Krankenkassen will, der muss wissenschaftlich belegen können, dass die Idee auch in der Praxis funktioniert. Nutzerbewertungen reichen da nicht. Das bedeutet konkret: klinische Studien, randomisiert und kontrolliert. Dahlems Team muss nachweisen, dass die App einen Effekt auf das Gehirn hat.

Nicht jeder muss deshalb sofort ein Start-up gründen. „Das würde ich auch gar nicht jedem raten”, sagt Dahlem. An der Universität leben Nachwuchswissenschaftler*innen oft prekär, „das geht im Start-up erst mal genauso weiter”.

Dahlem:„Wir wollen das Migränegehirn so umprogrammieren, dass es die Migräne verlernt.” Foto: M-Sense.

Die Alternative sind Konzerne, in denen die Wissenschaftler*innen auf eine solidere Karriere hoffen können als unter den Serienbefristungen der Hochschuljobs – die noch dazu oft nur in Teilzeit bezahlt werden, aber deutlich mehr fordern.

Unternehmen lassen sich die Wissenschaft etwas kosten

Einige internationale Firmen geben für ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen stolze Summen aus. Spitzenreiter ist Amazon: Im Jahr 2018 investierte der Konzern 22 Milliarden US-Dollar, fast 13 Prozent der Einnahmen. Knapp 16 Milliarden gab Volkswagen aus und ist damit Spitzenreiter in Deutschland, auch wenn das nur knapp 6 Prozent der Einnahmen sind. Pharmakonzern Merck investierte etwa ein Viertel seiner Einnahmen in die Wissenschaft. Das inzwischen von BMS aufgekaufte Pharmaunternehmen Celgene investierte mehr als 45 Prozent. Investitionen in Forschung sind ein kontrolliertes Glücksspiel: Die Ausgaben sind hoch, aber wer eine bedeutende Innovation an den Markt und zu den Menschen bringt, kann viel gewinnen.

Die Firma als Ort des Lernens und Entdeckens

Die Physikerin Christa Zoufal forscht beim Technologiekonzern IBM. IBM investierte im Jahr 2018 etwa 5,8 Milliarden US-Dollar in die Forschung, mehr als 7 Prozent der Einnahmen. Mit 27 Jahren arbeitet Zoufal nun an Quantum Machine Learning und Optimierungsproblemen. Nach ihrem Studium an der ETH in Zürich wechselte sie in das PhD-Programm der Forschungsabteilung des Konzerns. Mit ihrem Projekt promoviert sie an der ETH Zürich. 

„Die Forschung, die an Unternehmen betrieben wird, ist im Vergleich oft näher an der Anwendung, was durch die direkte Integration im industriellen Umfeld begünstigt wird”. Foto: M-Sense.

Und das hat Vorteile: „Die Forschung, die an Unternehmen betrieben wird, ist im Vergleich oft näher an der Anwendung, was durch die direkte Integration im industriellen Umfeld begünstigt wird”, erzählt Zoufal. „Für viele Forscher ist das Wissen, dass ihre Ergebnisse zu praktischen Anwendungen führen können, etwas Erfüllendes.”

Die Nähe zur Praxis sei es, die die Forschung in der Firma so attraktiv mache. In der Firma sei mehr innovative Flexibilität möglich. Zoufal: „Im ähnlichen Sinne kann die Forschung, die in Unternehmen betrieben wird, mehr cutting-edge sein, da ein Unternehmen viel agiler in seiner Strategie agieren kann als eine Universität.”

Für junge Wissenschaftler*innen sind die Unternehmen eine gute Alternative zu den oft ausbeuterischen Verhältnissen an der Hochschule. Die Forschungsprojekte können direkt in neue Technologien münden und vielleicht schon bald zu den Menschen kommen. Hochschulen bleiben aber dennoch wichtig: Die kostspielige, langwierige und in der Regel unprofitable Grundlagenforschung ist oft noch Sache der Universitäten. Sie schaffen das Wissen, aus dem (zumindest noch) kein Profit geschlagen wird.

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Warum wird in der deutschen Forschung so wenig ausgegründet?

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Warum wird in der deutschen Forschung so wenig ausgegründet?

"Rollenvorbilder sind wichtig, dann sehen die ganz frischen Studierenden: Es gibt Leute, die saßen vor fünf Jahren da, wo ich jetzt sitze." Foto: ThisisEngineering RAEng.

Noch immer ist Deutschland eines der innovativsten Länder der Erde. Doch bei den Gründungen hapert es. Die Wissenschaftlerin Professorin Nicola Breugst hat Ideen, um das zu ändern.

Das Weltwirtschaftsforum sieht Deutschland als das Land mit der höchsten Innovationskraft. Doch laut UNESCO-Statistik rangiert Deutschland bei den Patentanmeldungen nur auf Platz fünf, bei den Investitionen in Forschung und Entwicklung (prozentual zum BIP) nur auf Rang acht. Schauen wir uns die Gründungsrate an, landet Deutschland auf Rang zehn: Nur 7,6 Prozent der Menschen zwischen 18 und 64 Jahren haben in den vergangenen Jahren ein Unternehmen gegründet oder arbeiten gerade daran. In den USA sind es 18,2 Prozent.

Ein interdisziplinär aufgestelltes Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern schaut sich derzeit in einer Serie von Studien an, woran das liegt. Professorin Nicola Breugst ist Psychologin und hält an der TU München die Professur für Entrepreneurial Behavior. Im Gespräch erklärt sie, was hinter der geringen Gründungsaktivität steckt und mit welchen Strategien Hochschulen den wissenschaftlichen Nachwuchs beim Gründen unterstützen können.

Deutschland ist innovativ, aber aus der Forschung ausgegründet wird wenig. Warum ist das so, Frau Professorin Dr. Nicola Breugst?

Das liegt am Perfektionismus. Wissenschaftler*innen wollen perfekte Arbeit abliefern. Jede Arbeit wird geschliffen und poliert, muss akkurat sein, bevor man sie bei einem wissenschaftlichen Journal einreicht. Das unternehmerische Denken wird dabei als gegensätzlich erlebt: Unternehmer*innen müssen früher mit ihrem Produkt rausgehen. Sie brauchen schon Feedback potenzieller Kund*innen, bevor sie überhaupt ein fertiges Produkt haben. Vor diesem Pragmatismus schrecken viele Forschende zurück. Die Rolle, die Wissenschaftler*innen einnehmen, passt nicht zur Rolle von Gründenden. Wir verstehen uns als das Land der Dichter und Denker. Aber manchmal muss noch der Macher dazukommen.

Prof. Dr. Nicola Breugst; Professorin für Entrepreneurial Behavior an der Technischen Universitaet Muenchen (TUM). Foto: Astrid Eckert.

Sind Start-ups die Zukunft der Wissenschaft?

Wir werden mehr Gründungen aus der Wissenschaft heraus sehen. Umgekehrt wird das unternehmerische Denken wahrscheinlich zu einem modernen Wissenschaftssystem beitragen: Schneller herausgehen mit den Ergebnissen, früher auf Konferenzen erstes Feedback einholen. Es wird einen wechselseitigen Einfluss geben. Aber beide Welten haben für sich ihre Berechtigung und werden auch weiter bestehen. Eine komplette Vermischung kann schon deshalb nicht passieren, weil Wissenschaftler*innen auch an Grundlagen forschen, die noch gar nicht für eine Kommerzialisierung geeignet sind.

„In der Wissenschaft zählt der bessere Gedanke, das bessere Argument. In der Wirtschaft gewinnt oft die lautere Stimme.”

Hat die geringe Gründungsaktivität auch etwas mit den Rahmenbedingungen zu tun?

Lange Zeit wurden tatsächlich bessere Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen angemahnt. Da hat sich inzwischen viel getan: Wir haben einen besseren Zugang zu Ressourcen und Finanzierung. Es gibt mehr Formate, in denen Gründer*innen unterstützt werden, auch an Hochschulen. Aber trotzdem ging die Gründungsrate nicht nach oben. Deshalb schauen wir in unseren Studien, wie die Wissenschaftler*innen ticken. Am Ende ist die Gründung immer eine persönliche Entscheidung.

Gibt es Berührungsängste mit der Kommerzialisierung?

Definitiv. „Verkaufen müssen” ist etwas, das Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter Druck setzt. Sie müssten sich dann anders beweisen. In der Wissenschaft zählt der bessere Gedanke, das bessere Argument. In der Wirtschaft gewinnt oft die lautere Stimme.

„Forschende können Arbeitsplätze schaffen und für Wohlstand in einer Region sorgen.”

„Der Mut auch mal etwas Innovatives zu machen, bereichert meinen Beruf als Wissenschaftlerin.” Foto: Christina Wocintechchat.

Warum wäre es überhaupt wünschenswert, wenn Wissenschaftler*innen in Zukunft mehr gründen?

Wir haben so viele tolle Erfindungen! Dass wir so schnell eine Corona-Impfung verfügbar haben, ist ein Ergebnis von Wissenschaft. Ein anderes Beispiel: Das Start-up Inveox hat eine Technologie entwickelt, die verhindert, dass in der Pathologie Proben verwechselt werden. Solche Erfindungen können dazu beitragen, dass unser aller Leben besser wird. Diese Ideen helfen uns aber nicht, wenn sie in der Uni bleiben. 

Forschende sind dafür die Richtigen?

Ja. Sie haben das Rüstzeug, ein Unternehmen mit starkem Wachstumspotenzial zu gründen. Sie sind es, die ihre Erfindungen am besten verstehen. Ihre Unternehmen können volkswirtschaftlich betrachtet ein Motor sein. Sie können Arbeitsplätze schaffen und für Wohlstand in einer Region sorgen.

Was kann eine Hochschule tun, um Wissenschaftler*innen künftig den Weg in die Unternehmenswelt zu erleichtern?

Grundsätzlich sehen wir schon eine positive Entwicklung: Hochschulen haben angefangen, mehr zu tun. Gründung zu fördern, ist aber eine sehr persönliche Frage. In unserer Studie hat sich herausgestellt, dass es nicht nur um Wissensvermittlung geht oder um Informationen. Besonders effektiv sind Formate, in denen Wissenschaftler*innen, Promovierende und Studierende sich ausprobieren können. 

Wie kann das konkret aussehen?

“Besonders effektiv sind Formate, in denen Wissenschaftler*innen, Promovierende und Studierende sich ausprobieren können.” Foto: Alex Kotliarskyi. Foto: Alex Kotliarskyi.

Wir haben Makeatons beobachtet. Zwischen drei Tagen und zwei Wochen haben sich die Teilnehmenden mit ihren Ideen befasst, Prototypen entwickelt und erste potenzielle Kund*innen auf sich aufmerksam gemacht. Das ist ein spielerischer Ansatz. Danach können sich die Menschen eher vorstellen, dass eine Ausgründung eine Option ist. Hochschulen sollten nicht nur Wissen über Gründungen vermitteln, sondern vor allem den Spaß am Ausprobieren. 

„Der Mut auch mal etwas Innovatives zu machen, bereichert meinen Beruf als Wissenschaftlerin.”

Welche Rolle spielen Vorbilder dabei?

Rollenvorbilder sind wichtig, dann sehen die ganz frischen Studierenden: Es gibt Leute, die saßen vor fünf Jahren da, wo ich jetzt sitze. Und später haben sie eine Firma gegründet. Wir müssen aber darauf achten, dass sich die unterschiedlichen Studierenden auch darin wiederfinden. In unserer Studie ist aufgefallen, dass viele noch immer ein männlich geprägtes Bild vom Gründen haben. Deshalb ist es wichtig, unterschiedliche Rollenmodelle anzubieten. So bleibt der Eindruck: Dieser Gründer, diese Gründerin, ist mir einigermaßen ähnlich. Und er oder sie hat es geschafft. Dann kann ich das auch.

Nun erforschen Sie seit vielen Jahren Start-ups. Hat das Ihre Arbeit als Wissenschaftlerin geprägt?

Auf jeden Fall. Ich ertappe mich noch immer sehr oft beim perfektionistischen Denken. Dann erinnere ich mich daran, mehr zu machen, mehr auszuprobieren. Gerade auch in der Lehre. Gründen passiert sehr oft im Team und ist eher interdisziplinär. Das ist eine Herausforderung. Das eigene Fach sozialisiert, es prägt. Menschen in verschiedenen Disziplinen drücken sich unterschiedlich aus. Gründen wird leichter, wenn man das gelernt hat. Übrigens können wir das auch in der Lehre schon mitgeben. Wir können dafür sorgen, dass Studierende interdisziplinär zusammenkommen. Der Mut, auch mal etwas Innovatives zu machen, bereichert meinen Beruf als Wissenschaftlerin.

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Forschung als Show – Finanzierung live zur Primetime

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Forschung als Show – Finanzierung live zur Primetime

Foto: Vlad Tchompalov.

Im Jahr 2055 wird Forschung finanziert wie Kunst: aus Liebe am Wissen. Eine Geschichte über Nutzwert, Gewinne und Leidenschaft. 

Wissenschaftler*innen haben von der Start-up-Wirtschaft gelernt. 2055 arbeiten sie interdisziplinär zusammen, entwickeln ihre Ideen spielerisch. Nutzwert und die Lust am Wissen ergänzen sich. Die Finanzierung ist viel offener: Staaten finanzieren, was ihre jeweilige Politik unterstützen soll. Große Konzerne finanzieren, was Gewinne verspricht. Die Liebe zur Wissenschaft und die Liebe zum Leben motiviert die Menschen der Gesellschaft, in Forschungsprojekte zu investieren, die zwar niemanden reich machen, dafür aber das Leben besser. Wissenschaffende treten in Finanzierungsshows gegeneinander an und werben um Crowd-Funding für ihre Ideen.

Mit zittrigen Knien steht Marja am Aufgang zur Bühne, die Finger zur Faust gebogen. Ihre beiden Mitstreiter*innen stehen gleich hinter ihr. Die Moderatorin stimmt das Publikum ein, charmant, aber leicht übertrieben in ihrem weißen Kittel und der dicken Fensterglasbrille. Marja schielt zur Seite. Keine Zuschauer*innen sind in der großen Halle, nur Kameras, die an Kabeln durch den Raum schweben, und mittendrin eine Showrunnerin, die Anweisungen murmelt, sparsame Handzeichen gibt und gelegentlich nickt. Die Moderatorin stellt den Erben eines Softwarekonzerns vor – reich und ziemlich sediert in seinem Leben. Er sitzt hinter einer Nebelwand, aber Marja erkennt ihn aus früheren Folgen. Er ist großzügig, hat viele Projekte über die Anschubfinanzierung hinaus begleitet und mit seiner jovialen Art geholfen, die Bevölkerung zu motivieren, in Wissenschaft zu investieren. Marjas Hoffnung wächst. Ihre Angst auch.

„… Marja!”, hört sie ihren Namen. Es ist so weit. Dieser Moment entscheidet darüber, ob sie ihre Idee umsetzen kann oder sie begraben muss. Marja braucht Geld. Viel Geld, um genau zu sein, denn sie will ein neues Labor einrichten und ein interdisziplinäres Team zusammenstellen. Doch das ist bei ihren Konkurrent*innen ja nicht anders. Marja strafft sich, hält die hohle Faust locker an ihrer Seite und tritt ins Scheinwerferlicht neben die Nebelwand, hinter der der Gönner wartet.

Die Liebe zu Ideen kann die Welt verändern

„Unsere Wälder sind braun geworden”, sagt sie. Der Raum ist so still, dass ihr eigener Puls in ihren Ohren dröhnt. Marja war nie ein Bühnenmensch, sie liebt die Geräusche des Waldes und die Stille ihres Labors. Aber nun muss sie ihre Rede halten, denn viele Baumarten verenden derzeit. Schädlinge setzen sich immer mehr durch. Bäume, deren Saatgut nicht gentechnisch verändert wurde, haben kaum eine Chance gegen die Insekten, die der Klimawandel geformt hat. Aber Marja hat eine Idee. Und heute will sie die Bevölkerung überzeugen, ihre Idee zu unterstützen.

Die Liebe zur Wissenschaft und die Liebe zum Leben motiviert die Menschen der Gesellschaft, in Forschungsprojekte zu investieren. Foto: Benjamin Davies.

Sie öffnet die Hand und hört die sonst so stille Showrunnerin scharf die Luft einziehen. Die Moderatorin schreckt leise auf und weicht einen Schritt zurück. Marja unterdrückt ein Grinsen. Stadtmenschen. Ein Insekt umkreist sie, etwa so groß wie ein menschliches Auge. Marja öffnet die Hand und es landet an einer kleinen Zuckertablette.

Natürlichkeit soll Investor*innen überzeugen

„Wir haben gelernt, dass Insekten unser Feind sind, weil sie Krankheiten bringen”, sagt sie, nun ruhiger. „Aber das war nicht immer so. Insekten bestäuben unsere Blüten, damit wir Obst und Gemüse essen können. Nützlinge haben schädliche Insekten in Schach gehalten, bevor sie alle starben. Das Gleichgewicht ist verloren, aber wir können es wiederherstellen!”

Marja fasste ihren Plan schon als Schülerin. Wenn das Problem dieser Welt darin besteht, dass die Insekten aus der Balance geraten sind, dann muss man es eben wiederherstellen. Doch solche Insekten zu züchten und ihre Population zu überwachen, ist teuer. Sie braucht ein Team, sie braucht Labore, sie braucht Geld. Und nachdem sie überall abgeblitzt war, ist diese Show nun ihre letzte Chance, die Bäume auf natürlichem Weg zu retten. Und davon möchte sie auch die Investor*innen überzeugen.

Wissenschaftler*innen haben von der Start-up-Wirtschaft gelernt. 2055 arbeiten sie interdisziplinär zusammen, entwickeln ihre Ideen spielerisch. Foto: Ali Pazani.

Ideen für ein besseres und gesünderes Leben – finanziert von der Gemeinschaft

Marja tritt zur Seite. Toni, der junge Genetiker, lächelt ihr aufmunternd zu. „Stark”, formen seine Lippen tonlos. Aber bevor er sprechen darf, ist Luci an der Reihe, die dritte Konkurrentin. Luci will eine biologische KI entwickeln, die den Autoverkehr sicherer machen soll. Die gängige Mischung aus elektronischer KI und menschlichen Hobbyfahrern hat sich nicht bewährt. Beide sind zu anfällig für Fehler und Manipulation, die Todeszahlen haben sich, anders als erhofft, kein bisschen reduziert. Ihre Technologie soll das ändern. Sie kann intuitiver vorhersehen, was Menschen tun werden und sie lernt fluider, als eine Maschine es kann. Der Verkehr könnte sicherer werden.

Toni dagegen arbeitet an einem Medikament gegen das Topra-Syndrom. Diese Krankheit betrifft einige Menschen, deren Vorfahren in kühleren Regionen lebten. Sie kommen mit der Klimaerwärmung nicht zurecht. Schon an normalen Tagen schwitzen sie stark. Die Krankheit ist zwar extrem selten, aber heftig: Viele Betroffene leben isoliert, versteckt vor der reinlichen Welt und sind auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr vermittelbar. Da das Syndrom erblich ist, verarmen viele Familien. Ihre Hoffnung ruht auf der Gemeinschaft und den Forschungsprojekten der Start-ups.

Wie würden Sie entscheiden?

Nach Tonis Vortrag treten die drei Forscher*innen auf der Bühne zusammen. Sie alle wissen, dass sie eine Karriere in großen Unternehmen erwartet, wenn sie hier scheitern. Sie fallen immerhin weich. Doch eine oder einer von ihnen kann hier alles gewinnen. Eine Zukunft für seine oder ihre Idee, für den ganzen großen Traum von der Wissenschaft.

Die Moderatorin lächelt ihr breitestes Lächeln.

„So liebe Leserinnen und Leser, welche*r unserer drei charmanten Erfinder*innen darf eure Feigenblätter der Erkenntnis heben?

Ist es Kandidatin eins, Luci, die elektronische Intelligenz und animalische Menschen auf Europas Straßen durch kluge, possierliche Tierchen ersetzen will?

Ist es Kandidatin zwei, deren Insekten eure Gärten vor Fressfeinden schützen könnten?

Oder ist es Kandidat drei mit einer trockenen Pille gegen die Wehen der Neuzeit?”

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