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Kompendium: Sleep Economy

Arbeit und Freizeit verschmelzen in den mobilen Lebensentwürfen von Hannover 2030. Power-Naps werden im Spiel um Gesundheit und Geld zur neuen alten Währung

Kompendium: Sleep Economy

Künstliche Intelligenzen haben der Welt viele Verbesserungen gebracht. Gegen ein Entgelt lernen sie mit den Träumen junger Erwachsener jetzt auch emotionale Intelligenz. Ein Zukunftsblick in das Träumen im Jahre 2050.

Kompendium

Neue Formen des Lebens sowie Arbeitens und mit ihnen neue Technologien haben schon immer die Art und Weise beeinflusst, wie wir schlafen. Gleichzeitig ist unsere Nachtruhe auch unser Kapital – und das von Vorgesetzten sowie findigen Unternehmern. Ein Blick auf die Ware Schlaf zwischen Last, Leistung und Luxus.

Kompendium: Sleep Economy

Die Effizienzsteigerung von Schlaf sicherte dem frühen Menschen das Überleben – und verhalf ihm zu komplexem Denken und Kreativität, was ihn an die Spitze der Evolutionspyramide beförderte

Kompendium: Sleep Economy

Im ausgehenden 19. Jahrhundert konkurriert der Mensch mit Maschinen. Dass er noch schlafen muss, wird sein ökonomischer Schwachpunkt

Kompendium: Sleep Economy

Die Nachtruhe erfährt eine neue Wertschätzung. Neben der eigenen Leistungssteigerung wirft das auch innovative Unternehmer und mit ihnen eine ausgeschlafene Welt von Produkten auf den Markt.

Kompendium: Sleep Economy

Wie der Tiefschlaf unseren Vorfahren einen Intelligenzboost verpasste

Kompendium: Sleep Economy

Wie der Tiefschlaf unseren Vorfahren einen Intelligenzboost verpasste

Schlaf bedeutet bereits vor Millionen von Jahren kognitives und kreatives Kapital, das überhaupt erst die Grundlage für den modernen Menschen legt und so seine Überlegenheit unter den Arten sichert. Foto: Wikicommons.

Die Effizienzsteigerung von Schlaf sicherte dem frühen Menschen das Überleben – und verhalf ihm zu komplexem Denken und Kreativität, was ihn an die Spitze der Evolutionspyramide beförderte

Nach Anbruch der Dunkelheit beginnt es in den dichten Wäldern der Urzeit zu rascheln. Immer wieder starren Augen zwischen den Blättern hindurch, nähern sich Tiere ihrer potenziellen Beute: Der Homo erectus will schlafen – doch die Natur mit all ihren Gefahren ist gerade erst erwacht.

Wir schreiben das Zeitalter des Altpleistozäns, etwa vor zwei Millionen Jahren, irgendwo in Afrika oder Asien. Was müssen das für prägende Zeiten gewesen sein für unseren Vorfahren, aus dem der heutige Mensch – der Homo sapiens – vor rund 300.000 Jahren vermutlich hervorgegangen ist. Der Homo erectus ist nämlich die erste Gattung Homo, die aufrecht geht, Feuer benutzt, das Jagen kultiviert – und durch eine neue und effizientere Art des Schlafens an die Spitze der Evolutionspyramide befördert wird. Denn Schlaf wird für ihn zum kognitiven und kreativen Kapital, das überhaupt erst die Grundlage für den modernen Menschen legt und so seine Überlegenheit unter den Arten sichert.

Die vielen Wachphasen während unseres heutigen Schlafs sind auf die Notwendigkeit zurückzuführen, sich bereits vor Millionen von Jahren Nachts vor Gefahren schützen zu müssen. Foto: Pierre Yves Burgi.

Eine neue Technologie befeuert die Schlafleistung der Urmenschen

Diesen Prozess des Wandels skizziert der Neurowissenschaftler Matthew Walker in „Why We Sleep. The New Science of Sleep and Dreams“. Laut Walker hätten noch die Vorfahren des Homo erectus auf den Bäumen geschlafen. Diesem sei das durch seine neue Physiognomie mit verkürzten Armen und weniger dehnbaren Fußgelenken erschwert worden: Er wurde zum Bodenschläfer. Auf dem Erdboden war er den Gefahren der Wildnis nun allerdings ausgeliefert. Das Überleben sicherte dem Homo erectus zunächst eine neue Technologie: das Feuer, das er als Erster benutzte. Denn wilde Tiere hielt es genauso fern wie sein Rauch die Insekten.

„Trotzdem war Feuer keine perfekte Lösung“, schreibt Walker, da das Schlafen grundsätzlich eine gefährliche Angelegenheit blieb. Die Evolution habe den Schlaf laut dem Neurowissenschaftler deshalb kürzer, aber effizienter gestaltet, insbesondere durch Verstärkung der REM-Schlafphase.

REM-Schlaf als Boost für kognitive Intelligenz und Kreativität

Die REM-Phase wird mit derjenigen Schlafphase assoziiert, die beim Menschen genauso für das Träumen zuständig ist wie für den Aufbau des prozeduralen Gedächtnisses. Bedeutet: Für das Gehirn und seine Komplexität sowie Konnektivität wirkt der REM-Schlaf dabei wie ein Brandbeschleuniger aufs Feuer. Mit festem Boden unter sich und im Halbschutz des Feuers konnte der Mensch diesen „Hochqualitätsschlaf“, wie es bei Walker heißt, endlich auskosten und vertiefen: Auf dem Baum hatte er immer die Schwerkraft gefürchtet und konnte sich nie ganz dem Schlaf hingeben.

Der Homo erectus ist die erste Gattung Homo, die aufrecht geht, Feuer benutzt, das Jagen kultiviert – und durch eine neue und effizientere Art des Schlafens an die Spitze der Evolutionspyramide befördert wird. Foto: Jean-Pierre Dalbéra.

Auch andere Primaten schlummern im REM-Modus. Anders als der Mensch allerdings nur durchschnittlich 9 Prozent, bei uns Homo sapiens sind es 20 bis 25. Dass unsere Gehirne heute auf Hochtouren arbeitende Kunstwerke sind, die uns einerseits zu soziokultureller Komplexität befähigen und andererseits zu kognitiver Intelligenz, haben wir laut Walker also dem REM-Schlaf zu verdanken. So geht auf dessen Konto zudem unser emotionaler IQ als auch unsere Kreativität.

An die Spitze der Evolution

Den Zusammenhang zwischen REM-Phase und gesteigerter Kreativität bestätigt auch eine Studie von Wissenschaftlern um Sara Mednick Denise Cai von der Universität von Kalifornien in San Diego. Probanden sollten dabei Aufgaben lösen, welche Kreativität erforderten. Die Gruppe mit den Testpersonen, welche zuvor in der REM-Phase geschlafen hatten, bewältigte diese erfolgreicher.

Ausreichend REM-Schlaf wurde für unsere Vorfahren entsprechend zu einer Währung: Je mehr sie davon abbekamen, desto größer die Chancen ihres Überlebens und evolutionärer Selektion. In der Ökonomie des Schlafens liegt insofern das moderne Menschsein begründet.

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Wie die Industrialisierung den Fabrikarbeiter um den 2-Phasen-Schlaf bringt

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Wie die Industrialisierung den Fabrikarbeiter um den 2-Phasen-Schlaf bringt

Hölzerne Schlafpritschen im Arbeiterschlafsaal einer unbekannten Fabrik um 1900 herum. Foto: Wikicommons.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert konkurriert der Mensch mit Maschinen. Dass er noch schlafen muss, wird sein ökonomischer Schwachpunkt

Müde schaut er aus, auch abgeschlafft, der Mann mit Schiebermütze und hängenden Schultern. Es ist vermutlich ein Schichtarbeiter aus der Fabrik, der da gerade die Schlafkammer betritt, auf der Suche nach einem freien Bett – doch die sind alle belegt.

Die Zeichnung „Der späte Schlafbursche“ des Künstlers Heinrich Zille fängt die trostlose Stimmung gut ein, die um die vorletzte Jahrhundertwende unter der armen Bevölkerung in Berlin genauso wie in anderen wachsenden Metropolen geherrscht haben muss. Es ist die Hochphase der Industrialisierung, die Menschen treibt es vom Land in die Städte. In die allerorts aufpoppenden Fabriken mit ihren rußenden Schornsteinen und neuen Maschinen, mit denen der Mensch mithalten muss.

Das Bild eines schlafenden Arbeiters aus dem Buch “Große Männer und berühmte Frauen: Eine Serie von Feder- und Bleistiftskizzen aus dem Leben von mehr als 200 der prominentesten Persönlichkeiten der Geschichte”. Bild: H. Wallis Pinxit.

Glühbirne und Schichtarbeit diktieren die neue Schlafökonomie

Zuvor bestimmte das natürliche Licht den Schlaf des Menschen, der in zwei Phasen ruhte: eine lange Phase während der Nacht und eine kurze Phase am Nachmittag. Seit der Industrialisierung ist es die glühende Birne der Fabrik – und der Schichtplan des Vorgesetzten, der nur noch für eine Schlafschicht Platz lässt. Denn in den Werken steht nichts mehr eine Sekunde still. Außer der Arbeiter, der irgendwann ruhen muss.

So kommt es im Zeitalter der Industrialisierung zu einer echten Umwertung von Schlaf. Sicherte dieser einst als natürliches Kapital das Überleben und die Überlegenheit des Menschen, heißt die neue Ressource jetzt Geld: Jede Sekunde, die geschlafen wird, bedeutet für den Arbeiter weniger Einkommen. Und für den Fabrikbesitzer weniger Gewinn. Die Arbeitskraft wird dabei zur Ware – und Schlaf selbst zum Grundpfeiler des ökonomischen Systems.

Das Paradox von pausenloser Produktivität

Wer Müdigkeit zeigt, gilt jetzt als faul. Und dass der Mensch noch Schlaf benötigt, ist so sein größtes Manko. Viel bleibt ihm davon ohnehin nicht mehr: Um 1840 hatte eine Arbeitswoche in Deutschland sage und schreibe 83 Stunden. Im Grunde ist das ein Paradox: Eigentlich sollen die Maschinen dem Menschen doch die Arbeit erleichtern. Ausgerechnet ihre pausenlose Produktivität führt diesem jetzt seine körperliche Begrenztheit vor Augen.

Das Bild “Der späte Schlafbursche” stellt den gestörten Schlaf eines Schichtarbeiters da. Bild: Heinrich Zille.

Zumindest wird das Bett in der Industrialisierung zum Massenprodukt und insofern erschwinglicher; auf hartem Grund muss nun nicht mehr genächtigt werden. Dafür schießen die Preise für Wohnraum in die Höhe. Denn durch die Massen an Landflüchtlingen wird dieser Mangelware.

Flexible Bettnutzung als Vorläufer von Airbnb

Die Hochphase der Industrialisierung ist insofern auch die Zeit der sogenannten Schlafburschen und Schlafmädchen: meistens Schichtarbeiter und Schichtarbeiterinnen ohne Familienanhang, die Betten nur für wenige Stunden mieten, während die Hauptmieter selbst bei der Arbeit sind. Mitunter werden die Schlafmöglichkeiten mehrfach gebucht – mit jedem Schichtwechsel von jemand anderem.

Schlaf geht somit gleich zweimal im wirtschaftlichen System auf: einerseits in dessen Relation zur Lohnarbeit, andererseits, indem eine dritte Partei am menschlichen Bedürfnis des Schlafens mitverdient. Des einen Rast wurde so des anderen Zubrot. Eigentlich steckt darin schon eine frühe Form von flexibler Wohnraumnutzung im Hallraum von Kapselhotel und Airbnb.

Zum ausklingenden 19. Jahrhundert veränderte sich jedenfalls nicht nur grundlegend die Art der Arbeit, sondern auch die des Schlafens: Im Prinzip wurde hier schon der Grundstein der immer flexiblen „Always on“-Gesellschaft mit ihrem Ideal des ewig arbeitenden Managers gelegt, der erst dann schläft, wenn er tot ist – die Maxime des 20. Jahrhunderts.

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Schlaf als Luxusware

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Schlaf als Luxusware

Wer dauerhaft müde ist, arbeitet schlechter. Eine unbequeme Wahrheit für unsere leistungsorientierte Gesellschaft. Foto: Oura.

Die Nachtruhe erfährt eine neue Wertschätzung. Neben der eigenen Leistungssteigerung wirft das auch innovative Unternehmer und mit ihnen eine ausgeschlafene Welt von Produkten auf den Markt.

Es ist fast Mitternacht und das letzte Zoom-Meeting über zwei Kontinente und zig Zeitzonen hinweg geht gerade zu Ende. Am nächsten Morgen um fünf Uhr hebt der Flieger nach Japan ab, drei Tage Konferenz, danach gleich nach Mailand, eine Woche Messe, dazwischen Pitches und Projektabgaben. Die größte Angst? Hoffentlich kann man gleich gut schlafen! Warum nicht zu einem der neuen Helfer greifen: Sleep-Tracker, Aromasprays oder optimierte Matratzen.

Willkommen in der Sleep Economy: In einer vernetzten Welt mit ihren flüssigen Lebensstilen ist Schlaf selten und daher zur kostbaren Ware geworden. Laut dem Wissenschaftsmagazin der Uni Bern hat die Schlafdauer in den industrialisierten Ländern im letzten Jahrhundert um ungefähr 2,5 Stunden auf weniger als sieben Stunden pro Nacht abgenommen. Rund ein Drittel der Arbeitnehmer und unter den Flex-Beschäftigten sogar etwa 40 Prozent leiden laut einer Studie der Techniker Krankenkasse zugleich an schlechter Schlafqualität. Niemals zuvor wurde deshalb die Nachtruhe so bewusst reflektiert, diskutiert und auch monetarisiert wie heute.

Apps wie Sleep Cycle, mit der man die Effizienz seines Schlafs messen kann, gehören fast schon zur App-Grundausstattung. Foto: Brett Jordan.

Die neue Schlafindustrie

Längst hat sich um die Welt des Schlafens eine neue lukrative Industrie entwickelt, welche mit einer Vielfalt von Produkten sowie Anwendungen den Schlaf optimieren und ästhetisieren möchte. Die Zeiten, in denen Erfolg und Einkommen mit dem Typus des niemals schlafenden Managers gleichgesetzt wurden, sind damit vorerst vorbei. Das liegt auch an einer gesteigerten Wertschätzung gegenüber Gesundheit und Wellness. Denn mittlerweile weiß man: Wer regelmäßig zu wenig schläft, ist einem höheren Risiko für ernst zu nehmende Folgeerscheinungen ausgesetzt, von Herz-Kreislauf-Problemen bis hin zu Depressionen oder Übergewicht. Und da wäre die Sache mit der Leistung: Wer dauerhaft müde ist, arbeitet schlechter.

„Auch die breite Gesellschaft wird Schlaf als wichtiges Instrument zur Leistungsoptimierung entdecken. Ausreichend und guter Schlaf wird zum Schlüsselfaktor für Erfolg“, heißt es bereits 2014 in der Studie „Die Zukunft des Schlafens“ des Gottlieb Duttweiler Instituts. Und: „Zu erwarten ist deshalb ein Boom von Produkten und Dienstleistungen, die dem Schlaf förderlich sind.“ Längst sind die Prognosen eingetroffen.

Wie lang ist die absolute Schlaf- und Einschlafzeit, wie hoch die Effizienz? Mit Wearables wie dem Ring Oura lässt sich der Schlaf tracken und optimieren. Foto: Oura.

Schlafoptimierung mit Software und Hardware

Da wäre einerseits die eingangs erwähnte technische Welt. Apps wie Headspace bieten Meditationen, Schlafmusik, Klangwelten und sogenannte „einzigartige Audioerlebnisse“ für ein besseres Einschlafen. Mit Wearables wie dem Ring Oura lässt sich der Schlaf tracken und optimieren. Wie lang ist die absolute Schlaf- und Einschlafzeit, wie hoch die Effizienz? Und wie verhält sich die Herzfrequenz? Die vom Ring gesammelten Daten werden an die dazugehörige App vermittelt und ausgewertet.

Gleichzeitig gibt es da auch die „softe“, ästhetische Welt des schönen Schlafs. Vom entspannenden Kopfkissenspray über den CBD-Tee zum Einschlafen bis hin zu einem der unzähligen Matratzen-Startups, die es geschafft haben, aus einem zuvor primär medizinischen Produkt ein begehrliches Lifestyle-Objekt zu machen. Selbst Pyjamas sind heute so edel, dass man sie nicht nur im Bett, sondern sogar auf der Straße tragen könnte. Denn wo Schlaf zum Luxus wird, kommt er eben nicht ohne entsprechende Statussymbole daher.

Ökonomische und gesundheitliche Weitsicht

Die Sleep Economy ist dennoch mehr als ein modischer Trend: Wo Schlafmangel zu einer echten gesundheitlichen Bedrohung wird, tut man gut daran, Mittel und Wege zu finden, um die Schlafqualität langfristig zu verbessern. Dass von einem erholsamen Schlaf ferner andere Parteien profitieren, lässt sich trotzdem auch kritisch betrachten. Denn für die Ökonomie ist Schlaf heute natürlich mehrfach relevant. Einerseits wird er dem Arbeiter der Leistungsgesellschaft zum Kapital – andererseits haben Unternehmer eben längst erkannt, dass sich mit dem Bedürfnis Geld machen lässt.

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Work-Life-Sleep-Balance oder die Rückkehr des Power-Naps

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Work-Life-Sleep-Balance oder die Rückkehr des Power-Naps

Früher verpönt und 2030 ein muss für Effizienz: Der Power-Nap. Foto: Hernan Sanchez.

Arbeit und Freizeit verschmelzen in den mobilen Lebensentwürfen von Hannover 2030. Power-Naps werden im Spiel um Gesundheit und Geld zur neuen alten Währung.

Auf dem Weg in die Mittagspause möchte Eva an der Juice-Bar haltmachen, um sich einen gesunden Drink zu holen – stellt dann aber doch fest, dass sie eigentlich ziemlich müde ist. Soll sie sich besser hier in einer der angeschlossenen Nap-Kabinen noch einmal hinlegen, einen der temporären Sleep-Container buchen, von denen es in der Innenstadt immer mehr gibt, oder vielleicht den autonomen Schlafbus nehmen, der sie on demand abholt und bis zu ihrem Arbeitsplatz fährt? Vielleicht schläft sie auch einfach im Office noch ein wenig. Ihre Vorgesetzte hat sie schon oft dazu ermuntert, die Power-Pods mehr zu nutzen. Schließlich hält sie das ebenso gesund und gut gelaunt wie leistungsstark und effizient. Ausgeschlafen bringt sie ihr schon aus ökonomischen Überlegungen am meisten.

Power-Naps werden 2030 im Spiel um Gesundheit und Geld zur neuen alten Währung. Foto: Kuo Chiao.

Brave New Sleep Economy

Es ist 2030 und Hannover ist die erste Stadt, welche als Pilotprojekt die Agenda „Work-Life-Sleep-Balance“ der Europäischen Union umgesetzt hat. Auf Drängen der WHO und mit Unterstützung der Bill & Melinda Gates Foundation wurde die Verbesserung von Schlaf vor einigen Jahren als eines der dringendsten Ziele ganz oben auf das Programm der EU gesetzt – Optimisten meinten, weil die Regierungen endlich verstanden hätten, dass guter Schlaf die beste Gesundheitsprävention für die Bevölkerung ist. Zyniker bemerkten, diese hätten sich nur ausgerechnet, was das überlastete Gesundheitssystem dadurch an Milliarden einsparen kann – und was für neue Märkte sich mit der Optimierung des Schlafs auftun würden.

Schöne neue Schlafökonomie? Eva selbst hat von Anfang an beide Seiten verstehen können und ist heute nur noch überrascht, wie schnell sie sich an ihr neues hyperflexibles Leben gewöhnt hat. Längst schläft sie so mobil, wie sie arbeitet und ihre Freizeit verbringt. Sie genießt es, ihr Leben genau so zu gestalten, wie sie möchte. Den neuen Napping-Providern, welche die New Sleep Economy und das mobile Schlafen im öffentlichen Raum überhaupt erst möglich gemacht haben, ist sie eher dankbar.

Unternehmen wie Metronaps überzeugen mit mobilen Schlaflösungen wie den „Metropod“, ein Daybed irgendwo zwischen Liege und Space-Kapsel. Foto: Metronaps.

Power-Naps als Pflichtprogramm

Früher nahm sie ihre Arbeit mit nach Hause. Heute schläft sie dank Unternehmen wie Metronaps, das mobile Schlaflösungen wie den „Metropod“, ein Daybed irgendwo zwischen Liege und Space-Kapsel, entwickelt hat, eben im Büro. Ohnehin kehrt der Mensch so zum 2-Phasen-Schlaf zurück, welcher evolutionär betrachtet der natürliche Rhythmus für ihn ist.

Dass Power-Naps tatsächlich von Vorteil sind, hatten schon vor zig Dekaden Studien qualifiziert und quantifiziert. Eine verbesserte Gedächtnisleistung, eine höhere Kreativität, eine verkürzte Reaktionszeit, weniger Fehleinschätzungen: Der Schlaf zwischendurch steht mittlerweile in Stundenplänen von Schulkindern genauso wie in den meisten Arbeitsverträgen – und die Einhaltung wird staatlich kontrolliert. Mitarbeiter können ihre Vorgesetzten melden, wenn sie ihnen nicht ausreichend Ruhezeiten und -orte zur Verfügung stellen. Das klappt erstaunlich gut.

Darüber, dass sie sich nicht ausreichend Napping-Zeit nimmt, braucht man sich zumindest bei Eva keine Gedanken zu machen. Heute entscheidet sie sich für die Nap-Kabine an der Juice-Bar.

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Wird der Traumschlaf irgendwann zum Nebenjob

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Wird der Traumschlaf irgendwann zum Nebenjob

Im Jahr 2050 lernen KI's mit den Träumen junger Erwachsener gegen Entgelt jetzt auch emotionale Intelligenz. Foto: Tom Robertson.

Künstliche Intelligenzen haben der Welt viele Verbesserungen gebracht. Gegen ein Entgelt lernen sie mit den Träumen junger Erwachsener jetzt auch emotionale Intelligenz. Ein Zukunftsblick in das Träumen im Jahre 2050.

Ada ist müde. Die ganze Nacht hat sie durchgetanzt – und gleich fängt sie direkt zu arbeiten an. Vom Club zum Nebenjob: Für die 18-Jährige sind das allerdings gute Aussichten.

Gerade hat Ada ihr Abitur gemacht, Abi 2050, ein guter Jahrgang. Bald fängt sie zu studieren an und zieht aus, die Zeit dazwischen will sie vor allem für zwei Dinge nutzen: Feiern und Geldverdienen. Weil sich beides nicht unbedingt miteinander verträgt, hatte sie schon etwas Bedenken gehabt, einen Job zu finden, bei dem sie sich nicht bereits vor Studienstart total auspowert. Insbesondere seit sie gelesen hatte, dass Jugendliche und junge Erwachsene besonders viel Schlaf brauchen, ihn sich aber am wenigsten nehmen.

Schlafen als Nebenjob: 2050 verfüttert die Schülerin Ada ihre nächtlichen Träume für Geld an eine KI. Foto: Joshua Rondeau.

Nebenjob: Traumjob

Tatsächlich hatte sie Glück gehabt: Eine Anzeige, die zunächst nur in einem kleinen wissenschaftlichen Magazin veröffentlicht wurde, aber schnell weltweit viral ging, suchte 18-Jährige von egal woher, die als Nebenjob eines tun sollten – schlafen!

Das Ganze entpuppte sich als spannendes wissenschaftliches, dabei ungefährliches Experiment: Während des Schlafens sollten die Probanden per Sensoren Daten an einen Computer senden, um mit diesen eine künstliche Intelligenz zu füttern.

Noch vor nicht allzu langer Zeit hatten die Menschen KI misstraut, da sie dachten, die Maschinen könnten sie zukünftig ersetzen. Doch bislang hat sich die Technik in vielen Bereichen eher als Fortschritt für die Menschheit entpuppt: Mit ihrer Hilfe konnten in vielen Industrien Arbeits- und Produktionsprozesse zugunsten eines humaneren Unternehmertums sowie einer gesünderen Umwelt optimiert werden. Auch in der Raumfahrt hat KI die Menschheit im wahrsten Wortsinn in Lichtgeschwindigkeit nach vorne gebracht.

Emotionale Intelligenz durch Träume lernen

Trotz vieler Versuche hatte die künstliche Intelligenz eines aber noch nicht gelernt: die emotionale Intelligenz. Da diese insbesondere das Sozialverhalten bestimmt und damit einen erheblichen Teil des Menschseins ausmacht, ist sie nicht uninteressant: Vor allem die Frage, warum es in einer annähernd gerechten Welt, wie sie 2050 vorherrscht, immer noch zu Missgunst gegenüber anderen kommen kann, könnte damit vielleicht geklärt werden. Das machte die Menschen nicht unbedingt besser – würde aber womöglich neue Impulse für Lösungsansätze geben.

Das Wissen, dass die Entwicklung von emotionaler Intelligenz maßgeblich in der REM-Schlafphase – in der Traumschlafphase – passiert, ist alt. Spätestens seit die Optimierung der Traumphase als offizielle Behandlungsmethode für Traumapatienten in den 2020er-Jahren populär wurde, ist der Zusammenhang im Allgemeinwissen aufgegangen. Nur war wohl bislang keiner darauf gekommen, KI mit Träumen zu füttern.

Das Bett als Arbeitsplatz

Ada, die den Job per Losverfahren gewonnen hatte, ist stolz, an der Sammlung von Daten teilzunehmen. Zu Hause angekommen legt sie sich sofort hin, klebt nur noch kurz die zwei kleinen Sensoren auf ihre Stirn und schläft bald ein. Ihr letzter Gedanke: „Mal sehen, was ich heute träume.“

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