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Ethan / CC
Short Q

Der lange Weg zur finanziellen Unabhängigkeit der Frau

Am 8. März wird in 29 Ländern weltweit der internationale Frauentag gefeiert. Seit dem ersten Weltfrauentag in Deutschland 1911 hat sich bei der Gleichstellung der Geschlechter viel getan. Wir haben speziell einen Blick auf die Entwicklung der finanziellen Unabhängigkeit der Frau geworfen.

Kein eigenes Konto anmelden dürfen? Den Ehemann um Erlaubnis bitten um arbeiten zu gehen? Gesetzlich gezwungen sein den Haushalt zu führen? Dass solche restriktive Gesetze das Leben und den Alltag von Frauen bis in die 70er Jahre bestimmt haben, scheint heutzutage absurd.

Mit einer Frau als Bundeskanzlerin, Frauen als erfolgreiche Gründerinnen und sogar eine Frau als Nobelpreisträgerin für Wirtschaftswissenschaften, scheinen diese Zeiten der Vergangenheit anzugehören. Aber genau diese Vergangenheit ist dafür verantwortlich, dass auch heute die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen eine wichtige Thematik ist. Wir haben die historischen Meilensteine und die derzeitige Situation von Frauen und Finanzen in Deutschland näher beleuchtet.

Die Geschichte der finanziellen Unabhängigkeit

Der Internationale Frauentag wurde von den sozialdemokratischen Frauen als Kampftag für das Frauenwahlrecht eingeführt. Nach zähen Debatten erlangten Frauen 1919 nicht nur endlich das Recht zu Wählen, auch die männlichen Vormundschaft wurde gelockert. Von nun an brauchten Frauen bei einigen wichtigen Entscheidungen keine Rücksprache mit Ihrem Ehemann oder Vater mehr zu halten. Mit dem Frauenwahlrecht zogen 1920 motiviert 111 weibliche Reichstagsabgeordnete ins Parlament, die in den darauffolgenden Jahren einige Frauenrechte etablierten. Darunter beispielsweise den Mindestlohn und die Sozialversicherung für die heimarbeitende Frau.

Nachdem im Nationalsozialismus die Frau schnell wieder an den Herd sollte, wurde nach dem Krieg die Frau für viele Berufsfelder dringend gebraucht. Viele Frauen waren in diesem Zeitraum auf einmal die alleinigen Ernährer der Familie, da die Männer entweder in Kriegsgefangenschaft oder dem Krieg zum Opfer gefallen waren. Und so packten die Frauen an und bauten aus den Trümmern der Nachkriegszeit ein neues Land wieder auf. Der größte frauenrechtliche Meilenstein wurde im Zuge des Wiederaufbaus der BRD 1949 erreicht, als in der Ausarbeitung des Grundgesetzes der Satz “Männer und Frauen sind gleichberechtigt” aufgenommen wird. Die Realität spiegelte den Beschluss allerdings noch nicht wieder. Erst 1958 trat ein Gleichberechtigungsgesetz in Kraft, dass den Letztentscheid des Mannes in Vermögensfragen aufhob. So konnten Frauen endlich ihr eigenes Konto eröffnen und so ihr Geld selbstständig verwalten. Zuvor war es der Verwaltung und Nutzung ihres Ehemannes unterworfen. Er durfte so auch über ihr Gehalt verfügen, sofern er ihr überhaupt erlaubte arbeiten zu gehen. Denn gesetzlich waren Frauen verpflichtet den Haushalt zu führen und nur für die Aufbesserung des Familieneinkommens erwerbstätig zu werden. An Arbeit und Einkommen als eigenständige Lebensperspektive war damals noch nicht zu denken. Das änderte 1977 schließlich das Gesetz zur Reform des Ehe- und Familienrechts. Danach stieg die Zahl der Frauen in der Verwaltung und Industrie stetig an. Letztlich gelang 1980 das Recht auf Gleichbehandlung am Arbeitsplatz und ein gleiches Gehalt gesetzlich im BGB zu verankern. Ein Verfassungsideal, an dem bis heute gearbeitet wird.

Die Frau war in den Anzeigen der 60er vor allem in der Küche. Foto: Ethan / CC

Die finanzielle Unabhängigkeit der Frau heute

Heute sind in Deutschland so viele Frauen erwerbstätig wie nie zuvor. Dennoch verdienen sie laut einer aktuellen Analyse 21 Prozent weniger als Männer. Trotz gelockerter gesellschaftlicher Konventionen hat das auch damit zu tun, dass Hausarbeit und Kindererziehung größtenteils immer noch in den Aufgabenbereich der Frau fallen. Sie sind dadurch häufiger in Teilzeit beschäftigt und steigen selten in höhere Positionen auf. Außerdem sind Frauen in Gehaltsverhandlung nicht so mutig wie Männer. Allerdings beschäftigen sich zunehmend mehr Frauen mit ihrer eigenen finanziellen Unabhängigkeit. Es verfügen heute über 95% der Frauen in Deutschland über ihr eigenes Bankkonto, 2008 waren es noch 89%. Dennoch fällt heute der geringere Verdienst der Frau schwer ins Gewicht. Die Rente unter Frauen fällt durch familienbedingte Karriere Lücken, sowie Teilzeit- oder Heimarbeit sehr gering aus. Letztes Jahr erhielten Frauen mit durchschnittlich 835 Euro Rente monatlich erneut 21 Prozent weniger Rente als Männer. Die traurige Gewissheit: Frauen sind heute und in Zukunft akut von Altersarmut bedroht. Unterm Strich müssen noch einige Schritte vollzogen werden, um von einer absoluten Gleichstellung zu sprechen. Dafür ist wichtig, dass Frauen vergleichbare finanzielle und berufliche Möglichkeiten bekommen wie Männer.

Von Frauen für Frauen: Tipps für den Weg in die finanzielle Unabhängigkeit

Obwohl viele Frauen in ihrer Familie die Finanzen regeln, verlieren sie oft ihre eigene Altersvorsorge aus den Augen. Dabei leben sie statistisch gesehen länger als Männer. Im Zuge der Digitalisierung der Medienlandschaft haben sich auch im Finanzberatungsektor spannende Formate wie Blogs, YouTube-Channel und Foren entwickelt, die Frauen bei ihren Fragen bezüglich Finanzthemen  unterstützen. So sind Wissensnetzwerke, speziell von Frauen für Frauen entstanden.

Besonders erfolgreich sind Finanzblogs wie Madame Moneypenny von Natascha Wegelin oder Fortunalista von Margarethe Honisch. Sie geben ihren Leserinnen hilfreiche Tipps zur finanziellen Unabhängigkeit an die Hand und vernetzten Leserinnen miteinander für gemeinsamen Austausch. Auch beim Blog Kleingeldhelden gibt es viele hilfreiche Tips für Frauen und Finanzen. In ihrem Überblick zum Weltfrauentag stellen die Kleingeldhelden viele spannende Studien vor und haben zwei Beraterinnen aus dem Quartier Zukunft interviewt. 

Die Message ist klar: Die politische Unabhängigkeit der Frau geht mit ihrer finanziellen Unabhängigkeit einher. Frauen werden sich zukünftig in Finanzthemen ebenso sicher fühlen wie Männer. Denn sich um die eigenen Finanzen zu kümmern ist eben längst keine “Männersache” mehr, sondern der Weg in eine selbstbestimmte und finanziell sorgenfreie Zukunft für die Frau.

Mehr spannende Workshops zum Thema finanzielle Unabhängigkeit gibt es auch bei der Deutschen Bank.

Headerfoto:Ethan / CC