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Short Q

Diese Apps helfen gegen Lebensmittel-Verschwendung

In Deutschland werden jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet. Darauf will die Politik bis 2030 mit Maßnahmen reagieren. Lebensmittel-Aktivisten finden das ist viel zu spät und haben nun selbst digitale Lösungen erfunden.

Letztes Jahr bezifferte der WWF das Ausmaß der jährlichen Lebensmittelverschwendung entlang der Wertschöpfungskette in Deutschland auf 18 Millionen Tonnen. Ein erschreckendes Ergebnis, bei dem man sich fragt, wer für diese Zahl verantwortlich ist. Bei näherer Betrachtung des Problems sind private Verbraucher noch am wenigsten schuld, denn die größte Verantwortung trägt tatsächlich die Lebensmittelindustrie selbst. Dort werden nachweislich die meisten Lebensmittel während der Produktion, Verarbeitung und Lagerung weggeschmissen. Bräunliche Stellen an der Bananenschale und lustig verformte Karotten im Supermarkt? Bisher undenkbar. Durch Nonkonformität, wie verwachsenem Gemüse, und Schädigung der Lebensmittel durch schlechte Lagerung schaffen es viele Produkte gar nicht erst in die Supermarktregale. Auch dort werden viele Lebensmittel durch ein Überangebot nicht verkauft, sondern weggeschmissen. Als letztes Glied in dieser Kette lassen wir als unachtsame Verbraucher das Essen häufig durch schlecht geplante Einkäufe und die Überschreitung des Ablaufdatums verkommen. Für viele ist unklar, welche weitreichenden Folgen das mit sich zieht. Denn dabei werden werden nicht nur wertvolle Ressourcen und Arbeitskräfte vergeudet, sondern durch Anbau, Transport und Verarbeitung auch unnötige Emissionen verursacht.

Quelle: WWF / Infografik / Anita Drbohlav

Die Apps zur Lebensmittelrettung: Too Good To Go, Olio und ResQ Club

Der Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung entstand parallel zur industriellen Nahrungsmittelproduktion. Bereits seit Jahrzehnten zeigen Aktivisten mit Containern oder Mülltauchen die Missstände der Verschwendung auf.  Die schiere Masse der noch genießbaren Lebensmitteln in den Mülltonnen vor Supermärkten und Lebensmittelfabriken ist für Aktivisten ein Missstand der durch ihre Aktionen publik gemacht wird. Da Containern in Deutschland mittlerweile gesetzlich verboten ist, wurden für die Rettung von Lebensmittel mehrere clevere, digitale Lösungen gefunden.

Voll gefüllte Supermarktregale, doch viele Lebensmittel schaffen es nicht in unsere Kühlschränke. Foto: Sylvia Zhou.

So entstand in den letzten Jahren deutschlandweit ein digitaler und dezentraler Zusammenschluss von Menschen, die Lebensmittel vor der Verschwendung bewahren wollen. Apps wie Olio geben uns Verbrauchern die Möglichkeit, Lebensmittel, die wir voraussichtlich nicht essen werden, vor der Tonne zu bewahren und über die App an andere Nutzer aus dem Umkreis abzugeben. Über die Olio App wurden weltweit bereits über 1 Million Essensportionen vermittelt und das in 49 Ländern. Dabei ist die einfache Anmeldung und Bedienung ein großer Vorteil. Die Apps ResQ Club und Too Good To Go haben es sich dagegen zur Aufgabe gemacht, die Lebensmittelverschwendung in Betrieben wie Hotels Restaurants, Cafés und Lebensmittelgeschäften zu reduzieren. Dabei hat beispielsweise Too Good To Go weltweit bereits 11 Millionen Portionen Essen vor der Tonne gerettet. Nutzer können so vergünstigt überschüssiges Essen von registrierten Unternehmen kaufen, das andernfalls weggeworfen wird. Auf diese Art werden bereits mehrere tausend Portionen monatlich “gerettet” – alles dank einer aktiven und motivierten Community.

Die Nutzung dieser Apps muss zur Gewohnheit werden

Kurz seinen Instagram-Feed checken, Nachrichten bei Whatsapp abrufen und die Angebote bei Olio überfliegen. Wie jede Neuerung, die Veränderung schaffen soll, muss auch die Nutzung von Apps zur Rettung von Lebensmittel erst in unseren Alltag integriert und zur Gewohnheit gemacht werden. Das einzige, was uns daran hindert gerettete Lebensmittel zu essen, ist die Gewohnheit, ständig neue zu kaufen. Und wenn das Smartphone schon unerlässlich unsere Aufmerksamkeit einfordert, können wir dieses Tool auch mal für etwas Gutes einsetzen. So wie das morgendliche Aufrufen unserer Emails und das Überfliegen der Nachrichten kann auch der regelmäßige Blick auf Angebote der genannten Apps zum Ritual werden. Was die Politik von Oben anstoßen will, können wir mit einer motivierten Community einfach schon mal selbst in Angriff nehmen.

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