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Kompendium: Conscious Consumerism

Bereits in der Steinzeit sollen Jäger und Sammler einem spirituellen Glauben gefolgt sein, nämlich dem Animismus. Daran glauben indigene Völker bis heute.

Kompendium: Conscious Consumerism

Hochwertige Materialien wurden Anfang des 20. Jahrhunderts vom Kunststoff abgelöst. Mit der Ölpreiskrise kam das Drängen auf mehr Nachhaltigkeit.

Kompendium: Conscious Consumerism

Vier Menschen zeigen auf, wie Conscious Consumerism aussehen kann und wie bewusste Konsumentscheidungen mehr verändern als das eigene Leben.

Kompendium: Conscious Consumerism

Das direkte Investment in nachhaltige Unternehmen gewinnt immer mehr an Zuspruch und in der Finanzbranche zeichnet sich ab, dass grüne Investitionen der neue Standard werden können.

Kompendium: Conscious Consumerism

Im Jahr 2080 sucht Ava für ihre Hochzeit ein Kleid. Dabei stellt sie fest, dass selbst ihr Hochzeitskleid eine bewusste Konsumentscheidung sein muss.

Kompendium

Jäger- und Sammlervölker konsumierten nachhaltig und bewusst. Mit der Entwicklung moderner Gesellschaften verloren die Menschen jedoch den Bezug zum Produkt. Aus dem bedürfnisorientierten Verbrauch entwickelte sich Luxuskonsum, der nun eine Bedrohung für den Planeten darstellt. Heutige Konsument*innen sind deshalb in der Verantwortung. Der Conscious Consumerism ist da und wirft die Frage auf: Können bewusste Konsumentscheidungen die Welt retten?

Kompendium: Conscious Consumerism

Fleisch in der Steinzeit – Kein Konsum ohne Spiritualität

Kompendium: Conscious Consumerism

Fleisch in der Steinzeit – Kein Konsum ohne Spiritualität

Die Darstellungen einzelner Lebewesen ohne szenischen Kontext sollte ein Hinweis darauf sein, dass es weniger um künstlerische Abbildungen ging, als vielmehr um die Einflussnahme auf bestimmte Tiere. Foto: Thomas Quine.

Bereits in der Steinzeit sollen Jäger und Sammler einem spirituellen Glauben gefolgt sein, nämlich dem Animismus: Allen Naturerscheinungen wohnte demzufolge eine eigene Seel inne. Diese spirituelle Verbundenheit zeigte sich vor allem bei der Jagd, denn das Töten eines Tieres stand in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Glauben an eine höhere Instanz, die einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen sicherstellte. Etwas, woran auch heute noch indigene Völker festhalten.

Im 19. Jahrhundert beschäftigte sich der britische Anthropologe Edward Burnett Tylor mit der Entwicklung von Religionen. Seine damals radikale Theorie der soziokulturellen Evolution veröffentlichte er 1871. In ihr beschreibt Tylor den animistischen Glauben der Jäger und Sammler der Steinzeit  an eine beseelte Natur. Diese animistische Primärreligion leitet sich vom Lateinischen animus ab, das für „Seele“ und „Geist“ steht. 

Laut dem Animismus entspricht die spirituelle Welt auch der realen Welt. Anders ausgedrückt: Während wir heutzutage vor dem Schlafengehen eine halbe Stunde meditieren, um den Stress des Arbeitstages zu verarbeiten, gab es bei den Steinzeitvölkern keine Trennung von Alltag und Spiritualität. Durch die Allbeseeltheit natürlicher Dinge traf man den ganzen Tag auf einen Austausch zwischen den Welten. Auch und vor allem bei der Jagd.

Tiere zu jagen war notwendig, um zu überleben. Da man sich jedoch der Seele eines jeden Lebewesens bewusst war, schloss das Töten eben dieser auch bestimmte (Vergebungs-) Rituale mit ein. Foto: Pikist.

No prayers, no meat

Tiere zu jagen war notwendig, um zu überleben. Da man sich jedoch der Seele eines jeden Lebewesens bewusst war, schloss das Töten eben dieser auch bestimmte (Vergebungs-) Rituale mit ein. In der animistischen Primärreligion glaubte man an den „Herrn der Tiere“, dessen Segen für das eigene Jagdglück unabdingbar war. Neben Geschenken und Ritualen wie Beschwichtigungszeremonien war es in manchen Völkern auch üblich, dass ein lokaler Geisterbeschwörer Kontakt zum Tiergott aufnahm. 

Spannend daran ist vor allem das Bewusstsein über die Endlichkeit von Ressourcen und der Respekt gegenüber dem Tier, denn die Völker hielten sich an die Regel, nur so viele Wildtiere zu jagen, wie absolut notwendig für die Gruppe waren. Der kollektive Besitz stand über dem eigenen. Wer gegen die Maßregelung verstieß, dem drohte eine Bestrafung von oben. Doch laut Tylor entwickelten animistisch geprägte Jäger und Sammler mit der Zeit den Glauben daran, selbst Einfluss auf die religiösen Gesetzmäßigkeiten nehmen zu können.

Höhlenmalereien und Fruchtbarkeitszauber

Der französische Archäologe Salomon Reinach und der Prähistoriker Henri Breuil verwiesen diesbezüglich auf das Mysterium der Höhlenmalereien, insbesondere auf den großen Anteil der Darstellungen einzelner Lebewesen ohne szenischen Kontext. Diese sollen ein Hinweis darauf sein, dass es weniger um künstlerische Abbildungen ging als vielmehr um die Einflussnahme auf bestimmte Tiere. Reinach und Breuil nannten diese Vorgehensweise den „Jagd- und Fruchtbarkeitszauber“. Die Zeichner*innen sollen daran festgehalten haben, durch die Darstellung einzelner Tiere deren Fruchtbarkeit und damit deren Bestand zu sichern. Eine direkte Kontaktaufnahme zum „Herrn der Tiere” oder der Glaube an eigene magische Kräfte? Das weiß niemand so genau. 

Hier stehen Kühe in Massentierhaltung dicht gedrängt, während stählerne Vorrichtungen sie in der Position zum Fressen halten. Foto: Pxhere.

Von der spirituellen Jagd zur unreflektierten Massentierhaltung

Der Wunsch nach Einfluss und Kontrolle stellte damals noch keine Bedrohung für den Planeten dar. Die Jäger- und Sammlervölker der Steinzeit wussten, dass sie von einem guten Zusammenspiel mit der Natur abhängig waren. Sie suchten ihre Lösungen in der Spiritualität, denn die Ehrfurcht vor der Natur mit all ihren Geistern, die sie bewohnten, war groß.  

Eine natürliche und nachhaltige Lebensweise wurde jedoch durch die Entwicklung moderner Gesellschaften vielerorts verdrängt. Die Menschen wurden sesshaft und wollten ihrem Essen wortwörtlich nicht mehr hinterherrennen. Für die meisten ist es heute selbstverständlich, dass Fleisch im Supermarkt immer verfügbar ist und es sich dabei um kein Luxusgut handelt – die Massentierhaltung macht die Maßlosigkeit des unreflektierten Konsums möglich. 

Trotzdem leben auch heute noch abseits der Zivilisation indigene Völker auf den Spuren ihrer Vorfahren. Ihre Demut gegenüber der Natur sowie ihre nachhaltige Lebensweise könnte uns vor allem jetzt, in Zeiten der Klimakrise, Impulse, Inspiration und Wissen geben.

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Kompendium: Conscious Consumerism

Life in plastic, it’s (not) fantastic

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Life in plastic, it’s (not) fantastic

Eine Auswahl der Produkte des Kartell-Flagstores in Wien. Foto: Kartellpeople.

Hochwertige Materialien wurden Anfang des 20. Jahrhunderts in vielerlei Hinsicht vom Kunststoff abgelöst. Selbst Designobjekte waren aus Plastik und plötzlich für jedermann erschwinglich. Doch der Hype um das Material hielt nicht lange an. Mit der Ölpreiskrise kam das Umdenken vieler Konsument*innen und das Drängen auf mehr Nachhaltigkeit.

Wie Zelluloid zeitweise Elefanten rettete

Bis ins 19. Jahrhundert wurden Billardkugeln vor allem aus Elfenbein hergestellt. Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, denn Billard war in den USA schon damals ein Volkssport, was zur Folge hatte, dass sehr viel Elfenbein benötigt wurde. Der Bezug zur Ressource war vollkommen verloren gegangen. Als man sich der Endlichkeit dessen bewusst wurde, schrieb der amerikanischen Hersteller Phelan & Collender einen Wettbewerb aus. Dieser rief dazu auf, ein besseres Material für die Kugeln zu entwickeln. John Wesley Hyatt stieß bei seinen chemischen Versuchen auf Zelluloid, einen Kunststoff, der ihm 1869 ein Patent einbrachte und eine zeitlang zur Herstellung von Billardkugeln verwendet wurde. Zelluloid fand daraufhin in mehreren Bereichen Verwendung und ebnete gleichzeitig den Weg für weitere Kunststoffe. 

Tübinger Studenten beim Billiardspiel an einem großen Billiardtisch Anfang des 19. Jahrhunderts. Quelle: R. A. Müller: Geschichte der Universität, 1990, S. 189.

Mit der Imitation hochwertiger Materialien änderte sich das Konsumverhalten

Anfang des 20. Jahrhunderts änderte der Kunststoff das Konsumverhalten der breiten Masse. Bislang kauften weniger wohlhabende Menschen Produkte, die essentiell zum Leben waren , denn Luxusgüter waren schlichtweg zu teuer. Der preiswerte Kunststoff öffnete die Türen zum überflüssigen Konsum und lieferte Produkte zur Frage: Was brauche ich nicht, möchte ich aber haben?

Dass Plastik heute einen miserablen Ruf hat, geht nicht nur auf seine schlechte Umweltbilanz zurück, sondern auch auf die Imitation hochwertiger Materialien: Wo früher einzig Perlmutt an Halsketten oder Knöpfen glänzte, kommt nun der schimmernde Kunststoff Galalith zum Einsatz. Und wer sich keinen hochwertigen Parkettboden leisten konnte, greift jetzt zu Linoleum, was den Laien täuscht und den zusätzlichen Vorteil der Widerstandsfähigkeit mit sich bringt. 

Binnen weniger Jahrzehnte war Kunststoff überall zu finden, nicht nur in Accessoires oder Einzelteilen, sondern ganze Küchen und Möbelstücke wurden daraus hergestellt. Eine Welt aus Plastik entstand. Vorreiter des Trends war die italienische Designfirma Kartell.

Plastik erfüllte Träume und brachte universelle Lösungen mit sich

Eine Werbung der Hefty-Plastiktüten aus den USA der 60er Jahre. Foto: Roadside Pictures.

Kartell hatte sich bereits in den 1950er Jahren einen Namen als Unternehmen mit innovativen Designs gemacht. Der wirkliche Durchbruch gelang in den 1960ern mit der Sortimentserweiterung um Einrichtungsgegenstände. Sehr bekannt gingen daraus vor allem zwei Stühle hervor: der K1340 Kinderstuhl, bei dem es sich laut Kartell um den ersten Kinderstuhl einzig aus Kunststoff handelte, und der erste gewerblich hergestellte Kunststoffstuhl des Designers Joe Colombo. Seine Universale-Reihe wurde ihrem Namen gerecht, denn die Stühle waren Alleskönner. Man konnte sie stapeln, sie waren größenverstellbar, es gab sie in verschiedenen Farben und robust waren die Teile auch. Ergo: Alle wollten sie haben. 

Die Möglichkeit, sich moderne Designprodukte leisten zu können, beeinflusste nicht nur den Status Quo der Konsument*innen, sondern auch ihren persönlichen Blick in die Zukunft. Endlich konnte man am Markt mitreden und mithilfe des eigenen Geldbeutels die Nachfrage beeinflussen. Was ist beliebt? Was soll sich lieber nicht durchsetzen? Fragen, die nicht mehr ausschließlich von der wohlhabenden Gesellschaftsschicht beantwortet wurden. Der Markt wurde demokratischer und der Begriff „vote with your dollar”, der auf den Wirtschaftswissenschaftler James M. Buchanan zurückgeht, konnte nun aus der Mitte der Gesellschaft heraus umgesetzt werden. Eine Euphorie, die nur wenige Jahre später auf die Probe gestellt wurde.

Das Ende der Plastik-Ära und der Aufstieg der Umweltbewegung

Mit der Ölkrise kam auch langsam das Bewusstsein für die Konsequenzen von Plastik. Foto:Jasmin Sessler

1973 initiierten die OAPEC-Länder (Organisation der arabischen Erdöl exportierenden Staaten) einen Lieferboykott, der alle Länder betraf, die als „freundlich“ gegenüber Israel eingestuft wurden. Die politische Auseinandersetzung zwischen der arabischen Welt und Israel zeigte sich in der daraus resultierenden Ölpreiskrise in vielerlei Hinsicht, unter anderem in der Kunststoffherstellung. Nachdem Kunststoff viele Probleme gelöst und zudem den Genuss des überflüssigen Konsums angekurbelt hatte, wurde den Verbraucher*innen klar: Konsum ist politisch und Rohstoffe endlich. Kartells Preise schossen durch den plötzlichen Engpass in die Höhe. 

Es heißt, dass die 1970er die „Geburtsjahre des organisierten Umweltschutzes” waren. Plastik wurde plötzlich als Arbeitsmaterial nicht nur kritisch hinterfragt, sondern vor allem von der immer stärker werdenden Umweltbewegung abgelehnt. Wer sich bis dato nicht damit beschäftigt hatte, aus welchen Rohstoffen sich Endprodukte zusammensetzen und dass einer Konsumentscheidung eine Konsequenz folgt, erfuhr es nun auf unbequeme Weise. Und es traf viele dort, wo es am meisten weh tut: im Geldbeutel.      

Die gute Nachricht: Wie viel Macht bei den Verbraucher*innen liegt, wurde vielen Menschen in den letzten Jahrzehnten so bewusst, dass sich daraus spannende Strömungen hin zu mehr Nachhaltigkeit entwickelten. Heute ist Conscious Consumerism kein Nischentrend mehr und seine Möglichkeiten sind vielfältig.

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Kompendium: Conscious Consumerism

Nicht reden, machen! Wie Konsum zu Aktivismus wird

Kompendium: Conscious Consumerism

Nicht reden, machen! Wie Konsum zu Aktivismus wird

"Ich finde nämlich, wenn man seinen Kund*innen auf Augenhöhe begegnet, kann man sich selbst in der Operative eines Kollektivwissens verstehen.", sagt Mareike von NKM. Foto: Conny Mirbach.

Seit ein paar Jahren etablieren sich bewusste Konsumtrends aus ihren Nischen heraus und finden immer mehr Anhänger*innen. Alle von ihnen haben den Anspruch, durch ihr individuelles Handeln den Druck auf die Politik und damit die Wirtschaft zu erhöhen. Vier Menschen zeigen auf, wie Conscious Consumerism aussehen kann und wie bewusste Konsumentscheidungen mehr verändern als das eigene Leben.

Zero Waste: Steffi von Simply Plastic Free

“Wir müssen nach der Schockstarre der letzten Monate wieder mehr ins Handeln kommen und wirklich Veränderungen vorantreiben. Dafür müssen alle an einem Strang ziehen.”, sagt Steffi von Simply Plastic Free. Foto: Simply Plastic Free.

Anfang 2017 habe ich mit Freund*innen eine Reise nach Ägypten gemacht. In Kairo gibt es einen Stadtteil, der „Garbage City“ genannt wird. Dass dort viele Menschen unter übelriechenden Umständen und miserablen Hygienebedingungen leben müssen, hat mich echt schockiert. Während einer Zugfahrt sammelte der Schaffner den anfallenden Müll ein, ging zum Fenster und warf den kompletten Müllsack einfach hinaus. Danach habe ich angefangen, mich mit Müllverwertung und -entsorgung in Deutschland zu beschäftigen. 

Wer damit anfangen möchte, sollte das Schritt für Schritt tun. Daher spreche ich auch von Less statt Zero Waste. Beispielsweise kann man im Bad Produkte durch müllärmere Artikel, wie den Flüssigseifenspender durch eine Stückseife, ersetzen. Kleine Alltagstricks sind auch, in der Tasche ein Besteckset zu haben, womit man viel Einwegbesteck spart. Auch eine befüllbare Flasche und ein paar Stoffbeutel habe ich immer dabei. 

Offiziell liegt die Recyclingquote in Deutschland bei 45%. In Deutschland gilt Kunststoff aber schon als recycelt, wenn er bei einem sogenannten Entsorger angekommen ist. Was dieser dann damit macht, ist dann nicht mehr für diese Quote relevant. Nur knapp 16% werden wirklich zu Rezyklat verarbeitet. Der Rest wird entweder verbrannt oder ins Ausland verkauft. Und seit Anfang der Corona-Ausgangsbeschränkungen im März dieses Jahres ist der Verpackungsmüll in Privathaushalten nochmal um etwa 10% angestiegen. Wir müssen nach der Schockstarre der letzten Monate wieder mehr ins Handeln kommen und wirklich Veränderungen vorantreiben. Dafür müssen alle an einem Strang ziehen: Politik, Unternehmen und Privatpersonen. 

Steffi unterstützt mit GREEN Dein Team Unternehmen dabei, intern nachhaltiger zu werden. Hierfür bietet sie Workshops, Teamevents und Beratung an. Du findest sie auch auf Instagram: @simplyplasticfree.

Faire Mode: Nina von Fashion Changers

“Denn wir sollten gar nicht erst die Wahl haben, etwas Schlechtes zu kaufen.”, sagt Nina von Fashion Changers. Foto: Emilie Elizabeth.

Vor der Gründung der Fashion Changers hatte ich beruflich mit Mode und Innovation im baltischen Raum zu tun. Da bin ich zum ersten Mal auf Textilabfälle aufmerksam geworden. Nicht nur, wie viele Sachen in Kleidercontainern landen, sondern auch, wie viel überproduziert, jedoch nicht abgekauft wird. Ich habe mich damit auseinandergesetzt, wie die Modeindustrie funktioniert und über das Bloggen dann Vreni und Jana kennengelernt. 

Zusammen gründeten wir 2018 die Fashion Changers, 2019 dann das Onlinemagazin und im März 2020 erschien unser Buch. Wir wollen mit unserer Arbeit unter anderem darauf aufmerksam machen, dass der Fokus auf den Individualkonsum zu kurz gedacht ist, denn wir brauchen vor allem systemische Veränderungen. In der Fair-Fashion-Blase heißt es oft, dass dein Kassenzettel einem Stimmzettel gleicht, was wir kritisch sehen: Es suggeriert, dass die Macht alleine bei den Konsument*innen liegt und sich Lieferketten aufgrund ihrer Forderungen ändern. Das halten wir für utopisch. Nachhaltige Kleidung kaufen zu können, hängt zudem mit finanziellen Möglichkeiten zusammen und da sind wir dann bei der Gesetzgebung. Denn wir sollten gar nicht erst die Wahl haben, etwas Schlechtes zu kaufen. 

Ein anderer wichtiger Punkt ist die soziale Teilhabe: In der Mode sehen wir homogene Schönheitsideale. Meist sind Models weiß, weiblich, schlank und able-bodied, was jedoch nicht unsere vielfältige Gesellschaft abbildet. Wenn man den Anspruch hat, dass Mode von vielen Menschen getragen wird, muss sie divers und inklusiv sein. Mode ist ein Vehikel für Empowerment, wenn wir ihre Potenziale nutzen. In unserem Buch zeigen wir deshalb nicht nur Missstände auf, sondern geben auch Lösungsvorschläge – beispielsweise für sozial gerechte und nachhaltige Lieferketten.

Die Fashion Changers haben im Herbst 2020 ihre erste Konferenz zum Thema “Mode und Verantwortung” veranstaltet. Du findest sie außerdem auf Instagram: @fashionchangers.

Vegane Ernährung: Kathrin Heckmann alias Fräulein Draußen

“Ich glaube, dass bewusste Konsumentscheidungen die Welt verändern können, allerdings sollte die Verantwortung nicht alleine auf die Konsument*innen abgewälzt werden.”, sagt Kathrin Heckmann von Fräulein Draussen. Foto: Kathrin Heckmann.

Mit 13 Jahren habe ich zum ersten Mal erkannt, dass meine Tierliebe nicht mit dem Essen von Fleisch vereinbar war. Mit 17 konnte ich mich dann zuhause durchsetzen und etwas später habe ich erkannt, dass mir auch der Verzicht auf Fleisch nicht reicht. All die zusätzlichen Vorteile einer veganen Ernährung (Gesundheit, Klimaschutz, Welternährung) habe ich dann erst nach und nach entdeckt. 

Ob es ein Ultramarathon, eine mehrmonatige Wanderung oder eine 300 Kilometer lange Tagestour mit dem Rad ist: Mein Körper macht alles mit. Fakt ist, dass man mit einer veganen Ernährung (mindestens) genauso leistungsfähig sein kann wie mit einer „normalen”. Dafür gibt es mittlerweile genügend Beispiele in allen Sportarten und Leistungsstufen. Am meisten nervt mich das Vorurteil, dass man bei einer veganen Lebensweise wahnsinnig kompliziert auf seine Ernährung achten müsse, um alle wichtigen Nährstoffe zu bekommen – als würde alles Gute der Welt allein aus dem Euter einer Kuh kommen.

Vegane Ernährung sollte auf jeden Fall deutlich normaler werden und glücklicherweise ist sie aktuell auf dem besten Weg dorthin. Auf Dauer werden wir alle wohl sehr viel weniger tierische Produkte und vor allem auch sehr viel nachhaltiger essen. Zumindest, wenn wir auch in Zukunft diesen Planeten erhalten und die Weltbevölkerung ernähren können wollen. Die Menge an Ressourcen, die für die Herstellung von tierischen Lebensmitteln ver(sch)wendet wird, ist viel zu hoch. Übrigens: Wenn ich „wir” sage, meine ich den Teil der Menschheit, der nicht direkt von einer tierischen Ernährungsweise abhängig ist. 

Ich glaube, dass bewusste Konsumentscheidungen die Welt verändern können, allerdings sollte die Verantwortung nicht alleine auf die Konsument*innen abgewälzt werden. Verantwortungsbewusstes Handeln muss durch politische Entscheidungen vereinfacht werden. 

Kathrin Heckmann führt Deutschlands bekanntesten Wanderblog und hat 2020 ihr erstes Buch veröffentlicht. Du findest sie außerdem auf Instagram: @fraeulein.draussen

Nachhaltige Inhaltsstoffe: Mareike von Naturkosmetik München

“Ich finde nämlich, wenn man seinen Kund*innen auf Augenhöhe begegnet, kann man sich selbst in der Operative eines Kollektivwissens verstehen.”, sagt Mareike von NKM. Foto: Conny Mirbach.

Ich komme ursprünglich von der Nordsee und bin die Tochter zweier Barfußparkbetreiber. Damit bin ich praktisch im Wald und am Wasser groß geworden. Seit 2015 rühre ich meine Kosmetik selbst an, hauptsächlich, weil ich so endlich Erfolge bei meiner unreinen Haut sah und mir immer aufs Neue individuell zusammenstellen kann, welche Extrakte sie gerade braucht. 

Heute bieten wir bei NKM antimikrobielle Toner, milde Reiniger und intensive Öle an. Alle sind so transparent, dass man sie selber anrühren kann. Bei den Inhaltsstoffen beschränken wir uns auf Pflanzen aus Deutschland und Umgebung, weil wir uns auf das besinnen wollen, was vor unserer Haustür wächst. 

In meiner Rührküche im Atelier kann ich entweder Produkte mit Laborstandard oder Rezepte für Selbstrührer*innen herstellen. Wer zu uns kommt, steht mitten im Entwicklungsprozess der Produktlinie. Ich finde nämlich, wenn man seinen Kund*innen auf Augenhöhe begegnet, kann man sich selbst in der Operative eines Kollektivwissens verstehen. 

Wenn ich meine Werte und Schwerpunkte kommuniziere, versammeln sich Menschen mit gleicher Gesinnung. Ich sehe deshalb die neueren, grünen Unternehmen als die Treiber einer Revolution in der Kosmetikbranche: Weg von den Stereotypen Konsum und Kapitalismus, hin zu einem verantwortungsvollen, sozialen und nachhaltigen Konsum.

Bei dem veganen Label NKM gibt es fertige Produkte, aber auch die Möglichkeit, selbst zuhause anzurühren. Du findest NKM außerdem auf Instagram: @naturkosmetikmuenchen

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Kompendium: Conscious Consumerism

Was passiert, wenn bewusster Konsum zur Investition wird?

Kompendium: Conscious Consumerism

Was passiert, wenn bewusster Konsum zur Investition wird?

Conscious Consumerism ist ein Trend, der zumindest in der Instagram-Blase und im urbanen Leben nicht mehr wegzudenken ist. Foto: Morning Brew.

Der heutige Conscious Consumerism wird oftmals als nette Geste abgetan, die nicht reicht, um Großes zu bewirken. Doch was, wenn der Trend größer gedacht wird als individuelle Konsumentscheidungen? Das direkte Investment in nachhaltige Unternehmen gewinnt immer mehr an Zuspruch und in der Finanzbranche zeichnet sich ab, dass grüne Investitionen der neue Standard werden können.

Conscious Consumerism ist ein Trend, der zumindest in der Instagram-Blase und im urbanen Leben nicht mehr wegzudenken ist. Doch bereits 2017 schrieb Alden Wicker, eine ehemalige Bloggerin für nachhaltigen Lifestyle, dass der Trend die Problematik des Wirtschaftssystems nicht an der Wurzel packen kann: „Konsum ist das Rückgrat der (amerikanischen) Wirtschaft, was bedeutet, dass ein individueller bewusster Konsum grundsätzlich zum Scheitern verurteilt ist”, so Wicker. 

Vom Tofuburger zum Beyond-Meat-Unternehmen

Eine weitreichende Alternative zu den Konsumentscheidungen Einzelner stellt das Investieren in nachhaltige Unternehmen dar. Denn wahrscheinlich ist es wirksamer, direkt in Unternehmen zu investieren, die an der Verbesserung von Beyond-Meat-Produkten arbeiten, als den Tofuburger im Restaurant zu bestellen. Der Wunsch vieler bewusster Konsument*innen nach besseren Produkten hat den Druck auf Unternehmen nämlich massiv erhöht, sich nachhaltigeren Prinzipien zu verschreiben, sofern sie erfolgreich bleiben wollen. 

Eine weitreichende Alternative zu den Konsumentscheidungen Einzelner stellt das Investieren in nachhaltige Unternehmen dar. Foto: Phuong Tran.

Nachhaltige, oder auch sogenannte grüne Investments, können in Fonds von erneuerbaren Energien getätigt werden, beispielsweise in Wind-, Wasser- oder Solarenergie. Da bewusster Konsum über Umweltschutz hinausgeht, kann der Fokus auch auf ethische und soziale Leitsätze gelegt werden. Doch wie findet man heraus, welches Investment das richtige für die eigenen Überzeugungen ist?

SRI und ESG als Wegweiser im Dschungel grüner Finanzierungsmöglichkeiten 

SRI steht für socially responsible investing. Beispielsweise entfernt der globale MSCI World SRI-Index automatisch Unternehmen, die auf Branchen wie Tabak, Waffen oder Öl spezialisiert sind. Doch was ist das überhaupt?

Bei ETFs (exchange traded funds) wie den genannten MSCI World SRI-Index handelt es sich um börsengehandelte Indexfonds: Mittels eines Wertpapiers kann in ganze Märkte investiert werden. Eine Lösung für alle, die ihre Investitionen breit streuen, dabei aber wenig finanzielles Risiko eingehen und trotzdem gute Rendite haben möchten. Außerdem ist es bei manchen Anbietern möglich  mit nur 25 Euro Startkapital einzusteigen. Es gibt vielversprechende ETFs und gute Übersichten zu nachhaltigen Wertpapieren.

Der ESG-Index wird als magisches Dreieck bezeichnet. Die Abkürzung steht für Environment, Social und Governance. Das bedeutet, dass Unternehmen, die unter diesen Index fallen, sich zu Umweltschutz, sozialem Engagement und guter Unternehmensführung verpflichten. Eine breite Aufstellung, die es möglich macht, Firmen ganzheitlich unter die Lupe zu nehmen. Laut der Deutschen Bank sind ESG-Investitionen besonders in Europa beliebt, denn die Suchanfrage hat sich seit 2019 bereits verfünffacht. 

Seit März 2020 gibt es den DAX 50 ESG, der jedoch viel Kritik von Umweltverbänden bekommen hat, da auch Unternehmen wie Bayer und Daimler darin vertreten sind. Auch hier gilt also: einlesen und individuell entscheiden.

Power to the people mit Crowd Investment

Die EU arbeitet derzeit außerdem an einem Klassifizierungssystem, in dem Unternehmen transparent aufzeigen müssen, inwiefern sie Nachhaltigkeit integrieren. Foto: Anne Nygård.

Direkt und unabhängig von der Börse kann man sein Geld in nachhaltige Unternehmen mittels Crowd Investment anlegen. Dieses Angebot hat sich in den letzten Jahren als Finanzierungsform etabliert und wächst enorm. Auf diversen Plattformen ist es möglich, sich über aktuelle Projekte zu informieren, in Kontakt mit Start-ups zu treten und auch direkt zu investieren. Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Beispielsweise kauft man beim equity based Crowdfunding eine Beteiligung an Unternehmen, auch an solchen, die vielleicht gerade erst entstehen. Somit ist man am jährlichen Gewinn beteiligt. Beim lending based Crowdfunding wird im Vorfeld ein definierter Prozentsatz zur Verzinsung festgelegt. 

Viel Einfluss, aber auch viel Risiko, deshalb sollte man hier nur das Geld investieren, dass man im Zweifel auch gewillt ist zu verlieren. Trotzdem stellen Crowd Investments einen spannenden Trend dar, denn das Prinzip „vote with your dollar” kann nicht nur ohne Mittelsmann und transparent von Konsument*innen umgesetzt werden, es können auch durch privates Investieren ganze Unternehmen entstehen.

Money makes the world … greener?

Es ist noch nicht so einfach, leere Nachhaltigkeitsversprechen von Unternehmen, die sich zu grünen Lösungen verpflichten, unterscheiden zu können. Hilfreiche Tipps und Tools zum nachhaltigen Investment gibt es beispielsweise zusammengestellt im Trendradar vom Handelsblatt Research Institute.

Die EU arbeitet derzeit außerdem an einem Klassifizierungssystem, in dem Unternehmen transparent aufzeigen müssen, inwiefern sie Nachhaltigkeit integrieren. Dr. Nadine Strauß, die zum Thema nachhaltige Finanzierung forscht, weist dahingehend auf das riesige Potenzial des Finanzsektors hin, wo große Geldsummen bereitstehen, die für nachhaltige Projekte verwendet werden können. Heutige Konsument*innen können somit zu privaten Investor*innen werden und die Wirtschaft von Morgen zusätzlich beeinflussen.

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What goes around, comes around: die Konsumrevolution

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What goes around, comes around: die Konsumrevolution

Auf der Plattform „Circles” sind fast ausschließlich Unternehmen gelistet, die sich der Kreislaufwirtschaft verschrieben haben. Foto: Nadine Shaabana.

Im Jahr 2080 sucht Ava für ihre bevorstehende Hochzeit das perfekte Kleid. Auf der globalen Plattform „Circles” sind fast ausschließlich Unternehmen gelistet, die sich der Kreislaufwirtschaft verschrieben haben. Die wenigen Firmen, die noch immer nicht nachhaltig agieren, wurden längst in Nischen gedrängt und müssen sich vollkommen transparent geben. Ava schaut sich trotzdem auch bei diesen Anbietern um und stellt fest, dass selbst ihr Hochzeitskleid eine bewusste Konsumentscheidung sein muss.

Seit fünf Jahren gibt es die global aufgestellte grüne Plattform „Circles”. Der Werbeslogan: „Wir imitieren die Fülle und Diversität der Natur nicht. Wir nutzen sie.” 

Die grüne Plattform als Resultat einer globalen Revolte

Über die letzten Jahrzehnte hinweg haben Millionen Menschen es geschafft, mit ihren Konsumentscheidungen und ihrem Aktivismus politischen Einfluss zu nehmen. Schließlich entstand „Circles” mithilfe von Expert*innen und Wissenschaftler*innen auf dem Gebiet der Kreislaufwirtschaft. 90 Prozent aller Artikel, die hier verkauft werden, von der Klobürste bis zum Auto, werden in Unternehmen produziert, die sich der Kreislaufwirtschaft verschrieben haben. Deshalb sind Name und Werbeslogan eine Anspielung darauf, dass das vermüllte Zeitalter von Recycling keine dauerhafte Lösung war. 

Die Designerin erinnert Ava daran, wie lange es gedauert hat, dass nachhaltige Produkte der neue Mainstream wurden. Dies war nur durch den Druck der Konsument*innen und der hohen Nachfrage grüner Investitionsmöglichkeiten möglich. Foto: Taylor Heery.

Für die Konsument*innen von „Circles” gibt es die Möglichkeit, direkt in das Unternehmen zu investieren. Jeder Kauf über die Plattform wird in ein Punktesystem übersetzt, was bedeutet: Je mehr Punkte, desto höher die Anteile. Alle Produkte auf der Plattform sind zertifiziert. Je grüner das Label eines Produktes, desto weiter oben im Ranking wird es mit einem grünen Badge gelistet. Alle Unternehmen, die noch im Prozess der Verbesserung sind, verfügen über eine gelbe Kennzeichnung. Ein rotes Label gibt es bei der Plattform nicht, denn diese Unternehmen werden nicht sichtbar gemacht.

Ava nutzt, wie alle Menschen, die sie kennt, „Circles”. Sie ist 25 und nachhaltige Mode ist für sie eine Selbstverständlichkeit, über die sie nicht weiter nachdenkt. Alles bleibt in Kreisläufen, von denen sie wenig versteht und die sie, um ehrlich zu sein, auch nicht wirklich interessieren. Doch sie mag die Vorteile der Plattform, wie beispielsweise, dass man genutzte und auch kaputte Produkte einfach zurückschicken kann. Außerdem findet Ava es praktisch, dass viele Dinge mittels eines 3D-Druckers zu Hause entstehen: Auch wenn ihre Hochzeit erst in sechs Monaten stattfindet, beruhigt sie die Tatsache, dass sie bis zuletzt die Maße anpassen und über Nacht super praktisch ausdrucken lassen könnte. 

Der beliebte Mainstream wurde zum zwielichtigen Nischenprodukt

Ava ist das Design ihres Kleides jedoch ersteinmal wichtiger als eventuell umweltbelastende Materialien. Also schaut sie sich zuerst bei Fast-Fashion Marken um. Die haben zwar schon seit Jahrzehnten einen schlechten Ruf, aber sicher ist sicher. 

Sie klickt sich durch das Web und findet ein paar schöne Kleider, die sie mag. Doch unter jedem Produkt sind die verwendeten Materialien transparent aufgelistet: Perlen und Pailletten aus Kunststoff, Chiffon und Taft aus herkömmlicher Seide, mit Chemikalien aufbereitete Baumwolle … Ava schließt genervt die Tabs, denn auf schlechte Qualität und kratzende Materialien hat sie keine Lust. Auch wenn die Kleider irrsinnig billig sind und zumindest auf den Fotos gut aussehen.

Für die Konsument*innen von „Circles” gibt es die Möglichkeit, direkt in das Unternehmen zu investieren. Jeder Kauf über die Plattform wird in ein Punktesystem übersetzt. Foto: Tron Le.

In den darauffolgenden Wochen hat Ava auf „Circles” zwei Hochzeitskleider in die engere Auswahl genommen und der Freundin ihrer Mutter, einer Designerin, die Links geschickt. Das eine Kleid ist mit einem gelben Badge versehen, da den Fabrikarbeiter*innen zum Zeitpunkt der Herstellung lediglich der Mindestlohn bezahlt wurde. Bei dem Kleid handelt es sich um einen Restbestand der Firma und ist deshalb auch um 50 Prozent reduziert. Das andere Kleid ist grün gelabelt und schlicht, genau so, wie Ava es sich vorgestellt hat. Aber ein passender Schleier fehlt.

Radikale Lösungen brauchen radikale Denkweisen

Die Designerin erinnert Ava daran, wie lange es gedauert hat, dass nachhaltige Produkte der neue Mainstream wurden. Dies war nur durch den Druck der Konsument*innen und der hohen Nachfrage grüner Investitionsmöglichkeiten möglich. Es sei wichtig, so die Freundin ihrer Mutter, diesen hohen Standard aufrechtzuerhalten. Deshalb überredet sie Ava, das Kleid mit der grünen Zertifizierung zu bestellen. Sie argumentiert, dass die Hochzeit nicht auf dem Rücken von Natur, Umwelt oder anderer Menschen stattfinden sollte. Außerdem könne sie ein so schlichtes Kleid mit wenigen Handgriffen umnähen und ein Leben lang tragen.

Die Freundin bietet Ava an, einen passenden Schleier selbst zu entwerfen. Durch ihre Arbeit hat sie sowieso viele nachhaltige Stoffreste wie Spitze aus Bio-Baumwolle herumliegen. Ava stimmt zu und als sie auf „Kaufen” klickt, stellt sie fest, dass sich diese Entscheidung gut und richtig anfühlt. Sie nimmt das Angebot der Designerin an und erklärt ihr, wie der Schleier aussehen soll. Diese beginnt nach Avas Vorstellungen zu zeichnen. Wenige Sekunden später bekommt Ava die Benachrichtigung von „Circles”, dass sie 1000 grüne Punkte gesammelt hat, die sie bei ihrem nächsten Kauf einlösen kann. Ava überlegt, was sie als nächstes shoppen könnte. Denn auch „Circles“ braucht Menschen, die kaufen.

Zum Anfang Fleisch in der Steinzeit – Kein Konsum ohne Spiritualität
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